Markahuasi

Ein Ausflug in den Zoo und Camping in Markahuasi (22.09. – 30.09.)

Lange kein Lebenszeichen und viel wichtiger, vermute ich, auch keine Bilder mehr von mir. Also lege ich mal los.
Das Erdbeben kam natürlich nicht, genauso wenig wie der Untergang der Welt, nur einmal kurz hat es wohl gewackelt in Lima, immerhin auf Stärke 4, aber bis zum Meer runter und bei uns in die Gegend hat es das kleine Erdbeben nicht geschafft. Schon ein komisches Gefühl, wenn dir Leute aus der gleichen Stadt schreiben, dass es gerade bei ihnen bebt und du selbst spürst nichts.
Dementsprechend stand unserem kleinen Familienausflug in den Zoo auch nichts mehr im Wege. Der Park war identisch wie auch Peru eingeteilt in die drei bekannten Zonen, Küste, Berge und Dschungel. Vor allem war es eben ein süßer Ausflug mit Astrid, ihrer Mutter und ihrer kleinen Schwester, die genauso wie ich gerade dabei war Spanisch zu lernen und ihre Schwester anstelle von hermana immer mana nannte. Im Anschluss gab es dann noch richtig lecker Pizza bei Pizza Hut, endlich mal wieder und genau wie bei McDonalds, gibt es auch hier wieder Aji zum Essen, so ganz ohne peruanischen Einfluss kommen die amerikanischen Ketten hier halt nicht aus. Das Problem ist nur, dass man sich hier daran gewöhnt, nachdem man sich für 3 Soles seinen Burger geholt hat, erstmal 6 verschiedene Gratissoßen zur Verfügung zu haben, anstelle von einer kleinen Packung Ketchup. So wenn ich schon wieder beim Essen bin, will ich noch diesen kleinen Einschub machen. In meiner Persönlichkeitspsychologievorlesung haben wir (zum 20. Mal in meinem Leben jetzt) die Bedürfnispyramide von Maslow durchgenommen und dort hatte der Prof in den Folien bei physiologischen Bedürfnissen ein Foto von peruanischen Essen. Er wollte gerade ansetzen zu erzählen, da wurde er von einem lauten „que rico“ (wie lecker) von allen aus der Klasse übertönt und leider blieb ihm dann auch erstmal die Möglichkeit verwehrt weiterzureden, weil das Essen erst einmal lauthals analysiert wurde. War nicht schlimm, er hat bereitwillig mitgemacht. Das nenn ich doch mal eine nette Abwechslung für Zwischendurch. Das Wissen gleich mit dem wichtigsten Thema für die Peruaner verbinden, dann bleibt es sicher im Kopf.
In der darauffolgenden Woche sollten Bustickets in die Berge gebucht werden, die waren aber auf einem Mal dreimal so teuer, weshalb wir nach 1,5h Warten in der Schlange endlich vor der Kasse angekommen, uns doch dazu entschieden, etwas anderes zu machen. Also ging es nach Markahuasi, Astrid, ihre peruanischen Freunde und ich machten sich also am Samstag auf den Weg mit Zelt und allem drum und dran. Ich meinte am Freitag, alle müssen pünktlich um 5:45 Uhr da sein, weil das eine organisierte Aktion über Facebook war und sich die Leute um 6 Uhr trafen. Ich kam dann um 6:10 Uhr als Erste an (Ja, ich wollte noch gemütlich Frühstücken) und es saßen bis dahin nur Leute aus den anderen Gruppen da. Kurz danach kamen dann Astrid und zwei Freunde eingetrudelt, alle mit viel mehr Gepäck als ich, da sie ja noch die Zelte mitschleppten. Nur eine Freundin fehlte noch, um 6:30 Uhr rief ihr Freund sie dann mal an, als die andere Gruppe anfing sich Taxis zu suchen, nur um zu erfahren, dass sie noch bei sich zu Hause war, aber jetzt los gehen wollte. 10 Minuten später war sie noch immer zu Hause (und sie braucht eine Stunde von zu Hause zum Treffpunkt), also entschieden wir ohne sie ein Taxi zu nehmen und sie müsse hinterherfahren. Im Auto erklärte mir dann Astrid die Uhrzeit, weil ich sie noch immer so sagte, wie in der Uni gelernt und das natürlich in Peru wieder ganz anders war. Als ich meinte es wäre 7 und 25, erzählte sie mir, dass man das so nicht sagt. Eigentlich wird hier nur im Viertelstundentakt gedacht. Deshalb schließt die Aussage „Wir treffen uns pünktlich um 5:45 Uhr“ auch die Uhrzeiten von 5:30 bis 6 Uhr in die Zeitspanne „pünktlich“ mit ein, aber eigentlich sind die Meisten dann doch eher eine halbe bis zu einer Stunde später da. Soviel zum peruanischen Zeitgefühl.
Als wir dann nach 5-6 Stunden Taxi- und Busfahrt endlich in einem kleinen Dorf namens San Pedro auf 3180m Höhe ankamen, war dort erst einmal nichts, außer den ganzen Eseln, die auf uns warteten. Als erstes sind mir aber hier in diesem Nichts die ganzen Schilder zum Aufladen der Handykarte aufgefallen, Hauptsache man hat selbst kaum mehr als einen Balken. Dort gab es dann erst einmal Mittag, noch nichts geleistet, aber schönes Lomo Saltado, eigentlich aus Rückenmark vom Rind, nur bei dem Preis und weil dort so viele Straßenhunde rumliefen, meinte Astrid scherzhaft(?), dass es wohl aus Hundefleisch gemacht worden ist. Den Peruanern ist in dem Fall alles zuzutrauen. Wenn man in Deutschland eine Suppe im Restaurant essen müsste, wo so große Fleischstücken drin rumschwimmen, dass du sie kaum auf den Löffel kriegst und dort noch überall Haut, Knochen und Knorpel dran hängt, würden das wohl viele stehen lassen, hier kriegt man es selbst in teuren Restaurants so serviert. Generell habe ich das Gefühl, dass die Peruaner ihre Tiere einfach einmal komplett verwerten und du dann ein Mix aus allem auf den Teller hast, so fühlt sich das zumindest manchmal im Mund an.
Bei der Höhe kann es ja gerne mal zu Kopfschmerzen kommen, weshalb sich die Peruaner Cocablätter gekauft haben. Ich habe von Astrid probiert, in den Mund nehmen und kauen, aber nicht runterschlucken. Astrid hat sich dabei noch munter mit Cesar unterhalten, während sich bei mir immer mehr Spucke sammelte, so dass ich es dann ziemlich schnell wieder ausgespuckt habe, hat auch nicht geschmeckt, und wirklich geholfen anscheinend auch nicht, denn Astrid hat sich trotz einer ganzen Tüte am Abend noch zweimal übergeben und mit enormen Kopfschmerzen zu kämpfen gehabt.
Dann ging es endlich los, die Esel trugen unsere Rucksäcke und wir liefen hinterher. Eigentlich dürfen die Tiere ja nur 40kg tragen, aber Jorge hat sich mit seinen 90kg (bevor er das wusste) dort raufgesetzt. Ja ein schlimmes Leben, aber die lassen sich ja eh nichts anmerken, gucken immer gleich doof.
Während wir die knapp 1000m hoch liefen, kamen wir an vielen verschiedenen Vegetationsschichten vorbei. Zuerst gingen wir durch nichts, dann kamen überall Kakteen und auf einem Mal waren überall rote Steine und der Sand nahm auch eine rote Verfärbung an, sehr skurril. Nach 3,5 Stunden war ich dann von unserer 6er Gruppe die erste oben beim Campingplatz, mir war dann aber auch gut schwindelig. Ich hab mich dann gleich an den Aufbau der Zelte gemacht, kurz danach kam Cesar und wir haben schnell zwei gemeinsam aufgebaut, bevor es zum sagenhaften Sonnenuntergang ging, den die anderen leider verpasst haben. Egal aus welchem Land, alle die ihn gesehen haben, meinten, es wäre der schönste ihres Lebens gewesen.
Als wir wieder unten waren, war es dunkel, aber immerhin waren die anderen inzwischen da. Astrid und Ingrid hatten noch eine halbe Stunde auf dem Weg gesessen um zu Essen und sind deshalb erst so spät hoch gekommen und Jorge war Gentleman und hat auf die beiden gewartet. Dann kam der krasseste Part des Abends, Astrid musste sich wie gesagt übergeben und dachte ihr Kopf würde platzen, mir ging es hervorragend. Wir hatten extra Rum und Cola gekauft um die kalte Nacht besser zu überstehen, nur wollte kaum jemand, so dass ich fast allein eine halbe Flasche Rum austrank. Dazu gab es Marshmallows über dem Lagerfeuer (Was viel besser ist, als über der Kerze meine Lieben 😉 ). Zwischen 19 und 20 Uhr gingen wir dann aber alle ins Bett. Die andere Gruppe machte noch bis spät in die Nacht hinein Musik und hat getrunken. Ich bin dort jedes Mal vorbei wenn ich pullern musste, was nach einem Liter Cola und ½ Flasche Rum ziemlich oft passierte. Auf das öffentliche Klo wollte ich aber nicht, weil das eh nur aus einem Loch im Boden bestand und das haben die Leute leider nicht getroffen.
Astrid und ich schliefen in einem Zelt und ihr ging es glücklicherweise immer besser, so dass es auch nicht schlimm war, als ich auf Grund meines Alkoholkonsums etwa 10 Minuten grundlos am Stück lachen musste. Aber denkt euch mal nicht, dass Alkohol wirklich warm hält. Ich habe die ganze Nacht bitter gefroren, während Astrid nur kalte Füße hatte. Mir ging es auch immer schlechter, weil ich nicht schlafen konnte, aber der Alkohol nachließ und mit der Höhe war das dann wohl doch keine gute Idee. Um vier Uhr morgens dachte ich, schlimmer kann es nicht mehr werden und füllte mir noch ein wenig puren Rum in den Becher, hatte dann aber auch keine Wirkung mehr. Es war auch zu der Zeit, als Astrid ungefähr alle 10 Minuten fragte, wie lange es noch bis zum Sonnenaufgang dauern würde und ich immer genau antworten konnte, weil ich sowieso die ganze Zeit den Blick auf der Uhr hatte. Es war die kälteste Zeit der Nacht, so kurz vor dem Sonnenaufgang und überall auf dem Campingplatz hörte man Geflüster, weil wohl niemand mehr wirklich schlafen konnte. Es wurde hell, aber die Sonnenstrahlen kamen nicht, da ging es mir am schlechtesten und Astrid deckte mich mit allem zu, was wir im Zelt hatten, jaja der böse Kater. Mit der Sonne kam dann aber auch die Freude wieder und nachdem ich einmal durchgewärmt war, ging es mir deutlich besser.
Unsere Esel wurden wieder beladen und wir machten uns gegen 10 Uhr auf den Weg durch verschiedene Felsformationen wieder nach unten. Ich habe kaum Luft bekommen, Astrid und ich mussten uns nach allen drei Schritten hinsetzen und nach Luft schnappen. Das macht dann wohl die Höhe.
Wieder in San Pedro, wieder Hund gegessen, wurde ich inzwischen von völlig unbekannten Peruanern angesprochen, dass ich aussehe wie eine Tomate und ob ich nicht Sonnencreme haben will. Ach quatsch, was solls, ich merk doch noch gar nichts. Ich machte mich noch lustig über die Peruaner, die sich ihr schon dunkles Gesicht mit Sonnencreme wieder weiß machten, am nächsten Morgen wusste ich sofort, warum sie das gemacht hatten. Mich erwartete der schlimmste Sonnenbrand meines Lebens, inklusive Verschorfung im Gesicht.
Na gut, aber erstmal mussten wir in San Pedro noch zwei Stunden länger als geplant auf unsere Esel warten. Da wurden dann selbst die Peruaner ungeduldig und wollten nicht mehr zahlen, so dass die Frau dann in den Bus einstieg und dort noch ewig mit uns diskutierte. Im Endeffekt zahlten Astrid und ich dann jeweils einen Sol, ein anderer Kerl etwas mehr, so dass sie den Bus verließ und wir endlich Richtung Lima starten konnten. Das Problem war nur, dass die Abfahrt sich als sehr aufregend herausstellte. Wir hatten wohl einen lebensmüden Fahrer erwischt. Er feuerte die Serpentinen nur so runter. Anstelle vor den Kurven zu bremsen, wurde nur gehupt und gehofft. Über Unebenheiten bretterte er nur so drüber hinweg, was uns jedes Mal aus dem Sitz hob. Einmal wurden wir so hoch geschleudert, dass ich danach auf einer Flasche von irgendjemand saß, meine Kamera ihren Platz in Jorges Schoß gefunden hatte und unsere Rucksäcke auch kreuz und quer im Gang lagen. Wir haben dann gesehen, dass dort noch ein Auto kam, aber unser Busfahrer ist trotzdem weiter gefahren und das Problem war, dass die Piste gerade mal so breit ist, wie ein Auto, ohne Absperrung geht es dann gleich mehrere hundert Meter in den Abgrund. Also wollte er gerade weiterfahren, als die Peruaner im Bus aufsprangen und schrien, „Senor, da kommt ein Auto!“ Also musste der Busfahrer im Rückwärtsgang ohne was sehen zu können nach hinten fahren zur nächsten Ausbuchtung. Da waren dann alle im Bus gefragt um ihn richtig zu koordinieren, das ist mal eine Erfahrung! Glücklicherweise waren wir so k.O. von der Nacht davor, dass wir es echt geschafft haben bei dem Fahrstil einzuschlafen und erst wieder aufzuwachen als wir auf einer sicheren Straße waren. Ansonsten war es echt eine schöne Fahrt gewesen, eine wahnsinnig tolle Erfahrung und das mit richtig netten Menschen. Die schönsten Reisen macht man wirklich mit den Peruanern selbst! Denn trotz Verständigungsproblemen haben Astrids Freunde mich immer wieder gefragt, wie es mir geht und versucht, mit mir Gespräche anzufangen, also echt wahnsinnig offen und interessiert, so wie fast alle Peruaner, die ich bis jetzt kennen gelernt habe.
Im Bus nach Lima sind wir dann leider an ein richtiges Arschloch geraten. Er hat gesagt, dass der Bus ein Direktbus wäre, ohne zwischendurch zu halten und deshalb den Preis auf 5 Soles hochgeschraubt. Aber natürlich hat er zwischendurch immer wieder angehalten, um noch mehr zahlende Kunden einzusammeln. Er hat Frauen, die offensichtlich wenig Geld zur Verfügung haben, um das auch noch betrogen, bis die Leute im Bus anfingen mit ihren Füßen auf dem Boden zu trampeln und ein kleines Mädchen meinte, dass sie, wenn er nicht aufhört, sich auf den Boden setzen und rumtrampeln wird. Dadurch ist er dann durchgefahren und es kam ziemlich schnell wieder gute Stimmung auf, die Leute fingen wieder an zur Musik zu summen. Es ist Wahnsinn, wie schnell sich die Leute hier wieder fangen.

Kategorien: Markahuasi, Peru | Hinterlasse einen Kommentar

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