Canoa

Sommer, Sonne, Sonnenschein (18. – 19.12.)

6 Stunden später (um 4:30 Uhr) stiegen wir in eine angenehme Wärme, aber absolute Finsternis in Canoa aus. Es wurde schon im Voraus erzählt, dass es an den Stränden am gefährlichsten sein sollte in Ecuador. Wir waren froh, dass wir zu dritt waren und hielten die Augen offen, denn das gesamte Dorf schien noch zu schlafen. Wir wussten, dass wir ins Hotel Bambu wollten, da es mehrmals empfohlen wurde und tatsächlich auch wunderschön war – direkt am Strand und mit jeder Menge Urwald im Garten. Wir hatten es also ziemlich schnell, aber nur durch Zufall entdeckt. Selbst um diese Uhrzeit öffnete man uns die Tür und es wurde gesagt, wie könnten in Hängematten vor der Rezeption schlafen, bevor diese öffnet. Um 8 Uhr machte ich die Augen auf, weil es immer lauter wurde. Es liefen lauter Menschen in Badezeug an uns vorbei – also erst einmal entspannt mit Strandausblick frühstücken und ab an den Strand.
Auf Grund des Wetters, der Ruhe und der Aussicht entschied ich mich länger zu bleiben. In meinem Dorm traf ich dann noch auf den Waliser aus Baños, der inzwischen den Cotopaxi hochgeklettert ist, eine Attraktion, die fast jeder mitmacht. Um 11 Uhr nachts geht es los, damit man bei Sonnenaufgang oben ist. Oben liegt auf 5.900m, was genau mein Problem war, aber er meinte der Gletscher wäre atemberaubend, besonders weil unten noch das rote Gestein der Lava zu finden ist.

Während Julia und ich Crêpes aßen, kam Rebecca gerade von ihrer Surfstunde wieder. Ihr Surflehrer und sein Kumpel laden uns auf zwei lokaltypische Cocktails ein, nachdem mir der Surflehrer sagen wollte, Pisco Sour wäre das Nationalgetränk. Es reicht wohl, wenn sich Peru und Chile um dieses Getränk streiten.
Kurz danach begann die Happy Hour und Julia und ich gingen mit zwei weiteren Cocktails an den Strand um uns den Sonnenuntergang über dem Meer anzuschauen. Rebecca musste weiter an ihrer Masterthesis arbeiten, da sie bis zum darauffolgenden Tag eine Zusammenfassung an ihren Prof schicken musste. Sie studiert Gesundheit und da ein Professor von ihr in Kolumbien im selben Schwerpunkt wie sie recherchiert, durfte sie für fünf Monate mit ihm an der Uni in Medellin arbeiten. Julia hingegen war zum reisen und zur Selbstfindung hier. Sie hatte nach der Schule ein bisschen gejobbt und reist jetzt drei Monate durch Kolumbien, Ecuador und Costa Rica.
Wir saßen also nur zu zweit am Strand und sahen den Surfern dabei zu, wie sie die größten Wellen des Tages ritten und gingen dann zurück ins Hostel um etwas zu essen. Danach waren wir todmüde. Ich unterhielt mich noch kurz mit zwei Deutschen, die auch morgen mit dem Nachtbus zurück nach Quito wollten und mit einem Schweizer und einem Ecuadorianer, der seit 10 Jahren in der Schweiz lebt und nur Schweizerdeutsch sprach, Billard spielten.

Der nächste Tag bestand auch nur aus Strand, schwimmen, essen und entspannen. Eine Surfstunde kam noch hinzu, die aber nicht ganz so glimpflich ablief. Ich kam auf dem Board nicht zum stehen, da ich den Sprung, den er uns gezeigt hatte, nicht hinbekam. Mein Surflehrer meinte dann, dass ich mir mal meine Freunde anschauen sollte, da sie das auch hinbekämen und ich müsste das doch auch unbedingt schaffen, damit ich das meinem Freund in Deutschland zeigen könne. Nur um dann gleich die Frage dran zu hängen, ob ich denn einen hätte. Klar! Einen richtig tollen…Das sage ich jetzt immer, ändert aber leider auch nicht so viel. Dafür stuckte uns die nächste Welle einmal komplett unter und mein Ellenbogen landete mit voller Wucht in seinem Gesicht. Ihm ging es danach merkwürdigerweise unverändert prächtig, mein Ellenbogen hingegen tat verdammt weh. Ansonsten war es schon cool, als die Welle einen ergriff, auch wenn ich nur auf dem Brett kniete. Außerdem war es Sandstrand, also konnte nicht so viel passieren.
Nach einer halben Stunde war dann trotzdem Schluss bei mir. Eine Welle kam und haute mir das Brett mit voller Wucht von unten gegen das Kinn. Ich spürte nur einen höllischen Schmerz und tastete danach schnell alle meine Zähne ab – nichts wackelte, aber ich schmeckte Blut und meine Zunge fing an anzuschwellen, da ich mir bei dem Stoß wohl ein klitzekleines Stück Zunge mit abgebissen hatte. Der Surflehrer zählte mir gerade auf, was ich alles falsch gemacht hatte, wollte dann aber unbedingt genauer sehen, was passiert war. Nachdem er mir beim Surfen schon zu nah gekommen war, drehte ich mich jetzt einfach um, sagte es wäre nur Blut und ging ins Hotel zurück. Dort traf ich dann auf die zwei anderen Deutschen, die mit ihrem Kater von letzter Nacht zu kämpfen hatten und erzählte ihnen, was passiert war. Daraufhin gab es erst einmal etwas Eis zum Kühlen serviert in einer Plastiktüte, da mein Kiefer schon blau anlief.
Ich redete dann mit den Mädels über meinen Surflehrer und darüber, wie die Kerle gestern noch versuchten mich zu überzeugen, dass sie gar nicht so schlimm wären. Einer meinte, der Tourismus auf den Galapagosinseln wäre mit 30 Jahren der älteste in Ecuador, an den Stränden wäre er wohl nur 10 Jahre alt. Davon kannten die Männer hier nur ihre Frauen und sind deshalb noch immer so begeistert von ausländischen, für sie exotische Frauen. Diese Erklärung sollte den Zoo erklären. Daraufhin fügte er noch hinzu, dass sein Ziel inzwischen nur wäre, sich nach zwei gescheiterten Ehen nicht noch einmal scheiden zu lassen. Sie wollten mir noch weiß machen, dass peruanische Kerle schlimmer wären, aber wie sagt man so schön: Getroffene Hunde bellen!
Als sie später wieder ins Restaurant kamen, traute der eine sich nicht einmal mehr in meine Nähe und schickte Julia rüber um sich das Geld für den Boardverleih zu holen. Er bedankte und entschuldigte sich dann schüchtern aus der Ferne.
Ich blieb dann bei den deutschen Mädels, die beide einen Freiwilligendienst in Ecuador machten, eine im Dschungel in einer Tierrettungsstation, die andere in Quito im Kindergarten.
Später gingen wir noch ein letztes Mal an den Strand und liefen bis zu den nahen Steilküsten. Auf dem Weg dahin gab es wahnsinnig viele Muscheln und leider auch kleine Miniquallen, eine davon erwischte mich dann noch ungünstig am Fuß, was ziemlich weh brannte – unlucky day! Auf dem Weg zurück mussten wir viel durch Wasser waten, da die Flut immer stärker wurde. Zur Mittagszeit lief man gefühlte Stunden um knietief im Meer zu stehen und sah die Häuser am Strand nur noch in Puppenhausgröße, sobald man sich umdrehte, und abends kam es unglaublich nah.
Wieder zurück im Hostel saßen wie zu fünft zusammen und genossen die Cocktail Happy Hour, bis wir drei Deutschen uns zum „Busbahnhof“ aufmachten, also an die Straßenecke vor der Apotheke, wo man auch die Tickets kauft. Es kamen noch einige Leute hinzu, unter anderem ein Portugiese, der in Berlin promoviert und gerade Deutsch lernt. Nach zwei Wochen in Ecuador war sein Spanisch allerdings besser als sein Deutsch nach einigen Monaten. Naja wie die Peruaner schon meinten – Portugiesisch wäre für sie wie Schweizerdeutsch für uns.
Die Busfahrt selbst war ziemlich angenehm, da ich zwei Plätze für mich hatte. In Quito fuhren wie zu dritt im Taxi zu Pias Wohnung, wo sie und ich ausstiegen und noch über eine Stunde im Wohnzimmer der Freiwilligen-WG saßen, Tee tranken, uns unterhielten und ich mir deutsche Klatschzeitschriften anschaute, die Pias Mutter ihr regelmäßig schickt.
Als es gegen 5:30 Uhr langsam heller wurde, bedankte ich mich bei ihr und machte mich auf den Weg zum Hotel. Nach kurzem Umpacken ging es dann weiter zum Busbahnhof, wo ich passend zum 1. Bus, der nach Mindo fuhr, ankam, der angenehm leer war. Direkt neben dem Busoffice lag eine Touristeninformation, in der ich mich nach günstigen Hotels und Attraktionen erkundigte. Mir blieb leider nur ein Tag, da ich mir den Samstag in Quito freihalten wollte.

Kategorien: Canoa, Ecuador | Hinterlasse einen Kommentar

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