Monatsarchiv: Januar 2013

Sommer, Sonne, Sonnenschein (18. – 19.12.)

6 Stunden später (um 4:30 Uhr) stiegen wir in eine angenehme Wärme, aber absolute Finsternis in Canoa aus. Es wurde schon im Voraus erzählt, dass es an den Stränden am gefährlichsten sein sollte in Ecuador. Wir waren froh, dass wir zu dritt waren und hielten die Augen offen, denn das gesamte Dorf schien noch zu schlafen. Wir wussten, dass wir ins Hotel Bambu wollten, da es mehrmals empfohlen wurde und tatsächlich auch wunderschön war – direkt am Strand und mit jeder Menge Urwald im Garten. Wir hatten es also ziemlich schnell, aber nur durch Zufall entdeckt. Selbst um diese Uhrzeit öffnete man uns die Tür und es wurde gesagt, wie könnten in Hängematten vor der Rezeption schlafen, bevor diese öffnet. Um 8 Uhr machte ich die Augen auf, weil es immer lauter wurde. Es liefen lauter Menschen in Badezeug an uns vorbei – also erst einmal entspannt mit Strandausblick frühstücken und ab an den Strand.
Auf Grund des Wetters, der Ruhe und der Aussicht entschied ich mich länger zu bleiben. In meinem Dorm traf ich dann noch auf den Waliser aus Baños, der inzwischen den Cotopaxi hochgeklettert ist, eine Attraktion, die fast jeder mitmacht. Um 11 Uhr nachts geht es los, damit man bei Sonnenaufgang oben ist. Oben liegt auf 5.900m, was genau mein Problem war, aber er meinte der Gletscher wäre atemberaubend, besonders weil unten noch das rote Gestein der Lava zu finden ist.

Während Julia und ich Crêpes aßen, kam Rebecca gerade von ihrer Surfstunde wieder. Ihr Surflehrer und sein Kumpel laden uns auf zwei lokaltypische Cocktails ein, nachdem mir der Surflehrer sagen wollte, Pisco Sour wäre das Nationalgetränk. Es reicht wohl, wenn sich Peru und Chile um dieses Getränk streiten.
Kurz danach begann die Happy Hour und Julia und ich gingen mit zwei weiteren Cocktails an den Strand um uns den Sonnenuntergang über dem Meer anzuschauen. Rebecca musste weiter an ihrer Masterthesis arbeiten, da sie bis zum darauffolgenden Tag eine Zusammenfassung an ihren Prof schicken musste. Sie studiert Gesundheit und da ein Professor von ihr in Kolumbien im selben Schwerpunkt wie sie recherchiert, durfte sie für fünf Monate mit ihm an der Uni in Medellin arbeiten. Julia hingegen war zum reisen und zur Selbstfindung hier. Sie hatte nach der Schule ein bisschen gejobbt und reist jetzt drei Monate durch Kolumbien, Ecuador und Costa Rica.
Wir saßen also nur zu zweit am Strand und sahen den Surfern dabei zu, wie sie die größten Wellen des Tages ritten und gingen dann zurück ins Hostel um etwas zu essen. Danach waren wir todmüde. Ich unterhielt mich noch kurz mit zwei Deutschen, die auch morgen mit dem Nachtbus zurück nach Quito wollten und mit einem Schweizer und einem Ecuadorianer, der seit 10 Jahren in der Schweiz lebt und nur Schweizerdeutsch sprach, Billard spielten.

Der nächste Tag bestand auch nur aus Strand, schwimmen, essen und entspannen. Eine Surfstunde kam noch hinzu, die aber nicht ganz so glimpflich ablief. Ich kam auf dem Board nicht zum stehen, da ich den Sprung, den er uns gezeigt hatte, nicht hinbekam. Mein Surflehrer meinte dann, dass ich mir mal meine Freunde anschauen sollte, da sie das auch hinbekämen und ich müsste das doch auch unbedingt schaffen, damit ich das meinem Freund in Deutschland zeigen könne. Nur um dann gleich die Frage dran zu hängen, ob ich denn einen hätte. Klar! Einen richtig tollen…Das sage ich jetzt immer, ändert aber leider auch nicht so viel. Dafür stuckte uns die nächste Welle einmal komplett unter und mein Ellenbogen landete mit voller Wucht in seinem Gesicht. Ihm ging es danach merkwürdigerweise unverändert prächtig, mein Ellenbogen hingegen tat verdammt weh. Ansonsten war es schon cool, als die Welle einen ergriff, auch wenn ich nur auf dem Brett kniete. Außerdem war es Sandstrand, also konnte nicht so viel passieren.
Nach einer halben Stunde war dann trotzdem Schluss bei mir. Eine Welle kam und haute mir das Brett mit voller Wucht von unten gegen das Kinn. Ich spürte nur einen höllischen Schmerz und tastete danach schnell alle meine Zähne ab – nichts wackelte, aber ich schmeckte Blut und meine Zunge fing an anzuschwellen, da ich mir bei dem Stoß wohl ein klitzekleines Stück Zunge mit abgebissen hatte. Der Surflehrer zählte mir gerade auf, was ich alles falsch gemacht hatte, wollte dann aber unbedingt genauer sehen, was passiert war. Nachdem er mir beim Surfen schon zu nah gekommen war, drehte ich mich jetzt einfach um, sagte es wäre nur Blut und ging ins Hotel zurück. Dort traf ich dann auf die zwei anderen Deutschen, die mit ihrem Kater von letzter Nacht zu kämpfen hatten und erzählte ihnen, was passiert war. Daraufhin gab es erst einmal etwas Eis zum Kühlen serviert in einer Plastiktüte, da mein Kiefer schon blau anlief.
Ich redete dann mit den Mädels über meinen Surflehrer und darüber, wie die Kerle gestern noch versuchten mich zu überzeugen, dass sie gar nicht so schlimm wären. Einer meinte, der Tourismus auf den Galapagosinseln wäre mit 30 Jahren der älteste in Ecuador, an den Stränden wäre er wohl nur 10 Jahre alt. Davon kannten die Männer hier nur ihre Frauen und sind deshalb noch immer so begeistert von ausländischen, für sie exotische Frauen. Diese Erklärung sollte den Zoo erklären. Daraufhin fügte er noch hinzu, dass sein Ziel inzwischen nur wäre, sich nach zwei gescheiterten Ehen nicht noch einmal scheiden zu lassen. Sie wollten mir noch weiß machen, dass peruanische Kerle schlimmer wären, aber wie sagt man so schön: Getroffene Hunde bellen!
Als sie später wieder ins Restaurant kamen, traute der eine sich nicht einmal mehr in meine Nähe und schickte Julia rüber um sich das Geld für den Boardverleih zu holen. Er bedankte und entschuldigte sich dann schüchtern aus der Ferne.
Ich blieb dann bei den deutschen Mädels, die beide einen Freiwilligendienst in Ecuador machten, eine im Dschungel in einer Tierrettungsstation, die andere in Quito im Kindergarten.
Später gingen wir noch ein letztes Mal an den Strand und liefen bis zu den nahen Steilküsten. Auf dem Weg dahin gab es wahnsinnig viele Muscheln und leider auch kleine Miniquallen, eine davon erwischte mich dann noch ungünstig am Fuß, was ziemlich weh brannte – unlucky day! Auf dem Weg zurück mussten wir viel durch Wasser waten, da die Flut immer stärker wurde. Zur Mittagszeit lief man gefühlte Stunden um knietief im Meer zu stehen und sah die Häuser am Strand nur noch in Puppenhausgröße, sobald man sich umdrehte, und abends kam es unglaublich nah.
Wieder zurück im Hostel saßen wie zu fünft zusammen und genossen die Cocktail Happy Hour, bis wir drei Deutschen uns zum „Busbahnhof“ aufmachten, also an die Straßenecke vor der Apotheke, wo man auch die Tickets kauft. Es kamen noch einige Leute hinzu, unter anderem ein Portugiese, der in Berlin promoviert und gerade Deutsch lernt. Nach zwei Wochen in Ecuador war sein Spanisch allerdings besser als sein Deutsch nach einigen Monaten. Naja wie die Peruaner schon meinten – Portugiesisch wäre für sie wie Schweizerdeutsch für uns.
Die Busfahrt selbst war ziemlich angenehm, da ich zwei Plätze für mich hatte. In Quito fuhren wie zu dritt im Taxi zu Pias Wohnung, wo sie und ich ausstiegen und noch über eine Stunde im Wohnzimmer der Freiwilligen-WG saßen, Tee tranken, uns unterhielten und ich mir deutsche Klatschzeitschriften anschaute, die Pias Mutter ihr regelmäßig schickt.
Als es gegen 5:30 Uhr langsam heller wurde, bedankte ich mich bei ihr und machte mich auf den Weg zum Hotel. Nach kurzem Umpacken ging es dann weiter zum Busbahnhof, wo ich passend zum 1. Bus, der nach Mindo fuhr, ankam, der angenehm leer war. Direkt neben dem Busoffice lag eine Touristeninformation, in der ich mich nach günstigen Hotels und Attraktionen erkundigte. Mir blieb leider nur ein Tag, da ich mir den Samstag in Quito freihalten wollte.

Kategorien: Canoa, Ecuador | Hinterlasse einen Kommentar

Hoch hinaus – mit der Seilbahn über Quito schweben

Nachdem ich mir am nächsten Morgen ein gemütliches Frühstück im Bett gegönnt habe, suchte ich anschließend vergeblich nach einem Taxifahrer, der mich für einen guten Preis zum Kondorenpark bringen würde. 11 Dollar wären es insgesamt geworden, so dass ich mich dagegen entschied und mich auf den Weg nach Quito machte. Selbst Sonntag waren die Metrobusse wahnsinnig voll, so dass ich lieber früher ausstieg und den Rest zu Fuß ging.
Den restlichen Tag verbrachte ich damit, ein wenig am Laptop zu arbeiten, bis ich zwei Mädels fragte, ob sie schon auf dem Teleferiqo waren, eine Seilbahn, die einen auf 4.100m Höhe über Quito bringt. Da eine von beiden noch nicht wahr, verabredeten wir uns für den darauffolgenden Tag. Kurz daraufhin schlossen sich noch zwei weitere Mädels an. Am nächsten Morgen waren wir dann zu fünft – hatte sich wohl inzwischen rumgesprochen. Eine Dänin schloss sich noch an, da sie das letzte Mal nicht viel mehr als Nebel und Wolken gesehen hatte. So waren wir 2 Kanadierinnen, eine Dänin, eine Schweizerin und eine Deutsche.
Erst wurde uns gesagt, dass man in Ecuador nicht zu fünft in ein Taxi einsteigen könnte, so wie in Peru und wohl auch in Kolumbien. Da wir alle Mädchen waren, klappte es allerdings natürlich schon beim ersten Taxifahrer.
Die Aussicht über Quito war schon schön, wenn auch anfangs etwas bewölkt. Wir gingen dann noch weiter auf den Berg hinauf, der eine noch schönere Aussicht versprach. Nach kurzem fing aber eine Kanadierin an zu schwächeln, da ihr die Höhe zu stark zu setzte, die Dänin „verloren“ wir dann weiter oben, auf Grund von Rückenproblemen durch einen Autounfall vor 4 Jahren. So waren es nur noch drei – Schweiz, Kanada und Deutschland.
Auf dem Weg nach oben beschlossen wir heute Nacht gemeinsam an den Strand zu fahren. Ich wollte den nächsten Nachtbus gleich wieder zurück nehmen, also nur einen Tag bleiben. Die beiden wollten einige Tage länger verweilen.
Als wir dann an dem Teil des Berges ankamen, ab dem es nur noch steil bergauf ging, trafen wir ein paar Einheimische, die dort gerade ihre Pause genossen. Sie meinten, es lohne sich nicht weiter hoch zu gehen. Wir entschieden uns dann letztendlich auch dagegen auf Grund von Mangel an Essen, wobei uns die Einheimischen ein wenig Brot abgaben, aber es klang einfach verlockender zum Chinesen zu fahren, als weitere drei Stunden bergan zu laufen. Also fuhren wir, kaum unten angekommen, mit einem Taxi auf die von überall sichtbare und über Quito wachende Engelsstatue – wahnsinnig groß und so wie alles, in Weihnachtsschmuck gehüllt. Unser Taxi, das uns versprochen hatte zu warten, fuhr dann an uns vorbei wieder runter. Es war aber kein Problem, da genug Taxen kamen. Die Bustickets konnten wir problemlos kaufen, obwohl selbst Ecuadorianer meinten, dass man diese, wenn man an den Strand fahren wollte, lieber im Voraus kaufen sollte, da die meisten Reisenden Weihnachten und Silvester dort verbrachten.
Zurück im Hostel wurde noch das übrig gebliebene Frühstück vertilgt, Filme geguckt und ich habe den Blog aktualisiert, wobei das immer schwieriger wurde, je mehr Leute online kamen, so dass dann alle auf mich warten mussten um das Taxi zu bestellen, weil noch fünf Fotos hochgeladen werden mussten. Dann ging es im eiskalten Bus aber endlich los.

Kategorien: Ecuador, Quito | Hinterlasse einen Kommentar

Einer der größten Märkte Südamerikas

Als ich um 7 Uhr abends in dem kleinen Städtchen Otavalo ankam, waren noch einige Leute auf den Straßen und die Geschäfte geöffnet. Ich war extrem müde und entschied nach ein paar Einkäufen ins Bett zu gehen. Am nächsten Morgen ging es dann früh hoch und ab zum Tiermarkt, da dieser nur von 6-10 Uhr geöffnet hatte und man früh kommen sollte, weil sonst vermutlich schon alle Tiere verkauft wurden.
Nun als ich vor die Tür trat, bauten schon alle fleißig ihre Stände auf für einer der größten und bekanntesten Märkte in Südamerika. Ich schlängelte mich also durch die Stände und Menschen, die schwere Kisten und Tüten durch die Straßen trugen, und kam letztendlich an einer Kreuzung an. Ich merkte sofort, dass ich mein Ziel wohl erreicht hatte, als ich lautes Schweinegrunzen hörte. Doch das Grunzen wurde schnell zum lautesten Quieken was ich je gehört habe. Die Schweine wurden nur so über die Straße geschleift und wenn sie nicht wollten, stand immer noch jemand dahinter und schlug dem Schwein auf das Hinterteil. Also für überzeugte Tierschützer ist der Markt sicherlich nichts und auch für mich war es grenzwertig. Meerschweinchen wurden ausgesucht, als würde man durch eine Perlenkiste wühlen. Interessiert hat auch nur, wie groß es war(um zu wissen, für wie viele Personen man es zubereiten kann) bzw. das Geschlecht, damit man zu Hause eigene züchten kann. Hunde gab es auch, einige frei rumlaufend, einige an Leinen und die meisten in Kisten oder Käfigen eingequetscht.
Ich habe mir gerade die Hasen angeschaut, mit die einzigen Tiere, die tatsächlich mit Liebe aus dem Käfig gehoben wurden, da kam einer an mir vorbeigerannt und schmiss eine Katze in einen Käfig, die erst einmal wild im Kreis herum lief. Er griff sie und band sie am Hals an einen Gitterstab, kurz danach kam ein schwarzes Kätzchen hinzu, voll süß suchte es erst einmal den Schutz bei der älteren Katze, bis es sich verschreckt in eine Ecke zurück zog. Das wurde mir dann doch zu viel, also sah ich den Schweinen weiter beim Kämpfen zu. Ein Schwein kostete 85 Dollar, ein anderes 60, wobei ich die Unterschiede nicht ganz sehen konnte, alle ziemlich hässlich meiner Meinung nach, aber einige scheinen sich besser als Beschützer zu eignen als die Hunde, die sie dort verkauften.
Ich lief weiter und befand mich inmitten einer Herde Kühe. Dort wurde es mir allerdings schnell zu unangenehm, so dass ich zurück zu den kleineren Tieren ging. Alles wurde behandelt, als wäre es schon längst tot, die Meerschweinchen quietschten nur so rum, irgendwann versuchten sie sich tot zu stellen bis sie sich dann wieder aus der Hand winden wollten. Das alles ließ die Indigenen dort ziemlich kalt, weil sie eh gleich gegessen werden. Interessant war es dennoch!
Nach einer halben Stunde war ich dann aber auch wieder froh, auf dem allgemeinen Markt zu sein und dort gab es wirklich alles, aber irgendwie auch immer wieder das Gleiche. Nach einigen Stunden herumlaufen und einige Sachen kaufen, fand ich die Touristeninformation. Ich wollte raus aus der Stadt und dem Trubel und rein in die Natur. An einem Stand habe ich mich länger mit einer Verkäuferin unterhalten, die meinte, ich solle zum Wasserfall gehen und danach zu ihr zurückkehren und ihr erzählen, wie er mir gefallen hat. Außerdem hat sie mich gefragt, wann die Menschen in Deutschland so heiraten. Das war nicht das erste Mal, dass mir die Frage hier gestellt wurde. Das scheint alle brennend zu interessieren. Naja ich meine immer, das man heiratet, wenn man sich gefunden hat, aber dass das auch immer seltener wird, habe ich zumindest das Gefühl. Bei uns verdienen ja eben auch meistens beide, Frau und Mann, was ja hier immer noch die Seltenheit ist, zumindest auf dem Land. Dementsprechend sind wir als Frauen auch glücklicherweise nicht mehr so an den Mann gebunden, wie die Frauen hier. Sie meinte auch, dass es hier einige schlechte Männer gibt, wohl mehr als in Europa, und dass ich mir einen guten Mann in Deutschland aussuchen soll, der sich kümmert und nett ist. Sie zählte noch einige andere Sachen auf, die zeigen, wie schwer es ist, hier so jemanden zu finden. Sie selbst meinte, dass die Frauen den Männern hier nicht trauen. Ist wohl besser so, auch wenn ich das nicht ganz glauben kann, vielleicht haben sie aber eben auch einfach keine andere Wahl.
Außerdem hat sie mir erzählt, dass momentan weniger Touristen unterwegs wären und tatsächlich bin ich recht wenigen begegnet. Die meisten kommen natürlich im Sommer her. Dementsprechend war ich auch das Ziel eines jeden Verkäufers und hatte ziemlich schnell die Schnauze voll, obwohl es schon interessant war die ganzen indigenen Menschen zu beobachten. Die Frauen hatten wunderschöne weiße Kleider mit Blumenstickereien an, einen bunten Gürtel um die Taille gebunden und trugen spezielle halboffene Schuhe. Wahnsinn übrigens was die an Gewicht teilweise auf ihren Rücken mit einem riesigen Tuch festbinden. Damit bewegen sie sich dann nur noch gebückt über die Straßen.
Außerdem kam ich an einem Mann vorbei, der englische Lernbücher für Kinder verkaufte und die CD laut durch die Straße schallen lies. Da ich eh gerade auf Rückgeld wartete, hatte ich dadurch gleich eine gratis Spanischlektion. Ich fand das Ganze recht amüsant und blieb noch eine Weile stehen, er winkte mir dann irgendwann zu und grinste. Er kann sicher schon perfekt alle Früchte auf Englisch aufsagen, so oft wie er sich das schon anhören musste.
So auf jeden Fall habe ich mir in der Touristeninformation den Weg zum Wasserfall sagen lassen und bin dann erst einmal Essen gegangen inkl. schönen Blicks über die Plaza. Nachdem ich meine Sachen ins Hostel gebracht hatte, ging es weiter den Bahngleisen entlang bis zum Wasserfall. Ich hatte mich davor noch erkundigt, ob auch wirklich keine Züge mehr fahren, damit ich nicht überrollt werde. Es lachten noch alle in der Touristeninfo über meine Frage und jetzt weiß ich warum. Teilweise waren die Gleise schon so überwachsen mit Gras oder der Boden unter den Gleisen weggebrochen, so dass man sich an diesen Stellen gar nicht so Sicher war, ob man noch auf den Gleisen lief. Also da fuhr seit Jahrzehnten wohl kein Zug mehr.
Der Wasserfall war eingebettet in einem hübschen Park, in dem es kleine Piscinas gab, in denen die einheimischen Kinder badeten oder eben ein Fluss, in den sich die Jugendlichen gegenseitig schubsten.
Danach wollte ich zum Kondorenpark, änderte aber spontan meine Meinung, auf Grund zu hoher Taxipreise und nahm den Bus in Richtung Lagune San Pedro. Erst stieg ich in einen, der aber gar nicht zur Lagune fuhr, sondern mich noch ein Stück laufen lassen wollte, mir dann aber das Geld wieder gab und mir einen anderen Bus empfohl, doch der Busfahrer unterhielt sich noch etwas mit mir und fragte, wo ich herkam. Danach fragte er mich, ob ich Hiteler kennen würde. Ich fragte, wen? Naja ist der nicht Deutscher? Kurzes Nachdenken, achso Hitler? Nee der bleibt schön Österreicher! Ich habe ja in einem früheren Bericht gesagt, dass man hier nicht gleich als Nazi verurteilt wird, wenn die Leute erfahren, dass man aus Deutschland kommt, was ja auch stimmt. Vielmehr kommen Bemerkungen, wie „ach wie schön!“. Trotzdem ist dieses gefährliche Halbwissen hier teilweise echt schockierend. Freunde haben mir schon gesagt, dass sie öfter den Spruch: „Heil Hitler“ zu hören bekommen, sobald sie erzählen, wo sie her kommen und dann erst einmal erklären müssen, dass man das schon lange nicht mehr benutzen sollte. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass die Leute hier auch nur denken, Hitler war eine berühmte deutsche Persönlichkeit…
Angekommen im Dorf, wurde ich gleich mit einem Weihnachtskonzert unter strahlendem Sonnenschein begrüßt. Ich zog immer mehr aus und die Kinder sangen in warmen Wintermänteln. Danach ging ich runter zur Lagune und wurde mit einem herrlichen Ausblick belohnt, Boote, die in einem kleinen Fluss gemütlich auf und ab schaukelten und die Lagune mit der inzwischen recht tief hängenden Sonne.

Kategorien: Ecuador, Otavalo | Hinterlasse einen Kommentar

Höhenangst und Fiesta in der Altstadt

Ich war endlos müde, aber es war so kalt und eng im Bus, dass ich immer wieder wach wurde. Um 6:30 Uhr wurde ich dann von einer Frau geweckt, die gerade an mir vorbei ging um mir zu sagen, dass wir in Quito wären. Also versuchte ich schnell zum Metrobus und damit ins Hostel zu kommen. Dummerweise war es Rush Hour und die Schlangen endlos. Ich wusste gar nicht, welchen Bus ich nehmen musste und das mit Koffer und Rucksack und allem. Also fragte ich zweimal nach und beim zweiten Mal bekam ich Priorität und durfte schon in den noch wartenden Bus einsteigen. Als wir dann an der Schlange hielten und die Türen aufgingen, sprinteten die Leute nur so rein und auf die noch freien Plätze. Das große Schubsen ging los. Der Bus war voll und fuhr an den nächsten Stationen nur vorbei ohne zu halten. Überall wo er hielt und die Türen öffnete, strömten mehr Menschen rein als gingen und selbst die Security, die immer wieder nachdrückten, damit zumindest die Türen schließen könnten, hatten wenig Erfolg. So standen wir teilweise 5 Minuten an einer Station und nichts bewegte sich, weil sich die Leute in die Türen hängten. Ich fragte mich, warum nicht einfach mehr Busse fahren könnten, damit das Problem nicht auftritt, oder wenn das der Fall ist, warum die Menschen sich dann so an einem Bus festbeißen und nicht einfach schnell aus- und einsteigen, so dass der nächste kommen kann. Naja so war es dann auch, dass ich an meiner Station natürlich nicht rauskam, aber immerhin an der nächsten, da die Leute an den Eingängen unter keinen Umständen kurz aussteigen würden, um andere Leute von weiter hinten raus zu lassen, denn damit würden sie eventuell das Risiko eingehen, gar nicht mehr in den Bus zurück zu kommen. Also einiges läuft da dramatisch schief.
Ich war noch nie so froh, im Hostel anzukommen und dann wurde sich noch entschuldigt, dass ich noch bis um 12 Uhr warten muss um einchecken zu können. Ich nutzte die Chance um noch ein wenig im Internet zu surfen und dabei zu frühstücken, bevor es zurück in die Altstadt ging, um die Sachen anzuschauen, die ich an meinem ersten Wochenende in Quito nicht mehr geschafft hatte. Unter anderem ging ich auf die Basilika, was mich einige Nerven kostete, da ich die höchsten Aussichtspunkte nur über Leitern erreichen konnte, durch die man direkt auf den Boden schaute, der mir etwas zu weit entfernt war, aber wie immer machte die Aussicht alles wett. Man konnte oben ins Uhrenwerk reinschauen und die Kirchenfenster aus der Nähe betrachten.
Dann zog der Himmel wieder zu und es fing kurzzeitig an zu nieseln. Daraufhin kam auch schon wieder die Sonne und es entstand ein wunderschöner Regenbogen. Zudem begann gerade auf dem Platz eine kleine Feier mit einigen maskierten Menschen und einer ziemlich großen Band. Irgendwie wird in diesem Land, egal wo man hinkommt, einfach immer gefeiert! Danach ging es wieder zu der Pizzeria, wo ich knapp zwei Wochen vorher mit den Kolumbianerinnen saß. Zurück sortierte ich Fotos, unterhielt mich mit meinen Zimmerpartnern und ging dann früh ins Bett. Ich schwor mir auszuschlafen, was aber in einem Gemeinschaftszimmer nicht immer unbedingt leicht ist. Um 3 Uhr nachts kamen die betrunkenen Engländer wieder, die leider erst einmal lautstark den Abend und die Mädchen, die sie getroffen hatten, Revue passieren lassen mussten. Manchmal wäre es doch einfach besser, die Menschen nicht zu verstehen! Die beiden Engländer haben einen Kumpel im Nachbarzimmer, der auch Englisch spricht, zumindest habe ich das vermutet, aber der hat so einen starken Akzent, dass ich ihn beim besten Willen nicht verstehe! Naja immerhin haben sich die beiden Betrunkenen am nächsten Morgen entschuldigt, ich habe mich wohl oft genug geräuspert, so dass sie irgendwann mitbekommen haben, dass der Rest des Zimmers mithört und eventuell lieber schlafen will. Um 7 Uhr ist dann der Deutsche aufgestanden um seinen Bus zu kriegen. Er studiert in Kolumbien und meinte, dass nach meiner Beschreibung Bogota Lima ziemlich ähnlich zu sein scheint. Er nutzt jetzt seine Semesterferien zum reisen und studiert dann noch ein weiteres Semester. 2h später stand dann der Amerikaner auf, der seinen Flug nach Hause kriegen musste, da er seit Mai über ein Programm der USA in Ecuador arbeitet und jetzt über Weihnachten seine Familie das erste Mal wiedersieht. Immerhin bleibt er noch bis Sommer 2014. Danach konnte ich Durchschlafen und ärgerte noch etwas die beiden Engländer, da ich meine Sachen packen und auschecken musste, so dass sie eine Minute, nachdem es kein Frühstück mehr gab wach wurden. Den Tag lies ich ruhig angehen. Ich entschied mich in einen nahgelegenen empfohlenen Shop vorbei zu schauen und danach endlich einmal Musik aus Peru auszusortieren und zu suchen, solange ich noch Internet habe. Dann ging es zum Mittagessen zu Pizza Hut und weiter nach Otavalo.

Kategorien: Ecuador, Quito | Hinterlasse einen Kommentar

Cuenca – edle Stadt im Süden (11./12.12.)

Wieder am Beginn meines Loops, in Latacunga, ging es 5 Minuten später weiter nach Ambato, wo ich die wahrscheinlich fettigsten Pommes meines Lebens aß, bevor ich mich in den Bus nach Cuenca setzte. 5 Uhr früh kamen wir an und ich ließ mich von einem Taxi direkt in ein Hotel fahren, dass vom Lonely Planet sehr gut beschrieben wurde: 7 Dollar die Nacht, voller Pflanzen und Gemälde, die an Dali erinnern, also wie gemacht für mich.
Als ich vor der Tür stand, war der Preis aber auf einem Mal 20 Dollar die Nacht. Nun es war zu spät um ich anders zu entscheiden, also fragte ich nur nach, ob Frühstück und W-lan mit inbegriffen waren und nahm das Zimmer. Später jedoch versuchte ich noch den Preis runterzuhandeln, da die Nacht nun fast vorbei war. Er ließ jedoch nicht mit sich reden und so hatte ich 4 Stunden Schlaf, bevor es Frühstück gab. Ich ging im Schlabberlook runter und wurde von einem Servierer im Anzug begrüßt, der absolute Butler-James-Look. Man fühlte ich mich fehl am Platz, aber irgendwie auch mal interessant, so eine Erfahrung zu machen. Kurz danach kam auf jeden Fall der Besitzer, auch im Anzug, und fragte mich, welchen Preis ich mir so vorstellte. Im Endeffekt zahlte ich 30 Dollar für zwei Nächte und bekam dafür am nächsten Morgen kein Frühstück, was gar kein Problem war, da ich sowieso in einen Nationalpark wollte und dafür schon um 6 Uhr los musste.
Den Tag verbrachte ich in der Stadt und ich muss sagen, dass der Lonely Planet nicht umsonst geschrieben hat, dass sich die Stadt mit Quito ein Gefecht in Sachen Schönheit liefert, nur dass Quito mehr Stil hat, meiner Meinung nach, da es nicht ganz so teuer wirkt. Cuenca erinnert mich ungemein an eine europäische Stadt. Es war kein Problem den ganzen Tag mit einer Spiegelreflexkamera herumzulaufen ohne komisch angeguckt zu werden, dementsprechend waren die Preise in den Geschäften auch umso höher. Dafür waren Eintritte zu den touristischen Einrichtungen meist sogar kostenlos!
Es gab ein unglaublich gut eingerichtetes Museum für moderne ecuadorianische Kunst, stark beeinflusst von der europäischen meiner Meinung nach, aber super interessant. Dafür haben sie von mir direkt auch eine Spende bekommen. Sowas muss erhalten werden! Danach ging ich zu einem Haus, dass sich „Prohibido Museo de Arte Extremo“ nannte. Nun es war schon von außen mit ziemlich dunkler Graffiti besprüht und drinnen wartete Gothikkunst vom Feinsten auf mich. Echt krass eingerichtet alles! Es gab einige interessante Sachen zu entdecken und ich unterhielt mich noch ein wenig mit der Frau. Ihr Mann hatte die Idee zu all dem gehabt, was ich mir schon gedacht hatte, denn sie sah ganz normal aus, während er eben eine Seite seiner Haare abrasiert hatte, was hier einfach unglaublich selten zu sehen ist! Sie meinte auch, dass ihre beiden Söhne, die inzwischen auch schon 25 Jahre alt waren ziemlich verschieden aufgewachsen sind, als die anderen in der Umgebung, denn die Familie lebt auch in dem Haus. Am Wochenende finden immer Konzerte statt und bezahlt wird mit Süßigkeiten für bedürftige Kinder. Auf jeden Fall ist es mal etwas ganz anderes, so etwas in Südamerika zu finden.
Weiter ging es in das empfohlene Panamahut-Geschäft Barranco. Ecuador ist das Land, in dem die ersten Panamahüte hergestellt wurden und dann eben für die Arbeiter am Panamakanal exportiert wurden, daher stammt der Name. Cuenca ist auch heutzutage einer der größten Exporteure für diese Kopfbedeckung. Das Geschäft war gleichzeitig auch ein Museum und zeigte die Herstellung der Hüte. Durch Hitze und Eisenformen werden die Hüte in ihre bekannte Form gebracht. Dort waren sie in allen möglichen Formen und Farben ausgestellt. Ich kaufte mir später auch noch einen in rot, wo mir eben auch die Herkunft des Namens erklärt wurde.

Am nächsten Morgen ging es also früh hoch und knapp vor Abfahrt schaffte ich auch noch den Bus zum Nationalpark. Erneut ging es in extreme Höhen und es wurde kälter draußen, doch noch schlimmer waren die Wolken die von überall herzogen. Wir befanden uns zwischenzeitlich mitten im Nebel, dann über den Wolken und so wechselte es ständig, was mir Angst mache, da ich alleine laufen würde und man sich im Nebel ja schon gerne mal verirren kann.
Mit mir stiegen dann allerdings noch einige andere Wanderer aus und wir registrierten uns alle an der Station. Im Endeffekt lief ich den 4h Rundweg mit zwei Hannoveranern und wir tauschten einige Reiseerfahrungen über Ecuador aus, was recht interessant war.
Nachdem wir glücklicherweise ohne Nebel heraus kamen, leider auch ohne Sonne, fing es kurz vor Ende an zu regnen. Der Bus, der nur wahllos alle 20 Minuten fahren sollte, kam glücklicherweise sofort und brachte uns zurück nach Cuenca. Ich kam inzwischen schon mit den Städtenamen durcheinander, was wohl ganz normal ist, wenn man in jeder Stadt nur 1-2 Tage verbringt. Am selbigen Abend ging es dann auch direkt mit dem Nachtbus zurück nach Quito, was wohl ein Fehler war, denn dieses wenige Schlafen tat meiner noch nicht ganz gesund gepflegten Verdauung gar nicht gut! Naja mit Tabletten übersteht man alles und ab Quito habe ich mir etwas mehr Ruhe gegönnt.
Nach dem Nationalpark wollte ich eigentlich gleich weiter zu einem Wasserfall, doch die dunklen Wolken und meine Müdigkeit hielten mich ab. Erst gestern Abend im Hotel hatte ich mich gewundert, warum jemand um 10 Uhr abends anfängt Staub zu saugen, doch als ich aus meinem Zimmer ging, bemerkte ich, dass das das Prasseln des Regens auf das Glasdach war und zwar so stark, wie ich es seit einigen Monaten nicht mehr hatte. Also war es eine weise Entscheidung einfach nur den Laptop zu greifen und mich in ein warmes Restaurant zu setzen. Im Endeffekt verbrachte ich meinen gesamten Nachmittag und Abend dort. Es gab super gutes Essen, ich hatte Internet, es war eine angenehme Stimmung und abends gab es noch zwei alkoholische Getränke für Frauen gratis. Die Serviererin meinte, dass ich sie an eine ihrer Freundinnen erinnere und sagte mir am Ende noch, dass sie morgen dasselbe Angebot wieder hätten. Super freundlich! Dann bestellte mir „James“ ein Taxi zum Hotel, was mich zum Busbahnhof brachte. Er gab mir noch ein paar Sicherheitstipps und dann ging es endlich los nach Quito.

Kategorien: Cuenca, Ecuador | Hinterlasse einen Kommentar

Mittendrin im indigenen Leben (Quilotoa-Loop) (09./10.12.)

Als ich am Busbahnhof von Ambato ankam, wurde ich gleich gefragt, wohin ich weiter fahren möchte, da Ambato eigentlich nur als Dreh- und Angelpunkt gesehen wird, doch ich wollte die Nacht lieber dort verbringen, da es ja inzwischen auch schon 20 Uhr und dunkel war. Ich suchte mir dann ein Hotel, was aber merkwürdigerweise voll war, also musste ich ein paar Blocks weiterlaufen. Eine Nacht im Hotel Paris verbracht und am nächsten Morgen gleich weiter um den Quilotoa-Loop zu beginnen.
Der Loop selbst ist ein Kreis aus Städten, in denen sich noch unglaublich viele indigene Menschen befinden, man sozusagen ein ganz anderes Ecuador kennen lernt. Ich begann meine Reise direkt an der Lagune Quilotoa, die wohl vom ganzen Loop am bekanntesten ist. Ein Vulkankrater, in dem inzwischen ein großer See liegt. Nachdem wir eine Stunde im Bus saßen, ohne dass etwas passiert ist, weil es dem Busfahrer wohl noch zu wenig Menschen waren um los zu fahren, ging es dann aber in die Höhe und die Kälte. Die Menschen draußen schienen, je mehr wir an Höhe gewannen, immer mehr Kleidung zu tragen und sobald die Tür aufging, zog es kalt rein. Ich hatte viel zu wenig Kleidung mit um mich warm einzupacken, aber ich habe es kein Stück bereut. Durch das schnelle Laufen wurde mir warm genug und das Gewicht meines Rucksacks reichte aus, um am Ende des Tages völlig verspannt zu sein.
Glücklicherweise hatte ich im Bus zwei Kanadier aus Quebec getroffen, die von ihrem Hostel genaue Anweisungen auf Englisch bekommen haben, wie man Laufen muss und dazu noch eine hilfreiche Karte. Ich schrieb und fotografierte alles ab und ohne diese Infos, wäre ich wohl nie irgendwo angekommen. Auf dem Hinweisschild an der Lagune stand, dass man nicht in Gruppen unter 4 Leute laufen, nicht mehr nach 1:30pm aufbrechen sollte und doch mit Guide laufen soll. Ich wusste jedoch schon von 2 Amerikanern, die die Tour gemacht haben, dass sich die Einheimischen damit nur etwas dazu verdienen wollen. Sie selbst haben 7h für die Tour gebraucht, für die 4-6h geplant sind, weil sie sich so oft verlaufen haben. Ich erhoffte mir bessere Chancen, da es inzwischen auch schon um 2 Uhr nachmittags war. Also beeilte ich mich und befand mich ziemlich schnell vor einer Auswahl von Wegen, ich wollte dem Gefühl nach oben an der Lagune entlang, aber dann kam mir ein türkisches Pärchen entgegen, was mir sagte, dass es dort nirgendwo einen Wegweiser in ein Dorf gegeben hat und sie haben die Lagune einmal umrundet. Also nahm ich doch den Weg nach unten.
Kurz danach kam ein bettelndes Kind allein an und wollte mein Essen oder Geld haben. Ich ging weiter, immer weiter runter, bis ich merkte, dass ich nur an ein Haus kam und schließlich holten mich Kind und Vater ein um mir den Weg zu zeigen. Oben angekommen, ich völlig außer Puste, meinte der Vater, dass er mich bis ins Dorf bringen könnte, weil noch viele Wegabtrennungen kommen werden, aber ich meinte nur, dass ich es schon finden werde und habe mich bedankt. Danach folgte ich meiner Intuition und kam gut voran, aber kaum sahen mich Einheimische, kamen sie gleich angerannt um sich als Führer anzubieten. An einer Kreuzung fragte ich noch einmal eine Frau und ab dort fand ich den Weg ohne Probleme. Trotzdem wurde ich auf halben Weg noch von einer Indigenen gefragt, ob ich ihr nicht meine Cola haben könnte (250ml – ja nicht nur die Menschen in Ecuador sind besonders klein, auch die Colaflaschen – inzwischen fast leer). Das kam mir sehr spanisch vor. Sie blieb dann noch lange stehen und schaute mir hinterher.
Im Endeffekt habe ich mich zweimal richtig verlaufen und dennoch nur 4h gebraucht, so dass ich kurz vor Dämmerung am Hostal ankam. Dort traf ich auf zwei Australier, die kein Wort Spanisch sprachen und auch erst vor knapp einer Woche in Ecuador angekommen waren. Dementsprechend berichteten sie mir, wie sie schon über den Tisch gezogen wurden, weil die Einheimischen eben sofort merken, dass die beiden kein Spanisch können und dementsprechend auch nicht vernünftig die Preise runterhandeln bzw. diskutieren können. Leider wussten sie auch noch nicht viel von den hiesigen Regeln, so einigten sie sich mit dem Taxifahrer sie für 25 Dollar zur Lagune zu bringen und abends wieder abzuholen. Nicht nur, dass der Preis wahnsinnig hoch ist, selbst für Ecuador, sondern auch, dass sie gleich am Anfang alles bezahlt haben, so dass der Taxifahrer abends natürlich nicht wieder gekommen ist, weil er das Geld ja eh schon hatte. Naja so lernt man eben mit der Zeit und Erfahrung.
Ich habe dann für uns alle geregelt, dass wir am nächsten Morgen kein Frühstück, sondern Lunchpakete bekommen, wofür sie sich endlos bedankt haben, weil sie davor ewig mit dem Wörterbuch am Tisch saßen und versucht haben die spanischen Wörter heraus zu suchen um das zu klären. Die an der Rezeption waren auch froh, dass ich genug Spanisch konnte um mich zu verständigen, was das Ganze für alle Seiten erleichterte. Dafür habe ich dann etwas Sonnencreme von den Jungs bekommen, da ich meine vergessen hatte.

Um 5:30 Uhr klingelte mein Wecker und um 6 ging ich in der Dämmerung los, da mein Plan war heute gleich zwei Wege zu schaffen, einen wohl sehr schönen und den zweiten um zum Bus zu kommen. Leider hatte ich die Rechnung mal wieder ohne die Wegfindungsprobleme gemacht und zusätzlich kamen noch unglaublich viele aggressive Hunde hinzu, die mich oft wieder zurück trieben und es ewig dauerte, bis die Besitzer auf meine Rufe reagierten und ihre Hunde ins Haus holten. Es kam mir so vor, als wären mehr Hunde als Menschen unterwegs und als würde ich mich permanent auf privaten Besitz befinden, welchen der Hund ja nun gerade beschützen soll.
Einmal war ich mir so sicher, auf dem richtigen Weg zu sein, da stand ich auf einem Mal vor Stacheldrahtzaun. Nach einigem Überlegen, entschloss ich mich, meinen Rucksack rüber zu heben und rollte mich selbst unten drunter durch. Ging alles ohne Probleme, aber danach wurde die Angst umso größer, gleich zerfleischt zu werden. Ich traf auf eine Kuh, die mitten auf dem Weg stand und dem Besitzer des Landes, der mir sagte, dass ich auf dem richtigen Weg war. Die Frage, warum er mir diesen dann absichtlich versperrt, sparte ich mir.
Diesmal bot sich niemand als Führer an, nur einmal, als ich dreimal hin und her lief, weil alle in entgegengesetzte Richtungen zeigten, und ich mich letztendlich erschöpft auf eine Wiese setzte, half mir ein Einwohner, den ich auf Grund seiner letzten drei vorhandenen Zähne im Mund leider nicht verstehen konnte, den Weg zu finden.

So kam ich erst 11:30 Uhr in Itsilivi, meinem Zwischenstopp an, wobei der Bus am Zielhalt schon 13:30 Uhr fahren sollte. Ich fragte also gleich im ersten Shop nach, ob auch ein Bus von hier aus fahren würde und war unglaublich erleichtert, als sie meinten, dass einer gegen 3 Uhr nachmittags fahren würde. Ich konnte einfach nicht mehr weiter laufen, der Rücken tat weh und die Angst steckte noch immer in den Knochen. Außerdem hatte ich meinen schönsten Weg ja eh schon geschafft. Da machte es mir auch nichts aus, noch einige Stunden in einem Dorf zu sitzen, dass nur aus zwei Shops und einer Schule bestand. Eine Frau bat mich in ihren Shop, wir unterhielten uns und ich nutzte die Zeit um endlich meine Ketten aus Huancayo fertig zu machen. Das war wohl das merkwürdigste Bild für die Einheimischen, das sie je gesehen haben, zumindest wirkte es so. Alle, die den Shop betraten, blieben erst mal stehen um zu schauen, dass die Europäerin ja die Arbeiten macht, die sie sonst eigentlich nur von ihrer eigenen Bevölkerung kennen und womit sie auch eine Menge Geld verdienen. Ich wurde gefragt, wer mir das gezeigt hat und lange Zeit beobachtet.
Inzwischen habe ich jetzt beide Ketten fertig und den Bus habe ich auch bekommen, wäre ja auch zu schade, wo hätte ich in diesem Dorf nur schlafen sollen, wo es doch noch nicht einmal Mittagessen gab?!
In den Bus einzusteigen, erwies sich als relativ schwierig. Dieser war voller Einheimischer und alle hatten ihre Kisten und Kartons auf dem Boden zu stehen, weshalb hinten auch alles frei war. Da ich bis zur Endstation fahren musste, entschied ich mich über alles rüber steigen, wobei ich solche Angst hatte, wieder auf ein Huhn zu treten. Während der Fahrt stand eine indigene Frau auf und schlug einen Jungen mit ihrer Zeitung, weil sich die Gruppe wohl irgendwie über ihren Karton lustig gemacht hat. Ich kam mir vor wie im Kindergarten, aber genau wusste ich auch nicht, worum es ging.

Kategorien: Ecuador, Quilotoa-Loop | Schlagwörter: | Hinterlasse einen Kommentar

2012 in review

Da mich Statistiken ja selbst immer so begeistern, dachte ich, dass ich euch die nette Zusammenfassung über das Jahr 2012 nicht vorenthalten sollte 😉
In diesem Sinne vielen Dank für die fleißigen Leser und Fotogucker! Ich hoffe bald wieder Zeit zu finden, meine neuen Erlebnisse zu teilen!

Hier ist ein Auszug:

600 Personen haben 2012 den Gipfel des Mount Everest erreicht. Dieser Blog hat 2012 über 9.600 Aufrufe bekommen. Hätte jede Person, die den Gipfel des Mount Everest erreicht hat, diesen Blog aufgerufen, würde es 16 Jahre dauern, um so viele Aufrufe zu erhalten.

Klicke hier um den vollständigen Bericht zu sehen.

Kategorien: Uncategorized | Hinterlasse einen Kommentar

Erstelle eine kostenlose Website oder Blog – auf WordPress.com.