Peru

Die Perle im Süden – Arequipa (10.-12.11.2012)

Das letzte Mal weg aus Lima, bevor es endgültig nach Ecuador geht, und ich bin irgendwie froh, dass ich mir demnächst die langen Busfahrten ersparen kann. Nach 16h Nachtfahrt sind wir in Arequipa sicher angekommen. Die Strecke zählt zu einen der gefährlichsten in Peru, erst vor 2 Wochen wurde ein Bus überfallen. Aus diesem Grund hatte ich kurz vor der Abfahrt noch schnell ein Fake-portemonnaie erstellt und meine Tasche mit den Kameras weit unter den Sitz geschoben, aber es ging ja alles gut.
Mir wurde ja schon davor von Arequipa vorgeschwärmt und die Stadt kann sich tatsächlich sehen lassen. Die Peruaner bewundern ihre Sauberkeit, ich vor allem die Architektur, die Bildung der Menschen dort und einfach insgesamt das Flair. Das ganze Jahr über scheint wohl die Sonne und es sind angenehme 25 Grad, da lässt es sich leben. Man hatte einfach das erste Mal das Gefühl in einer Stadt zu sein, die völlig unabhängig von Lima agiert, begrüßt wurde man auch gleich mit dem stadteigenen Bier – Arequipeña. In der Stadt hörte man alle möglichen Sprachen, man war eben in einer Touristenstadt, dementsprechend war es auch das erste Mal für mich, dass die Peruaner tatsächlich direkt versuchten Englisch mit mir zu sprechen und umso überraschter waren, wenn sie merkten, dass wir auch Spanisch verstehen. Durch die Touristen gab es in der Stadt auch die Möglichkeit Essen aus allen möglichen Ländern zu bekommen, das erste Mal mexikanisches Essen gesichtet. Dann habe ich den ersten Peruaner getroffen, der mehr oder weniger vier Sprachen beherrschte, das war schon ein kleines Wunder.
Angekommen in Arequipa quälten wir uns im Taxi durch die überfüllte Stadt, dort wo viele Touristen sind, sind die Taxis auch immer am gefährlichsten, aber wir hatten mal wieder Glück. Im Hostel nur schnell Zähne geputzt und los ging es, zuerst in ein altes Herrenhaus, was inzwischen eine Bank beherbergt. Danach weiter in eine Klosterstadt. Dort wurden wir gefragt, ob wir einen deutschen Führer haben wollen, und tatsächlich kam uns eine Peruanerin entgegen, die perfekt Deutsch sprach mit leichtem Akzent. Sowas haut hier einfach immer wieder um!
Die Klosterstadt war riesig, wurde erst in den 1990ern für Besucher freigegeben und bis heute leben dort noch Nonnen. Es wirkte alles unglaublich mediterran. Die Wände sind in rot und blau gehalten und überall Blumen. Man fühlte sich so fern ab von Lima und sogar von Peru. Nachdem wir uns dann gefühlte 10 Zimmer und 15 Küchen angeguckt hatten, genossen wir noch die Aussicht auf die fernen schneebedeckten Berge und gingen dann weiter zum mit Palmen gesäumten zentralen Platz. Die Atmosphäre dort war so unglaublich lebendig, überall Tauben, plätschernde Brunnen, wahnsinnig viele Menschen, tobende Kinder und einige Touristen. Nach dem ganzen Trubel beschlossen Teresa, eine andere Deutsche, die ein ganzes Jahr in Lima studiert, und ich die peruanischeren Ecken Arequipas zu erkunden, die im Reiseführer als gefährlich eingetragen waren. Als wir dort durchliefen, fühlten wir uns sicherer als in den sichersten Ecken in Lima, aber vermutlich war es gefährlich für die Verhältnisse in Arequipa.
Wieder im touristischen Bezirk gingen wir in ein Museum, in dem die Mumie Juanita ausgestellt wurde. Dort durfte man keine Kameras mit reinnehmen und die Räume waren unglaublich kühl, damit die ausgestellten Gegenstände gut erhalten bleiben. Juanita wurde zwischen 1440 und 1450 auf einem Berg in der Nähe Arequipas ermordet. Sie war ein Inkamädchen und wurde nach einem Fußmarsch von über 500km den Berggöttern geopfert. Die Inka glaubten, dass für die Naturgewalten, wie der Niño (Überflutung im Norden Perus), starke Unwetter etc., als Besänftigung der Götter ein Menschenleben geopfert werden musste. Nur muss man bedenken, dass es darum ging, dass dieses Opfer dann als Repräsentant für die gesamten Inka stand und diese in ihrem Leben nach dem Tod Stolz machen sollten. So war es eben auch, dass es eine große Ehre für die Familie war, wenn ihr Kind eine Opfergabe wurde. Entdeckt wurde die Mumie erst 1995 von einem amerikanischen Archäologen, so wie fast alles in Peru in den 90ern entdeckt wurde. Das besondere ist, dass die Mumie komplett eingefroren war und somit die Zähne, Haare, Fingernägel und Organe noch komplett erhalten waren. Wir haben sie dann auch betrachten können, eingesperrt in einen Glascontainer mit zwei Schichten, eine um die Feuchtigkeit rauszuhalten und die andere um die -20°C drinnen zu lassen. War ich sehr dankbar für! Das erinnert ja an deutschen Winter, wer will das schon! Naja auf jeden Fall eins der besten Museen, in denen ich bis jetzt in Peru war. Achso Juanita ist nicht erfroren, obwohl sie nach der 500km Wanderung in Sandalen sicherlich ziemlich am zittern war, sondern wurde mit einem kräftigen Schlag auf den Hinterkopf getötet, so dass ihr Gehirn komplett auf eine Hälfte rutschte, naja damit war es dann auch ziemlich schnell vorbei für sie. Für die Amerikaner unter uns wurde dann noch erzählt, dass sie nicht leiden musste – das klassische Happy End, für die Europäer wurde ergänzt, dass man das hofft und leider noch nicht alles erforscht hat.

2 Uhr klingelte am nächsten Morgen der Wecker. Es ging in den Cañon de Colca. Nach nur einer Nacht mussten wir uns schon wieder aus dem Hostel verabschieden, alle Sachen packen und wurden dann um 3:45 (vereinbart war um 3 Uhr, als eine andere Gruppe um 3:15 Uhr abgeholt wurde und Teresa fragte, wo unser Bus bliebe, meinte der Fahrer, dass das ja noch viel zu früh wäre).
Im Bus schliefen alle, nach 3h gab es erst einmal Frühstück. Dort machten wir uns dann auch mit unseren zwei Mitreisenden bekannt, zwei Engländer. Schwierige Sprache sage ich euch! Verstehen tue ich ja noch alles, aber inzwischen formuliere ich gewisse Sätze einfach so, wie man sie im Spanischen sagen würde und Ja-/nein-Fragen beantworte ich automatisch auf Spanisch.
Unser nächster Stop war der Mirador: Cruz del Condor, wir konnten also den Kondoren beim Fliegen zuschauen und tatsächlich waren gerade dort unglaublich viele unterwegs. Die Vögel sind typisch für Arequipa und haben eine Flügelspanne von bis zu 3m, schon ziemlich beeindruckend. Besonders dramatisch wird es mit einem Teleobjektiv, wenn das Tier auf dich zufliegt und du denkst, dass es dir gleich in die Linse springt, weil es so nah scheint, dass du nicht einmal mehr fokussieren kannst. Nun wenn du die Einzige bist, die schreit, weißt du, dass du wohl mal die Kamera runternehmen solltest. Teilweise sind uns die Vögel aber doch sehr nah gekommen.
Kurz danach begann unser Weg in den Cañon. Davor gab es noch ein paar Fakten über Peru. Unser Guide fragte uns, welcher der tiefste Cañon der Welt wäre, ich meinte der Cañon de Cotahuasi, und sie gab mir Recht, denn das steht in alles Reiseführern. Dennoch meinte sie, dass es nur der größte passierbare Cañon ist, aber da im Cañon de Colca 8km nicht betretbar sind, ist das der tiefste der Welt. Dann ging es um die verschiedenen Früchte in Peru und sie meinte, dass hier viel Tuna zu finden ist. Tuna ist eine Kaktusfrucht und daraus entsteht unglaublich leckerer (unglaublich süßer) Saft. Außerdem wird es für Make-Up und Nagellack verwendet, was sie dann gleich auf meinen Nägeln demonstrierte.
Danach ging die Wanderung los. Erst ging es ewig bergab in den Cañon hinein, dann liefen wir relativ eben durch zwei Dörfer durch, immer steil am Abhang entlang, bis es dann in ein kleines Touristenviertel mitten im Cañon ging, wo unsere Bungalows waren. Nebenan gab es einen Pool, der leider inzwischen extrem kalt war, weil die Sonne eine halbe Stunde vorher verschwunden war. Alle trauten sich rein, nur ich nicht, bis ich das Gleichgewicht verlor. Nach kurzer Zeit ging es im Wasser, nur wieder draußen zu sein, war hart! Ich hoffte auf warme Duschen und freute mich tierisch, als es sich so unglaublich warm anfühlte, erst als es über meinen Kopf lief, der nicht im eisigen Poolwasser war, merkte ich, dass das Wasser eigentlich arschkalt war.
Beim Abendessen meinte der Engländer, dass ich wohl doch noch ins Wasser wäre, meinem Schrei nach zu urteilen. Daraufhin meinte seine Freundin, dass er nie friert. Klärte sich dann auch alles schnell auf, denn er war bei der Marine und sie bei der Army. Dementsprechend auch logisch, dass die uns den Weg über ständig weggerannt sind. Ich dachte schon irgendwas läuft hier doch falsch, wieso erzählen uns die Britten, dass sie demnächst viele Wochenendausflüge machen wollen um Europa besser kennen zu lernen und sind dazu noch so sportlich, wenn dem Durchschnittsbritten sein eigenes Land und einmal Spanien alle zwei Jahre völlig genügen. Ausnahmen gibt es immer wieder.

Am nächsten Morgen ging es dann um 4:30 Uhr ohne Frühstück los, 3h Bergaufstieg bevor die Sonne aufgeht. Gute Idee, wenn man bedenkt, dass wir am Abend davor ständig Motten aus unserer Suppe fischen mussten. Aber nach kurzer Zeit musste ich gleich die erste Pause machen und mir erst einmal mit Keksen den Magen vollschlagen, um die Kraft zu haben weiter zu gehen. Tatsächlich schaffte ich es in drei Stunden den Berg hoch, die letzten 5 Minuten im strahlenden Sonnenschein, und sowohl mein letzter Keks als auch der letzte Schluck Wasser reichten gerade so bis zum Frühstück.
Nach diesem ging es dann im Bus wieder Richtung Arequipa. Zwischendurch wollten wir zum Fotos machen halten, doch leider hatte ich beim Frühstück zu viel getrunken und musste nach 10 Minuten wieder auf die Toilette. Dann wandelte sich die Straße auch noch von asphaltiert zu Buckelpiste und ich klammerte mich an Teresas Sitz fest. Es gab weit und breit keine Toilette und überall waren Touristenbusse unterwegs. In Peru ist es auch alles andere als üblich für eine Frau in der Öffentlichkeit auf Klo zu gehen. Egal wie dreckig das Plumpsklo auch ist, es wird immer lieber genommen als die Natur. Bis zum ersten Aussichtspunkt musste ich also aushalten, dann zeigte mir ein Guide einen kleinen Stein, hinter dem ich mich verstecken könnte und lachte laut. Der dachte wohl nicht daran, dass ich das tatsächlich machen würde.
Unser nächster Stopp waren Schwefelbäder und da ich einen mörderischen Muskelkater vom Wandern hatte, war das genau das Richtige. Schön bei 38°C Wassertemperatur entspannen, nach 30 Minuten denkst du dir, du kippst gleich um, wenn du aus der riesigen Badewanne kommst. Kurz danach durften wir den typischen Pisco Sour der Region probieren, nur wurde dieser anstelle von Limonensaft mit einer regionalen sauren Frucht gemacht. Der war gut! Nach einem Touristenfoto mit Lama, Hut und Vogel musste ich erst einmal schlafen, der Alkohol hatte mich leicht umgehauen bei der Hitze.
Zum Mittagessen gab es Buffet, wo wir endlich Alpaka probieren durften. Leider nicht mein Fall, weil es einfach unglaublich sehnig ist. Der Geschmack ist okay, aber Rind ist schon besser. Der nächste Stopp war ironischer weise eine Alpakafarm. Auf dem Weg nach Arequipa liefen aber auch viele frei herum, nur sind die Tiere wirklich unglaublich scheu.

Zurück in Arequipa zogen wir uns um, packten unsere Sachen um und ich putzte mir noch schnell bei McDonalds die Zähne um dann wieder in den Nachtbus Richtung Lima zu steigen. Diesmal hatten wir leider fast 2h Verspätung, weshalb ich meine Vorlesung verpasste. Also ließ ich mir von Cruz del Sur, unserer Busgesellschaft, einen Zettel ausstellen, dass wir zu spät waren. Zu Hause angekommen arbeitete ich zwei Tage durch um all das aufzuholen, was ich verpasst hatte. Immerhin fehlten mir inzwischen sechs Tests in einem meiner Fächer, dafür musste ich zwei Textanalysen durchführen. Mittwochabend hatte ich sie dann auf Englisch fertig, aber keine Zeit mehr, sie auf Spanisch zu übersetzen, also rein in den google Übersetzer und schnell alles ausgedruckt. Im Unterricht habe ich dem Prof das dann auch ehrlich erzählt, dass er wohl lieber den englischen Teil lesen sollte. Daraufhin meinte er, dass sich mein Castellaño deutlich verbessert hat. Die Meinung wird sich wohl ändern, wenn er meine Texte gelesen hat. Er meinte dann, was wir wegen meinen restlichen fehlenden Noten machen. Daraufhin leierte ich meine Standardantwort runter, dass ich doch nur ein Semester hier wäre und das aus eigenem Interesse mache und man deshalb nicht so streng sein sollte. Er lachte nur und gab sein okay. So einfach kann es hier gehen.
Am nächsten Tag durfte ich die Erfahrung noch einmal machen. Theoretisch stand eine mündliche Prüfung an, was ich aber erst zwei Tage vorher erfahren hatte und noch nichts dazu vorbereitet hatte. Er fragte mich, was man unter Depression verstehe. Ich antwortete erst nichts und die anderen versuchten verzweifelt die Frage ins Englische zu übersetzen, bis der Professor meinte, dass mein Examen nächste Woche auf Englisch sein würde. Daraufhin meinte ich, dass mir das leider auch nicht helfen werde. Das verblüffte ihn und meine Erklärung begann: Ich studiere Wirtschaftspsychologie und hatte noch nie klinische, dementsprechend fehlt mir jegliches Vorwissen über Psychosen etc. Schon im Zwischenexamen kamen Fragen dran, die ich gar nicht beantworten konnte, weil ich so etwas noch nicht gehabt hatte. Mit dem Wissen, was ich mal gehört hatte, habe ich zumindest bestanden und besser abgeschnitten als einige meiner Freunde hier, aber das macht mich doch noch lange nicht glücklich. Daraufhin durfte ich dem Prof erzählen, welche Module wir in Deutschland machen und wie unterschiedlich doch unser Verständnis von Universität ist. In Deutschland studiert man, weil es einem Spaß macht, man macht es freiwillig, hier machen die Studenten nur das Nötigste und eben auch nur, weil sie dann bessere Berufschancen haben. Beide Seiten sind allgemein formuliert, natürlich findet man auch Ausnahmen. Bloß aus diesem Grund vergreifen wir uns als Deutsche auch ständig in der Wortwahl und sagen, wie gehen zur „Schule“ bzw. die „Schüler“ müssen anwesend sein, weil es eben ein Schritt zurück in die Schulzeit ist.
Nach dem Gespräch hatte der Prof seine Frage über die Depression vergessen und versprach mein finales Examen auf meine Kenntnisse und auf die Folien zu beschränken.

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Winter in den Bergen (03./04.11.2012)

Nach einer kurzen Nacht standen wir um 6 Uhr in Huancayo und fuhren direkt zum Haus von Astrids Tante. Glücklicherweise war ein Teil von Astrids Familie gerade auch für das Wochenende in ihr Haus nach Huancayo gereist, so dass wir uns kein Hotel suchen mussten. Für mich war es das erste Mal in einem richtigen peruanischen Haus bei einer peruanischen Familie. Als die Tür aufging, wurden wir direkt in dickem Wintermantel und –schuhen empfangen. Schon der Taxifahrer in Lima (ich bin das erste Mal allein in Lima Taxi gefahren, inklusive vorgetäuschtem Anruf, dass ich gleich da sein werde) meinte, dass es in den Bergen sehr kalt ist, weil dort inzwischen Winter herrscht, während in Lima neuerdings jeden Tag die Sonne scheint.
Auch die Anderen hatten Jacken und Schuhe angelassen und das Haus war voll. Es wurde erst einmal gefrühstückt und geredet. Viele wussten gar nicht, dass Astrid für ein Jahr in Deutschland und die Mädchen, die noch in die Schule gingen, bekamen bei ihren Erzählungen richtig Lust auch nach Europa zu gehen, wobei vor allem auch die Eltern einen großen Teil dazu beitrugen. Astrids Tante meinte zum Beispiel zu ihrer Tochter, dass sie sich an der richtigen Uni bewerben soll, eine die auch viele Austauschmöglichkeiten anbietet und sich dann eben auch für eine Sprache entscheiden muss. Ich meinte, dass sie, wenn ihre Motivation nicht so hoch ist, eine Sprache zu lernen, sich eher für Französisch als für Deutsch entscheiden sollte. Französisch ist für spanische Muttersprachler ungefähr so schwer wie Englisch. Viele Wörter sind einfach sehr ähnlich! Nur der Vorteil in Deutschland wäre, dass man eben auch mit Englisch über die Runden kommt. Alle waren mal wieder erstaunt, dass ich auch Englisch sprechen kann. Astrid meinte dann gleich, dass alle in Deutschland Englisch sprechen und ich meinte auch, dass das heutzutage schon Pflicht ist, wenn man sich an Universitäten bewirbt. Dass wir Kurse auf Englisch haben, ist eben auch völlig ungewöhnlich für die Peruaner. In Europa ist eben alles kleiner, alles näher, viele Menschen sprechen unterschiedliche Sprachen und da bleibt eben nur Englisch als Kommunikationsmöglichkeit. Für Astrids Tanten wurden Deutsche damit gleich als bilingual bezeichnet. So habe ich das ja noch gar nicht betrachtet. Dank ihrer Mutter, war das eine Mädchen dann auch super interessiert und fragte, ob es denn auch sicherer wäre als in Europa. Da konnte ich mir ein Lachen nicht verkneifen und Astrid meinte auch gleich, dass es deutlich sicherer ist. Ich habe dann noch erzählt, dass es für eine Frau relativ ungefährlich ist, nachts draußen rumzulaufen. Astrid meinte, sie konnte das am Anfang gar nicht glauben, als man ihr das das erste Mal in Lüneburg gesagt hat. In Südamerika kannst du das vergessen! Alleine als Frau draußen rumzulaufen, ist tagsüber schon abhängig von der Gegend relativ gefährlich, aber nachts, unmöglich! Dementsprechend auch schwer nachvollziehbar, wie es ist, wenn man die Sicherheit hat. Für mich ist es einfach eine riesige Freiheit, die ich ungemein vermisse!
Nach drei Stunden Frühstück war ich immer noch super müde, weil ich die Woche davor dank Magen-Darm-Infekt die ganze Zeit im Bett oder auf Toilette verbrachte, dementsprechend viel geschlafen habe und mich immer noch relativ schwach fühlte. Wir packten aber auf Grund des Wetters trotzdem alles zusammen und machten uns auf den Weg nach Torre Torre. Erst liefen wir eine Weile, aber ziemlich schnell entschieden wir uns dann doch, den Rest des Weges mit Micro zu fahren. Dort angekommen gab es unglaublich atemberaubende Felsformationen, es wirkte ein wenig wie im wilden Westen. Von dort ging es wieder runter in die Stadt, um erst einmal ruhig Mittag zu essen. Nur um danach noch entspannter mit Taxi zum Parque de la Identitad zu fahren. Peruaner nehmen im Gegensatz zu uns, ständig Taxis, egal wohin sie müssen, wenn es eben keine Micros gibt. Dieser Park stellt in abstrakter Form die Kultur der Stadt und der Umgebung dar. Es war nach einem Regenguss super schön. Es gab eine Ecke nur für Kinder bis 10 Jahren, Erwachsene durften dort nicht hin. Auch immer wieder ein tolles Gefühl für die Kleinen.
Da wir uns danach kaum noch auf den Beinen halten konnten, ging es direkt ins Bett.

Am nächsten Morgen mussten wir schon um 6 Uhr hoch, weil wir eine Tour zum Gletscher machen wollten. Eine von Astrids Tanten hörte uns und machte uns extra so früh Frühstück, das war super lieb! Für mich gab es Cocatee für die Höhe. Zu viert ging es dann im Taxi los, ein 70-jähriger, seine Enkelin, Astrid und ich. Wir fuhren auf 4800m bis zu einer Hütte. Auf dem Weg dorthin mussten wir Schaf- und Alpakaherden aus dem Weg hupen und sind an vielen Frauen mit traditioneller Kleidung vorbei gefahren. Generell tragen hier wirklich fast alle Frauen diese weiten, bunten Kleider, selbst wenn sie nur im Hinterhof ihre Hühner umher scheuchen. Ja, habe ich alles geheim aus dem Haus beobachtet, als ich mal wieder darauf gewartet habe, bis sich gewisse Peruaner die Haare gekämmt, ihre Sachen geräumt und genug Nachrichten auf dem Handy geschrieben haben. Gibt mir viel Zeit meine Umgebung zu beobachten, also eigentlich nichts Verwerfliches und geschafft haben wir eh alles, was wir sehen wollten. Nur wie das im Job dann funktioniert, ist für mich fragwürdig, also es wird halt einfach viel weniger geschafft als in Deutschland, dafür ist wie gesagt das Burn-Out Problem auch völlig unbekannt. Deshalb frage ich mich, warum alle immer von einem Leben in Europa träumen. Das Arbeitspensum dort ist ein ganz anderes, es muss eben auch etwas geleistet werden, wenn man etwas erreichen möchte. Das Leben lebt sich so wie hier aber eben einfacher und entspannter. Es hat alles seine Vor- und Nachteile. Schickt die Leute nicht in eine Klinik, schickt sie nach Südamerika und lasst sie dort eine Weile arbeiten, dort lernt man den entspannten Stil kennen. Bloß wirklich umsetzen kann man das in Europa auch nicht. Aber ich selbst bin auch schon oft genug in den Genuss gekommen, dass man hier einfach alles viel entspannter sieht. Zum Beispiel ist es damit auch weniger das Problem Sachen umzubuchen, man muss eben nur wissen, wie man die Mails formuliert, und dann geht das meist ganz leicht. Generell sind Regeln hier eher Richtlinien, an die man sich hält, wenn es eben passt und wenn nicht, werden diese passend gemacht. In dem Sinne ist eben doch viel möglich, weil einfach nicht alles so starr ist, wie in Deutschland.
Wir sind dann also ab 4.800m losgelaufen. In drei Stunden ging es dann auf 5200m, erneut mit viel Atemnot. Viel gesehen haben wir leider auch nicht, auf Grund des starken Nebels. Immer wieder zwischendurch konnte man jedoch einen Blick auf türkise Lagunen oder auf den von der Sonne reflektierenden Gletscher erhaschen. Als wir dann ankamen, waren Astrid und ich super fertig und machten ein paar Fotos, während die anderen verzweifelt versuchten, auf den Gletscher raufzukommen. Ich meinte dann aber, dass mir das zu gefährlich ist, weil unser Guide, der gleichzeitig eben auch unser Taxifahrer war, null vorbereitet war. Er wusste nicht, wo wir wirklich auf den Gletscher raufkommen und dann hatte er nur ein Seil mit, nichts weiter. Dementsprechend stiegen wir dann einfach wieder ab, als es anfing zu schneien. Meine Hände waren auf 5.200m Höhe schon leicht taub von der Kälte und der Schnee wandelte sich schnell in Regen. Nach 2h Abstieg, zweimal den falschen Weg einschlagen, weil man durch den Nebel nichts mehr richtig sah, kamen wir total fertig beim Auto an. Es waren auch Familien ohne Führer unterwegs, keine Ahnung, wie und ob sie den Weg wieder runter gefunden haben. Astrid hatte sich auf dem rutschigen Weg sicher 8 Mal hingelegt, alles war durchnässt und bei der Kälte konnte ich kaum richtig laufen, so stark habe ich gezittert. In der ebenfalls kalten Hütte gab es einen Tee, der mich soweit wärmte, dass ich die Kopfschmerzen merkte, die durch die Höhe entstanden.
Wenn die Peruaner auch keine Heizung in Wohnungen kennen, so doch zumindest in ihren Autos. Eine Stunde Abfahrt bei Regen und Nebel waren dann selbst bei aufgedrehter Heizung super unangenehm. Unten angekommen war mir speiübel von den Kopfschmerzen und noch immer kalt. Unser Führer fuhr uns dann direkt vor die Haustür, wobei wir noch ein Telefonat belauschen durften, in dem er 5 Soles mehr verlangte, wegen des Wetters.
Glücklicherweise war die Tür von unserer Unterkunft gleich offen, weil sich einige draußen versammelt hatten. Und egal wie kalt es einem ist, trotzdem wird sich erst einmal bei allen mit Küsschen auf die Wange begrüßt. Danach ging es aber schnell rein, leider nicht ins Warme. Das ließ mich ja so verzweifeln. Kennen Peruaner das Gefühl wirklich zu Hause zu sein? Sicher kennen sie es, aber es muss sich komplett anders anfühlen. Denn bei ihnen geht es eben darum, endlich bei der Familie zu sein, bei uns ist es doch vor allem das Gefühl, endlich in einer warmen Wohnung zu sein, die Heizung schon am laufen und sicherlich auch die Familie, die auf einen wartet. Nur kann man sich wirklich heimisch fühlen, wenn man die ganze Zeit in dicker Winterjacke und mit Straßenschuhen durch das eigene Haus schlurft?
Glücklicherweise gab es lauwarmes Wasser zum Duschen und nachdem ich erklärt habe, was passiert war, während Astrid tatsächlich in fünf Minuten duschte und sich die Haare wusch, kamen alle mit Decken an und uns wurde warmer Cocatee serviert. Nach einer Kopfschmerztablette und ein wenig Entspannen auf der Couch, ging es uns schon wieder besser. Später kamen dann noch einmal neue Leute zu Besuch. Einer war sehr interessiert an der deutschen Kultur und Geschichte und tatsächlich war es das erste Mal, dass ich in Peru über Hitler und die Einstellung der Europäer zu dem Thema sprach. Das war echt interessant! Ich habe Astrid auch erzählt, dass ich erst vor einer Woche im Norden von Peru einen Zug gesehen habe, in den die Leute sich reingestellt hatten und wo dann auch die Türen ohne Fenster zugeschmissen wurden, genauso wie man es aus jedem Film auf dem 3. Reich kennt, der Abtransport ins KZ. Hier waren es sicher nur die billigen Stehplätze, aber ein gutes Gefühl das in Echt zu sehen, war das nicht, weil es eben einfach mit schlimmen Bildern verbunden ist.

Da unsere Sachen komplett durchnässt waren, hatten wir ein kleines aber feines Problem, immerhin sollte unser Bus nach Lima um 11 Uhr abfahren. Wieder in die nassen Sachen war unmöglich! Also zogen wir uns unsere Schlafanzüge an. Ich ging in Hemd, Leggins, Ballerinas mit roten Hello-Kitty-Socken, einem viel zu kurzen Pulli von Astrid, Schal und der glücklicherweise inzwischen trockenem Jacke, während Astrid den Vogel abschoss. Sie hatte zwar noch eine trockene Jeans, musste aber in ihren Schlafzeugoberteil mit einem süßen Bären drauf und roten Flip Flops mit Socken losgehen. Da es immer noch regnete, wechselte sie kurz vor dem Rausgehen noch ihre Flip Flops gegen viel zu kleine, hochhackige Schuhe von ihrer Tante und bekam von ihrem Onkel noch einen grünen Hut aufgesetzt. Damit fuhr uns ein Taxi dann in ein relativ edles chinesisches Restaurant, in dem uns die Kellner dann erstmal allesamt auslachten, aber wir hatten auch unseren Spaß. Da lacht uns doch tatsächlich ein Chinese mit dem Namen Elvis aus, also wirklich! 😉
Im Bus ging es dann endlich wieder ins sonnige Lima. Dass ich das mal sagen würde, hätte ich ja auch nie gedacht.

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Trujillo mit der WG (26.10.2012 – 28.10.2012)

Um 6 Uhr früh ging der Bus, wir fuhren vier Stunden an der Küste entlang. Auf einem Mal tauchten riesige Müllberge auf. Wir haben sogar gesehen, wie ein LKW gerade Müll abgeladen hat, einfach so auf riesige Flächen Sand, die er unter sich begräbt, und darauf ewig liegen bleibt, die hässlichen schwarzen Vögel anlockt und die Umwelt verpestet – war schon leicht schockierend.
Doch bevor wir in den Bus sind hat sich ein kleiner Junge neben Simon gesetzt und ihn gefragt, wo er herkommt etc. Das war leicht verwirrend, man schwebt hier immer zwischen Skepsis und Zuneigung. Er hat wohl auch oft auf unsere Taschen geguckt und war recht nervös. Ich meinte aber zu Simon, dass solche Tricks wohl eher bei Frauen funktionieren und er wohl wirklich nur Interesse hat. Später kamen dann auch seine Mutter und Oma und er meinte in Trujillo zu Simon, dass wir hier auf unsere Sachen aufpassen müssen, weil es viele Diebe gibt – Ironie des Schicksals!
Am Strand von Huanchaco warteten die anderen aus der WG schon auf uns und sonnten sich. Wir zogen uns um und chillten auch eine Weile. Nach frittiertem Fisch, Limonade und Pisco Sour ging es noch über den „Markt“, naja ein paar Stände zum Souvenirs shoppen, bis Janik meinte, es wäre Zeit surfen zu gehen. Dina und ich mit Lehrer, Simon, Tomas, Janik und Ann-Marlen ohne. Wir waren ganz schön aufgeregt. Erst einmal zog ich den Neoprenanzug falsch herum an, also aus dem nassen Zeug wieder raus und erneut rein quetschen. Das Anziehen allein war schon anstrengend genug. Am Strand gab es dann erst einmal Aufwärm- und Trockenübungen, bevor es ins Wasser ging. Puh war das kalt, inzwischen war die Sonne auch weg. Also rauf aufs Board und ins Meer paddeln. Die ersten paar Male ging gar nicht, aber nach dem dritten Mal stand ich sogar kurz, das war ein geiles Gefühl. Er meinte, dass die erste Stunde die beste wäre, aber ich glaube das Beste ist, wenn man es wirklich schafft, seine erste Welle bis zum Schluss zu reiten, egal in welcher Stunde.
Nach der Hälfte mussten wir raus, weil Dina ihren zweiten Wadenkrampf im Wasser hatte, also gab es ein paar Dehnübungen und eine neue Technik. Mir war inzwischen richtig kalt, die Sonne war weg und alles hatte eine gräuliche Färbung angenommen. Um uns herum wateten riesige Pelikane durch den Sand, ohne jegliche Angst vor Menschen und die letzten Schiffer legten mit den Strohbooten, die typisch für den Titicacasee sind, an. Eigentlich ziemlich romantisch. Das Surfen geht extrem auf die Arme und am Ende ist man auch recht fertig! Abends ging es dann nach einer warmen Dusche noch auf eine Hausparty von einer Freundin von Janik.

Am darauffolgenden Tag ging es zu Chan Chan, eine riesige Stadt um 1300 aus Lehm errichtet. Einiges steht heute noch, einiges eben auch nicht mehr. Danach ging es zum Huaca de la Luna y del Sol, eines davon sah aus wie eine Sphinx und am Ende noch Trujillo, mal eine etwas andere peruanische Stadt. Meerschweinchen gab es zur Abwechslung auch mal wieder, auch wenn ich unter lauten „Ihh“-Aufschreien essen musste, von Leuten, die leider noch nicht einmal probiert hatten. Hauptsache die Ente auf dem eigenen Teller konnte man sich nie als Haustier halten und wird deshalb auch mit ganz anderen Gefühlen betrachtet, als das fette, hässliche Meerschweinchen. Und keine Angst, umgebracht werden die hier ganz schnell. Schwer zu essen sind sie trotzdem noch immer, also habe ich ziemlich schnell mein Besteck liegen gelassen und das Ding auseinander genommen. Yamir meinte dann, dass ich ja schon weiß, wie man das isst. Naja, so wie es eben am einfachsten isst. Man will ja bei dem wenigen Fleisch auch zumindest alles abbekommen.
Am letzten Tag war so schlechtes Wetter, dass wir uns in voller Montur an den Strand setzten bis wieder ein Straßenhändler ankam, der Armbänder verkaufen wollte. Yamir holte sich eins und ich habe mich daraufhin zur Frau vom Verkäufer gesetzt, die aus Deutschland kam. Wir haben uns dann ein wenig unterhalten. Sie hat ihn vor einem Jahr in Cusco kennen gelernt und ist jetzt vor 4 Monaten nach Peru zurück gekehrt um mit ihm rumzureisen. An Ampeln führen sie dann Kunststücke auf oder verkaufen Armbänder an Touristen. Sie übernachten oft im Zelt und manche Tage erst spät abends was zu essen leisten, weil eben davor niemand kommt um etwas zu kaufen. Sie hat mir auch von der Art erzählt, wie Peruaner mit ihren Freundinnen umgehen. Für Peruaner ist man immer ein Besitz, sie sind wohl furchtbar eifersüchtig. Sobald man nur eine falsche Andeutung einem Freund gegenüber macht oder dieser etwas falsch versteht, wird einem sofort unterstellt, dass da doch mehr im Spiel wäre. Das hat sie wohl schon von mehreren Paaren gehört und ich habe es selbst auch schon beobachtet. Alle Kerle haben ein wachsames Auge auf ihre Partnerin, aber sobald eine hübsche Frau auftaucht, vergessen sie diese auch mal ganz schnell und Europäer haben hier noch einen ganz anderen Wert. Hauptsache die Frauen spuren, verheiratete dürfen nicht mehr allein mit ihren Freundinnen ausgehen, wohl nur noch mit ihrem Ehemann. Nur glaube ich, dass sie eh nicht mehr die Zeit dazu haben, denn nach der Ehe gibt es sowieso ein Kind nach dem anderen. Darüber unterhielten wir uns also, während sie mir zeigte, wie ich mir eine Kette für meinen Anhänger knüpfen kann. Ich kaufte ihr dann noch Band ab um meinen zweiten Anhänger genauso zu verknüpfen und ging dann als es dunkel wurde los um die anderen zu suchen. Als ich sie nicht wiederfand, setzte ich mich noch kurz zu ihnen in ein Restaurant, wo noch andere Traveller saßen, unter anderem zwei deutschen Mädels, die ihre Wohnung aufgegeben haben und jetzt zwei bis drei Jahre durch die Welt reisen.
Am späten Abend ging es dann mit dem Bus wieder nach Lima. Nach über einer Woche reisen, fühlte es sich schon sehr merkwürdig an, wieder ins temporäre Zuhause zu fahren.

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Kultur im hohen Norden Perus – Chiclayo (24./25.10.2012)

Chiclayo – Ferreñafe, Museum, Stadt (24.10.2012)

Wir kamen um 5 Uhr in Chiclayo an und wurden auch zu solchen unhumanen Uhrzeiten schon von Taxifahrern belagert. Schnell suchten wir uns die günstigste Herberge aus und nahmen uns den erstbesten Taxifahrer. Kaum im Taxi meinte er, dass das Hostel 100 Soles kosten würde, glaubte ich ihn natürlich nicht. Er hat uns dann einige andere empfohlen und meinte, günstiger als 30 Soles pro Person kommt man hier nicht. Ich blieb stur, Simon nannte ihm dann die genaue Adresse, weil der Gute wohl nicht wirklich wusste oder wissen wollte, wo das Hostel liegt. Leider haben wir es auch nicht gefunden, dafür aber ein anderes in der Nähe. Der Taxifahrer gab nicht auf, doch da ich Taxifahrern generell eher misstrauisch gegenüber stehe, bin ich dann einfach ausgestiegen. Später hat uns der Besitzer vom Hostel aus erzählt, dass Taxifahrer gerne überreden, zu einem bestimmten Hostel zu fahren, dann aber die Passagiere ausrauben, wenn man zustimmt. Also alles richtig gemacht!
Wir sind dann eben zurück zu dem Hostel, was wir beim Vorbeifahren gesehen haben, nicht ohne jedes Mal aufmerksam die Seitenstraßen nach verdächtigen Personen abzusuchen. Das Hostel war verschlossen und es hingen keine Preise draußen, also klopfte ich nur zaghaft. Der Besitzer kam ziemlich schnell, ließ den Preis noch runter handeln und ich rannte schnell hoch um mir das Zimmer anzuschauen. Fernseher und eigenes Bad mit Warmwasserdusche ließen uns nicht lange zögern. Nach 3h Schlaf und ein wenig Käsebrötchen zum Frühstück ging es dann erst einmal raus um die Touristeninfo zu suchen. Unter extremer Hitze und viel zu warm angezogen, liefen wir eine Weile herum, bis wir endlich da waren. Immerhin regnete es nicht mehr, so wie in Cajamarca jeden Abend. Solche extremen Wetterwechsel war ich aus Lima gar nicht mehr gewöhnt. Den stärksten Regenfall gab es zwar erst vor kurzem, aber dann bleibt es auch so den ganzen Tag über. Nach diesem Regentag drängelten sich die Fußgänger in Lima auch alle an den Häuserwänden entlang, weil die Autos permanent Wasser über den gesamten Bürgersteig schwemmten. Nur ich lief dann am Straßenrand entlang, natürlich kam ein Auto, aber ich hatte Glück und bekam gerade so nichts ab. Da hörte ich, wie jemand meinte, dass das kein Wasser wäre. Astrid erklärte mir dann, dass es Abwasser wäre. Das also macht der Regen in Lima. Danach habe ich mich auch lieber in die Reihe an der Wand, weit weg von der Straße und den bösen Autos eingeordnet.
In der Touristeninfo in Chiclayo stellten wir unsere individuellen Touren zusammen, weil wir nicht 50 Soles für eine organisierte zahlen wollten und man natürlich mehr erlebt, wenn man mit Peruanern unterwegs ist. In einem Taxi colectivo ging es los, es ist ein normales Taxi, das wartet, bis es voll ist und dann für relativ wenig Geld losfährt, aber auch wirklich erst, wenn es voll ist. Das Museum Sincán, das wir besuchten, war wahnsinnig gut aufgearbeitet, besonders für peruanische Verhältnisse.
Zurück ging es dann wieder in Colectivos, zu dritt vorne und zu viert hinten. In der Stadt ging es vorbei an Schuhgeschäften, in der es wieder nur die teuren, hässlichen Schuhe in meiner Größe gab. Glücklicherweise gab es auf dem Mercado Modelo dann endlich günstige Schuhe die knapp passten, eine Größe größer war dann aber schon wieder viel zu riesig, wohl ein Produktionsfehler. Also für 18 Soles endlich Ersatz, der auch gefällt. Auf dem Markt gab es leckere Muffins und eine Sektion voller Kräuter und Heilpflanzen aus der Region, eine andere bietete Stoffe, Garn und Knöpfe an. Überall saßen Frauen an Nähtischen. Das machte richtig Lust, auch wieder loszulegen!
Dann gab es noch eine Reihe voller Schokolade, allerdings nur reiner Kakao zum kochen, also nix zum sofortigen Konsum, leider.
Auf dem Rückweg zur Plaza de Armas wurde noch eine einheimische Frucht gekauft und beim peruanischen H&M reingeschaut – exakt der gleiche Stil, exakt die gleichen Preise. Trotzdem viele Peruaner, die dort einkauften. Wenn man sich irgendwann zu stark im Inka- und Lama-Hype verirrt, kann man einfach zu Topitop um sich wieder nach Europa zu versetzen und zu wissen, dass man die Sachen dort eh nicht öffentlich tragen würde. Das Gute bei peruanischen H&M-Preisen ist, dasss man doch lieber wieder was weglegt, weil es einfach teurer aussieht (200 Soles schrecken eben doch eher ab, als 70 Euro). Naja ein Pullover von 120 Soles auf 30 herabgesetzt, wirkt dadurch allerdings wie ein umso größeres Schnäppchen (40 Euro à 10).
Nach einem Hamburger saßen wir noch eine ganze Weile einfach nur an der Plaza de Armas und beobachteten das Geschehen.
Achso, mir fällt gerade so ein, es gibt schon seit fast einem Monat Weihnachtsartikel im Supermarkt zu kaufen, auf der anderen Seite werben sie gerade für die neue Sommerkollektion, eine Kombination, die einfach gar nicht geht. Hat mich aber auch gefreut, denn dadurch wusste ich, dass es nun fast greifbar ist, bis meine Eltern zu Besuch kommen. Und genau gestern in zwei Monaten ist es soweit!

Chiclayo – Tucume, Museo de Sipán (25.10.2012)
Ein Tag zu Fuß. Viel Sonne. Beim Museum meinte ich, estudiantes, aber sie schüttelte nur den Kopf und meinte, nur Nationale! Daraufhin meinten wir, ja sind wir, was sie ziemlich verwirrt hat. Hat dann gefragt, wo wir wirklich herkämen und warum wir hier studieren. Dann hieß sie uns herzlich in Peru willkommen. Naja besser spät als nie.
Ansonsten waren die Pyramiden von Tucume und das Museum Sipan nicht sehr unterschiedlich von den Infos, die wir gestern erhalten haben. War trotzdem cool durch die restlichen Pyramiden zu laufen, so als wären wir die einzigen Menschen auf dem Planeten. So ging wir verbotene Wege entlang, ohne es zu wissen und staubten völlig ein. Auf dem Rückweg war uns der Buspreis überteuert, also wurden wir von allen Seiten angequatscht, doch mit dem und dem mitzufahren, bis uns ein Peruaner freundlich fragte, wo wir hinwollen und meinte, der Preis wäre normal. Also stiegen wir mit ihm in den Bus. Dooferweise hatte er mitbekommen, dass wir den Preis nicht zahlen wollten und drängte uns förmlich dazu, einen Sol von ihm anzunehmen. War uns super unangenehm! Er war auch wirklich nett, zeigte uns den Weg und meinte, er wäre Professor für Sozialkunde an einer Militärschule und fragte uns, wie uns Peru gefiel. Bei einem Chinesen trennten sich unsere Wege, er beschrieb uns noch den Weg zur Plaza de Armas und wir verabschiedeten uns.
Heute konnte man den Leuten beim Malen und der Schmuckherstellung beobachten, da hätte ich mich am liebsten dazu gesetzt. Momentan habe ich unglaubliche Lust alle bunten Eindrücke, gerade aus den Museen in Bildern auszudrücken.

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Cajamarca – Granja Porcón, Innenstadt (23.10.2012)

Nach dem Aufstehen, Duschen getestet, erneut eisig, also diesmal als sauber genug befunden, Sachen gepackt, untergestellt und verzweifelt nach Frühstück gesucht. Dummerweise war alles zu, bis auf ein Café, die zwar Sandwiches auf der Karte, aber um 8 Uhr morgens leider nur Hühnchen da hatten. Also ging es hungrig den Berg zum Aussichtspunkt hoch. Dort kamen uns einige Kinder in Schuluniform entgegen.
Oben hatten wir dann einen schönen Ausblick auf die Kirchen und auch die ganzen Wohnhäuser mit ihren Innenhöfen. Auf dem Rückweg hatten inzwischen mehr Restaurants geöffnet, aber nichts Wahres zum Frühstücken, also gab’s für mich Trinkjoghurt und für Simon Brötchen mit Thunfisch aus der Dose.
Kurz danach ging die Tour los, da ich aber nochmal auf Klo musste, wartete Simon unten und hörte nur, wie ein Touranbieter fragte, ob wir los könnten, worauf ein anderer mit „Nein, seine Frau fehlt noch“ antwortete (damit meinte er mich). Nun ja die Menschen heiraten hier einfach früher und die Leute können es gar nicht glauben, wenn wir ihnen erzählen, wir wären nur Freunde. Naja zwei Europäer auf Reisen in Peru, da passt das ja alles gut zusammen.
Die Tour nach Gran Porcón ging also los. Kurzer Halt bei Steinmetzlern um ihnen bei der Arbeit zuzuschauen und auf ein Pärchen zu warten, dass mit Taxi hinterher gebracht wurde durch Verspätung.
Das Dorf Gran Porcón war durch eine Schranke abgesperrt und dahinter spielte sich ein anderes Leben ab. Kinder bekam man wohl durchschnittlich mit 13 und der Glaube hing höher als die peruanische Flagge. Es war eine evangelische Gemeinde, die Brot, Käse, Webarbeiten etc. alles selbst herstellten. Es gab einen großen Zoo mit Tieren aus Costa, Sierra und Selva, doch das schönste sahen Simon und ich außerhalb von Käfigen. Ein Kolibri flatterte in sicherer Entfernung um Blumen herum. Wir konnten uns die Webmaschinen anschauen und die Arbeiten kaufen. Die Leute hatten sich kilometerweit um ihr Dorf herum selbst Wald erbaut.
Der Käse, den sie verkauften, war der erste gute peruanische, den ich seit langem gegessen hatte. Nur beim Namen „tipo suizo“ (schweizer Sorte) musste ich grinsen. Ich habe mich dann aber doch für einen anderen entschieden, noch 30 cent für 6 Brötchen und fertig war das Essen für Zwischendurch. Auf dem Rückweg nahmen wir zwei Wanderer mit, die nicht mehr im Regen laufen wollten. Das passiert hier ständig, dass man als organisierte Reise in kleinen Bussen immer noch ein paar Reisende mitnimmt, wenn eh Platz ist. Wäre doch in Deutschland sicher aus Versicherungsgründen schon nicht möglich, oder?
Wieder unten ging die Museumstour los. Wir waren im letzten Inkahaus in Cajamarca und als ich die kleine Kirche von außen fotografierte, gab es zwei von drei Bauarbeitern, die mich ihren Blicken die ganze Zeit verfolgten. Irgendwann blickte ich eine ganze Weile zurück, aber sie guckten unentwegt weiter, bis es mir zu dumm wurde und ich genervt auf Deutsch meinte: „Arbeiten, nicht glotzen!“ So langsam habe ich den Zoo hier wirklich satt. Ich liebe die Anonymität einer Großstadt, umso schlimmer für mich dieses ständige, offensichtliche Angestarrt werden hier. Klar, viele sehen Europäer eventuell zum ersten Mal, da verstehe ich die Neugierde, aber etwas diskreter und sich auch mal überlegen, wie sich der ständig Beobachtete fühlt.
Noch eine Sache, die mir aufgefallen ist, als ich einmal mit Astrid unterwegs war und zwar gibt es hier an jeder Ecke kleine Snacks, Süßes, auch viel warmes Essen und Säfte zu kaufen, was für jemanden, der es nicht gewohnt ist, jedes Mal aufs Neue faszinierend ist. Ich kann mich immer kaum beherrschen, nichts zu kaufen, während die Peruaner zwar auch viel konsumieren, aber sich davon nicht so beeinflussen lassen, wie ich. So gab es eben auch in Cajamarca immer wieder ein Snack für zwischendurch.
Nach unseren Besuchen ging es in die Heladería Holandia, wo es das beste Eis von Cajamarca geben sollte und tatsächlich war es sehr gut. Obwohl es sich holländischer Eisladen nannte und überall Fotos aus Holland hingen, wo ich sehnsüchtig an unseren Urlaub in Amsterdam denken musste, gab es doch hauptsächlich peruanische Früchte als Sahneeis. Die, die wir noch nicht kannten, durften wir vorher probieren, so dass wir am Ende jeweils fünf Löffel in der Hand hielten. Das machte die Entscheidung nicht leichter.
Wir saßen ewig in Restaurants um uns die Zeit bis zur Busfahrt „totzuschlagen“. Zwischendurch kam eine Gruppe Musikanten herein, die uns gut mit peruanischer Musik unterhielt. Im Bus selbst war es unglaublich kalt. Ein Glück hatten wir uns beide noch kurz davor Decken gekauft, so dass zumindest ich eine Weile schlafen konnte.

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Cajamarca – Banos, Cascadas, Ventanillas (22.10.2012)

Nach 10h Schlaf erst einmal Frühstück im Restaurant um die Ecke. Danach ging es mit einem Bus direkt zu den Ventanillas de Otuzco. Wir waren die einzigen Touristen, der Touriguide meinte gestern auch zu uns, dass einige durch das Wetter und auch viele durch die Streiks der Bergarbeiter hier wegbleiben. Echt schade, weil wir davon nichts gemerkt haben, hat sich wohl auch wieder beruhigt. Jetzt können sie wegen des Wetters nicht weiter arbeiten…
Angekommen bei den Ventanillas, gleich 2 Soles Eintritt als Student losgeworden und hoch ging es. Die Ventanillas sind (übersetzt) Fenster, davon sind 337 Stück in einen riesen Felsen weit vor Christi geschlagen worden.
Danach wurde erst einmal wieder Obst gekauft, diesmal lokales. Mit diesem und viel Sonnencreme machten wir uns auf den Weg zu den Bädern der Inka. Wir fragten vier Mal nach dem Weg und alle meinten, man müsse einfach geradeaus dann links, nur wo wir abbiegen mussten, das wusste niemand so genau. Irgendwann fanden wir den Weg, fragten dann aber nochmal einen Bauarbeiter und durch Glück im Unglück fuhren gerade Kollegen von ihm vorbei, die uns im Pick-Up mitnahmen. Sie kamen aus Arequipa und waren hierhin zum Arbeiten versetzt worden. Wir liefen dann noch den Rest des Weges zu den Baños und Simon meinte, dass das der peruanischste Tag ist, den wir bis jetzt erlebt haben. Beim Vorübergehen haben uns alle Einheimischen ganz verwundert angeschaut und die Hunde böse gekläfft, aber wir haben viele hilfsbereite Menschen getroffen.
Da wir erst zum Schluss baden wollten, ging es nach einem holländischen Eis gleich mit dem Bus weiter zu den Wasserfällen. Diese Busfahrt war ein Erlebnis, dass sich gut in die Ereignisse des Tages eingliederte. Als ich einstieg und mich neben eine Frau setzte, meinte diese nur, pass auf! Tritt nicht auf mein Huhn! Das lag zwischen meinen Beinen auf dem Boden in einer Tüte, lebendig! Der Kerl, der das Geld kassiert, stellte/legte es dann woanders hin. Ansonsten waren nur Frauen in traditionellen Kleidern mit im Bus. Alle unterhielten sich, einige stillten ihr Kind – ist eben doch etwas ganz anderes als Busfahren in Lima, na gut die Anonymität einer großen Stadt trifft hier eben nicht zu.
Zu den Wasserfällen mussten wir wieder etwas laufen. Zwischendurch mussten wir quer über ein Grundstück, weil wir den falschen Weg eingeschlagen hatten. Ich hatte ein mulmiges Gefühl bei den aggressiven Hunden hier und tatsächlich kam dann einer an und bellte laut. Ich rannte an Haus und wollte nur schnell weg, als gingen wir schnell an einem dicken Schwein vorbei auf den offiziellen Weg.
Der Wasserfall selbst wirkte unglaublich beeindruckend, wenn man genau davorstand. Da die Sohle meiner Schuhe inzwischen nicht mehr existent ist, rutschte ich ständig vom Stein ab beim raufklettern, also Schuhe aus und barfuß ab ins kalte Gletscherwasser. Danach ging es weiter runter zum „weiblichen“ Wasserfall. Bei dem Versuch ihn mir näher anzuschauen, rutschte ich aus und landete auf dem Boden – Arsch einmal dreckig. Beim Aufstehen gleich im Moor versunken mit meinem Schuh, sodass dieser komplett vor Dreck und Nässe triefte. Also saß ich erstmal am Fluss und tauchte den gesamten Schuh unter Wasser – man war das kalt danach.
Zurück in Baños gab es dann erstmal ein Menu auf der Straße in einem Imbiss, Suppe, Hauptgericht und Trinken für 3 Soles (1 Euro). In der Suppe schwamm dann ein Hühnerfuß – lecker! Naja ich habe sie dann stehen gelassen, der Rest war gut… wir haben uns aber auch gesagt, wenn jetzt nichts passiert, können wir echt alles essen. Naja, immerhin haben dort auch viele Peruaner gegessen. Natürlich wurden wir dementsprechend penetrant auch wieder angestarrt. Hier ist es noch heftiger, als anderswo in Peru. Es gibt hier einfach wirklich viel weniger Touristen, wir kommen uns wie die einzigen Weißen vor. Wenn die ganzen Bettler uns sehen, kommen sie auch direkt rüber gerannt, für sie sind wir wohl „wandelndes Geld“. Simon wurde auch schon mit „Agua, gringo?“ angesprochen. Etwas dreist, wenn man etwas verkaufen will.
Nach dem Essen ging es endlich in die Baños del Inca, zum Abschluss des Tages. Die Bäder des ehemaligen Erholungsortes für die Oberschicht haben 60°C und dampfen dadurch durchgehend. Auf dem Boden setzten sich deshalb auch Minerale durch den Schwefel ab. Sie heißen Baños del Inca, weil dort der letzte Inka, Atahualpa, gefangen genommen wurde.
Wir haben uns für 6 Soles pro Person im Alexander-von-Humboldthaus ein Schwefelbad gegönnt, bezahlt war eine halbe Stunde, darauf wurde dann eine ganze. War auch ganz gut, weil wir dadurch „nur noch“ 2h auf unsere mixed Sauna warten mussten. Davor war nur gleichgeschlechtlich möglich. Rein ging es dann auch nur in Badekleidung. Es war ein Dampfbad, aber sehr warm und auf dem Boden lagen überall Gräser, was einen angenehmen Geruch im Raum berbreitete.
Wieder draußen, inzwischen regnete es stark und war dunkel, nahmen wir gleich den ersten Bus zurück nach Cajamarca. Die Straße hoch zum Hostel nutzten wir als Fressmeile. Wir machten in drei verschiedenen Restaurants halt, bei den Preisen. Danach ging es direkt ins Bett, voll platt vom Tag! Ich wurde übrigens voll übel von Moskitos an den Baños gestochen, die angeschwollen sind. Durch das laufen wurde es dann immer schlimmer. Also ging es in die Apotheke und wir dachten eigentlich beide es gäbe eine Salbe, aber hier gibt es immer Tabletten. Nun gut, nach den ersten beiden war die Schwellung auch schon gut abgeklungen, also wenn es hilft.

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Cajamarca – Cumbe Mayo (21.10.2012)

Am Samstagabend ging es los. Nachdem in ganz San Isidro der Strom und das Internet ausgefallen ist, konnte Simon zwar kein Geld mehr holen, aber kurz vor unserer Busfahrt ging alles wieder an, so dass wir unsere bis jetzt längste Busfahrt in Peru antreten konnten, ganze 16h standen uns bevor. Glücklicherweise haben wir ganz vorne gesessen, sodass wir ein wunderschönes Panorama hatten. Nachts ist es dank der starken Straßenbeleuchtung hier allerdings eher ungünstig vorne zu sitzen, wenn man schlafen möchte. Natürlich gab es bei so einer langen Fahrt auch wieder Filme. Hier werden auch in den Bussen nur Raubkopien gezeigt, so kam es, dass wir The Avengers und Madagaskar 3 sahen. Auf den Straßen kann man eigentlich auch nur Raubkopien kaufen, für 1 Euro das Stück. Die Europäer decken sich wohl immer gut ein und stehen dann tausend Ängste am Zoll aus. Naja, wer will.
Bevor wir losfuhren, kam der Typ wieder mit seiner Videokamera rum, in die jeder Passagier einmal hinein lächeln darf. Wenn man also die Decke der Busgesellschaft klaut, findet man sein Foto vermutlich bald auf Facebook – „most wanted“. Naja, bei anderen Gesellschaften muss man kurz bevor man den Bus betritt einen Fingerabdruck abgeben. Peru weiß inzwischen mehr über uns, als unser Heimatland.
Mitten in der Nacht fing dann einer an zu Schnarchen, einen andere holte ihr Handy raus und anstatt es auf lautlos zu stellen, schrieb sie munter drauflos und empfing dementsprechend viele Nachrichten, jedes Mal mit lautem Piepsen. Die Toleranz was Lautstärke angeht, seien es Klingeltöne, lautes Autohupen, Kreischen oder Musik, ist ihr definitiv deutlich größer als in Deutschland.
Als wir dann Sonntagmorgen ankamen, ging es direkt mit dem Taxi zur Plaza de Armas. Dort wurden wir kurz nach dem Aussteigen erneut von Straßenhändlern belagert, außerdem kam gleich eine Tourverkäuferin an, die von Cumbe Mayo erzählte. Da wir da eh hinwollten, fragte ich wie teuer und wann. Die Tour sollte 9:30 Uhr starten. Ein Blick auf die Uhr verriet mir, dass es also genau jetzt losgehen sollte. Wir hatten aber noch kein Hostel, also meinte sie erst, dass wir unsere Sachen bei ihr im Büro lassen könnten. War uns aber zu unsicher, also haben wir direkt in das Hostel nebenan geschaut und tatsächlich hatten sie Zimmer für 5 Euro im Angebot. Es wurde zwar mit warmen Wasser geworben, aber eben nur morgens. Ich versuchte es am nächsten Morgen um 7 Uhr – kalt, wie frisch vom Gletscher. Blieb mir also nichts anderes übrig als das ganze Haus wach zu kreischen, als ich mich versuchte zu duschen. Simon ließ es dann lieber ganz.
So also nahmen wir wie gesagt das Hotel und gingen direkt wieder runter und hundemüde ging die Tour los (natürlich nicht, ohne das ganze noch runter zu handeln). Wir wanderten durch schöne Steinformationen, krochen durch Steinspalten hindurch, aßen eine traditionelle giftgrüne Suppe und folgten vielen Bächen und vor Jahrhunderten angelegten Kanälen. Dann fing es an zu regnen und wir sprangen schnell in den Bus, nahmen noch zwei Einheimische in traditioneller Kleidung (ja, die schöne bunte) mit und fuhren wieder runter. Achso dort in der Nähe liegt wohl die fröhlichste Mumie der Welt, sie soll wohl grinsen.
Nach ein wenig ausruhen und richtig gutem Essen ging es bei Regenwetter durch die Stadt, da aber Sonntag war, hatte alles zu und wir hielten unsere Laune hoch, indem wir uns auf der Straße warme Churros kauften (Gebäck mit Manjarfüllung (caramellähnlich)).
Auf dem Weg zurück zum Hostel ging es in die kleine Touristeninfo und weiter spontan in Innenhöhe, wo es mal wieder tolle Schuhe gab, aber nicht in meiner Größe. Er meinte dann, dass ich sie einfach mal probieren sollte. Ich dachte echt, ich hätte mich verhört! Ich hielt den Schuh zur Demonstration an meinen und er meinte nur, oh…ein wenig klein. Genau genommen war es eine 35 und ich habe eine 41, hätte ich ja mal probieren können, genau! Das waren Original-Vans, bei nationalen Produkten brauche ich gar nicht mehr schauen. Die werden nur bis Größe 38 produziert, dabei sind da echt ein paar richtig hübsche dabei. Abends kauften wir noch Obst beim Straßenhändler und machten Fotos auf der hell beleuchteten Plaza de Armas.

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Die schönsten Aussichten in den Anden (01.10. – 14.10.)

Nach wenig Schlaf ging es dann am Montag im Rahmen einer organisierten Tour auf die Islas Ballestas, einer Insel auf der jeder Zentimeter mit Vögeln oder Robben bedeckt ist. Es ist unglaublich zwischen all den Vögeln mit dem Boot durchzufahren und ich verstehe bis heute nicht, warum gerade auf diesen Felsen sich so viele auf einer Stelle befinden. Dementsprechend gibt es auch keinen Felsen mehr, der nicht weiß von Vogelkacke ist, die mehrmals im Jahr komplett gereinigt und dann teuer verkauft wird. Nur leider hätte ich den Ausflug beinahe verschlafen. Als Astrids Mutter mich zum dritten Mal anrief um zu fragen, wo ich denn bleibe, bin ich endlich wach geworden, nur leider war das genau zu der Zeit, als der Bus los fahren sollte. 10 Minuten später stand ich vor Astrid, die mich lächelnd begrüßte. Wie können die Peruaner so ruhig sein??? Ich bin fast wahnsinnig geworden vor Angst, aber natürlich fuhren wir erst eine halbe Stunde später los.
Nach den Islas Ballestas ging es nochmal nach Huacachina, dieser Oase, weil Astrid noch kein Sandbording ausprobiert hat. Bei mir setzte gleich ein Gefühl von tiefer Entspannung ein, als wir in die Wüste einbogen. Ein richtig toller Ort um einfach jeglichen Stress zu vergessen. Diesmal habe ich mich dann sogar mal getraut, im Stehen auf dem Board den Hügel runter zu gleiten.

Abends ging es dann etwas früher ins Bett und am nächsten Tag wurden schon Sachen für Huaraz gepackt, eine Woche in den Bergen. Abends ging es mit Simon, einem anderen Deutschen, der hier im Haus wohnt, los. Wir fuhren die ganze Nacht durch und wurden morgens direkt abgeholt zum viertägigen Santa-Cruz-Trek. Mit Schweizern, Israelis, Franzosen und einem Argentinier liefen wir dann vier Tage lang durch die schönen Anden. Es wird nicht umsonst als eine der schönsten Gebirgsketten der Welt bezeichnet, es ist einfach atemberaubend. Und dieses Wort beschreibt es ziemlich genau, am zweiten Tag gab es den schlimmsten Anstieg, wir sind auf über 4000m Höhe gestiegen. Wieder eine, die sich trotz Höhentablette übergeben musste, ich hatte extreme Atem- und Kreislaufprobleme. Nach dem höchsten Punkt auf dieser Tour kamen noch Kopfschmerzen hinzu, aber die Aussicht war all die Strapazen wert. Es schliefen immer zwei Personen in einem Zelt und es gab unglaublich dünne Isomatten, so dass uns allen nach der zweiten Nacht alles weh tat, aber die Schlafsäcke hielten wunderbar warm. Es gab jeden Abend erst Suppe, dann richtiges Essen und viel Cocatee für die Höhe. Zum Trinken wurde Wasser aus dem Fluss gekocht und abgefüllt, das leicht nach Papier schmeckte. Tagsüber trugen erneut Esel und Pferde unser Gepäck.
Wir sind den Santa-Cruz-Trek in die andere Richtung gelaufen, als man es eigentlich macht, weil es so rum einfacher war. Als wir dann wieder mit dem Minibus ins Dorf zurück sind, waren wir zwei mehr, weil zwei Mädchen die Tour abgebrochen haben.
Endlich wieder in der Zivilisation angekommen, haben wir gleich zwei weitere Touren gebucht, eine zu Ruinen und eine weitere zum Eisklettern am Gletscher. Die restlichen Tage gab es dann Pizza und chinesisches Essen, weil wir beide die Nase voll hatten vom peruanischen.  Unser Hostel war der Hammer. Am nächsten Morgen im Frühstückssaal saßen wir mit zwei Britten am Tisch und die eine meinte, dass nur bei einer der zwei Duschen warmes Wasser kommt und das, obwohl das Hostal mit warmen Duschen geworben hatte. Da musste ich einfach grinsen und meinte, dass das ziemlich gut ist für peruanische Verhältnisse, viele werben damit, aber da ist das warme Wasser schon vor Jahren ausgegangen. Da staunten die beiden aber nicht schlecht. Ja, da zwei waren wohl gerade frisch in Peru angekommen.
Die organisierte Tour zu den Ruinen war genau das richtige nach vier Tagen wandern, einfach gemütlich im Bus hin und her geschaukelt zu werden und nichts tun zu müssen. Ich verstand leider nicht viel, was er zu den Ruinen erzählte, die unterirdischen Gänge waren noch so ziemlich das coolste daran, alles andere leider schon ziemlich verfallen. Die Peruaner scheinen sich eben nicht so die größte Mühe damit zu geben, ihr Kulturgut zu erhalten. Also musste man sich viel vorstellen, wie es früher wohl mal ausgesehen haben mag. Ich fand es auch viel witziger die Peruaner selbst zu beobachten, als der Stätte so viel Beachtung zu schenken. Schon im Bus gab es ein Pärchen, was sich wohl am besten über ihre Handyspiele verständigen konnte. Anstelle sich zu unterhalten, zockten die beiden auf ihrem eigenen Handy. Im Museum angekommen, wurde nicht geguckt, sondern fotografiert. Alles wurde festgehalten, teilweise das ganze Museum gefilmt. Wer sich das wohl nochmal anguckt? Bei einem jungen Pärchen musste ich grinsen, denn das Mädchen stellte sich vor alles, was ausgestellt war, poste, grinste und forderte ihren Freund auf schnell ein Foto zu machen, bevor ihre Gesichtszüge wieder völlig entglitten. Im nächsten Raum wurde er dann von ihr auch schnell an einen Ort gezerrt und sie wiederholte die Prozedur. Ich bin den beiden lange gefolgt, weil mich das Verhalten so faszinierte. Das der Kerl dann aber auch nichts sagt, sich nicht mal beschwert, nein es wird alles brav ausgehalten. In einer anderen Familie gab es eine Tochter, die ihre Mutter beschimpfte und auch ständig Fotos von sich wollte. Sie posierte und sagte im genervten Ton: „Jetzt mach schon, du weißt, dass ich es nicht mag zu warten.“ Simon und ich guckten uns nur an und rollten die Augen. Wir haben uns auch über unsere Erfahrungen mit den Pärchen hier in Peru unterhalten und je mehr ich mich mit dem Leuten darüber unterhalte, umso deutlicher wird eigentlich auch, wie oberflächlich alles ist. Gerade auch in der Uni wirkt das alles wie die erste Beziehung in der Pubertät, man will einfach nur einen Partner haben mit dem man alles ausprobieren kann. Man ist nicht mit dem Partner zusammen, weil man sich so gut versteht, sondern eigentlich nur, damit man jemanden hat. Das kann doch gar nicht gut gehen. Ich weiß nicht, wann die Menschen hier erwachsen werden, aber es geschieht doch deutlich später als bei uns, wobei es natürlich auch abhängig davon ist, was man für Erfahrungen im Leben macht. Astrid war inzwischen ein Jahr in Deutschland und ist dementsprechend auch deutlich reifer, als manch andere, die eben ihr Leben lang nur in Peru verbringen.
Am nächsten Tag ging es zum Eisklettern. Ich wusste von Anfang an, dass ich das mit meiner starken 😉 Armmuskulatur nicht hinbekommen werde, aber ich wollte es einfach probieren. Wir waren zu dritt, ein Neuseeländer, der normalerweise auf Berge geklettert, Simon und ich.  Dann waren noch ein paar Peruaner dabei, die wir auf dem Weg zum Gletscher aufgegabelt hatten und einfach mitgenommen haben, die sich aber nur den Gletscher anschauen wollten. Die Jungs probierten sich zuerst aus und der Neuseeländer kam relativ erschöpft wieder unten an und meinte, dass man die Eispickel mit den Armen richtig fest ins Eis schlagen muss, damit man nicht abrutscht, na das hat mir Hoffnung gemacht. Also versuchte ich mein Glück und kam einfach nicht hoch. Ich rutschte ständig ab und meinte dann, ich will runter, aber unser Guide hielt das Seil so straff, dass ich nicht runter konnte und ließ es auch nicht los. Simon fing dann an mir Tipps zu geben, was ich als nächstes bewegen soll und die Peruaner feuerten mich an, also versuchte ich mein Glück und siehe da, ich schaffte es, zwei Mal hoch. Das Runterkommen war noch eine ganz andere Schwierigkeit. Oben angekommen, dachte ich, jetzt ist ja alles geschafft, doch denkst du dir. Ich lehnte mich nach hinten, nicht ohne großes Geschrei, was ich schon den ganzen Weg nach oben gemacht habe, und dann sollte ich meine Arme ausbreiten. Ich guckte nach unten um ihm meinen „Bist-du-verrückt“-Blick zu schenken, aber großer Fehler, denn dadurch verlor ich das Gleichgewicht, weil er auch noch Seil nachschob und knallte erstmal gegen die Wand. Ich kam irgendwie gar nicht so schnell hinterher mit meinen Füßen, wie er Seil nachschob. Und wenn man dann erst einmal so im Seil hängt, ist es schwer sich wieder aufzurichten und waagerecht die Wand runter zu laufen. Auf jeden Fall eine Erfahrung, die man mal gemacht haben sollte, aber nochmal werde ich mir das wohl nicht antun. 😉

Wieder in der Uni wurde ich von allen Peruanern erst einmal mit der Aussage „Gott, bist du rot“ begrüßt. Ja, hallo, hier kommt der Indianer, wusste aber nicht, ob das so gut wär, wenn ich das hier laut ausspreche. Ich durfte dann auch direkt am Mittwoch bis 3 Uhr noch eine Power Point entwerfen, weil ich erst um 1 Uhr den ausgearbeiteten Text bekam. Donnerstag sollte der Vortrag gehalten werden und mir wurde gesagt, wir haben jemanden, der es vorträgt, nur leider wollte diese Person nicht. Ich dachte ich höre nicht richtig? Also wurde ich gefragt, ob ich das machen könnte. Ich guckte die beiden nur verständnislos an und fragte, ob die sich das wirklich antun wollen. Ich meine mir ist die Note egal, aber für die beiden ist sie wichtig. Aber ihre Angst vorzutragen war irgendwie größer. Also gingen sie zum Lehrer und sagten, dass sie das heute nicht können, weil niemand will. Der Prof willigte dann ein, was in Deutschland ganz einfach eine 5,0 gegeben hätte, und wir kamen einen Tag später ran. Doch leider tauchte der Typ am Freitag erst gar nicht auf, so dass ich dann die Sachen, die ich verstanden hatte, tatsächlich auf Englisch vortrug, während der Rest einfach von den Peruanern aus meiner Gruppe vorgelesen wurde. Ich traute meinen Augen kaum! Die bezahlen hier so viel und dann geben die sich so wenig Mühe!
Am Samstag ging es dann endlich shoppen! Zwar habe ich mich in Huaraz auf dem Markt ordentlich mit warmen Wintersachen eingedeckt, aber mir gehen inzwischen die Oberteile für den Alltag aus. Nach über acht Stunden einkaufen, war ich glücklich und hatte mehrere Tüten voller Kleidung. Sonntag ging es dann in zwei Stunden Busfahrt Pachamanca essen! Das sind Fleisch, Kartoffeln und noch mehr, zugedeckt mit Blättern und liegt so mehrere Stunden unter der Erde, bevor es gegessen werden kann, super lecker! Für 50 Soles haben sich Astrid und ich ein Tablett geteilt und es war einfach unglaublich gut. Dafür lohnt es sich schon einmal vier Stunden Busfahrt auf sich zu nehmen. Diese Woche schreibe ich noch drei Tests, zumindest ist das der Plan, bevor ich dann am Samstagnachmittag mit Simon in Richtung Norden starte, wieder eine Woche Sonne, Kultur und eventuell endlich mal surfen!

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Ein Ausflug in den Zoo und Camping in Markahuasi (22.09. – 30.09.)

Lange kein Lebenszeichen und viel wichtiger, vermute ich, auch keine Bilder mehr von mir. Also lege ich mal los.
Das Erdbeben kam natürlich nicht, genauso wenig wie der Untergang der Welt, nur einmal kurz hat es wohl gewackelt in Lima, immerhin auf Stärke 4, aber bis zum Meer runter und bei uns in die Gegend hat es das kleine Erdbeben nicht geschafft. Schon ein komisches Gefühl, wenn dir Leute aus der gleichen Stadt schreiben, dass es gerade bei ihnen bebt und du selbst spürst nichts.
Dementsprechend stand unserem kleinen Familienausflug in den Zoo auch nichts mehr im Wege. Der Park war identisch wie auch Peru eingeteilt in die drei bekannten Zonen, Küste, Berge und Dschungel. Vor allem war es eben ein süßer Ausflug mit Astrid, ihrer Mutter und ihrer kleinen Schwester, die genauso wie ich gerade dabei war Spanisch zu lernen und ihre Schwester anstelle von hermana immer mana nannte. Im Anschluss gab es dann noch richtig lecker Pizza bei Pizza Hut, endlich mal wieder und genau wie bei McDonalds, gibt es auch hier wieder Aji zum Essen, so ganz ohne peruanischen Einfluss kommen die amerikanischen Ketten hier halt nicht aus. Das Problem ist nur, dass man sich hier daran gewöhnt, nachdem man sich für 3 Soles seinen Burger geholt hat, erstmal 6 verschiedene Gratissoßen zur Verfügung zu haben, anstelle von einer kleinen Packung Ketchup. So wenn ich schon wieder beim Essen bin, will ich noch diesen kleinen Einschub machen. In meiner Persönlichkeitspsychologievorlesung haben wir (zum 20. Mal in meinem Leben jetzt) die Bedürfnispyramide von Maslow durchgenommen und dort hatte der Prof in den Folien bei physiologischen Bedürfnissen ein Foto von peruanischen Essen. Er wollte gerade ansetzen zu erzählen, da wurde er von einem lauten „que rico“ (wie lecker) von allen aus der Klasse übertönt und leider blieb ihm dann auch erstmal die Möglichkeit verwehrt weiterzureden, weil das Essen erst einmal lauthals analysiert wurde. War nicht schlimm, er hat bereitwillig mitgemacht. Das nenn ich doch mal eine nette Abwechslung für Zwischendurch. Das Wissen gleich mit dem wichtigsten Thema für die Peruaner verbinden, dann bleibt es sicher im Kopf.
In der darauffolgenden Woche sollten Bustickets in die Berge gebucht werden, die waren aber auf einem Mal dreimal so teuer, weshalb wir nach 1,5h Warten in der Schlange endlich vor der Kasse angekommen, uns doch dazu entschieden, etwas anderes zu machen. Also ging es nach Markahuasi, Astrid, ihre peruanischen Freunde und ich machten sich also am Samstag auf den Weg mit Zelt und allem drum und dran. Ich meinte am Freitag, alle müssen pünktlich um 5:45 Uhr da sein, weil das eine organisierte Aktion über Facebook war und sich die Leute um 6 Uhr trafen. Ich kam dann um 6:10 Uhr als Erste an (Ja, ich wollte noch gemütlich Frühstücken) und es saßen bis dahin nur Leute aus den anderen Gruppen da. Kurz danach kamen dann Astrid und zwei Freunde eingetrudelt, alle mit viel mehr Gepäck als ich, da sie ja noch die Zelte mitschleppten. Nur eine Freundin fehlte noch, um 6:30 Uhr rief ihr Freund sie dann mal an, als die andere Gruppe anfing sich Taxis zu suchen, nur um zu erfahren, dass sie noch bei sich zu Hause war, aber jetzt los gehen wollte. 10 Minuten später war sie noch immer zu Hause (und sie braucht eine Stunde von zu Hause zum Treffpunkt), also entschieden wir ohne sie ein Taxi zu nehmen und sie müsse hinterherfahren. Im Auto erklärte mir dann Astrid die Uhrzeit, weil ich sie noch immer so sagte, wie in der Uni gelernt und das natürlich in Peru wieder ganz anders war. Als ich meinte es wäre 7 und 25, erzählte sie mir, dass man das so nicht sagt. Eigentlich wird hier nur im Viertelstundentakt gedacht. Deshalb schließt die Aussage „Wir treffen uns pünktlich um 5:45 Uhr“ auch die Uhrzeiten von 5:30 bis 6 Uhr in die Zeitspanne „pünktlich“ mit ein, aber eigentlich sind die Meisten dann doch eher eine halbe bis zu einer Stunde später da. Soviel zum peruanischen Zeitgefühl.
Als wir dann nach 5-6 Stunden Taxi- und Busfahrt endlich in einem kleinen Dorf namens San Pedro auf 3180m Höhe ankamen, war dort erst einmal nichts, außer den ganzen Eseln, die auf uns warteten. Als erstes sind mir aber hier in diesem Nichts die ganzen Schilder zum Aufladen der Handykarte aufgefallen, Hauptsache man hat selbst kaum mehr als einen Balken. Dort gab es dann erst einmal Mittag, noch nichts geleistet, aber schönes Lomo Saltado, eigentlich aus Rückenmark vom Rind, nur bei dem Preis und weil dort so viele Straßenhunde rumliefen, meinte Astrid scherzhaft(?), dass es wohl aus Hundefleisch gemacht worden ist. Den Peruanern ist in dem Fall alles zuzutrauen. Wenn man in Deutschland eine Suppe im Restaurant essen müsste, wo so große Fleischstücken drin rumschwimmen, dass du sie kaum auf den Löffel kriegst und dort noch überall Haut, Knochen und Knorpel dran hängt, würden das wohl viele stehen lassen, hier kriegt man es selbst in teuren Restaurants so serviert. Generell habe ich das Gefühl, dass die Peruaner ihre Tiere einfach einmal komplett verwerten und du dann ein Mix aus allem auf den Teller hast, so fühlt sich das zumindest manchmal im Mund an.
Bei der Höhe kann es ja gerne mal zu Kopfschmerzen kommen, weshalb sich die Peruaner Cocablätter gekauft haben. Ich habe von Astrid probiert, in den Mund nehmen und kauen, aber nicht runterschlucken. Astrid hat sich dabei noch munter mit Cesar unterhalten, während sich bei mir immer mehr Spucke sammelte, so dass ich es dann ziemlich schnell wieder ausgespuckt habe, hat auch nicht geschmeckt, und wirklich geholfen anscheinend auch nicht, denn Astrid hat sich trotz einer ganzen Tüte am Abend noch zweimal übergeben und mit enormen Kopfschmerzen zu kämpfen gehabt.
Dann ging es endlich los, die Esel trugen unsere Rucksäcke und wir liefen hinterher. Eigentlich dürfen die Tiere ja nur 40kg tragen, aber Jorge hat sich mit seinen 90kg (bevor er das wusste) dort raufgesetzt. Ja ein schlimmes Leben, aber die lassen sich ja eh nichts anmerken, gucken immer gleich doof.
Während wir die knapp 1000m hoch liefen, kamen wir an vielen verschiedenen Vegetationsschichten vorbei. Zuerst gingen wir durch nichts, dann kamen überall Kakteen und auf einem Mal waren überall rote Steine und der Sand nahm auch eine rote Verfärbung an, sehr skurril. Nach 3,5 Stunden war ich dann von unserer 6er Gruppe die erste oben beim Campingplatz, mir war dann aber auch gut schwindelig. Ich hab mich dann gleich an den Aufbau der Zelte gemacht, kurz danach kam Cesar und wir haben schnell zwei gemeinsam aufgebaut, bevor es zum sagenhaften Sonnenuntergang ging, den die anderen leider verpasst haben. Egal aus welchem Land, alle die ihn gesehen haben, meinten, es wäre der schönste ihres Lebens gewesen.
Als wir wieder unten waren, war es dunkel, aber immerhin waren die anderen inzwischen da. Astrid und Ingrid hatten noch eine halbe Stunde auf dem Weg gesessen um zu Essen und sind deshalb erst so spät hoch gekommen und Jorge war Gentleman und hat auf die beiden gewartet. Dann kam der krasseste Part des Abends, Astrid musste sich wie gesagt übergeben und dachte ihr Kopf würde platzen, mir ging es hervorragend. Wir hatten extra Rum und Cola gekauft um die kalte Nacht besser zu überstehen, nur wollte kaum jemand, so dass ich fast allein eine halbe Flasche Rum austrank. Dazu gab es Marshmallows über dem Lagerfeuer (Was viel besser ist, als über der Kerze meine Lieben 😉 ). Zwischen 19 und 20 Uhr gingen wir dann aber alle ins Bett. Die andere Gruppe machte noch bis spät in die Nacht hinein Musik und hat getrunken. Ich bin dort jedes Mal vorbei wenn ich pullern musste, was nach einem Liter Cola und ½ Flasche Rum ziemlich oft passierte. Auf das öffentliche Klo wollte ich aber nicht, weil das eh nur aus einem Loch im Boden bestand und das haben die Leute leider nicht getroffen.
Astrid und ich schliefen in einem Zelt und ihr ging es glücklicherweise immer besser, so dass es auch nicht schlimm war, als ich auf Grund meines Alkoholkonsums etwa 10 Minuten grundlos am Stück lachen musste. Aber denkt euch mal nicht, dass Alkohol wirklich warm hält. Ich habe die ganze Nacht bitter gefroren, während Astrid nur kalte Füße hatte. Mir ging es auch immer schlechter, weil ich nicht schlafen konnte, aber der Alkohol nachließ und mit der Höhe war das dann wohl doch keine gute Idee. Um vier Uhr morgens dachte ich, schlimmer kann es nicht mehr werden und füllte mir noch ein wenig puren Rum in den Becher, hatte dann aber auch keine Wirkung mehr. Es war auch zu der Zeit, als Astrid ungefähr alle 10 Minuten fragte, wie lange es noch bis zum Sonnenaufgang dauern würde und ich immer genau antworten konnte, weil ich sowieso die ganze Zeit den Blick auf der Uhr hatte. Es war die kälteste Zeit der Nacht, so kurz vor dem Sonnenaufgang und überall auf dem Campingplatz hörte man Geflüster, weil wohl niemand mehr wirklich schlafen konnte. Es wurde hell, aber die Sonnenstrahlen kamen nicht, da ging es mir am schlechtesten und Astrid deckte mich mit allem zu, was wir im Zelt hatten, jaja der böse Kater. Mit der Sonne kam dann aber auch die Freude wieder und nachdem ich einmal durchgewärmt war, ging es mir deutlich besser.
Unsere Esel wurden wieder beladen und wir machten uns gegen 10 Uhr auf den Weg durch verschiedene Felsformationen wieder nach unten. Ich habe kaum Luft bekommen, Astrid und ich mussten uns nach allen drei Schritten hinsetzen und nach Luft schnappen. Das macht dann wohl die Höhe.
Wieder in San Pedro, wieder Hund gegessen, wurde ich inzwischen von völlig unbekannten Peruanern angesprochen, dass ich aussehe wie eine Tomate und ob ich nicht Sonnencreme haben will. Ach quatsch, was solls, ich merk doch noch gar nichts. Ich machte mich noch lustig über die Peruaner, die sich ihr schon dunkles Gesicht mit Sonnencreme wieder weiß machten, am nächsten Morgen wusste ich sofort, warum sie das gemacht hatten. Mich erwartete der schlimmste Sonnenbrand meines Lebens, inklusive Verschorfung im Gesicht.
Na gut, aber erstmal mussten wir in San Pedro noch zwei Stunden länger als geplant auf unsere Esel warten. Da wurden dann selbst die Peruaner ungeduldig und wollten nicht mehr zahlen, so dass die Frau dann in den Bus einstieg und dort noch ewig mit uns diskutierte. Im Endeffekt zahlten Astrid und ich dann jeweils einen Sol, ein anderer Kerl etwas mehr, so dass sie den Bus verließ und wir endlich Richtung Lima starten konnten. Das Problem war nur, dass die Abfahrt sich als sehr aufregend herausstellte. Wir hatten wohl einen lebensmüden Fahrer erwischt. Er feuerte die Serpentinen nur so runter. Anstelle vor den Kurven zu bremsen, wurde nur gehupt und gehofft. Über Unebenheiten bretterte er nur so drüber hinweg, was uns jedes Mal aus dem Sitz hob. Einmal wurden wir so hoch geschleudert, dass ich danach auf einer Flasche von irgendjemand saß, meine Kamera ihren Platz in Jorges Schoß gefunden hatte und unsere Rucksäcke auch kreuz und quer im Gang lagen. Wir haben dann gesehen, dass dort noch ein Auto kam, aber unser Busfahrer ist trotzdem weiter gefahren und das Problem war, dass die Piste gerade mal so breit ist, wie ein Auto, ohne Absperrung geht es dann gleich mehrere hundert Meter in den Abgrund. Also wollte er gerade weiterfahren, als die Peruaner im Bus aufsprangen und schrien, „Senor, da kommt ein Auto!“ Also musste der Busfahrer im Rückwärtsgang ohne was sehen zu können nach hinten fahren zur nächsten Ausbuchtung. Da waren dann alle im Bus gefragt um ihn richtig zu koordinieren, das ist mal eine Erfahrung! Glücklicherweise waren wir so k.O. von der Nacht davor, dass wir es echt geschafft haben bei dem Fahrstil einzuschlafen und erst wieder aufzuwachen als wir auf einer sicheren Straße waren. Ansonsten war es echt eine schöne Fahrt gewesen, eine wahnsinnig tolle Erfahrung und das mit richtig netten Menschen. Die schönsten Reisen macht man wirklich mit den Peruanern selbst! Denn trotz Verständigungsproblemen haben Astrids Freunde mich immer wieder gefragt, wie es mir geht und versucht, mit mir Gespräche anzufangen, also echt wahnsinnig offen und interessiert, so wie fast alle Peruaner, die ich bis jetzt kennen gelernt habe.
Im Bus nach Lima sind wir dann leider an ein richtiges Arschloch geraten. Er hat gesagt, dass der Bus ein Direktbus wäre, ohne zwischendurch zu halten und deshalb den Preis auf 5 Soles hochgeschraubt. Aber natürlich hat er zwischendurch immer wieder angehalten, um noch mehr zahlende Kunden einzusammeln. Er hat Frauen, die offensichtlich wenig Geld zur Verfügung haben, um das auch noch betrogen, bis die Leute im Bus anfingen mit ihren Füßen auf dem Boden zu trampeln und ein kleines Mädchen meinte, dass sie, wenn er nicht aufhört, sich auf den Boden setzen und rumtrampeln wird. Dadurch ist er dann durchgefahren und es kam ziemlich schnell wieder gute Stimmung auf, die Leute fingen wieder an zur Musik zu summen. Es ist Wahnsinn, wie schnell sich die Leute hier wieder fangen.

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Drei Wochen schuften, Spaß, essen und bangen

So meine Lieben. Die drei Wochen sind vorbei und es wird. Die Uni lernt und ich auch. Aber von Anfang an:
Schon relativ zu Beginn der Reise nach Iquitos ist mir meine Kamera kaputt gegangen und keiner wusste, was los war. Zudem hat sie auch noch 3 Speicherkarten unbrauchbar gemacht und ich konnte auf keine Bilder mehr zugreifen, also blieb mir nur noch eine 1 GB SD Karte für die fünf Tage. Diese hielt zumindest bis zum letzten Tag durch, allerdings in der anderen Kamera (Ja glücklicherweise bin ich immer für alles gewappnet). Zurück aus Iquitos, hab ich sie direkt im Canonshop abgegeben, glücklicherweise gibt es hier einen und dann auch noch direkt auf dem Weg zur Uni. Sie meinten, eine Woche, 30 Soles für das Suchen des Fehlers und dann nochmal die Reparaturkosten bei knapp 100 Soles. Wie kann man das schon bestimmen, wenn man den Fehler erst noch suchen muss? 😉
Am Wochenende habe ich dann endlich mal was mit ein paar Kommilitonen unternommen. Also wurde auch nur Spanisch gesprochen und auch wenn ich in Iquitos fast nur Deutsch geredet habe, hatte sich mein Spanisch seit der Reise irgendwie verbessert. War ein toller Abend, erst Alkohol und Chips gekauft und dann bei einer Freundin zu Hause Karaoke gesungen. Die hatten einen richtig guten Guacamoledip gemacht, aber dann wiederum gibt es Avocados hier auch wie Sand am Meer und die Leute essen sie zu jedem Salat und auch gerne mal aufs Brötchen. Alle Europäer hier lieben sie, für mich schmeckt sie nach nicht viel. Wie auch immer, der Dip war auf jeden Fall gut und das Singen lustig. Es gab 2 Peruaner, die jeweils 2 Monate in Deutschland waren und die haben dann mit mir zwei deutsche Lieder gesungen, war sehr lustig. Ansonsten wurde laut auf Spanisch zu den YouTube Liedern gegrölt und viel getanzt. Außerdem war an dem Abend das Spiel gegen Venezuela und Astrid hatte nicht zu viel versprochen. Sobald ein Tor fiel, rannten die Leute los und schrieen wie verrückt, okay klingt nicht anders als bei uns? Nur wir waren im Supermarkt als Peru ein Tor schoss und alle! rannten zu den TVs, ja auch die Verkäufer und die Kassierer, war ja eh egal, sind ja auch fast alle anderen Peruaner hingerannt. So viel Leidenschaft fürs Land, dann wiederum ist es ja auch eine Seltenheit, dass Peru ein Spiel gewinnt, wurde mir gesagt, da ist die Freude dann natürlich umso größer. Das Spiel gegen Argentinien ging dann auch dementsprechend negativ für Peru aus.
Nach einer kurzen Nacht stand Astrid vor meiner Tür und es ging los zur größten Fressmeile Perus, Mistura. Das ist ein großes Essensfestival mit peruanischem Essen und dieses ist so vielfältig, dass wir nach 10h jeweils 100 Soles ärmer und extrem voll waren. Aber es war super! Man konnte einfach alles probieren und ich konnte den ganzen Tag Spanisch sprechen, wir haben lustige Leute getroffen und den wohl besten Pisco Sour (Nationalgetränk Perus 😉 ) getrunken. Jetzt habe ich mal einen Einblick in die Welt des peruanischen Essens bekommen und kann endlich verstehen, warum die erste Frage der Peruaner immer ist: „Und wie schmeckt dir das Essen hier?“ Außerdem hat Astrid immer gesagt, dass deutsche Essen wäre langweilig, ich verstehe nun warum. Es kann ja nicht jeder 3000 Kartoffelsorten haben, darunter eine, die einen violetten Rand hat, der die ganze Kartoffel unglaublich süß schmecken lässt. Diese gab es zum Ceviche (roher Fisch eingelegt in Zitronensoße), auch so ein Nationalgericht Perus, besonders in Lima sehr populär, aber so gar nicht meins. Meerschweinchen war eine interessante Erfahrung, ist recht fettig das Fleisch, so dass es eben nicht so trocken ist wie Hühnchen und extrem am Knochen klebt. Dadurch, dass es frittiert war, war es echt lecker, ansonsten ist es einfach schwer zu essen, weil kaum Fleisch dran ist und das, was dran ist, hat ohne die Kruste kaum Eigengeschmack. Ach ich habe mich auch mit Astrid darüber unterhalten, wie Vegetarier hier überleben können und es geht, aber es ist schwer, weil die Peruaner alles mit Fleisch essen. In der Uni gab es auch noch kein Essen ohne Fleisch. Das Wort Veganer hat sie auch erst in Deutschland kennen gelernt, so etwas gibt’s hier gar nicht.
Nach dem Wochenende ging es weiter mit Uni und so langsam wollte ich anfangen für die Zwischenexamen zu lernen, doch daraus wurde nichts. Erst einmal gab es noch andere Tests eine Woche vor den Examen zu bestehen. Zu einem bin ich erst gar nicht hin, weil ich den Text, über den er schreiben wollte, beim besten Willen nicht verstanden hatte. Nach dreistündlichen Versuchen den google Übersetzer zu verstehen, habe ich aufgegeben und dem Professor eine Mail geschrieben, dass das nichts bringt, weil ich damit weder mein Spanisch verbessere, wenn ich nichts verstehe, geschweige denn meine Psychologiekenntnisse getestet werden. Jetzt will er mir zwei englische Texte geben, sagt er. Diego, der mir immer beim Übersetzen hilft, meinte dann, vielleicht kriege ich sie, wenn ich wieder in Deutschland bin. 😉 Der andere Test war gleich auf Englisch und der lief direkt viel besser, außerdem wurde mir gesagt, dass alle meine Zwischenexamen auf Englisch sein sollten. Daraufhin sind wir gleich mal ein Trinken gegangen. Der eigentliche Grund aber war, dass Marco Rieckmann, der mit mir das Bewerbungsinterview für Peru durchgeführt hat, in der Stadt war um neue Unis zu finden, die mit Lüneburg kooperieren wollen. So gingen diejenigen, die in Deutschland waren, also Astrid, Carla und Jonathan mit denjenigen weg, die jetzt in Peru sind, Alina und ich. War ein toller Abend und Marco hat erzählt, dass sich unglaublich viele Unis für die Leuphana interessieren, einfach auf Grund des Nachhaltigkeitskonzepts. Außerdem hat mich Astrid gefragt, ob ich nicht auch noch ein Semester länger bleiben möchte, da hat er dann kurz aufgehorcht, aber ich habe gesagt, dass es sicher besser wäre für die Sprache und auch um so richtig in der Uni durchstarten zu können, auch mit anspruchsvolleren Kursen, aber meinte eben auch, dass es nicht geht und ich mir deshalb darüber gar keine Gedanken mache. Dann lieber nochmal irgendwann wieder kommen.
Nun hatte ich an dem Wochenende meine Kamera noch nicht wieder, wie war es anders zu erwarten. Ich kam am Donnerstag rein und wollte gerade alles einpacken, als er mir sagte, dass sie nicht repariert wurde. Ich fragte warum und er meinte, dass es 77 Tage dauern würde und insgesamt 200 Soles kostet. Ich dachte ich werde nicht mehr. Schnell im Kalender nachgeguckt um zu sehen, dass das knapp vor meiner Abreise aus Lima wäre…Das ist doch krank. Ich konnte meine Emotionen dementsprechend nicht zurückhalten und mir schossen direkt Tränen in die Augen. Da wurde der Verkäufer gleich total fürsorglich, aber ich bin erstmal abgetaucht, als ich wieder hochkam mit getrockneten Augen, meinte er, okay es geht auch in zwei Tagen. Wir schieben deine Kamera dazwischen. Achso, so läuft das hier! Die Freude war dementsprechend groß, so dass ich die 200 Soles auch nicht mehr so schlimm fand (Krass, wie man sich immer wieder verarschen lässt, obwohl man es doch nun selbst studiert) nur als sie meinten, dass ich meine Bilder wohl nicht mehr wieder kriege, nachdem sie mir die Woche davor gesagt haben, dass sie das definitiv schaffen, war ich ein wenig betrübt, aber sie wollten es noch ein Mal probieren. Diese Woche ging ich also ohne große Erwartungen hin und siehe da, alles fertig, Kamera funktioniert, die drei Karten sind wieder in Ordnung und alle Bilder sind vorhanden. 200 Soles los, aber immerhin. Der Grund für diesen Fehler kann entweder Erschütterung oder Nässe sein. Nun da Lima sehr feucht ist, wird es wohl letzteres gewesen sein, also packe ich meine Kamera jetzt immer in eine Tüte, wenn ich sie nicht brauche. Die Feuchtigkeit hier zerstört echt alles. Ich habe jetzt das Problem gehabt, dass das Wasser nach dem Duschen immer über den ganzen Boden und direkt in mein Zimmer geflossen ist. Ich habe ja nun auch kein Fenster, weshalb ich genau das Problem habe, was einige bei uns in Lüneburg schon hatten: Schimmel. Nun ja, diese Woche ist ein Klempner und ein Schimmelexperte gekommen, Kari hat mir Alkohol mitgebracht mit dem ich jetzt meinen Koffer, der inzwischen schon gut weiß war, meine Laptoptasche, ein paar Schuhe und die Kameratasche entschimmelt habe. Damit ging sofort alles ab, also ist jetzt wieder alles in Ordnung, das sind schon krasse Zustände hier.

So nachdem ich also erfahren hatte, dass meine Examen auf Englisch sind, habe ich mir mit dem Lernen Zeit gelassen und bin Sonntag mit den anderen auf einen Tagesausflug in die Berge gefahren. 3 Stunden in Bussen bis wir endlich da waren, dann wieder etwas laufen und schon waren wir in den Bergen und die Sonne strahlte. Es ist echt verwunderlich, was Smog alles anrichten kann. Der Wasserfall war schön, aber kalt und dann fing es noch an zu regnen also „schnell“ wieder zurück nach Lima.
Geschlafen habe ich diese Woche fast nicht, meistens bis um 5 Uhr morgens gelernt. Montag musste ich für zwei Examen lernen, hatte aber nur eins geschafft, als schrieb ich Dienstag das erste und lernte in fünf Stunden an der Uni für das zweite und tatsächlich lief es gut. Eine halbe Stunde vor Beginn des Examens habe ich mir noch schnell was im Internet durchgelesen, wozu es tatsächlich zwei Fragen in der Klausur gab, was bei einer Gesamtanzahl bei 10 Fragen schon recht beachtlich ist. Der erste Tag war also durchaus sehr produktiv, aber das erste Examen die Hölle. Er hat fast nur Sachen abgefragt, die er im Unterricht erwähnt hat, aber da ich nichts verstanden habe, konnte ich nur die Sachen beantworten, die in den Folien standen. Mit ein wenig „common sense“ habe ich dann einfach irgendetwas hingeschrieben, aber mindestens die Hälfte habe ich nicht gewusst und das auch noch beim wichtigsten Examen. Die ganze Klausur war sehr klinisch ausgelegt. Es gab Fragen, wie: „Was ist der ethnische Unterschied zwischen Hysterie und Epilepsie?“, die mich leicht überforderten. Egal, irgendetwas hingeschrieben, was mir einfiel und daneben noch die Frage, ob er sich sicher ist, dass wir das jemals zuvor in seiner Vorlesung hatten. Witzigerweise habe ich heute erfahren, dass das unsere Lehrerin, die mit uns die Übungen macht, kontrolliert und nicht er und sie meinte, dass es gar nicht so schlecht gelaufen wäre für mich – wie ist das möglich? Vielleicht hat ja mein Trick, möglichst viel auf Englisch zu schreiben etwas gebracht und sie lesen es sich gar nicht durch, sondern gehen von Quantität gleich Qualität aus. Naja eventuell lässt sie mich ja bestehen. Das zweite Examen lief witziger ab. Es war natürlich auf Spanisch, weshalb Diego und ich dann zum Direktor sind und gefragt haben, ob er das für mich davor übersetzen darf. Also saß Diego eine ganze Weile vorne allein und übersetzte alles, während die anderen schon schrieben. Als er mir das Blatt gab, konnte ich nur leider nichts entziffern und die Wörter, die mir auf Spanisch fehlten, fehlten ihm auf Englisch. Also musste ich den Prof noch um einen spanischen Test bitten, was den guten so verwirrte, dass es erst einmal dauerte, bis er begriff, was Sache war. Im Endeffekt übersetzte ich also eh alles mit Wörterbuch, ging aber diesmal auch ganz gut. Diego fehlte es nur an Wissen und leider auch an Spickern, während ich fast alles ausfüllen konnte, wurde er irgendwann weg gesetzt, weil er versuchte, meine Antworten zu lesen. Schade! Ich hätte ihm gern geholfen. Mittwoch ging ich dann etwas entspannter an mit dem Lernen, saß wieder bis um fünf und war so glücklich wie noch nie, als ich in strahlendem Sonnenschein nach meiner Klausur nach Hause ging und wusste: Es ist Halbzeit.

So jetzt ein ganz anderes Thema: Am Freitag bei der Party wurde erzählt, dass wohl die Erde gebebt hat, was in Peru nun doch häufiger vorkommt, als anderswo auf der Welt, also nichts ungewöhnliches ist. Nur dadurch kamen wir zu einem viel interessanteren Thema und zwar soll es am 21.09. ganz stark beben, was der heutige Tag wäre, inzwischen haben die Wissenschaftler gesagt, es wird der 22.09. Die Rede ist von Stärke 7 oder 8. Es gab wohl ein Beben im Dschungel mit dieser Stärke und in Lima haben immer noch die Häuser gewackelt davon. Ein Beben dieser Stärke würde die gesamte Stadt zerstören. Es hat mich gewundert, wie entspannt die mir das erzählt haben. Überall gibt es auf den Straßen und an Schildern solche S-Bahnzeichen. Das sind Orte zur Seguridad, wo man hinflüchten soll, sobald ein Erdbeben ausbricht, nur erinnern sie mich immer anfänglich an S-Bahnzeichen. Seitdem ich weiß, dass es sich bei der ganzen Spekulation um ein verfrühtes Untergehen der Erde handelt, welches ja in Südamerika beginnen soll, bin ich beruhigter. Nur gestern fingen alle Peruaner wieder an uns zu sagen, wir sollten schon einmal alle Wertsachen in Rucksäcke packen, damit wir schnell flüchten können. Naja bei einem Untergehen der Welt bringen uns weder Wertsachen noch die S-Bahn etwas. Hauptsache Astrid und ich haben schon Pläne morgen in den Zoo zu gehen. 😉

Kategorien: Lima, Peru | Ein Kommentar

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