Islas Ballestas

Die schönsten Aussichten in den Anden (01.10. – 14.10.)

Nach wenig Schlaf ging es dann am Montag im Rahmen einer organisierten Tour auf die Islas Ballestas, einer Insel auf der jeder Zentimeter mit Vögeln oder Robben bedeckt ist. Es ist unglaublich zwischen all den Vögeln mit dem Boot durchzufahren und ich verstehe bis heute nicht, warum gerade auf diesen Felsen sich so viele auf einer Stelle befinden. Dementsprechend gibt es auch keinen Felsen mehr, der nicht weiß von Vogelkacke ist, die mehrmals im Jahr komplett gereinigt und dann teuer verkauft wird. Nur leider hätte ich den Ausflug beinahe verschlafen. Als Astrids Mutter mich zum dritten Mal anrief um zu fragen, wo ich denn bleibe, bin ich endlich wach geworden, nur leider war das genau zu der Zeit, als der Bus los fahren sollte. 10 Minuten später stand ich vor Astrid, die mich lächelnd begrüßte. Wie können die Peruaner so ruhig sein??? Ich bin fast wahnsinnig geworden vor Angst, aber natürlich fuhren wir erst eine halbe Stunde später los.
Nach den Islas Ballestas ging es nochmal nach Huacachina, dieser Oase, weil Astrid noch kein Sandbording ausprobiert hat. Bei mir setzte gleich ein Gefühl von tiefer Entspannung ein, als wir in die Wüste einbogen. Ein richtig toller Ort um einfach jeglichen Stress zu vergessen. Diesmal habe ich mich dann sogar mal getraut, im Stehen auf dem Board den Hügel runter zu gleiten.

Abends ging es dann etwas früher ins Bett und am nächsten Tag wurden schon Sachen für Huaraz gepackt, eine Woche in den Bergen. Abends ging es mit Simon, einem anderen Deutschen, der hier im Haus wohnt, los. Wir fuhren die ganze Nacht durch und wurden morgens direkt abgeholt zum viertägigen Santa-Cruz-Trek. Mit Schweizern, Israelis, Franzosen und einem Argentinier liefen wir dann vier Tage lang durch die schönen Anden. Es wird nicht umsonst als eine der schönsten Gebirgsketten der Welt bezeichnet, es ist einfach atemberaubend. Und dieses Wort beschreibt es ziemlich genau, am zweiten Tag gab es den schlimmsten Anstieg, wir sind auf über 4000m Höhe gestiegen. Wieder eine, die sich trotz Höhentablette übergeben musste, ich hatte extreme Atem- und Kreislaufprobleme. Nach dem höchsten Punkt auf dieser Tour kamen noch Kopfschmerzen hinzu, aber die Aussicht war all die Strapazen wert. Es schliefen immer zwei Personen in einem Zelt und es gab unglaublich dünne Isomatten, so dass uns allen nach der zweiten Nacht alles weh tat, aber die Schlafsäcke hielten wunderbar warm. Es gab jeden Abend erst Suppe, dann richtiges Essen und viel Cocatee für die Höhe. Zum Trinken wurde Wasser aus dem Fluss gekocht und abgefüllt, das leicht nach Papier schmeckte. Tagsüber trugen erneut Esel und Pferde unser Gepäck.
Wir sind den Santa-Cruz-Trek in die andere Richtung gelaufen, als man es eigentlich macht, weil es so rum einfacher war. Als wir dann wieder mit dem Minibus ins Dorf zurück sind, waren wir zwei mehr, weil zwei Mädchen die Tour abgebrochen haben.
Endlich wieder in der Zivilisation angekommen, haben wir gleich zwei weitere Touren gebucht, eine zu Ruinen und eine weitere zum Eisklettern am Gletscher. Die restlichen Tage gab es dann Pizza und chinesisches Essen, weil wir beide die Nase voll hatten vom peruanischen.  Unser Hostel war der Hammer. Am nächsten Morgen im Frühstückssaal saßen wir mit zwei Britten am Tisch und die eine meinte, dass nur bei einer der zwei Duschen warmes Wasser kommt und das, obwohl das Hostal mit warmen Duschen geworben hatte. Da musste ich einfach grinsen und meinte, dass das ziemlich gut ist für peruanische Verhältnisse, viele werben damit, aber da ist das warme Wasser schon vor Jahren ausgegangen. Da staunten die beiden aber nicht schlecht. Ja, da zwei waren wohl gerade frisch in Peru angekommen.
Die organisierte Tour zu den Ruinen war genau das richtige nach vier Tagen wandern, einfach gemütlich im Bus hin und her geschaukelt zu werden und nichts tun zu müssen. Ich verstand leider nicht viel, was er zu den Ruinen erzählte, die unterirdischen Gänge waren noch so ziemlich das coolste daran, alles andere leider schon ziemlich verfallen. Die Peruaner scheinen sich eben nicht so die größte Mühe damit zu geben, ihr Kulturgut zu erhalten. Also musste man sich viel vorstellen, wie es früher wohl mal ausgesehen haben mag. Ich fand es auch viel witziger die Peruaner selbst zu beobachten, als der Stätte so viel Beachtung zu schenken. Schon im Bus gab es ein Pärchen, was sich wohl am besten über ihre Handyspiele verständigen konnte. Anstelle sich zu unterhalten, zockten die beiden auf ihrem eigenen Handy. Im Museum angekommen, wurde nicht geguckt, sondern fotografiert. Alles wurde festgehalten, teilweise das ganze Museum gefilmt. Wer sich das wohl nochmal anguckt? Bei einem jungen Pärchen musste ich grinsen, denn das Mädchen stellte sich vor alles, was ausgestellt war, poste, grinste und forderte ihren Freund auf schnell ein Foto zu machen, bevor ihre Gesichtszüge wieder völlig entglitten. Im nächsten Raum wurde er dann von ihr auch schnell an einen Ort gezerrt und sie wiederholte die Prozedur. Ich bin den beiden lange gefolgt, weil mich das Verhalten so faszinierte. Das der Kerl dann aber auch nichts sagt, sich nicht mal beschwert, nein es wird alles brav ausgehalten. In einer anderen Familie gab es eine Tochter, die ihre Mutter beschimpfte und auch ständig Fotos von sich wollte. Sie posierte und sagte im genervten Ton: „Jetzt mach schon, du weißt, dass ich es nicht mag zu warten.“ Simon und ich guckten uns nur an und rollten die Augen. Wir haben uns auch über unsere Erfahrungen mit den Pärchen hier in Peru unterhalten und je mehr ich mich mit dem Leuten darüber unterhalte, umso deutlicher wird eigentlich auch, wie oberflächlich alles ist. Gerade auch in der Uni wirkt das alles wie die erste Beziehung in der Pubertät, man will einfach nur einen Partner haben mit dem man alles ausprobieren kann. Man ist nicht mit dem Partner zusammen, weil man sich so gut versteht, sondern eigentlich nur, damit man jemanden hat. Das kann doch gar nicht gut gehen. Ich weiß nicht, wann die Menschen hier erwachsen werden, aber es geschieht doch deutlich später als bei uns, wobei es natürlich auch abhängig davon ist, was man für Erfahrungen im Leben macht. Astrid war inzwischen ein Jahr in Deutschland und ist dementsprechend auch deutlich reifer, als manch andere, die eben ihr Leben lang nur in Peru verbringen.
Am nächsten Tag ging es zum Eisklettern. Ich wusste von Anfang an, dass ich das mit meiner starken 😉 Armmuskulatur nicht hinbekommen werde, aber ich wollte es einfach probieren. Wir waren zu dritt, ein Neuseeländer, der normalerweise auf Berge geklettert, Simon und ich.  Dann waren noch ein paar Peruaner dabei, die wir auf dem Weg zum Gletscher aufgegabelt hatten und einfach mitgenommen haben, die sich aber nur den Gletscher anschauen wollten. Die Jungs probierten sich zuerst aus und der Neuseeländer kam relativ erschöpft wieder unten an und meinte, dass man die Eispickel mit den Armen richtig fest ins Eis schlagen muss, damit man nicht abrutscht, na das hat mir Hoffnung gemacht. Also versuchte ich mein Glück und kam einfach nicht hoch. Ich rutschte ständig ab und meinte dann, ich will runter, aber unser Guide hielt das Seil so straff, dass ich nicht runter konnte und ließ es auch nicht los. Simon fing dann an mir Tipps zu geben, was ich als nächstes bewegen soll und die Peruaner feuerten mich an, also versuchte ich mein Glück und siehe da, ich schaffte es, zwei Mal hoch. Das Runterkommen war noch eine ganz andere Schwierigkeit. Oben angekommen, dachte ich, jetzt ist ja alles geschafft, doch denkst du dir. Ich lehnte mich nach hinten, nicht ohne großes Geschrei, was ich schon den ganzen Weg nach oben gemacht habe, und dann sollte ich meine Arme ausbreiten. Ich guckte nach unten um ihm meinen „Bist-du-verrückt“-Blick zu schenken, aber großer Fehler, denn dadurch verlor ich das Gleichgewicht, weil er auch noch Seil nachschob und knallte erstmal gegen die Wand. Ich kam irgendwie gar nicht so schnell hinterher mit meinen Füßen, wie er Seil nachschob. Und wenn man dann erst einmal so im Seil hängt, ist es schwer sich wieder aufzurichten und waagerecht die Wand runter zu laufen. Auf jeden Fall eine Erfahrung, die man mal gemacht haben sollte, aber nochmal werde ich mir das wohl nicht antun. 😉

Wieder in der Uni wurde ich von allen Peruanern erst einmal mit der Aussage „Gott, bist du rot“ begrüßt. Ja, hallo, hier kommt der Indianer, wusste aber nicht, ob das so gut wär, wenn ich das hier laut ausspreche. Ich durfte dann auch direkt am Mittwoch bis 3 Uhr noch eine Power Point entwerfen, weil ich erst um 1 Uhr den ausgearbeiteten Text bekam. Donnerstag sollte der Vortrag gehalten werden und mir wurde gesagt, wir haben jemanden, der es vorträgt, nur leider wollte diese Person nicht. Ich dachte ich höre nicht richtig? Also wurde ich gefragt, ob ich das machen könnte. Ich guckte die beiden nur verständnislos an und fragte, ob die sich das wirklich antun wollen. Ich meine mir ist die Note egal, aber für die beiden ist sie wichtig. Aber ihre Angst vorzutragen war irgendwie größer. Also gingen sie zum Lehrer und sagten, dass sie das heute nicht können, weil niemand will. Der Prof willigte dann ein, was in Deutschland ganz einfach eine 5,0 gegeben hätte, und wir kamen einen Tag später ran. Doch leider tauchte der Typ am Freitag erst gar nicht auf, so dass ich dann die Sachen, die ich verstanden hatte, tatsächlich auf Englisch vortrug, während der Rest einfach von den Peruanern aus meiner Gruppe vorgelesen wurde. Ich traute meinen Augen kaum! Die bezahlen hier so viel und dann geben die sich so wenig Mühe!
Am Samstag ging es dann endlich shoppen! Zwar habe ich mich in Huaraz auf dem Markt ordentlich mit warmen Wintersachen eingedeckt, aber mir gehen inzwischen die Oberteile für den Alltag aus. Nach über acht Stunden einkaufen, war ich glücklich und hatte mehrere Tüten voller Kleidung. Sonntag ging es dann in zwei Stunden Busfahrt Pachamanca essen! Das sind Fleisch, Kartoffeln und noch mehr, zugedeckt mit Blättern und liegt so mehrere Stunden unter der Erde, bevor es gegessen werden kann, super lecker! Für 50 Soles haben sich Astrid und ich ein Tablett geteilt und es war einfach unglaublich gut. Dafür lohnt es sich schon einmal vier Stunden Busfahrt auf sich zu nehmen. Diese Woche schreibe ich noch drei Tests, zumindest ist das der Plan, bevor ich dann am Samstagnachmittag mit Simon in Richtung Norden starte, wieder eine Woche Sonne, Kultur und eventuell endlich mal surfen!

Kategorien: Huacachina, Huaraz, Islas Ballestas, Peru | Hinterlasse einen Kommentar

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