Quito

Hoch hinaus – mit der Seilbahn über Quito schweben

Nachdem ich mir am nächsten Morgen ein gemütliches Frühstück im Bett gegönnt habe, suchte ich anschließend vergeblich nach einem Taxifahrer, der mich für einen guten Preis zum Kondorenpark bringen würde. 11 Dollar wären es insgesamt geworden, so dass ich mich dagegen entschied und mich auf den Weg nach Quito machte. Selbst Sonntag waren die Metrobusse wahnsinnig voll, so dass ich lieber früher ausstieg und den Rest zu Fuß ging.
Den restlichen Tag verbrachte ich damit, ein wenig am Laptop zu arbeiten, bis ich zwei Mädels fragte, ob sie schon auf dem Teleferiqo waren, eine Seilbahn, die einen auf 4.100m Höhe über Quito bringt. Da eine von beiden noch nicht wahr, verabredeten wir uns für den darauffolgenden Tag. Kurz daraufhin schlossen sich noch zwei weitere Mädels an. Am nächsten Morgen waren wir dann zu fünft – hatte sich wohl inzwischen rumgesprochen. Eine Dänin schloss sich noch an, da sie das letzte Mal nicht viel mehr als Nebel und Wolken gesehen hatte. So waren wir 2 Kanadierinnen, eine Dänin, eine Schweizerin und eine Deutsche.
Erst wurde uns gesagt, dass man in Ecuador nicht zu fünft in ein Taxi einsteigen könnte, so wie in Peru und wohl auch in Kolumbien. Da wir alle Mädchen waren, klappte es allerdings natürlich schon beim ersten Taxifahrer.
Die Aussicht über Quito war schon schön, wenn auch anfangs etwas bewölkt. Wir gingen dann noch weiter auf den Berg hinauf, der eine noch schönere Aussicht versprach. Nach kurzem fing aber eine Kanadierin an zu schwächeln, da ihr die Höhe zu stark zu setzte, die Dänin „verloren“ wir dann weiter oben, auf Grund von Rückenproblemen durch einen Autounfall vor 4 Jahren. So waren es nur noch drei – Schweiz, Kanada und Deutschland.
Auf dem Weg nach oben beschlossen wir heute Nacht gemeinsam an den Strand zu fahren. Ich wollte den nächsten Nachtbus gleich wieder zurück nehmen, also nur einen Tag bleiben. Die beiden wollten einige Tage länger verweilen.
Als wir dann an dem Teil des Berges ankamen, ab dem es nur noch steil bergauf ging, trafen wir ein paar Einheimische, die dort gerade ihre Pause genossen. Sie meinten, es lohne sich nicht weiter hoch zu gehen. Wir entschieden uns dann letztendlich auch dagegen auf Grund von Mangel an Essen, wobei uns die Einheimischen ein wenig Brot abgaben, aber es klang einfach verlockender zum Chinesen zu fahren, als weitere drei Stunden bergan zu laufen. Also fuhren wir, kaum unten angekommen, mit einem Taxi auf die von überall sichtbare und über Quito wachende Engelsstatue – wahnsinnig groß und so wie alles, in Weihnachtsschmuck gehüllt. Unser Taxi, das uns versprochen hatte zu warten, fuhr dann an uns vorbei wieder runter. Es war aber kein Problem, da genug Taxen kamen. Die Bustickets konnten wir problemlos kaufen, obwohl selbst Ecuadorianer meinten, dass man diese, wenn man an den Strand fahren wollte, lieber im Voraus kaufen sollte, da die meisten Reisenden Weihnachten und Silvester dort verbrachten.
Zurück im Hostel wurde noch das übrig gebliebene Frühstück vertilgt, Filme geguckt und ich habe den Blog aktualisiert, wobei das immer schwieriger wurde, je mehr Leute online kamen, so dass dann alle auf mich warten mussten um das Taxi zu bestellen, weil noch fünf Fotos hochgeladen werden mussten. Dann ging es im eiskalten Bus aber endlich los.

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Höhenangst und Fiesta in der Altstadt

Ich war endlos müde, aber es war so kalt und eng im Bus, dass ich immer wieder wach wurde. Um 6:30 Uhr wurde ich dann von einer Frau geweckt, die gerade an mir vorbei ging um mir zu sagen, dass wir in Quito wären. Also versuchte ich schnell zum Metrobus und damit ins Hostel zu kommen. Dummerweise war es Rush Hour und die Schlangen endlos. Ich wusste gar nicht, welchen Bus ich nehmen musste und das mit Koffer und Rucksack und allem. Also fragte ich zweimal nach und beim zweiten Mal bekam ich Priorität und durfte schon in den noch wartenden Bus einsteigen. Als wir dann an der Schlange hielten und die Türen aufgingen, sprinteten die Leute nur so rein und auf die noch freien Plätze. Das große Schubsen ging los. Der Bus war voll und fuhr an den nächsten Stationen nur vorbei ohne zu halten. Überall wo er hielt und die Türen öffnete, strömten mehr Menschen rein als gingen und selbst die Security, die immer wieder nachdrückten, damit zumindest die Türen schließen könnten, hatten wenig Erfolg. So standen wir teilweise 5 Minuten an einer Station und nichts bewegte sich, weil sich die Leute in die Türen hängten. Ich fragte mich, warum nicht einfach mehr Busse fahren könnten, damit das Problem nicht auftritt, oder wenn das der Fall ist, warum die Menschen sich dann so an einem Bus festbeißen und nicht einfach schnell aus- und einsteigen, so dass der nächste kommen kann. Naja so war es dann auch, dass ich an meiner Station natürlich nicht rauskam, aber immerhin an der nächsten, da die Leute an den Eingängen unter keinen Umständen kurz aussteigen würden, um andere Leute von weiter hinten raus zu lassen, denn damit würden sie eventuell das Risiko eingehen, gar nicht mehr in den Bus zurück zu kommen. Also einiges läuft da dramatisch schief.
Ich war noch nie so froh, im Hostel anzukommen und dann wurde sich noch entschuldigt, dass ich noch bis um 12 Uhr warten muss um einchecken zu können. Ich nutzte die Chance um noch ein wenig im Internet zu surfen und dabei zu frühstücken, bevor es zurück in die Altstadt ging, um die Sachen anzuschauen, die ich an meinem ersten Wochenende in Quito nicht mehr geschafft hatte. Unter anderem ging ich auf die Basilika, was mich einige Nerven kostete, da ich die höchsten Aussichtspunkte nur über Leitern erreichen konnte, durch die man direkt auf den Boden schaute, der mir etwas zu weit entfernt war, aber wie immer machte die Aussicht alles wett. Man konnte oben ins Uhrenwerk reinschauen und die Kirchenfenster aus der Nähe betrachten.
Dann zog der Himmel wieder zu und es fing kurzzeitig an zu nieseln. Daraufhin kam auch schon wieder die Sonne und es entstand ein wunderschöner Regenbogen. Zudem begann gerade auf dem Platz eine kleine Feier mit einigen maskierten Menschen und einer ziemlich großen Band. Irgendwie wird in diesem Land, egal wo man hinkommt, einfach immer gefeiert! Danach ging es wieder zu der Pizzeria, wo ich knapp zwei Wochen vorher mit den Kolumbianerinnen saß. Zurück sortierte ich Fotos, unterhielt mich mit meinen Zimmerpartnern und ging dann früh ins Bett. Ich schwor mir auszuschlafen, was aber in einem Gemeinschaftszimmer nicht immer unbedingt leicht ist. Um 3 Uhr nachts kamen die betrunkenen Engländer wieder, die leider erst einmal lautstark den Abend und die Mädchen, die sie getroffen hatten, Revue passieren lassen mussten. Manchmal wäre es doch einfach besser, die Menschen nicht zu verstehen! Die beiden Engländer haben einen Kumpel im Nachbarzimmer, der auch Englisch spricht, zumindest habe ich das vermutet, aber der hat so einen starken Akzent, dass ich ihn beim besten Willen nicht verstehe! Naja immerhin haben sich die beiden Betrunkenen am nächsten Morgen entschuldigt, ich habe mich wohl oft genug geräuspert, so dass sie irgendwann mitbekommen haben, dass der Rest des Zimmers mithört und eventuell lieber schlafen will. Um 7 Uhr ist dann der Deutsche aufgestanden um seinen Bus zu kriegen. Er studiert in Kolumbien und meinte, dass nach meiner Beschreibung Bogota Lima ziemlich ähnlich zu sein scheint. Er nutzt jetzt seine Semesterferien zum reisen und studiert dann noch ein weiteres Semester. 2h später stand dann der Amerikaner auf, der seinen Flug nach Hause kriegen musste, da er seit Mai über ein Programm der USA in Ecuador arbeitet und jetzt über Weihnachten seine Familie das erste Mal wiedersieht. Immerhin bleibt er noch bis Sommer 2014. Danach konnte ich Durchschlafen und ärgerte noch etwas die beiden Engländer, da ich meine Sachen packen und auschecken musste, so dass sie eine Minute, nachdem es kein Frühstück mehr gab wach wurden. Den Tag lies ich ruhig angehen. Ich entschied mich in einen nahgelegenen empfohlenen Shop vorbei zu schauen und danach endlich einmal Musik aus Peru auszusortieren und zu suchen, solange ich noch Internet habe. Dann ging es zum Mittagessen zu Pizza Hut und weiter nach Otavalo.

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Einmal Großstadt[und]dschungel (01.12.-05.12.12)

So endlich mal wieder eine Nachricht von mir! Ich bin gut in Ecuador angekommen! Am letzten Tag habe ich meinen Koffer gepackt und ich dachte, das würde schnell gehen, nur leider hat sich innerhalb der vier Monate doch viel angesammelt. Nun musste ich die Hälfte in Lima lassen und mein Koffer lässt sich dennoch kaum schließen. Am Flughafen kam dann die Überraschung, 24kg. Nun, inzwischen bin ich am Suchen nach verschiedenen Möglichkeiten das gute Gepäck nach Deutschland zu transportieren oder zumindest nach Brasilien. Von dort komme ich ja kostenlos mit 2 Koffern, je 32kg weg. Aber genug davon!
Ich wurde von Astrid und ihren Eltern zum Flughafen gebracht, das war schon ein komisches Gefühl. Ich war unglaublich aufgewühlt und aufgeregt, auf Grund der Ungewissheit vor dem, was mich erwartet. Am Schalter meinte sie noch, sie hätte keine Tickets für mich, aber nach einiger Zeit hatten wir das auch geklärt und somit saß ich dann kurze Zeit später im Flugzeug, umringt von einem Mexikaner und einer Ecuadorianerin, die in Buenos Aires studiert und nach einem Jahr jetzt in den Semesterferien endlich ihre Familie wiedersieht. Somit hatte ich eine unterhaltsame Hinfahrt. Sie erzählte viel von Quito und zeigte mir Plätze, die ich unbedingt besuchen musste. Wir verabredeten uns dann gleich, mal etwas zusammen zu unternehmen. Während des Fluges musste ich so an meine Anreise nach Lima denken und innerlich lächeln, weil ich damals neben einem aus der Dominikanischen Republik saß und fast nichts verstanden hatte und mich diesmal recht gut verständigen konnte.
In Quito kamen wir dann pünktlich nach Mitternacht an, nur waren die Systeme der Immigrationskontrollen ausgefallen, so dass wir die nächsten anderthalb Stunden damit verbrachten, zu warten. Da einige wohl schon drei Stunden in der Schlange standen, fingen sie an, zu klatschen und zu rufen, weil sie verständlicherweise endlich weiter wollten. Ich fand das ganze Geschehen recht amüsant.
Als wir durch alle Kontrollen durch waren, wurde ich direkt zum Hostel gebracht und selbst bei Nacht machte Quito schon einen deutlich freundlicheren Eindruck auf mich als Lima (naja, schwer ist das sicher nicht). Noch schnell online Bescheid gesagt, dass ich lebe und danach draußen im Gang schnell das Nötigste rausgeholt, um meine Zimmerpartner nicht zu stören, umgezogen und ab ins Bett.
Beim Frühstücken habe ich direkt einen Kanadier kennen gelernt, der sich gerade auf seine Reise nach Kolumbien vorbereitete und damit schon einen Monat in Ecuador gereist war. Sein eigentlicher Plan war Peru gewesen, aber ihm wurde erzählt, dass sich das Land nicht lohnt und die Frauen dort auch nicht so schön sind. Nun ja, er hatte eine andere Vorstellung vom Reisen, Städte faszinierten ihn mehr als Landschaft und dementsprechend war es eventuell die richtige Entscheidung Kolumbien vorzuziehen. Er gab mir noch einige Tipps für Quito und so machte ich mich auf den Weg.
Die Stadt ist atemberaubend schön und so unglaublich gut organisiert! Es gibt tatsächlich eingezeichnete Buslinien in den Karten, was mich in der Touristeninformation staunen ließ.
Nach einigem Rumlaufen stand ich vor einer Kirche als ich jemanden „Maria“ rufen hörte. Nun ich stand vor einer Kirche mitten in Quito, also warum sollte ich mich angesprochen fühlen? Erst als ich eine Hand auf meiner Schulter spürte, drehte ich mich um, es war der Mexikaner. Wir machten noch ein Foto, besichtigten die Kirche und tauschten E-Mailadressen aus.
Später fuhr ich auf einen Aussichtsturm, der eigentlich ein teures Restaurant ist. Rauf ging es in einem richtig alten Aufzug inklusiver Chauffeur. Oben fragte ich dann zwei Mädchen, ob sie ein Foto von mir machen könnten und so kamen wir ins Gespräch. Es waren zwei Kolumbianerinnen, die durch Südamerika reisen wollten. Wir gingen dann gemeinsam Pizza essen, was deutlich günstiger war, als auf dem Aussichtspunkt.
Abends überraschte mich dann der Kanadier, indem er in mein Zimmer kam und meinte, er wolle jetzt in die Stadt und sich die Feste zur Unabhängigkeitsfeier anschauen. Also machte ich mich schnell fertig und wir fuhren in die Altstadt. Dummerweise waren keine Menschen anzutreffen, bis auf zwei Polizisten, die sich extra für die Festtage in lange Mäntel gekleidet hatten. Wir fragten sie, machten unser Foto mit ihnen und zogen weiter. Auf der Plaza trafen wir auf ein Brautpaar und da wir nichts Besseres zu tun hatten, machten wir auch noch ein Foto mit ihnen. Später kamen wir dann endlich zu einem Konzert, fünf Minuten später hörte die Musik auf und die Masse löste sich auf. Wir hatten auch einfach ein Glück. Eine Straße weiter wurde die Party allerdings fortgesetzt, also aßen wir ein wenig und hörten dazu Livemusik. Ich hab Canelazo probiert, ein typisches ecuadorianisches Getränk, das gerade zu den Unabhängigkeitstagen getrunken wird, nur wusste ich nicht, dass dieses Alkohol beinhaltet. Zimt ist auch mit drin, den hat man aber kaum heraus geschmeckt. Es erinnerte einfach ungemein an Eierpunsch, also an Weihnachtsmarkt. Dabei fühlt es sich jedes Mal falsch an, wenn ich das Datum aufschreiben muss, da es doch noch viel zu warm ist.
Am nächsten Morgen wachte ich dann 10 vor 10 auf. Die vier Jungs in meinem Zimmer waren schon längst am Filme schauen und ich hatte nur noch 10 Minuten zum frühstücken. Also musste ich in Schlafklamotten raus und schnell den Rest, den es noch gab, frühstücken. Auf dem Weg dahin begegnete ich dem Kanadier erneut, der gestern noch in einen Club ist, während ich davor ins Hostel bin, aber morgens schon vor mir wach war und meinte, sie würden gleich los zur Parade. Ich meinte nur, ich würde dann nachkommen. Nachdem ich mich geduscht hatte und mindestens eine Stunde auf der Suche nach einer Bank war, was an einem Sonntag gar nicht so leicht ist, denn im Gegensatz zu Peru, haben die Geschäfte in Ecuador an Sonntagen wohl alle geschlossen. Daran muss man sich erst mal wieder gewöhnen.
Kurz vor 12 Uhr war ich dann fertig mit Auschecken und auf einem Mal lief mir der Kanadier wieder über dem Weg, immer noch am Planen seiner Kolumbienreise. Wir schauten uns an und meinten beide, dass sich die Parade dann wohl erledigt hat, nicht dass wir wieder ankommen und alles schon vorbei ist, wie am Abend zuvor.
So machte ich mir einen gemütlichen Sonntag im Park in der Neustadt Quitos und beobachtete die Familien, die Boot fuhren oder einfach nur rumsaßen. Es gab einige Aufführungen von Straßenkünstlern, viele Gemälde zu begutachten und einige Märkte. Auf einem dieser Märkte wurden Geldstücke und –scheine verkauft. Ich bin nur vorbei, da hat er mich gleich angesprochen und gefragt, wo ich her komme. Als er hörte, dass ich aus Deutschland bin, kramte er gleich seine Schätze raus. So kam es, dass ich das erste Mal in meinem Leben einen 1000 Reichsmarkschein in der Hand hielt und das in Ecuador. Die Dinger sind aber auch groß und inzwischen 30 Dollar wert, nicht dass ich wüsste, was sie mal wert waren.
Ein Blick auf die Uhr verriet mir, dass es Zeit war zum Hostel zurück zu kehren um meine Sachen zu holen, da ich noch heute in Tena, einer Stadt im Dschungel, ankommen wollte. 16 Uhr wollte ich den Bus nehmen, eine halbe Stunde vorher war ich noch im Hostel und erfuhr, dass man wohl 2 Stunden mit den Öffentlichen zur Bushaltestelle bräuchte. Ich beschloss trotzdem einfach einzusteigen und lieber den Blick aus dem Fenster zu genießen als den auf die Uhr. Weise Entscheidung, da an mir eine wunderbare Stadt vorbeizog und wir schon nach einer Stunde ankamen, so dass ich den Bus um 17 Uhr schaffte.
Die Buspreise sind hier deutlich günstiger als in Peru. Da die Strecken meistens kürzer sind, können sie die Reise auch ungemütlicher und ohne WC im Bus anbieten. Neben mir saß eine ältere Dame, die in Quito soziale Arbeit studiert und momentan in Tena arbeitet. Da sie noch immer in Quito wohnt, pendelt sie jedes Wochenende. Ich war neben zwei anderen die einzige Touristin, so dass wir um 10 Uhr nachts zu dritt am Busbahnhof in Tena standen und überlegten, welches Hotel wir nehmen wollten. Im Endeffekt entschieden wir uns für eins in der Nähe. Leider hatte ich keine Dusche und musste dann in das Doppelzimmer der beiden anderen um zu mindestens kalt duschen zu können. Die Frau im Hostel meinte, da wir im Dschungel sind, braucht man kein warmes Wasser. In dem Moment wunderte ich mich noch, weil ich es gar nicht als so warm empfand, eine halbe Stunde verstand ich ihre Aussage. Trotzdem ziehe ich warme Duschen vor.
Wir standen noch kurz draußen und unterhielten uns. Die beiden anderen, vermutlich ein Pärchen, er Portugiese und sie Ecuadorianerin, wollten am nächsten Tag auf eigene Faust weiter in den Dschungel. Ich hatte eine Tour geplant, aber dummerweise waren am nächsten Morgen alle Touranbieter geschlossen, so dass ich den gesamten Vormittag herumlief und überlegte, was ich machen könnte. Im Hostel versuchten sie den Anbieter zu erreichen, aber niemand nahm ab, bis ich mich von ihnen überzeugen ließ, nach Misahualli zu fahren, weil ich von dort billigere Touren kriegen würde, da es tiefer im Dschungel war. Wir gingen also gemeinsam zum Busbahnhof, erst wollte er einen Dollar für die Fahrt, aber als er sah, dass ich in Begleitung eines Einheimischen war, ging er mit dem Preis runter. Ich sollte vorne sitzen. Später kam noch eine andere hinzu, die wegen ihres kurzen Rockes auch vorne sitzen durfte. Das war eine krasse Situation, die sich aber inzwischen immer häufiger wiederholt hat. Frauen in knapper Kleidung oder eben Europäerinnen sitzen vorne neben dem Busfahrer und dem Geldeinsammler. Nicht immer die angenehmste Situation!
Ich war dann froh, als wir in Misahualli ankamen, wollte aber gleich wieder zurück, weil ich sofort alle Blicke auf mich zog. Ich lenkte mich dann durch die Affen ab, die überall über die Plaza liefen und fragte danach bei Touranbietern nach. Doch da ich allein war, wollte mir niemand etwas anbieten, bis ich an eine Französin gelangte, die mir das Angebot machte, in eine Lodge zu fahren, dort zu übernachten und am nächsten Tag die traditionellen Arbeiten der Quechua-Frau kennen lernen zu dürfen. Da das genau der Grund war, warum ich nochmal in den Dschungel wollte, stimmte ich zu. Den Tag über wollte ich aber noch in Misahualli verbringen. Sie meinte, ein Auto würde mich zu dem Wasserfall bringen, wo ich unbedingt hinwollte, und dass dieses in drei Minuten fahren würde. Ich ging mir also noch Essen kaufen, zog mein Badezeug an und fragte nach einer halben Stunde noch einmal nach. Alle anderen saßen gemütlich draußen und warteten nur, niemand wusste, wann das Auto kommen sollte, jeder meinte, „gleich“. Glücklicherweise kam dann ein Freund von der Französin, der mich mitnahm.
Zu den Wasserfällen lief man ca. 45 Minuten. Es war das erste Mal, dass ich mich so ganz allein durch den Dschungel bewegte. Das war krass! Überall lautes Zischen, einmal knackte es laut und ein Ast fiel neben mir zu Boden.
Der Wasserfall war schön und erfrischend. Auf dem Rückweg begegnete ich dann einem Australier. Wir trampten in einem Jeep zur Schmetterlingsfarm, die aber leider geschlossen war. Also liefen wir die Straße hoch und kamen zu einer wundervollen Lodge! Das war wirklich ein Traum, inklusive Swimming Pool. Uns folgten noch drei andere Leute, eine ältere Amerikanerin, ihre Spanischlehrerin und ihr Guide. Wir blieben eine Weile oben und unterhielten uns. Die Amerikanerin fragte mich nach einer Weile, woher ich komme. Als ich Deutschland meinte, schien ihr ein Licht aufzugehen und sie meinte, sie hätte sich über mein Englisch gewundert, da es Amerikanisch, Britisch und ein Hauch von etwas anderem hatte, aber sie hätte nicht auf Deutsch getippt. Es wäre unique. Tja die Beschreibung habe ich auch noch nicht gehört.
Ihr Guide hat dann angerufen und kurze Zeit später kam tatsächlich ein Junge mit Fahrrad an, der uns die Schmetterlinge und Raupen zeigte. Er kannte sogar das deutsche Wort für Raupe. Generell scheint mir Ecuador etwas mehr touristisch zu sein als Peru, da mehr Leute etwas Englisch können. Die Leute, die ich hier treffe und die sich Peru angucken, fahren an die Strände im Norden, zwei Tage nach Lima und dann über Machu Picchu weiter nach Puno und Arequipa, woanders treiben sich Touristen in Peru wohl nicht so vermehrt rum, dementsprechend wird auch nur dort Englisch gesprochen.

Auf dem Rückweg nach Misahualli fuhren wir im Jeep von den dreien mit, aber nicht auf der Rückbank, wie angeboten, wir wollten beide hinten rauf, ins Freie.
Der Australier und ich aßen noch zusammen mit anderen Australiern, die wir zufällig trafen, dann verabschiedeten wir uns und ich ging zurück zum Touranbieter. Inzwischen waren nur noch ihr Mann und die Kinder da. Da diese noch was für die Schule erledigen mussten, guckten wir Fernsehen und der Mann erzählte mir, dass er in England Biologie studiert hat und inzwischen drei Sprachen spricht. Dennoch führt er diesen Touranbieter im Dschungel in Ecuador, irgendetwas scheint einen doch hier zu halten.
Mit dem Auto ging es dann im Dunkeln über die Brücke und zur Comunidad. Auf dem Weg habe ich mich ein wenig mit den Kindern unterhalten, sie ist 14 und geht ins Colegio in Tena und er auf die Grundschule in der Comunidad. Sie hat noch 2 Jahre bis sie auf die Universität geht, also mit 16. Ziemlich früh, meiner Meinung nach, also ich hätte das mit 16 noch nicht gepackt, aber dann wiederum ist die Uni hier ja auch eher wie eine weiterführende Schule.
Im Dunkeln ging es dann über ein Feld bis hin zur Lodge, viel konnte ich nicht erkennen, und nachdem meine Taschenlampe zwei Tage durchgängig meinen Rucksack von innen beleuchtet hat, waren jetzt die Batterien leer. Also durfte ich mit Kerze auf Toilette, viel sehen konnte man nicht, dementsprechend auch keine Tiere gefunden.
Als ich im Bett lag, kam ein komisches Gefühl über mich, so ganz allein im Dschungel, allein im Zimmer, ohne jeglichen Empfang. Irgendwann bin ich unter dem tosenden Lärm der Tiere dann eingeschlafen und 10 Minuten bevor es kein Frühstück mehr gab aufgewacht. Sie haben mir trotzdem noch eins gemacht, danach sollte eigentlich mein kleines Abenteuer beginnen, doch Janet kam und kam nicht. Ich ging dann zurück in das Pueblo, um nach ihr zu suchen, auf dem Weg dorthin wurde mir erzählt, dass ein Bus amerikanischer Touristen angekommen sei und sie sich um diese kümmert. Als ich ankam wurde ich aber eines besseren belehrt, denn dieser Bus war voller amerikanischer Mediziner, die in der Schule für einen Tag ihren Service gratis anboten. Ich wurde also auf in einer Stunde „vertröstet“ und setzte mich zu einer Schweizerin, die schon seit 4 Jahren hier wohnte. Wir unterhielten uns und sie meinte, dass es super wichtig ist für die Leute in der Comunidad, dass die Ärzte kommen, da die meisten keine Versicherung haben und dementsprechend jede Untersuchung unglaublich teuer ist. Sie selbst hatte auch Knieprobleme und wollte sich untersuchen lassen.
Kurz bevor die Ärzte anfingen, stellten sie sich auf den Rasen in einen Kreis, fassten sich an die Hände und beteten. Ich beobachtete das Geschehen aus einiger Entfernung.
Als ich mich dann in der Schule ein wenig umgeschaut hatte, ging ich mir ein Wasser kaufen. Vor dem Shop kam mir eine Gruppe Amerikaner und Ecuadorianer entgegen und eine Frau sprach mich an, woher ich komme und was ich hier genau mache. Als ich meinte, ich warte eigentlich auf eine Tour, meinte sie, dass ich mit ihnen in der Comunidad rumgehen könnte. Sie wollten den Leuten Bescheid sagen, dass es heute die Möglichkeit gibt, sich gratis untersuchen zu lassen und gleichzeitig Kleidung und Bibeln verteilen. Da ich eh noch Zeit hatte, schloss ich mich an. Wir klopften an Haustüren und ein Ecuadorianer erklärte ihnen, wie man die Bibel benutzen sollte. Die Amerikanerin erzählte mir, dass viele zwar in die Kirche gehen, aber keine eigene Bibel zu Hause hatten und auch nicht wissen würden, wie man diese benutzt. Dazu konnte ich nichts sagen, bis jetzt dachte ich immer, dass es einfach ein Buch wie jedes andere wäre, das man durchliest oder eben nicht. Dann gab es noch T-Shirts und Shorts für jeden und weiter ging es. Einige hatten tatsächlich noch nichts von den Ärzten gehört, andere waren schon mit der ganzen Familie auf dem Weg um sich an eine der langen Schlangen zu stellen. Da erzählte mir die Amerikanerin, dass sie sehr viel herumreisen und an einem Ort auf eine 4-jährige gestoßen waren, die einen halben Meter langen Wurm in sich hatte. Sie wurde sofort ins Krankenhaus überwiesen, was die Amerikaner dann bezahlt haben, da die Eltern sich das nicht leisten konnten. Sie meinten, wenn sie nur für dieses Mädchen aus den USA gekommen sind, hat sich das Ganze schon gelohnt! Später sind sie dann noch zur Familie und haben ihnen Essen vorbei gebracht, was der Mutter wohl Tränen in die Augen getrieben hat, da sie nichts mehr zu Essen im Haus hat. Da fragt man sich echt, warum man immer noch aufs Geld achtet, wenn es um ein Menschenleben geht?! Da ist es doch nun echt egal, ob Versicherung oder eben nicht. Aber so etwas wie Anlaufstellen für ganz Notbedürftige gibt es hier einfach nicht, da muss man warten, bis jemand vorbei kommt, der es gratis anbietet und hoffen, dass es nicht zu spät kommt.
Zwei Stunden später verabschiedete ich mich von ihnen und ging wieder zurück zur Lodge um ein paar Karten zu schreiben und Fotos zu machen. Ich fand eine Ameisenkolonie, die mich eine Weile beschäftigte, weil sie einfach massiv lang war und sie mir nur aufgefallen ist, weil überall herum wandelnde Blätter auf dem Boden waren.

Gegen 13 Uhr kam Janet dann vorbei und meinte, dass die Guides jetzt nicht mehr auf die Kinder aufpassen müssten und Zeit hätten mir das Leben der Quechua-Frauen näher zu bringen. Dementsprechend aß ich noch schnell eine Suppe und ein wenig Reis, bevor es dann durch den Dschungel ging.
Mein Guide holte erst eine Kakaofrucht vom Baum, dann eine Papaya. Sie öffnete die Kakaofrucht und erklärte mir, dass man das Weiße von jeder einzelnen Bohne zuerst weglutschen muss. Klingt jetzt etwas eklig, schmeckt aber wunderbar süß. Ich habe extra nachgefragt und tatsächlich ist es so, dass das mit jeder einzelnen Bohne gemacht wird, aber die Kinder scheinen das wohl zu lieben, kein Wunder. Ich hatte dann die Aufgabe während unserer weiteren Wanderung alle Bohnen freizulegen. Sie zeigte mir dann noch, wie verschiedene Pflanzen, wie Yuka und Banane umgepflanzt werden und wir stellten zusammen ein „Haarband“ für mich her, was sie mir um den Kopf band und meinte, dass ich jetzt die Königin des Dschungels wäre…haha…Danach bauten wir, naja hauptsächlich sie, noch einen Korb für mich. Das war interessant zu sehen, besonders wie sie sich ganz entspannt auf ein Blatt setzen konnte, wie klein die Ecuadorianer doch sind und was für große Pflanzen doch im Dschungel wachsen.
Später ging es zurück zur Schokoladenherstellung. Meine fertigen Bohnen wurden in die Sonne gelegt und wir nahmen schon getrocknete. Diese wurden geröstet, gemahlen (was super anstrengend war) und das Pulver mit Milchpulver und Zucker durchmengt, um dann noch einmal gemahlen zu werden. Diese feine Mischung wurde mit heißem Wasser mit Zimtgeschmack durchmengt und dann mit der frisch vom Baum geholten Papaya gegessen. Leckeres Schokoladenfondue mal eben frisch hergestellt!
Danach tanzten vier ecuadorianische Frauen für mich und luden mich bei der Hälfte ein, mitzutanzen. Ich dachte erst, es würde unglaublich peinlich für mich werden, aber da sie alle unglaublich viel Spaß dabei hatten, war es eigentlich einfach nur witzig.
Später gingen wir noch Gold waschen. Ein wenig haben wir sogar gefunden und kurz bevor es dunkel wurde und die Moskitos noch einmal so richtig zustachen, wurde noch Artesania gemacht, also Schmuck hergestellt. Ich durfte mir die Farben aussuchen und dann zeigte sie mir, wie man ein bestimmtes Armband mit Früchten des Dschungels herstellte. Also ließen wir uns durchstechen und sie erzählte mir währenddessen ein wenig von ihrer Familie. Sie ist ganz in der Nähe, nur noch tiefer im Dschungel, aufgewachsen. Ihre Mutter hat 11 Kinder gezeugt und die meisten ihrer Schwestern leben inzwischen in den Städten. Sie selbst hat 4 Kinder und meinte, dass es leider inzwischen ziemlich teuer wird, weil die Kinder in das Alter kommen, in dem sie gerne schöne Kleidung haben möchten und bei vieren wird das ziemlich schwer. Somit gibt es die Probleme wohl auch bei Dschungelkindern und nicht nur bei den Städtern. Witzig war ihr Kommentar, dass ihre Schwester wohl nur(!) drei Kinder hätte, da es in den Städten Südamerikas langsam auch immer üblicher wird als Einzelkind aufzuwachsen, was in Europa ja längst zum Alltag geworden ist.
Zwischendurch kam noch ein etwas merkwürdig aussehender Kerl hinzu, der wohl etwas verrückt war, meinte mein Guide. Als er erfuhr, dass ich Psychologie studiert habe in Lima, fragte er mich nach einer Weile, ob ich Freud oder Jung besser fände, ihm persönlich gefiele ja Jung besser. Fand ich witzig! Dann zeigte er uns seine Armbänder und sagte, wie schön er sie doch fände und verschwand wieder. Schräg!
Als es dann langsam dunkel wurde, bestellten sie mir noch das Kanu zur Überfahrt nach Misahualli, ich packte meine Sachen und ging zum Strand. Auf noch eine Nacht im Kerzenschein konnte ich verzichten, ich hatte Lust auf Strom und warmes Wasser! Im Dunkeln durfte ich dann allein mit dem Kanu über den Fluss tuckern. Das war wunderschön, man konnte nichts sehen bis sich die Lichter des Dorfes so langsam näherten – ein schöner Anblick. Nach einem guten Abendessen und ein wenig chillen an der Plaza ging es dann endlich unter die Dusche.
Ich hatte mir fest vorgenommen auszuschlafen, aber daraus wurde nichts, da schon halb 8 die Bauarbeiter auf dem Dach nebenan meinten, sie müssten anfangen irgendwelche Sägen anzuschmeißen. Nach einigem Hin- und Herwälzen entschied ich mich dann aufzustehen und den Tag einfach zu nutzen. Also beobachtete ich noch kurz die Affen an der Plaza, nahm dann den Bus nach Tena, aß dort Frühstück, holte meinen Koffer ab und los ging es wieder in die Zivilisation, nämlich nach Baños, der Gringohauptstadt Ecuadors.

Kategorien: Ecuador, Misahualli, Quito, Tena | Hinterlasse einen Kommentar

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