Baños – Endlich wieder Fahrrad fahren (05.12. – 08.12.12)

Baños ist klein, aber fein! Man fühlt sich sofort sicher. Darauf wird wohl auch sehr viel wert gelegt, weil der Tourismus eine wichtige Einnahmequelle ist und diesen möchte man sich natürlich unter allen Umständen bewahren.
Überall gibt es Hostels und vieles steht auf Englisch geschrieben. An jeder Ecke kann man Quads, Fahrräder und Motorräder leihen. Es werden Mountainbiketouren, Canopy, Bungy Jumping (hier puenting genannt von puente = Brücke) angeboten und die Möglichkeit Wasserfälle hinauf zu klettern. Ansonsten eignet sich Baños gut zum wandern und entspannen. Nicht umsonst trägt die Stadt den Namen „Bäder“, denn es besitzt zwei Schwefelbäder.
Meinen ersten Tag wollte ich langsam angehen und guckte mich erst einmal um. Es gab unglaublich schöne Kirchen, ich durfte das berüchtigte Toffee probieren, aber das war selbst mir zu süß, obwohl ich Toffee so liebe. Später ging ich in ein Restaurant, dass vom Lonely Planet empfohlen wurde, das Casa Hood. Dort laufen jeden Tag ab 4:30pm Filme, die nichts kosten und man währenddessen ganz in Ruhe essen kann. Heute kam Gandhi, der echt gut war! Da er aber über drei Stunden ging, bin ich danach nur noch auf die Plaza, die weihnachtlich geschmückt war. Dort lächelte mich ein Mädchen an, was auch allein da war und fragte mich dann, ob sie ein Foto von mir machen sollte. Wir kamen ins Gespräch und merkten dann bald, dass wir beide aus Deutschland kamen. Sarah machte hier einen Sprachkurs bevor sie dann für 10 Monate auf eine Insel in die Nähe von Guyaquil geht um dort freiwillig zu arbeiten, ohne Dusche und Toilette. Meinen Respekt hat sie!
Wir schauten uns noch eine Weile das Geschehen an, es gab Lifemusik und das typische ecuadorianische Getränk, Canelazo, mit Zimt und Alkohol, wobei es den auch ohne Alkohol gibt, und unterhielten uns ein wenig über die Männer- und Frauenrollen in Ecuador und Peru, nun vermutlich trifft es mehr oder weniger auf ganz Südamerika zu.
Wir verabredeten uns dann für den nächsten Tag zu einer Fahrradtour entlang von Wasserfällen. Ich brachte noch schnell meine Wäsche in die Wäscherei und los ging es. Für 5 Dollar pro Tag leihten wir uns unser Fahrrad aus und fuhren die Straße runter. Nach einer Weile meinte Sarah, dass mein Hinterrad merkwürdig schlenkert, als wär es nicht richtig fest. Naja Augen zu und durch! Schon bald kamen wir an den ersten Wasserfällen vorbei, inklusive der Möglichkeit Canopy zu machen. Dabei ist eine Schnur über eine Schlucht gespannt, auf der man rüber rutschen kann zur anderen Seite, befestigt an ein paar Seilen. Man kann es im Liegen, Sitzen und Kopfüber machen. Wir entschieden uns nach einer geschlagenen Stunde Risiken abwägen dazu, das Ganze im Sitzen zu machen. Während ich Sarah noch am Anfang gut zu redete, drehte ich fast durch kurz bevor es los ging. Wir standen wortwörtlich vor dem Abgrund und hingen nur in ein paar Seilen. Sarah meinte nur, Augen zu und dann erst wieder aufmachen, wenn wir von dem Absprungteil weg sind. Nachdem ich fast soweit war, alles wieder abzublasen, ging es dann einfach irgendwann los. Am Anfang guckte ich immer nur Sarah an um Mut zu fassen, dann betrachtete ich die Landschaft und es begann sogar Spaß zu machen, wenn man so an den Wasserfällen vorbei zieht. Auf der anderen Seite mussten wir hochlaufen und dann ging es wieder zurück, diesmal allerdings alleine. Inzwischen war die Angst nicht mehr ganz so groß!
Drüben angekommen zitterten unsere Beine und wir guckten noch ein paar anderen zu, bevor wir uns wieder auf den Weg machten. Wir fuhren dann noch in einer Bahn runter zu weiteren Wasserfällen, liefen zu anderen, bis wir dann kurz vor 6 Uhr mit dem letzten Bus wieder zurück fuhren. 20km hatten wir geschafft, auf Grund der vielen Pausen. Es ging auch die ganze Zeit an der Straße entlang und einen Tunnel mussten wir sogar durchfahren. Es war ein einspuriger Tunnel und hinter uns fuhr die ganze Zeit ein Bus, der nicht vorbei kam, was für ein unangenehmes Gefühl! Der Weg zurück erfolgte viel mehr in einem Laster als einem Bus. Wir saßen hinten mit unseren Fahrrädern auf einer Holzbank und konnten die Autos hinter uns beobachten, da das Verdeck offen war.
Wieder in Baños gingen wir erst einmal ordentlich essen, natürlich wieder im Casa Hood, nachdem wir die Bilder untereinander ausgetauscht hatten.
Wir hatten ein interessantes Gespräch über Schwaben in Berlin, da sie selbst vor kurzem in Berlin war und ihr eben gesagt wurde, dass die Berliner kein allzu gutes Bild von Schwaben haben. Ich habe ihr erklärt warum, böse Mieten-in-die-Höhe-Treiber, aber eben auch gesagt, dass Berliner einfach auch das Bild haben, dass nur wer dort geboren ist, auch ein echter Berliner ist und dem Rest doch eher intolerant gegenüber stehen. Sie meinte, dass man das gar nicht so erwartet, weil Berlin immer so offen und entspannt nach außen hin wirkt, weshalb es wohl auch so viele Kleinstädter dorthin zieht. Naja es gibt ja auch durchaus sehr offene, die das Ganze nicht so eng sehen und eben einfach dorthin wandern, wo die Mieten noch einigermaßen passabel sind. Es war auf jeden Fall ein sehr interessanter Abend! Gut, das Ganze auch mal so ausführlich von der Seite der Kleinstädter berichtet zu bekommen.
Am nächsten Tag machte ich mich dann alleine auf den Weg zu einigen Aussichtspunkten über Baños. Das zeigte mir erst, wie klein die Stadt tatsächlich war. Ich ging weiter zu einem kleinen Dorf, in dem nichts außer ein paar Häuser standen, aber von dort hatte ich einen grandiosen Blick auf den Vulkan, der alle halbe Jahre mal aktiv ist und Lava spuckt. Als ich ankam, war er noch völlig in Wolken gehüllt und es sah auch nicht so aus, als würde sich da noch großartig etwas ändern, aber tatsächlich verzogen sich die Wolken nach ca. 1 oder 2 Stunden warten, in der ich weiter Postkarten schrieb. Danach ließ ich mir von einem Ecuadorianer, der gerade zu seiner Kuh wollte, den Weg zu einem weiteren Aussichtspunkt zeigen. Als wir dort standen, fragte er mich, warum ich nicht unten bei den Festivitäten wäre. Und erst jetzt hörte ich die Musik, die von der Parade, die durch die Stadt zog, nach oben hallte. Ich bedankte mich also und hetzte schnell den Weg runter um zumindest noch ein wenig der Parade mitzubekommen. Sarah hatte mir davon erzählt, meinte aber sie würde später beginnen, aber wer hält sich hier schon an Zeiten?!
In einer Stunde stand ich dann also in der Masse und machte tausende Fotos. Es war einfach wunderschön, die Kostüme und auch der Mix aus traditionell und modern. Es wurden die Frauen, die zur Misswahl ausgewählt wurden, herumkutschiert und schmeißten mit Süßigkeiten umher. Alles tanzte, von jung bis alt. Viele Farben und ich durfte sogar noch so eine Art Zuckerrohr probieren. Zum Ende hin holte mich Sarah mit rüber zu ihrer Gastfamilie. Wir gingen danach noch zu ihr und machten uns fertig um in die Piscina zu gehen. Inzwischen war es dunkel und es waren hauptsächlich Ecuadorianer dort. Es gab drei Becken. Wir entschieden uns für das mittlere. Man konnte da drin locker laufen, was klar ist, da in Südamerika wenige Menschen schwimmen lernen.
Nach einer Weile wollte ich raus, weil es mir zu kalt wurde, und das andere Becken ausprobieren und tatsächlich war dieses viel wärmer. Später erfuhren wir, dass es 45°C hatte. Das ging wieder völlig auf den Kreislauf und mein Sonnenbrand litt auch ganz schön, aber es war wunderbar! Wir waren wohl wirklich die einzigen Ausländer, denn immer wenn wir uns unterhielten, wurden wir ununterbrochen beobachtet. Irgendwann wurden wir auch von allen Seiten gefragt, wo wir herkämen und wie uns Ecuador gefiele etc.
Danach war ich ziemlich müde und froh ins Bett zu kommen. Gegen 3 Uhr nachts wurde ich unsanft geweckt, als meine Zimmerkameraden besoffen zurück kamen. Einer aus Liverpool, einer aus Wales und eine aus Australien. Der Engländer hatte sich wohl eine Pizza Hawaii bestellt gehabt und den Schinken aussortiert. Irgendjemand hat sich darüber lustig gemacht und da der Engländer schon betrunken war, wollte er sich mit demjenigen prügeln. Darüber machten sich die beiden anderen jetzt unglaublich lustig. Irgendwann rastete der Engländer aus und meinte, dass sie verdammte Rassisten wären und nur weil er Jude wäre, würden sie so über ihn herziehen. Naja rassistisch war das eigentlich nicht, denn sie machten hauptsächlich Witze über Fleisch. Die Australierin meinte dann auch, warum er nicht einfach mitlachen würde, er sähe die ganze Sache viel zu ernst.
Irgendwann war Ruhe und ich schlief wieder ein, aber eine halbe Stunde später fing der Engländer an, wahllos und extra laut Sachen in seinen Rucksack zu packen. Ich stand dann irgendwann auf um zu gucken, ob er meine Wertsachen da gelassen hatte und er guckte mich nur an und meinte in abfälligen Ton: Was machst du da? Daraufhin hätte ich so anfangen können diesen Typen fertig zu machen, wie kindisch er doch wäre und dass er sich mal zusammen reißen solle und jetzt nicht so alberne Sachen abziehen solle, aber ich dachte mir genau aus diesen Gründen, dass er viel zu kindisch ist um zu begreifen was ich ihm sagen will und auch zu sensibel um das wirklich nachzuvollziehen. Außerdem hatte ich kein Interesse mir um 4 Uhr nachts eine einzufangen von irgendeinem besoffenen Britten. Also sagte ich nur, dass das meine Sachen wären und ging wieder ins Bett. Daraufhin ging er endlich aus dem Raum, ließ aber die Tür offen und telefonierte davor lautstark. Ich schloss dann die Tür und irgendwann war er dann endgültig weg. Am nächsten Morgen erfuhren wir dann den Rest. Er hatte einen Zettel an der Rezeption hinterlassen, wo drauf steht, dass er nicht bezahlen wird, weil wir wohl alle rassistische Witze gemacht hätten. Daraufhin erklärte ich denen erst einmal, worum es in den Witzen ging, dass sie null rassistisch waren und dass er einfach unglaublich betrunken war! Er hatte in seinem Wahn dummerweise auch meine Akkus für die Kamera mitgenommen, mein Ladegerät habe ich zumindest noch auf dem Fensterbrett gefunden, aber leider etwas geschrottet. Daraufhin habe ich ihm einen freundlichen Brief geschrieben, dass er mir das doch bitte ersetzt, wenn er wieder kommen sollte, immerhin hat er auch einen seiner Schuhe vergessen und die Schlüssel vom Hotel besitzt er auch noch immer! Was ein Freak!
Der Tag begann also recht turbulent. Das Wetter bestätigte das. Es stürmte und nieselte die ganze Zeit über. Ich wollte mir aber eh einen entspannten Tag machen und ein paar Dinge erledigen. Nachdem ich jetzt seit längerer Zeit Probleme mit meinem Magen hatte, ging es erst einmal zum Arzt. Hätte ich wohl nicht gemacht, wenn mir nicht einige gesagt hätten, dass es hier oft vorkommt, dass Leute Parasiten und Würmer kriegen auf Grund der doch recht unterschiedlichen Bakterien im Vergleich zu Europa. Ich bekam dann einen Zettel mit ein paar Begriffen und Kreuzen drauf. Das sagte mir gar nichts und sie meinte, ich müsste das von einem Arzt interpretieren lassen. Nur dieser dürfte mir ein Rezept ausstellen für die Apotheke. Ich hätte sie bestechen können, entschied mich aber dazu, es einfach so bei einer Apotheke zu probieren und ich hatte Glück, es war zufällig gerade eine Chemikerin da, die den Zettel nahm und erst einmal nicht schlecht staunte. Ich fragte dann, was los wäre, verstand aber natürlich nichts von dem, was sie mir an Krankheiten auf Spanisch an den Kopf warf. Ein Mann übersetzte es dann so: Kreuze bedeuten nichts Gutes und du hast viele Kreuze! Naja ich sag es mal so, die, die Würmer hatte, hat zwei Tabletten bekommen und alles war wieder gut, ich habe jetzt 14 Stück! Vielleicht ganz gut, dass ich gegangen bin.
Ansonsten gab es an dem Tag eigentlich „nur“ noch ein paar Skypegespräche dann ging es weiter nach Ambato, um am nächsten Morgen den Quilotoa-Loop zu beginnen.

Kategorien: Banos, Ecuador | Hinterlasse einen Kommentar

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