Cajamarca

Cajamarca – Granja Porcón, Innenstadt (23.10.2012)

Nach dem Aufstehen, Duschen getestet, erneut eisig, also diesmal als sauber genug befunden, Sachen gepackt, untergestellt und verzweifelt nach Frühstück gesucht. Dummerweise war alles zu, bis auf ein Café, die zwar Sandwiches auf der Karte, aber um 8 Uhr morgens leider nur Hühnchen da hatten. Also ging es hungrig den Berg zum Aussichtspunkt hoch. Dort kamen uns einige Kinder in Schuluniform entgegen.
Oben hatten wir dann einen schönen Ausblick auf die Kirchen und auch die ganzen Wohnhäuser mit ihren Innenhöfen. Auf dem Rückweg hatten inzwischen mehr Restaurants geöffnet, aber nichts Wahres zum Frühstücken, also gab’s für mich Trinkjoghurt und für Simon Brötchen mit Thunfisch aus der Dose.
Kurz danach ging die Tour los, da ich aber nochmal auf Klo musste, wartete Simon unten und hörte nur, wie ein Touranbieter fragte, ob wir los könnten, worauf ein anderer mit „Nein, seine Frau fehlt noch“ antwortete (damit meinte er mich). Nun ja die Menschen heiraten hier einfach früher und die Leute können es gar nicht glauben, wenn wir ihnen erzählen, wir wären nur Freunde. Naja zwei Europäer auf Reisen in Peru, da passt das ja alles gut zusammen.
Die Tour nach Gran Porcón ging also los. Kurzer Halt bei Steinmetzlern um ihnen bei der Arbeit zuzuschauen und auf ein Pärchen zu warten, dass mit Taxi hinterher gebracht wurde durch Verspätung.
Das Dorf Gran Porcón war durch eine Schranke abgesperrt und dahinter spielte sich ein anderes Leben ab. Kinder bekam man wohl durchschnittlich mit 13 und der Glaube hing höher als die peruanische Flagge. Es war eine evangelische Gemeinde, die Brot, Käse, Webarbeiten etc. alles selbst herstellten. Es gab einen großen Zoo mit Tieren aus Costa, Sierra und Selva, doch das schönste sahen Simon und ich außerhalb von Käfigen. Ein Kolibri flatterte in sicherer Entfernung um Blumen herum. Wir konnten uns die Webmaschinen anschauen und die Arbeiten kaufen. Die Leute hatten sich kilometerweit um ihr Dorf herum selbst Wald erbaut.
Der Käse, den sie verkauften, war der erste gute peruanische, den ich seit langem gegessen hatte. Nur beim Namen „tipo suizo“ (schweizer Sorte) musste ich grinsen. Ich habe mich dann aber doch für einen anderen entschieden, noch 30 cent für 6 Brötchen und fertig war das Essen für Zwischendurch. Auf dem Rückweg nahmen wir zwei Wanderer mit, die nicht mehr im Regen laufen wollten. Das passiert hier ständig, dass man als organisierte Reise in kleinen Bussen immer noch ein paar Reisende mitnimmt, wenn eh Platz ist. Wäre doch in Deutschland sicher aus Versicherungsgründen schon nicht möglich, oder?
Wieder unten ging die Museumstour los. Wir waren im letzten Inkahaus in Cajamarca und als ich die kleine Kirche von außen fotografierte, gab es zwei von drei Bauarbeitern, die mich ihren Blicken die ganze Zeit verfolgten. Irgendwann blickte ich eine ganze Weile zurück, aber sie guckten unentwegt weiter, bis es mir zu dumm wurde und ich genervt auf Deutsch meinte: „Arbeiten, nicht glotzen!“ So langsam habe ich den Zoo hier wirklich satt. Ich liebe die Anonymität einer Großstadt, umso schlimmer für mich dieses ständige, offensichtliche Angestarrt werden hier. Klar, viele sehen Europäer eventuell zum ersten Mal, da verstehe ich die Neugierde, aber etwas diskreter und sich auch mal überlegen, wie sich der ständig Beobachtete fühlt.
Noch eine Sache, die mir aufgefallen ist, als ich einmal mit Astrid unterwegs war und zwar gibt es hier an jeder Ecke kleine Snacks, Süßes, auch viel warmes Essen und Säfte zu kaufen, was für jemanden, der es nicht gewohnt ist, jedes Mal aufs Neue faszinierend ist. Ich kann mich immer kaum beherrschen, nichts zu kaufen, während die Peruaner zwar auch viel konsumieren, aber sich davon nicht so beeinflussen lassen, wie ich. So gab es eben auch in Cajamarca immer wieder ein Snack für zwischendurch.
Nach unseren Besuchen ging es in die Heladería Holandia, wo es das beste Eis von Cajamarca geben sollte und tatsächlich war es sehr gut. Obwohl es sich holländischer Eisladen nannte und überall Fotos aus Holland hingen, wo ich sehnsüchtig an unseren Urlaub in Amsterdam denken musste, gab es doch hauptsächlich peruanische Früchte als Sahneeis. Die, die wir noch nicht kannten, durften wir vorher probieren, so dass wir am Ende jeweils fünf Löffel in der Hand hielten. Das machte die Entscheidung nicht leichter.
Wir saßen ewig in Restaurants um uns die Zeit bis zur Busfahrt „totzuschlagen“. Zwischendurch kam eine Gruppe Musikanten herein, die uns gut mit peruanischer Musik unterhielt. Im Bus selbst war es unglaublich kalt. Ein Glück hatten wir uns beide noch kurz davor Decken gekauft, so dass zumindest ich eine Weile schlafen konnte.

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Cajamarca – Banos, Cascadas, Ventanillas (22.10.2012)

Nach 10h Schlaf erst einmal Frühstück im Restaurant um die Ecke. Danach ging es mit einem Bus direkt zu den Ventanillas de Otuzco. Wir waren die einzigen Touristen, der Touriguide meinte gestern auch zu uns, dass einige durch das Wetter und auch viele durch die Streiks der Bergarbeiter hier wegbleiben. Echt schade, weil wir davon nichts gemerkt haben, hat sich wohl auch wieder beruhigt. Jetzt können sie wegen des Wetters nicht weiter arbeiten…
Angekommen bei den Ventanillas, gleich 2 Soles Eintritt als Student losgeworden und hoch ging es. Die Ventanillas sind (übersetzt) Fenster, davon sind 337 Stück in einen riesen Felsen weit vor Christi geschlagen worden.
Danach wurde erst einmal wieder Obst gekauft, diesmal lokales. Mit diesem und viel Sonnencreme machten wir uns auf den Weg zu den Bädern der Inka. Wir fragten vier Mal nach dem Weg und alle meinten, man müsse einfach geradeaus dann links, nur wo wir abbiegen mussten, das wusste niemand so genau. Irgendwann fanden wir den Weg, fragten dann aber nochmal einen Bauarbeiter und durch Glück im Unglück fuhren gerade Kollegen von ihm vorbei, die uns im Pick-Up mitnahmen. Sie kamen aus Arequipa und waren hierhin zum Arbeiten versetzt worden. Wir liefen dann noch den Rest des Weges zu den Baños und Simon meinte, dass das der peruanischste Tag ist, den wir bis jetzt erlebt haben. Beim Vorübergehen haben uns alle Einheimischen ganz verwundert angeschaut und die Hunde böse gekläfft, aber wir haben viele hilfsbereite Menschen getroffen.
Da wir erst zum Schluss baden wollten, ging es nach einem holländischen Eis gleich mit dem Bus weiter zu den Wasserfällen. Diese Busfahrt war ein Erlebnis, dass sich gut in die Ereignisse des Tages eingliederte. Als ich einstieg und mich neben eine Frau setzte, meinte diese nur, pass auf! Tritt nicht auf mein Huhn! Das lag zwischen meinen Beinen auf dem Boden in einer Tüte, lebendig! Der Kerl, der das Geld kassiert, stellte/legte es dann woanders hin. Ansonsten waren nur Frauen in traditionellen Kleidern mit im Bus. Alle unterhielten sich, einige stillten ihr Kind – ist eben doch etwas ganz anderes als Busfahren in Lima, na gut die Anonymität einer großen Stadt trifft hier eben nicht zu.
Zu den Wasserfällen mussten wir wieder etwas laufen. Zwischendurch mussten wir quer über ein Grundstück, weil wir den falschen Weg eingeschlagen hatten. Ich hatte ein mulmiges Gefühl bei den aggressiven Hunden hier und tatsächlich kam dann einer an und bellte laut. Ich rannte an Haus und wollte nur schnell weg, als gingen wir schnell an einem dicken Schwein vorbei auf den offiziellen Weg.
Der Wasserfall selbst wirkte unglaublich beeindruckend, wenn man genau davorstand. Da die Sohle meiner Schuhe inzwischen nicht mehr existent ist, rutschte ich ständig vom Stein ab beim raufklettern, also Schuhe aus und barfuß ab ins kalte Gletscherwasser. Danach ging es weiter runter zum „weiblichen“ Wasserfall. Bei dem Versuch ihn mir näher anzuschauen, rutschte ich aus und landete auf dem Boden – Arsch einmal dreckig. Beim Aufstehen gleich im Moor versunken mit meinem Schuh, sodass dieser komplett vor Dreck und Nässe triefte. Also saß ich erstmal am Fluss und tauchte den gesamten Schuh unter Wasser – man war das kalt danach.
Zurück in Baños gab es dann erstmal ein Menu auf der Straße in einem Imbiss, Suppe, Hauptgericht und Trinken für 3 Soles (1 Euro). In der Suppe schwamm dann ein Hühnerfuß – lecker! Naja ich habe sie dann stehen gelassen, der Rest war gut… wir haben uns aber auch gesagt, wenn jetzt nichts passiert, können wir echt alles essen. Naja, immerhin haben dort auch viele Peruaner gegessen. Natürlich wurden wir dementsprechend penetrant auch wieder angestarrt. Hier ist es noch heftiger, als anderswo in Peru. Es gibt hier einfach wirklich viel weniger Touristen, wir kommen uns wie die einzigen Weißen vor. Wenn die ganzen Bettler uns sehen, kommen sie auch direkt rüber gerannt, für sie sind wir wohl „wandelndes Geld“. Simon wurde auch schon mit „Agua, gringo?“ angesprochen. Etwas dreist, wenn man etwas verkaufen will.
Nach dem Essen ging es endlich in die Baños del Inca, zum Abschluss des Tages. Die Bäder des ehemaligen Erholungsortes für die Oberschicht haben 60°C und dampfen dadurch durchgehend. Auf dem Boden setzten sich deshalb auch Minerale durch den Schwefel ab. Sie heißen Baños del Inca, weil dort der letzte Inka, Atahualpa, gefangen genommen wurde.
Wir haben uns für 6 Soles pro Person im Alexander-von-Humboldthaus ein Schwefelbad gegönnt, bezahlt war eine halbe Stunde, darauf wurde dann eine ganze. War auch ganz gut, weil wir dadurch „nur noch“ 2h auf unsere mixed Sauna warten mussten. Davor war nur gleichgeschlechtlich möglich. Rein ging es dann auch nur in Badekleidung. Es war ein Dampfbad, aber sehr warm und auf dem Boden lagen überall Gräser, was einen angenehmen Geruch im Raum berbreitete.
Wieder draußen, inzwischen regnete es stark und war dunkel, nahmen wir gleich den ersten Bus zurück nach Cajamarca. Die Straße hoch zum Hostel nutzten wir als Fressmeile. Wir machten in drei verschiedenen Restaurants halt, bei den Preisen. Danach ging es direkt ins Bett, voll platt vom Tag! Ich wurde übrigens voll übel von Moskitos an den Baños gestochen, die angeschwollen sind. Durch das laufen wurde es dann immer schlimmer. Also ging es in die Apotheke und wir dachten eigentlich beide es gäbe eine Salbe, aber hier gibt es immer Tabletten. Nun gut, nach den ersten beiden war die Schwellung auch schon gut abgeklungen, also wenn es hilft.

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Cajamarca – Cumbe Mayo (21.10.2012)

Am Samstagabend ging es los. Nachdem in ganz San Isidro der Strom und das Internet ausgefallen ist, konnte Simon zwar kein Geld mehr holen, aber kurz vor unserer Busfahrt ging alles wieder an, so dass wir unsere bis jetzt längste Busfahrt in Peru antreten konnten, ganze 16h standen uns bevor. Glücklicherweise haben wir ganz vorne gesessen, sodass wir ein wunderschönes Panorama hatten. Nachts ist es dank der starken Straßenbeleuchtung hier allerdings eher ungünstig vorne zu sitzen, wenn man schlafen möchte. Natürlich gab es bei so einer langen Fahrt auch wieder Filme. Hier werden auch in den Bussen nur Raubkopien gezeigt, so kam es, dass wir The Avengers und Madagaskar 3 sahen. Auf den Straßen kann man eigentlich auch nur Raubkopien kaufen, für 1 Euro das Stück. Die Europäer decken sich wohl immer gut ein und stehen dann tausend Ängste am Zoll aus. Naja, wer will.
Bevor wir losfuhren, kam der Typ wieder mit seiner Videokamera rum, in die jeder Passagier einmal hinein lächeln darf. Wenn man also die Decke der Busgesellschaft klaut, findet man sein Foto vermutlich bald auf Facebook – „most wanted“. Naja, bei anderen Gesellschaften muss man kurz bevor man den Bus betritt einen Fingerabdruck abgeben. Peru weiß inzwischen mehr über uns, als unser Heimatland.
Mitten in der Nacht fing dann einer an zu Schnarchen, einen andere holte ihr Handy raus und anstatt es auf lautlos zu stellen, schrieb sie munter drauflos und empfing dementsprechend viele Nachrichten, jedes Mal mit lautem Piepsen. Die Toleranz was Lautstärke angeht, seien es Klingeltöne, lautes Autohupen, Kreischen oder Musik, ist ihr definitiv deutlich größer als in Deutschland.
Als wir dann Sonntagmorgen ankamen, ging es direkt mit dem Taxi zur Plaza de Armas. Dort wurden wir kurz nach dem Aussteigen erneut von Straßenhändlern belagert, außerdem kam gleich eine Tourverkäuferin an, die von Cumbe Mayo erzählte. Da wir da eh hinwollten, fragte ich wie teuer und wann. Die Tour sollte 9:30 Uhr starten. Ein Blick auf die Uhr verriet mir, dass es also genau jetzt losgehen sollte. Wir hatten aber noch kein Hostel, also meinte sie erst, dass wir unsere Sachen bei ihr im Büro lassen könnten. War uns aber zu unsicher, also haben wir direkt in das Hostel nebenan geschaut und tatsächlich hatten sie Zimmer für 5 Euro im Angebot. Es wurde zwar mit warmen Wasser geworben, aber eben nur morgens. Ich versuchte es am nächsten Morgen um 7 Uhr – kalt, wie frisch vom Gletscher. Blieb mir also nichts anderes übrig als das ganze Haus wach zu kreischen, als ich mich versuchte zu duschen. Simon ließ es dann lieber ganz.
So also nahmen wir wie gesagt das Hotel und gingen direkt wieder runter und hundemüde ging die Tour los (natürlich nicht, ohne das ganze noch runter zu handeln). Wir wanderten durch schöne Steinformationen, krochen durch Steinspalten hindurch, aßen eine traditionelle giftgrüne Suppe und folgten vielen Bächen und vor Jahrhunderten angelegten Kanälen. Dann fing es an zu regnen und wir sprangen schnell in den Bus, nahmen noch zwei Einheimische in traditioneller Kleidung (ja, die schöne bunte) mit und fuhren wieder runter. Achso dort in der Nähe liegt wohl die fröhlichste Mumie der Welt, sie soll wohl grinsen.
Nach ein wenig ausruhen und richtig gutem Essen ging es bei Regenwetter durch die Stadt, da aber Sonntag war, hatte alles zu und wir hielten unsere Laune hoch, indem wir uns auf der Straße warme Churros kauften (Gebäck mit Manjarfüllung (caramellähnlich)).
Auf dem Weg zurück zum Hostel ging es in die kleine Touristeninfo und weiter spontan in Innenhöhe, wo es mal wieder tolle Schuhe gab, aber nicht in meiner Größe. Er meinte dann, dass ich sie einfach mal probieren sollte. Ich dachte echt, ich hätte mich verhört! Ich hielt den Schuh zur Demonstration an meinen und er meinte nur, oh…ein wenig klein. Genau genommen war es eine 35 und ich habe eine 41, hätte ich ja mal probieren können, genau! Das waren Original-Vans, bei nationalen Produkten brauche ich gar nicht mehr schauen. Die werden nur bis Größe 38 produziert, dabei sind da echt ein paar richtig hübsche dabei. Abends kauften wir noch Obst beim Straßenhändler und machten Fotos auf der hell beleuchteten Plaza de Armas.

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