Quilotoa-Loop

Mittendrin im indigenen Leben (Quilotoa-Loop) (09./10.12.)

Als ich am Busbahnhof von Ambato ankam, wurde ich gleich gefragt, wohin ich weiter fahren möchte, da Ambato eigentlich nur als Dreh- und Angelpunkt gesehen wird, doch ich wollte die Nacht lieber dort verbringen, da es ja inzwischen auch schon 20 Uhr und dunkel war. Ich suchte mir dann ein Hotel, was aber merkwürdigerweise voll war, also musste ich ein paar Blocks weiterlaufen. Eine Nacht im Hotel Paris verbracht und am nächsten Morgen gleich weiter um den Quilotoa-Loop zu beginnen.
Der Loop selbst ist ein Kreis aus Städten, in denen sich noch unglaublich viele indigene Menschen befinden, man sozusagen ein ganz anderes Ecuador kennen lernt. Ich begann meine Reise direkt an der Lagune Quilotoa, die wohl vom ganzen Loop am bekanntesten ist. Ein Vulkankrater, in dem inzwischen ein großer See liegt. Nachdem wir eine Stunde im Bus saßen, ohne dass etwas passiert ist, weil es dem Busfahrer wohl noch zu wenig Menschen waren um los zu fahren, ging es dann aber in die Höhe und die Kälte. Die Menschen draußen schienen, je mehr wir an Höhe gewannen, immer mehr Kleidung zu tragen und sobald die Tür aufging, zog es kalt rein. Ich hatte viel zu wenig Kleidung mit um mich warm einzupacken, aber ich habe es kein Stück bereut. Durch das schnelle Laufen wurde mir warm genug und das Gewicht meines Rucksacks reichte aus, um am Ende des Tages völlig verspannt zu sein.
Glücklicherweise hatte ich im Bus zwei Kanadier aus Quebec getroffen, die von ihrem Hostel genaue Anweisungen auf Englisch bekommen haben, wie man Laufen muss und dazu noch eine hilfreiche Karte. Ich schrieb und fotografierte alles ab und ohne diese Infos, wäre ich wohl nie irgendwo angekommen. Auf dem Hinweisschild an der Lagune stand, dass man nicht in Gruppen unter 4 Leute laufen, nicht mehr nach 1:30pm aufbrechen sollte und doch mit Guide laufen soll. Ich wusste jedoch schon von 2 Amerikanern, die die Tour gemacht haben, dass sich die Einheimischen damit nur etwas dazu verdienen wollen. Sie selbst haben 7h für die Tour gebraucht, für die 4-6h geplant sind, weil sie sich so oft verlaufen haben. Ich erhoffte mir bessere Chancen, da es inzwischen auch schon um 2 Uhr nachmittags war. Also beeilte ich mich und befand mich ziemlich schnell vor einer Auswahl von Wegen, ich wollte dem Gefühl nach oben an der Lagune entlang, aber dann kam mir ein türkisches Pärchen entgegen, was mir sagte, dass es dort nirgendwo einen Wegweiser in ein Dorf gegeben hat und sie haben die Lagune einmal umrundet. Also nahm ich doch den Weg nach unten.
Kurz danach kam ein bettelndes Kind allein an und wollte mein Essen oder Geld haben. Ich ging weiter, immer weiter runter, bis ich merkte, dass ich nur an ein Haus kam und schließlich holten mich Kind und Vater ein um mir den Weg zu zeigen. Oben angekommen, ich völlig außer Puste, meinte der Vater, dass er mich bis ins Dorf bringen könnte, weil noch viele Wegabtrennungen kommen werden, aber ich meinte nur, dass ich es schon finden werde und habe mich bedankt. Danach folgte ich meiner Intuition und kam gut voran, aber kaum sahen mich Einheimische, kamen sie gleich angerannt um sich als Führer anzubieten. An einer Kreuzung fragte ich noch einmal eine Frau und ab dort fand ich den Weg ohne Probleme. Trotzdem wurde ich auf halben Weg noch von einer Indigenen gefragt, ob ich ihr nicht meine Cola haben könnte (250ml – ja nicht nur die Menschen in Ecuador sind besonders klein, auch die Colaflaschen – inzwischen fast leer). Das kam mir sehr spanisch vor. Sie blieb dann noch lange stehen und schaute mir hinterher.
Im Endeffekt habe ich mich zweimal richtig verlaufen und dennoch nur 4h gebraucht, so dass ich kurz vor Dämmerung am Hostal ankam. Dort traf ich auf zwei Australier, die kein Wort Spanisch sprachen und auch erst vor knapp einer Woche in Ecuador angekommen waren. Dementsprechend berichteten sie mir, wie sie schon über den Tisch gezogen wurden, weil die Einheimischen eben sofort merken, dass die beiden kein Spanisch können und dementsprechend auch nicht vernünftig die Preise runterhandeln bzw. diskutieren können. Leider wussten sie auch noch nicht viel von den hiesigen Regeln, so einigten sie sich mit dem Taxifahrer sie für 25 Dollar zur Lagune zu bringen und abends wieder abzuholen. Nicht nur, dass der Preis wahnsinnig hoch ist, selbst für Ecuador, sondern auch, dass sie gleich am Anfang alles bezahlt haben, so dass der Taxifahrer abends natürlich nicht wieder gekommen ist, weil er das Geld ja eh schon hatte. Naja so lernt man eben mit der Zeit und Erfahrung.
Ich habe dann für uns alle geregelt, dass wir am nächsten Morgen kein Frühstück, sondern Lunchpakete bekommen, wofür sie sich endlos bedankt haben, weil sie davor ewig mit dem Wörterbuch am Tisch saßen und versucht haben die spanischen Wörter heraus zu suchen um das zu klären. Die an der Rezeption waren auch froh, dass ich genug Spanisch konnte um mich zu verständigen, was das Ganze für alle Seiten erleichterte. Dafür habe ich dann etwas Sonnencreme von den Jungs bekommen, da ich meine vergessen hatte.

Um 5:30 Uhr klingelte mein Wecker und um 6 ging ich in der Dämmerung los, da mein Plan war heute gleich zwei Wege zu schaffen, einen wohl sehr schönen und den zweiten um zum Bus zu kommen. Leider hatte ich die Rechnung mal wieder ohne die Wegfindungsprobleme gemacht und zusätzlich kamen noch unglaublich viele aggressive Hunde hinzu, die mich oft wieder zurück trieben und es ewig dauerte, bis die Besitzer auf meine Rufe reagierten und ihre Hunde ins Haus holten. Es kam mir so vor, als wären mehr Hunde als Menschen unterwegs und als würde ich mich permanent auf privaten Besitz befinden, welchen der Hund ja nun gerade beschützen soll.
Einmal war ich mir so sicher, auf dem richtigen Weg zu sein, da stand ich auf einem Mal vor Stacheldrahtzaun. Nach einigem Überlegen, entschloss ich mich, meinen Rucksack rüber zu heben und rollte mich selbst unten drunter durch. Ging alles ohne Probleme, aber danach wurde die Angst umso größer, gleich zerfleischt zu werden. Ich traf auf eine Kuh, die mitten auf dem Weg stand und dem Besitzer des Landes, der mir sagte, dass ich auf dem richtigen Weg war. Die Frage, warum er mir diesen dann absichtlich versperrt, sparte ich mir.
Diesmal bot sich niemand als Führer an, nur einmal, als ich dreimal hin und her lief, weil alle in entgegengesetzte Richtungen zeigten, und ich mich letztendlich erschöpft auf eine Wiese setzte, half mir ein Einwohner, den ich auf Grund seiner letzten drei vorhandenen Zähne im Mund leider nicht verstehen konnte, den Weg zu finden.

So kam ich erst 11:30 Uhr in Itsilivi, meinem Zwischenstopp an, wobei der Bus am Zielhalt schon 13:30 Uhr fahren sollte. Ich fragte also gleich im ersten Shop nach, ob auch ein Bus von hier aus fahren würde und war unglaublich erleichtert, als sie meinten, dass einer gegen 3 Uhr nachmittags fahren würde. Ich konnte einfach nicht mehr weiter laufen, der Rücken tat weh und die Angst steckte noch immer in den Knochen. Außerdem hatte ich meinen schönsten Weg ja eh schon geschafft. Da machte es mir auch nichts aus, noch einige Stunden in einem Dorf zu sitzen, dass nur aus zwei Shops und einer Schule bestand. Eine Frau bat mich in ihren Shop, wir unterhielten uns und ich nutzte die Zeit um endlich meine Ketten aus Huancayo fertig zu machen. Das war wohl das merkwürdigste Bild für die Einheimischen, das sie je gesehen haben, zumindest wirkte es so. Alle, die den Shop betraten, blieben erst mal stehen um zu schauen, dass die Europäerin ja die Arbeiten macht, die sie sonst eigentlich nur von ihrer eigenen Bevölkerung kennen und womit sie auch eine Menge Geld verdienen. Ich wurde gefragt, wer mir das gezeigt hat und lange Zeit beobachtet.
Inzwischen habe ich jetzt beide Ketten fertig und den Bus habe ich auch bekommen, wäre ja auch zu schade, wo hätte ich in diesem Dorf nur schlafen sollen, wo es doch noch nicht einmal Mittagessen gab?!
In den Bus einzusteigen, erwies sich als relativ schwierig. Dieser war voller Einheimischer und alle hatten ihre Kisten und Kartons auf dem Boden zu stehen, weshalb hinten auch alles frei war. Da ich bis zur Endstation fahren musste, entschied ich mich über alles rüber steigen, wobei ich solche Angst hatte, wieder auf ein Huhn zu treten. Während der Fahrt stand eine indigene Frau auf und schlug einen Jungen mit ihrer Zeitung, weil sich die Gruppe wohl irgendwie über ihren Karton lustig gemacht hat. Ich kam mir vor wie im Kindergarten, aber genau wusste ich auch nicht, worum es ging.

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