Trujillo

Trujillo mit der WG (26.10.2012 – 28.10.2012)

Um 6 Uhr früh ging der Bus, wir fuhren vier Stunden an der Küste entlang. Auf einem Mal tauchten riesige Müllberge auf. Wir haben sogar gesehen, wie ein LKW gerade Müll abgeladen hat, einfach so auf riesige Flächen Sand, die er unter sich begräbt, und darauf ewig liegen bleibt, die hässlichen schwarzen Vögel anlockt und die Umwelt verpestet – war schon leicht schockierend.
Doch bevor wir in den Bus sind hat sich ein kleiner Junge neben Simon gesetzt und ihn gefragt, wo er herkommt etc. Das war leicht verwirrend, man schwebt hier immer zwischen Skepsis und Zuneigung. Er hat wohl auch oft auf unsere Taschen geguckt und war recht nervös. Ich meinte aber zu Simon, dass solche Tricks wohl eher bei Frauen funktionieren und er wohl wirklich nur Interesse hat. Später kamen dann auch seine Mutter und Oma und er meinte in Trujillo zu Simon, dass wir hier auf unsere Sachen aufpassen müssen, weil es viele Diebe gibt – Ironie des Schicksals!
Am Strand von Huanchaco warteten die anderen aus der WG schon auf uns und sonnten sich. Wir zogen uns um und chillten auch eine Weile. Nach frittiertem Fisch, Limonade und Pisco Sour ging es noch über den „Markt“, naja ein paar Stände zum Souvenirs shoppen, bis Janik meinte, es wäre Zeit surfen zu gehen. Dina und ich mit Lehrer, Simon, Tomas, Janik und Ann-Marlen ohne. Wir waren ganz schön aufgeregt. Erst einmal zog ich den Neoprenanzug falsch herum an, also aus dem nassen Zeug wieder raus und erneut rein quetschen. Das Anziehen allein war schon anstrengend genug. Am Strand gab es dann erst einmal Aufwärm- und Trockenübungen, bevor es ins Wasser ging. Puh war das kalt, inzwischen war die Sonne auch weg. Also rauf aufs Board und ins Meer paddeln. Die ersten paar Male ging gar nicht, aber nach dem dritten Mal stand ich sogar kurz, das war ein geiles Gefühl. Er meinte, dass die erste Stunde die beste wäre, aber ich glaube das Beste ist, wenn man es wirklich schafft, seine erste Welle bis zum Schluss zu reiten, egal in welcher Stunde.
Nach der Hälfte mussten wir raus, weil Dina ihren zweiten Wadenkrampf im Wasser hatte, also gab es ein paar Dehnübungen und eine neue Technik. Mir war inzwischen richtig kalt, die Sonne war weg und alles hatte eine gräuliche Färbung angenommen. Um uns herum wateten riesige Pelikane durch den Sand, ohne jegliche Angst vor Menschen und die letzten Schiffer legten mit den Strohbooten, die typisch für den Titicacasee sind, an. Eigentlich ziemlich romantisch. Das Surfen geht extrem auf die Arme und am Ende ist man auch recht fertig! Abends ging es dann nach einer warmen Dusche noch auf eine Hausparty von einer Freundin von Janik.

Am darauffolgenden Tag ging es zu Chan Chan, eine riesige Stadt um 1300 aus Lehm errichtet. Einiges steht heute noch, einiges eben auch nicht mehr. Danach ging es zum Huaca de la Luna y del Sol, eines davon sah aus wie eine Sphinx und am Ende noch Trujillo, mal eine etwas andere peruanische Stadt. Meerschweinchen gab es zur Abwechslung auch mal wieder, auch wenn ich unter lauten „Ihh“-Aufschreien essen musste, von Leuten, die leider noch nicht einmal probiert hatten. Hauptsache die Ente auf dem eigenen Teller konnte man sich nie als Haustier halten und wird deshalb auch mit ganz anderen Gefühlen betrachtet, als das fette, hässliche Meerschweinchen. Und keine Angst, umgebracht werden die hier ganz schnell. Schwer zu essen sind sie trotzdem noch immer, also habe ich ziemlich schnell mein Besteck liegen gelassen und das Ding auseinander genommen. Yamir meinte dann, dass ich ja schon weiß, wie man das isst. Naja, so wie es eben am einfachsten isst. Man will ja bei dem wenigen Fleisch auch zumindest alles abbekommen.
Am letzten Tag war so schlechtes Wetter, dass wir uns in voller Montur an den Strand setzten bis wieder ein Straßenhändler ankam, der Armbänder verkaufen wollte. Yamir holte sich eins und ich habe mich daraufhin zur Frau vom Verkäufer gesetzt, die aus Deutschland kam. Wir haben uns dann ein wenig unterhalten. Sie hat ihn vor einem Jahr in Cusco kennen gelernt und ist jetzt vor 4 Monaten nach Peru zurück gekehrt um mit ihm rumzureisen. An Ampeln führen sie dann Kunststücke auf oder verkaufen Armbänder an Touristen. Sie übernachten oft im Zelt und manche Tage erst spät abends was zu essen leisten, weil eben davor niemand kommt um etwas zu kaufen. Sie hat mir auch von der Art erzählt, wie Peruaner mit ihren Freundinnen umgehen. Für Peruaner ist man immer ein Besitz, sie sind wohl furchtbar eifersüchtig. Sobald man nur eine falsche Andeutung einem Freund gegenüber macht oder dieser etwas falsch versteht, wird einem sofort unterstellt, dass da doch mehr im Spiel wäre. Das hat sie wohl schon von mehreren Paaren gehört und ich habe es selbst auch schon beobachtet. Alle Kerle haben ein wachsames Auge auf ihre Partnerin, aber sobald eine hübsche Frau auftaucht, vergessen sie diese auch mal ganz schnell und Europäer haben hier noch einen ganz anderen Wert. Hauptsache die Frauen spuren, verheiratete dürfen nicht mehr allein mit ihren Freundinnen ausgehen, wohl nur noch mit ihrem Ehemann. Nur glaube ich, dass sie eh nicht mehr die Zeit dazu haben, denn nach der Ehe gibt es sowieso ein Kind nach dem anderen. Darüber unterhielten wir uns also, während sie mir zeigte, wie ich mir eine Kette für meinen Anhänger knüpfen kann. Ich kaufte ihr dann noch Band ab um meinen zweiten Anhänger genauso zu verknüpfen und ging dann als es dunkel wurde los um die anderen zu suchen. Als ich sie nicht wiederfand, setzte ich mich noch kurz zu ihnen in ein Restaurant, wo noch andere Traveller saßen, unter anderem zwei deutschen Mädels, die ihre Wohnung aufgegeben haben und jetzt zwei bis drei Jahre durch die Welt reisen.
Am späten Abend ging es dann mit dem Bus wieder nach Lima. Nach über einer Woche reisen, fühlte es sich schon sehr merkwürdig an, wieder ins temporäre Zuhause zu fahren.

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