Einer der größten Märkte Südamerikas

Als ich um 7 Uhr abends in dem kleinen Städtchen Otavalo ankam, waren noch einige Leute auf den Straßen und die Geschäfte geöffnet. Ich war extrem müde und entschied nach ein paar Einkäufen ins Bett zu gehen. Am nächsten Morgen ging es dann früh hoch und ab zum Tiermarkt, da dieser nur von 6-10 Uhr geöffnet hatte und man früh kommen sollte, weil sonst vermutlich schon alle Tiere verkauft wurden.
Nun als ich vor die Tür trat, bauten schon alle fleißig ihre Stände auf für einer der größten und bekanntesten Märkte in Südamerika. Ich schlängelte mich also durch die Stände und Menschen, die schwere Kisten und Tüten durch die Straßen trugen, und kam letztendlich an einer Kreuzung an. Ich merkte sofort, dass ich mein Ziel wohl erreicht hatte, als ich lautes Schweinegrunzen hörte. Doch das Grunzen wurde schnell zum lautesten Quieken was ich je gehört habe. Die Schweine wurden nur so über die Straße geschleift und wenn sie nicht wollten, stand immer noch jemand dahinter und schlug dem Schwein auf das Hinterteil. Also für überzeugte Tierschützer ist der Markt sicherlich nichts und auch für mich war es grenzwertig. Meerschweinchen wurden ausgesucht, als würde man durch eine Perlenkiste wühlen. Interessiert hat auch nur, wie groß es war(um zu wissen, für wie viele Personen man es zubereiten kann) bzw. das Geschlecht, damit man zu Hause eigene züchten kann. Hunde gab es auch, einige frei rumlaufend, einige an Leinen und die meisten in Kisten oder Käfigen eingequetscht.
Ich habe mir gerade die Hasen angeschaut, mit die einzigen Tiere, die tatsächlich mit Liebe aus dem Käfig gehoben wurden, da kam einer an mir vorbeigerannt und schmiss eine Katze in einen Käfig, die erst einmal wild im Kreis herum lief. Er griff sie und band sie am Hals an einen Gitterstab, kurz danach kam ein schwarzes Kätzchen hinzu, voll süß suchte es erst einmal den Schutz bei der älteren Katze, bis es sich verschreckt in eine Ecke zurück zog. Das wurde mir dann doch zu viel, also sah ich den Schweinen weiter beim Kämpfen zu. Ein Schwein kostete 85 Dollar, ein anderes 60, wobei ich die Unterschiede nicht ganz sehen konnte, alle ziemlich hässlich meiner Meinung nach, aber einige scheinen sich besser als Beschützer zu eignen als die Hunde, die sie dort verkauften.
Ich lief weiter und befand mich inmitten einer Herde Kühe. Dort wurde es mir allerdings schnell zu unangenehm, so dass ich zurück zu den kleineren Tieren ging. Alles wurde behandelt, als wäre es schon längst tot, die Meerschweinchen quietschten nur so rum, irgendwann versuchten sie sich tot zu stellen bis sie sich dann wieder aus der Hand winden wollten. Das alles ließ die Indigenen dort ziemlich kalt, weil sie eh gleich gegessen werden. Interessant war es dennoch!
Nach einer halben Stunde war ich dann aber auch wieder froh, auf dem allgemeinen Markt zu sein und dort gab es wirklich alles, aber irgendwie auch immer wieder das Gleiche. Nach einigen Stunden herumlaufen und einige Sachen kaufen, fand ich die Touristeninformation. Ich wollte raus aus der Stadt und dem Trubel und rein in die Natur. An einem Stand habe ich mich länger mit einer Verkäuferin unterhalten, die meinte, ich solle zum Wasserfall gehen und danach zu ihr zurückkehren und ihr erzählen, wie er mir gefallen hat. Außerdem hat sie mich gefragt, wann die Menschen in Deutschland so heiraten. Das war nicht das erste Mal, dass mir die Frage hier gestellt wurde. Das scheint alle brennend zu interessieren. Naja ich meine immer, das man heiratet, wenn man sich gefunden hat, aber dass das auch immer seltener wird, habe ich zumindest das Gefühl. Bei uns verdienen ja eben auch meistens beide, Frau und Mann, was ja hier immer noch die Seltenheit ist, zumindest auf dem Land. Dementsprechend sind wir als Frauen auch glücklicherweise nicht mehr so an den Mann gebunden, wie die Frauen hier. Sie meinte auch, dass es hier einige schlechte Männer gibt, wohl mehr als in Europa, und dass ich mir einen guten Mann in Deutschland aussuchen soll, der sich kümmert und nett ist. Sie zählte noch einige andere Sachen auf, die zeigen, wie schwer es ist, hier so jemanden zu finden. Sie selbst meinte, dass die Frauen den Männern hier nicht trauen. Ist wohl besser so, auch wenn ich das nicht ganz glauben kann, vielleicht haben sie aber eben auch einfach keine andere Wahl.
Außerdem hat sie mir erzählt, dass momentan weniger Touristen unterwegs wären und tatsächlich bin ich recht wenigen begegnet. Die meisten kommen natürlich im Sommer her. Dementsprechend war ich auch das Ziel eines jeden Verkäufers und hatte ziemlich schnell die Schnauze voll, obwohl es schon interessant war die ganzen indigenen Menschen zu beobachten. Die Frauen hatten wunderschöne weiße Kleider mit Blumenstickereien an, einen bunten Gürtel um die Taille gebunden und trugen spezielle halboffene Schuhe. Wahnsinn übrigens was die an Gewicht teilweise auf ihren Rücken mit einem riesigen Tuch festbinden. Damit bewegen sie sich dann nur noch gebückt über die Straßen.
Außerdem kam ich an einem Mann vorbei, der englische Lernbücher für Kinder verkaufte und die CD laut durch die Straße schallen lies. Da ich eh gerade auf Rückgeld wartete, hatte ich dadurch gleich eine gratis Spanischlektion. Ich fand das Ganze recht amüsant und blieb noch eine Weile stehen, er winkte mir dann irgendwann zu und grinste. Er kann sicher schon perfekt alle Früchte auf Englisch aufsagen, so oft wie er sich das schon anhören musste.
So auf jeden Fall habe ich mir in der Touristeninformation den Weg zum Wasserfall sagen lassen und bin dann erst einmal Essen gegangen inkl. schönen Blicks über die Plaza. Nachdem ich meine Sachen ins Hostel gebracht hatte, ging es weiter den Bahngleisen entlang bis zum Wasserfall. Ich hatte mich davor noch erkundigt, ob auch wirklich keine Züge mehr fahren, damit ich nicht überrollt werde. Es lachten noch alle in der Touristeninfo über meine Frage und jetzt weiß ich warum. Teilweise waren die Gleise schon so überwachsen mit Gras oder der Boden unter den Gleisen weggebrochen, so dass man sich an diesen Stellen gar nicht so Sicher war, ob man noch auf den Gleisen lief. Also da fuhr seit Jahrzehnten wohl kein Zug mehr.
Der Wasserfall war eingebettet in einem hübschen Park, in dem es kleine Piscinas gab, in denen die einheimischen Kinder badeten oder eben ein Fluss, in den sich die Jugendlichen gegenseitig schubsten.
Danach wollte ich zum Kondorenpark, änderte aber spontan meine Meinung, auf Grund zu hoher Taxipreise und nahm den Bus in Richtung Lagune San Pedro. Erst stieg ich in einen, der aber gar nicht zur Lagune fuhr, sondern mich noch ein Stück laufen lassen wollte, mir dann aber das Geld wieder gab und mir einen anderen Bus empfohl, doch der Busfahrer unterhielt sich noch etwas mit mir und fragte, wo ich herkam. Danach fragte er mich, ob ich Hiteler kennen würde. Ich fragte, wen? Naja ist der nicht Deutscher? Kurzes Nachdenken, achso Hitler? Nee der bleibt schön Österreicher! Ich habe ja in einem früheren Bericht gesagt, dass man hier nicht gleich als Nazi verurteilt wird, wenn die Leute erfahren, dass man aus Deutschland kommt, was ja auch stimmt. Vielmehr kommen Bemerkungen, wie „ach wie schön!“. Trotzdem ist dieses gefährliche Halbwissen hier teilweise echt schockierend. Freunde haben mir schon gesagt, dass sie öfter den Spruch: „Heil Hitler“ zu hören bekommen, sobald sie erzählen, wo sie her kommen und dann erst einmal erklären müssen, dass man das schon lange nicht mehr benutzen sollte. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass die Leute hier auch nur denken, Hitler war eine berühmte deutsche Persönlichkeit…
Angekommen im Dorf, wurde ich gleich mit einem Weihnachtskonzert unter strahlendem Sonnenschein begrüßt. Ich zog immer mehr aus und die Kinder sangen in warmen Wintermänteln. Danach ging ich runter zur Lagune und wurde mit einem herrlichen Ausblick belohnt, Boote, die in einem kleinen Fluss gemütlich auf und ab schaukelten und die Lagune mit der inzwischen recht tief hängenden Sonne.

Kategorien: Ecuador, Otavalo | Hinterlasse einen Kommentar

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