Monatsarchiv: Dezember 2012

Baños – Endlich wieder Fahrrad fahren (05.12. – 08.12.12)

Baños ist klein, aber fein! Man fühlt sich sofort sicher. Darauf wird wohl auch sehr viel wert gelegt, weil der Tourismus eine wichtige Einnahmequelle ist und diesen möchte man sich natürlich unter allen Umständen bewahren.
Überall gibt es Hostels und vieles steht auf Englisch geschrieben. An jeder Ecke kann man Quads, Fahrräder und Motorräder leihen. Es werden Mountainbiketouren, Canopy, Bungy Jumping (hier puenting genannt von puente = Brücke) angeboten und die Möglichkeit Wasserfälle hinauf zu klettern. Ansonsten eignet sich Baños gut zum wandern und entspannen. Nicht umsonst trägt die Stadt den Namen „Bäder“, denn es besitzt zwei Schwefelbäder.
Meinen ersten Tag wollte ich langsam angehen und guckte mich erst einmal um. Es gab unglaublich schöne Kirchen, ich durfte das berüchtigte Toffee probieren, aber das war selbst mir zu süß, obwohl ich Toffee so liebe. Später ging ich in ein Restaurant, dass vom Lonely Planet empfohlen wurde, das Casa Hood. Dort laufen jeden Tag ab 4:30pm Filme, die nichts kosten und man währenddessen ganz in Ruhe essen kann. Heute kam Gandhi, der echt gut war! Da er aber über drei Stunden ging, bin ich danach nur noch auf die Plaza, die weihnachtlich geschmückt war. Dort lächelte mich ein Mädchen an, was auch allein da war und fragte mich dann, ob sie ein Foto von mir machen sollte. Wir kamen ins Gespräch und merkten dann bald, dass wir beide aus Deutschland kamen. Sarah machte hier einen Sprachkurs bevor sie dann für 10 Monate auf eine Insel in die Nähe von Guyaquil geht um dort freiwillig zu arbeiten, ohne Dusche und Toilette. Meinen Respekt hat sie!
Wir schauten uns noch eine Weile das Geschehen an, es gab Lifemusik und das typische ecuadorianische Getränk, Canelazo, mit Zimt und Alkohol, wobei es den auch ohne Alkohol gibt, und unterhielten uns ein wenig über die Männer- und Frauenrollen in Ecuador und Peru, nun vermutlich trifft es mehr oder weniger auf ganz Südamerika zu.
Wir verabredeten uns dann für den nächsten Tag zu einer Fahrradtour entlang von Wasserfällen. Ich brachte noch schnell meine Wäsche in die Wäscherei und los ging es. Für 5 Dollar pro Tag leihten wir uns unser Fahrrad aus und fuhren die Straße runter. Nach einer Weile meinte Sarah, dass mein Hinterrad merkwürdig schlenkert, als wär es nicht richtig fest. Naja Augen zu und durch! Schon bald kamen wir an den ersten Wasserfällen vorbei, inklusive der Möglichkeit Canopy zu machen. Dabei ist eine Schnur über eine Schlucht gespannt, auf der man rüber rutschen kann zur anderen Seite, befestigt an ein paar Seilen. Man kann es im Liegen, Sitzen und Kopfüber machen. Wir entschieden uns nach einer geschlagenen Stunde Risiken abwägen dazu, das Ganze im Sitzen zu machen. Während ich Sarah noch am Anfang gut zu redete, drehte ich fast durch kurz bevor es los ging. Wir standen wortwörtlich vor dem Abgrund und hingen nur in ein paar Seilen. Sarah meinte nur, Augen zu und dann erst wieder aufmachen, wenn wir von dem Absprungteil weg sind. Nachdem ich fast soweit war, alles wieder abzublasen, ging es dann einfach irgendwann los. Am Anfang guckte ich immer nur Sarah an um Mut zu fassen, dann betrachtete ich die Landschaft und es begann sogar Spaß zu machen, wenn man so an den Wasserfällen vorbei zieht. Auf der anderen Seite mussten wir hochlaufen und dann ging es wieder zurück, diesmal allerdings alleine. Inzwischen war die Angst nicht mehr ganz so groß!
Drüben angekommen zitterten unsere Beine und wir guckten noch ein paar anderen zu, bevor wir uns wieder auf den Weg machten. Wir fuhren dann noch in einer Bahn runter zu weiteren Wasserfällen, liefen zu anderen, bis wir dann kurz vor 6 Uhr mit dem letzten Bus wieder zurück fuhren. 20km hatten wir geschafft, auf Grund der vielen Pausen. Es ging auch die ganze Zeit an der Straße entlang und einen Tunnel mussten wir sogar durchfahren. Es war ein einspuriger Tunnel und hinter uns fuhr die ganze Zeit ein Bus, der nicht vorbei kam, was für ein unangenehmes Gefühl! Der Weg zurück erfolgte viel mehr in einem Laster als einem Bus. Wir saßen hinten mit unseren Fahrrädern auf einer Holzbank und konnten die Autos hinter uns beobachten, da das Verdeck offen war.
Wieder in Baños gingen wir erst einmal ordentlich essen, natürlich wieder im Casa Hood, nachdem wir die Bilder untereinander ausgetauscht hatten.
Wir hatten ein interessantes Gespräch über Schwaben in Berlin, da sie selbst vor kurzem in Berlin war und ihr eben gesagt wurde, dass die Berliner kein allzu gutes Bild von Schwaben haben. Ich habe ihr erklärt warum, böse Mieten-in-die-Höhe-Treiber, aber eben auch gesagt, dass Berliner einfach auch das Bild haben, dass nur wer dort geboren ist, auch ein echter Berliner ist und dem Rest doch eher intolerant gegenüber stehen. Sie meinte, dass man das gar nicht so erwartet, weil Berlin immer so offen und entspannt nach außen hin wirkt, weshalb es wohl auch so viele Kleinstädter dorthin zieht. Naja es gibt ja auch durchaus sehr offene, die das Ganze nicht so eng sehen und eben einfach dorthin wandern, wo die Mieten noch einigermaßen passabel sind. Es war auf jeden Fall ein sehr interessanter Abend! Gut, das Ganze auch mal so ausführlich von der Seite der Kleinstädter berichtet zu bekommen.
Am nächsten Tag machte ich mich dann alleine auf den Weg zu einigen Aussichtspunkten über Baños. Das zeigte mir erst, wie klein die Stadt tatsächlich war. Ich ging weiter zu einem kleinen Dorf, in dem nichts außer ein paar Häuser standen, aber von dort hatte ich einen grandiosen Blick auf den Vulkan, der alle halbe Jahre mal aktiv ist und Lava spuckt. Als ich ankam, war er noch völlig in Wolken gehüllt und es sah auch nicht so aus, als würde sich da noch großartig etwas ändern, aber tatsächlich verzogen sich die Wolken nach ca. 1 oder 2 Stunden warten, in der ich weiter Postkarten schrieb. Danach ließ ich mir von einem Ecuadorianer, der gerade zu seiner Kuh wollte, den Weg zu einem weiteren Aussichtspunkt zeigen. Als wir dort standen, fragte er mich, warum ich nicht unten bei den Festivitäten wäre. Und erst jetzt hörte ich die Musik, die von der Parade, die durch die Stadt zog, nach oben hallte. Ich bedankte mich also und hetzte schnell den Weg runter um zumindest noch ein wenig der Parade mitzubekommen. Sarah hatte mir davon erzählt, meinte aber sie würde später beginnen, aber wer hält sich hier schon an Zeiten?!
In einer Stunde stand ich dann also in der Masse und machte tausende Fotos. Es war einfach wunderschön, die Kostüme und auch der Mix aus traditionell und modern. Es wurden die Frauen, die zur Misswahl ausgewählt wurden, herumkutschiert und schmeißten mit Süßigkeiten umher. Alles tanzte, von jung bis alt. Viele Farben und ich durfte sogar noch so eine Art Zuckerrohr probieren. Zum Ende hin holte mich Sarah mit rüber zu ihrer Gastfamilie. Wir gingen danach noch zu ihr und machten uns fertig um in die Piscina zu gehen. Inzwischen war es dunkel und es waren hauptsächlich Ecuadorianer dort. Es gab drei Becken. Wir entschieden uns für das mittlere. Man konnte da drin locker laufen, was klar ist, da in Südamerika wenige Menschen schwimmen lernen.
Nach einer Weile wollte ich raus, weil es mir zu kalt wurde, und das andere Becken ausprobieren und tatsächlich war dieses viel wärmer. Später erfuhren wir, dass es 45°C hatte. Das ging wieder völlig auf den Kreislauf und mein Sonnenbrand litt auch ganz schön, aber es war wunderbar! Wir waren wohl wirklich die einzigen Ausländer, denn immer wenn wir uns unterhielten, wurden wir ununterbrochen beobachtet. Irgendwann wurden wir auch von allen Seiten gefragt, wo wir herkämen und wie uns Ecuador gefiele etc.
Danach war ich ziemlich müde und froh ins Bett zu kommen. Gegen 3 Uhr nachts wurde ich unsanft geweckt, als meine Zimmerkameraden besoffen zurück kamen. Einer aus Liverpool, einer aus Wales und eine aus Australien. Der Engländer hatte sich wohl eine Pizza Hawaii bestellt gehabt und den Schinken aussortiert. Irgendjemand hat sich darüber lustig gemacht und da der Engländer schon betrunken war, wollte er sich mit demjenigen prügeln. Darüber machten sich die beiden anderen jetzt unglaublich lustig. Irgendwann rastete der Engländer aus und meinte, dass sie verdammte Rassisten wären und nur weil er Jude wäre, würden sie so über ihn herziehen. Naja rassistisch war das eigentlich nicht, denn sie machten hauptsächlich Witze über Fleisch. Die Australierin meinte dann auch, warum er nicht einfach mitlachen würde, er sähe die ganze Sache viel zu ernst.
Irgendwann war Ruhe und ich schlief wieder ein, aber eine halbe Stunde später fing der Engländer an, wahllos und extra laut Sachen in seinen Rucksack zu packen. Ich stand dann irgendwann auf um zu gucken, ob er meine Wertsachen da gelassen hatte und er guckte mich nur an und meinte in abfälligen Ton: Was machst du da? Daraufhin hätte ich so anfangen können diesen Typen fertig zu machen, wie kindisch er doch wäre und dass er sich mal zusammen reißen solle und jetzt nicht so alberne Sachen abziehen solle, aber ich dachte mir genau aus diesen Gründen, dass er viel zu kindisch ist um zu begreifen was ich ihm sagen will und auch zu sensibel um das wirklich nachzuvollziehen. Außerdem hatte ich kein Interesse mir um 4 Uhr nachts eine einzufangen von irgendeinem besoffenen Britten. Also sagte ich nur, dass das meine Sachen wären und ging wieder ins Bett. Daraufhin ging er endlich aus dem Raum, ließ aber die Tür offen und telefonierte davor lautstark. Ich schloss dann die Tür und irgendwann war er dann endgültig weg. Am nächsten Morgen erfuhren wir dann den Rest. Er hatte einen Zettel an der Rezeption hinterlassen, wo drauf steht, dass er nicht bezahlen wird, weil wir wohl alle rassistische Witze gemacht hätten. Daraufhin erklärte ich denen erst einmal, worum es in den Witzen ging, dass sie null rassistisch waren und dass er einfach unglaublich betrunken war! Er hatte in seinem Wahn dummerweise auch meine Akkus für die Kamera mitgenommen, mein Ladegerät habe ich zumindest noch auf dem Fensterbrett gefunden, aber leider etwas geschrottet. Daraufhin habe ich ihm einen freundlichen Brief geschrieben, dass er mir das doch bitte ersetzt, wenn er wieder kommen sollte, immerhin hat er auch einen seiner Schuhe vergessen und die Schlüssel vom Hotel besitzt er auch noch immer! Was ein Freak!
Der Tag begann also recht turbulent. Das Wetter bestätigte das. Es stürmte und nieselte die ganze Zeit über. Ich wollte mir aber eh einen entspannten Tag machen und ein paar Dinge erledigen. Nachdem ich jetzt seit längerer Zeit Probleme mit meinem Magen hatte, ging es erst einmal zum Arzt. Hätte ich wohl nicht gemacht, wenn mir nicht einige gesagt hätten, dass es hier oft vorkommt, dass Leute Parasiten und Würmer kriegen auf Grund der doch recht unterschiedlichen Bakterien im Vergleich zu Europa. Ich bekam dann einen Zettel mit ein paar Begriffen und Kreuzen drauf. Das sagte mir gar nichts und sie meinte, ich müsste das von einem Arzt interpretieren lassen. Nur dieser dürfte mir ein Rezept ausstellen für die Apotheke. Ich hätte sie bestechen können, entschied mich aber dazu, es einfach so bei einer Apotheke zu probieren und ich hatte Glück, es war zufällig gerade eine Chemikerin da, die den Zettel nahm und erst einmal nicht schlecht staunte. Ich fragte dann, was los wäre, verstand aber natürlich nichts von dem, was sie mir an Krankheiten auf Spanisch an den Kopf warf. Ein Mann übersetzte es dann so: Kreuze bedeuten nichts Gutes und du hast viele Kreuze! Naja ich sag es mal so, die, die Würmer hatte, hat zwei Tabletten bekommen und alles war wieder gut, ich habe jetzt 14 Stück! Vielleicht ganz gut, dass ich gegangen bin.
Ansonsten gab es an dem Tag eigentlich „nur“ noch ein paar Skypegespräche dann ging es weiter nach Ambato, um am nächsten Morgen den Quilotoa-Loop zu beginnen.

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Einmal Großstadt[und]dschungel (01.12.-05.12.12)

So endlich mal wieder eine Nachricht von mir! Ich bin gut in Ecuador angekommen! Am letzten Tag habe ich meinen Koffer gepackt und ich dachte, das würde schnell gehen, nur leider hat sich innerhalb der vier Monate doch viel angesammelt. Nun musste ich die Hälfte in Lima lassen und mein Koffer lässt sich dennoch kaum schließen. Am Flughafen kam dann die Überraschung, 24kg. Nun, inzwischen bin ich am Suchen nach verschiedenen Möglichkeiten das gute Gepäck nach Deutschland zu transportieren oder zumindest nach Brasilien. Von dort komme ich ja kostenlos mit 2 Koffern, je 32kg weg. Aber genug davon!
Ich wurde von Astrid und ihren Eltern zum Flughafen gebracht, das war schon ein komisches Gefühl. Ich war unglaublich aufgewühlt und aufgeregt, auf Grund der Ungewissheit vor dem, was mich erwartet. Am Schalter meinte sie noch, sie hätte keine Tickets für mich, aber nach einiger Zeit hatten wir das auch geklärt und somit saß ich dann kurze Zeit später im Flugzeug, umringt von einem Mexikaner und einer Ecuadorianerin, die in Buenos Aires studiert und nach einem Jahr jetzt in den Semesterferien endlich ihre Familie wiedersieht. Somit hatte ich eine unterhaltsame Hinfahrt. Sie erzählte viel von Quito und zeigte mir Plätze, die ich unbedingt besuchen musste. Wir verabredeten uns dann gleich, mal etwas zusammen zu unternehmen. Während des Fluges musste ich so an meine Anreise nach Lima denken und innerlich lächeln, weil ich damals neben einem aus der Dominikanischen Republik saß und fast nichts verstanden hatte und mich diesmal recht gut verständigen konnte.
In Quito kamen wir dann pünktlich nach Mitternacht an, nur waren die Systeme der Immigrationskontrollen ausgefallen, so dass wir die nächsten anderthalb Stunden damit verbrachten, zu warten. Da einige wohl schon drei Stunden in der Schlange standen, fingen sie an, zu klatschen und zu rufen, weil sie verständlicherweise endlich weiter wollten. Ich fand das ganze Geschehen recht amüsant.
Als wir durch alle Kontrollen durch waren, wurde ich direkt zum Hostel gebracht und selbst bei Nacht machte Quito schon einen deutlich freundlicheren Eindruck auf mich als Lima (naja, schwer ist das sicher nicht). Noch schnell online Bescheid gesagt, dass ich lebe und danach draußen im Gang schnell das Nötigste rausgeholt, um meine Zimmerpartner nicht zu stören, umgezogen und ab ins Bett.
Beim Frühstücken habe ich direkt einen Kanadier kennen gelernt, der sich gerade auf seine Reise nach Kolumbien vorbereitete und damit schon einen Monat in Ecuador gereist war. Sein eigentlicher Plan war Peru gewesen, aber ihm wurde erzählt, dass sich das Land nicht lohnt und die Frauen dort auch nicht so schön sind. Nun ja, er hatte eine andere Vorstellung vom Reisen, Städte faszinierten ihn mehr als Landschaft und dementsprechend war es eventuell die richtige Entscheidung Kolumbien vorzuziehen. Er gab mir noch einige Tipps für Quito und so machte ich mich auf den Weg.
Die Stadt ist atemberaubend schön und so unglaublich gut organisiert! Es gibt tatsächlich eingezeichnete Buslinien in den Karten, was mich in der Touristeninformation staunen ließ.
Nach einigem Rumlaufen stand ich vor einer Kirche als ich jemanden „Maria“ rufen hörte. Nun ich stand vor einer Kirche mitten in Quito, also warum sollte ich mich angesprochen fühlen? Erst als ich eine Hand auf meiner Schulter spürte, drehte ich mich um, es war der Mexikaner. Wir machten noch ein Foto, besichtigten die Kirche und tauschten E-Mailadressen aus.
Später fuhr ich auf einen Aussichtsturm, der eigentlich ein teures Restaurant ist. Rauf ging es in einem richtig alten Aufzug inklusiver Chauffeur. Oben fragte ich dann zwei Mädchen, ob sie ein Foto von mir machen könnten und so kamen wir ins Gespräch. Es waren zwei Kolumbianerinnen, die durch Südamerika reisen wollten. Wir gingen dann gemeinsam Pizza essen, was deutlich günstiger war, als auf dem Aussichtspunkt.
Abends überraschte mich dann der Kanadier, indem er in mein Zimmer kam und meinte, er wolle jetzt in die Stadt und sich die Feste zur Unabhängigkeitsfeier anschauen. Also machte ich mich schnell fertig und wir fuhren in die Altstadt. Dummerweise waren keine Menschen anzutreffen, bis auf zwei Polizisten, die sich extra für die Festtage in lange Mäntel gekleidet hatten. Wir fragten sie, machten unser Foto mit ihnen und zogen weiter. Auf der Plaza trafen wir auf ein Brautpaar und da wir nichts Besseres zu tun hatten, machten wir auch noch ein Foto mit ihnen. Später kamen wir dann endlich zu einem Konzert, fünf Minuten später hörte die Musik auf und die Masse löste sich auf. Wir hatten auch einfach ein Glück. Eine Straße weiter wurde die Party allerdings fortgesetzt, also aßen wir ein wenig und hörten dazu Livemusik. Ich hab Canelazo probiert, ein typisches ecuadorianisches Getränk, das gerade zu den Unabhängigkeitstagen getrunken wird, nur wusste ich nicht, dass dieses Alkohol beinhaltet. Zimt ist auch mit drin, den hat man aber kaum heraus geschmeckt. Es erinnerte einfach ungemein an Eierpunsch, also an Weihnachtsmarkt. Dabei fühlt es sich jedes Mal falsch an, wenn ich das Datum aufschreiben muss, da es doch noch viel zu warm ist.
Am nächsten Morgen wachte ich dann 10 vor 10 auf. Die vier Jungs in meinem Zimmer waren schon längst am Filme schauen und ich hatte nur noch 10 Minuten zum frühstücken. Also musste ich in Schlafklamotten raus und schnell den Rest, den es noch gab, frühstücken. Auf dem Weg dahin begegnete ich dem Kanadier erneut, der gestern noch in einen Club ist, während ich davor ins Hostel bin, aber morgens schon vor mir wach war und meinte, sie würden gleich los zur Parade. Ich meinte nur, ich würde dann nachkommen. Nachdem ich mich geduscht hatte und mindestens eine Stunde auf der Suche nach einer Bank war, was an einem Sonntag gar nicht so leicht ist, denn im Gegensatz zu Peru, haben die Geschäfte in Ecuador an Sonntagen wohl alle geschlossen. Daran muss man sich erst mal wieder gewöhnen.
Kurz vor 12 Uhr war ich dann fertig mit Auschecken und auf einem Mal lief mir der Kanadier wieder über dem Weg, immer noch am Planen seiner Kolumbienreise. Wir schauten uns an und meinten beide, dass sich die Parade dann wohl erledigt hat, nicht dass wir wieder ankommen und alles schon vorbei ist, wie am Abend zuvor.
So machte ich mir einen gemütlichen Sonntag im Park in der Neustadt Quitos und beobachtete die Familien, die Boot fuhren oder einfach nur rumsaßen. Es gab einige Aufführungen von Straßenkünstlern, viele Gemälde zu begutachten und einige Märkte. Auf einem dieser Märkte wurden Geldstücke und –scheine verkauft. Ich bin nur vorbei, da hat er mich gleich angesprochen und gefragt, wo ich her komme. Als er hörte, dass ich aus Deutschland bin, kramte er gleich seine Schätze raus. So kam es, dass ich das erste Mal in meinem Leben einen 1000 Reichsmarkschein in der Hand hielt und das in Ecuador. Die Dinger sind aber auch groß und inzwischen 30 Dollar wert, nicht dass ich wüsste, was sie mal wert waren.
Ein Blick auf die Uhr verriet mir, dass es Zeit war zum Hostel zurück zu kehren um meine Sachen zu holen, da ich noch heute in Tena, einer Stadt im Dschungel, ankommen wollte. 16 Uhr wollte ich den Bus nehmen, eine halbe Stunde vorher war ich noch im Hostel und erfuhr, dass man wohl 2 Stunden mit den Öffentlichen zur Bushaltestelle bräuchte. Ich beschloss trotzdem einfach einzusteigen und lieber den Blick aus dem Fenster zu genießen als den auf die Uhr. Weise Entscheidung, da an mir eine wunderbare Stadt vorbeizog und wir schon nach einer Stunde ankamen, so dass ich den Bus um 17 Uhr schaffte.
Die Buspreise sind hier deutlich günstiger als in Peru. Da die Strecken meistens kürzer sind, können sie die Reise auch ungemütlicher und ohne WC im Bus anbieten. Neben mir saß eine ältere Dame, die in Quito soziale Arbeit studiert und momentan in Tena arbeitet. Da sie noch immer in Quito wohnt, pendelt sie jedes Wochenende. Ich war neben zwei anderen die einzige Touristin, so dass wir um 10 Uhr nachts zu dritt am Busbahnhof in Tena standen und überlegten, welches Hotel wir nehmen wollten. Im Endeffekt entschieden wir uns für eins in der Nähe. Leider hatte ich keine Dusche und musste dann in das Doppelzimmer der beiden anderen um zu mindestens kalt duschen zu können. Die Frau im Hostel meinte, da wir im Dschungel sind, braucht man kein warmes Wasser. In dem Moment wunderte ich mich noch, weil ich es gar nicht als so warm empfand, eine halbe Stunde verstand ich ihre Aussage. Trotzdem ziehe ich warme Duschen vor.
Wir standen noch kurz draußen und unterhielten uns. Die beiden anderen, vermutlich ein Pärchen, er Portugiese und sie Ecuadorianerin, wollten am nächsten Tag auf eigene Faust weiter in den Dschungel. Ich hatte eine Tour geplant, aber dummerweise waren am nächsten Morgen alle Touranbieter geschlossen, so dass ich den gesamten Vormittag herumlief und überlegte, was ich machen könnte. Im Hostel versuchten sie den Anbieter zu erreichen, aber niemand nahm ab, bis ich mich von ihnen überzeugen ließ, nach Misahualli zu fahren, weil ich von dort billigere Touren kriegen würde, da es tiefer im Dschungel war. Wir gingen also gemeinsam zum Busbahnhof, erst wollte er einen Dollar für die Fahrt, aber als er sah, dass ich in Begleitung eines Einheimischen war, ging er mit dem Preis runter. Ich sollte vorne sitzen. Später kam noch eine andere hinzu, die wegen ihres kurzen Rockes auch vorne sitzen durfte. Das war eine krasse Situation, die sich aber inzwischen immer häufiger wiederholt hat. Frauen in knapper Kleidung oder eben Europäerinnen sitzen vorne neben dem Busfahrer und dem Geldeinsammler. Nicht immer die angenehmste Situation!
Ich war dann froh, als wir in Misahualli ankamen, wollte aber gleich wieder zurück, weil ich sofort alle Blicke auf mich zog. Ich lenkte mich dann durch die Affen ab, die überall über die Plaza liefen und fragte danach bei Touranbietern nach. Doch da ich allein war, wollte mir niemand etwas anbieten, bis ich an eine Französin gelangte, die mir das Angebot machte, in eine Lodge zu fahren, dort zu übernachten und am nächsten Tag die traditionellen Arbeiten der Quechua-Frau kennen lernen zu dürfen. Da das genau der Grund war, warum ich nochmal in den Dschungel wollte, stimmte ich zu. Den Tag über wollte ich aber noch in Misahualli verbringen. Sie meinte, ein Auto würde mich zu dem Wasserfall bringen, wo ich unbedingt hinwollte, und dass dieses in drei Minuten fahren würde. Ich ging mir also noch Essen kaufen, zog mein Badezeug an und fragte nach einer halben Stunde noch einmal nach. Alle anderen saßen gemütlich draußen und warteten nur, niemand wusste, wann das Auto kommen sollte, jeder meinte, „gleich“. Glücklicherweise kam dann ein Freund von der Französin, der mich mitnahm.
Zu den Wasserfällen lief man ca. 45 Minuten. Es war das erste Mal, dass ich mich so ganz allein durch den Dschungel bewegte. Das war krass! Überall lautes Zischen, einmal knackte es laut und ein Ast fiel neben mir zu Boden.
Der Wasserfall war schön und erfrischend. Auf dem Rückweg begegnete ich dann einem Australier. Wir trampten in einem Jeep zur Schmetterlingsfarm, die aber leider geschlossen war. Also liefen wir die Straße hoch und kamen zu einer wundervollen Lodge! Das war wirklich ein Traum, inklusive Swimming Pool. Uns folgten noch drei andere Leute, eine ältere Amerikanerin, ihre Spanischlehrerin und ihr Guide. Wir blieben eine Weile oben und unterhielten uns. Die Amerikanerin fragte mich nach einer Weile, woher ich komme. Als ich Deutschland meinte, schien ihr ein Licht aufzugehen und sie meinte, sie hätte sich über mein Englisch gewundert, da es Amerikanisch, Britisch und ein Hauch von etwas anderem hatte, aber sie hätte nicht auf Deutsch getippt. Es wäre unique. Tja die Beschreibung habe ich auch noch nicht gehört.
Ihr Guide hat dann angerufen und kurze Zeit später kam tatsächlich ein Junge mit Fahrrad an, der uns die Schmetterlinge und Raupen zeigte. Er kannte sogar das deutsche Wort für Raupe. Generell scheint mir Ecuador etwas mehr touristisch zu sein als Peru, da mehr Leute etwas Englisch können. Die Leute, die ich hier treffe und die sich Peru angucken, fahren an die Strände im Norden, zwei Tage nach Lima und dann über Machu Picchu weiter nach Puno und Arequipa, woanders treiben sich Touristen in Peru wohl nicht so vermehrt rum, dementsprechend wird auch nur dort Englisch gesprochen.

Auf dem Rückweg nach Misahualli fuhren wir im Jeep von den dreien mit, aber nicht auf der Rückbank, wie angeboten, wir wollten beide hinten rauf, ins Freie.
Der Australier und ich aßen noch zusammen mit anderen Australiern, die wir zufällig trafen, dann verabschiedeten wir uns und ich ging zurück zum Touranbieter. Inzwischen waren nur noch ihr Mann und die Kinder da. Da diese noch was für die Schule erledigen mussten, guckten wir Fernsehen und der Mann erzählte mir, dass er in England Biologie studiert hat und inzwischen drei Sprachen spricht. Dennoch führt er diesen Touranbieter im Dschungel in Ecuador, irgendetwas scheint einen doch hier zu halten.
Mit dem Auto ging es dann im Dunkeln über die Brücke und zur Comunidad. Auf dem Weg habe ich mich ein wenig mit den Kindern unterhalten, sie ist 14 und geht ins Colegio in Tena und er auf die Grundschule in der Comunidad. Sie hat noch 2 Jahre bis sie auf die Universität geht, also mit 16. Ziemlich früh, meiner Meinung nach, also ich hätte das mit 16 noch nicht gepackt, aber dann wiederum ist die Uni hier ja auch eher wie eine weiterführende Schule.
Im Dunkeln ging es dann über ein Feld bis hin zur Lodge, viel konnte ich nicht erkennen, und nachdem meine Taschenlampe zwei Tage durchgängig meinen Rucksack von innen beleuchtet hat, waren jetzt die Batterien leer. Also durfte ich mit Kerze auf Toilette, viel sehen konnte man nicht, dementsprechend auch keine Tiere gefunden.
Als ich im Bett lag, kam ein komisches Gefühl über mich, so ganz allein im Dschungel, allein im Zimmer, ohne jeglichen Empfang. Irgendwann bin ich unter dem tosenden Lärm der Tiere dann eingeschlafen und 10 Minuten bevor es kein Frühstück mehr gab aufgewacht. Sie haben mir trotzdem noch eins gemacht, danach sollte eigentlich mein kleines Abenteuer beginnen, doch Janet kam und kam nicht. Ich ging dann zurück in das Pueblo, um nach ihr zu suchen, auf dem Weg dorthin wurde mir erzählt, dass ein Bus amerikanischer Touristen angekommen sei und sie sich um diese kümmert. Als ich ankam wurde ich aber eines besseren belehrt, denn dieser Bus war voller amerikanischer Mediziner, die in der Schule für einen Tag ihren Service gratis anboten. Ich wurde also auf in einer Stunde „vertröstet“ und setzte mich zu einer Schweizerin, die schon seit 4 Jahren hier wohnte. Wir unterhielten uns und sie meinte, dass es super wichtig ist für die Leute in der Comunidad, dass die Ärzte kommen, da die meisten keine Versicherung haben und dementsprechend jede Untersuchung unglaublich teuer ist. Sie selbst hatte auch Knieprobleme und wollte sich untersuchen lassen.
Kurz bevor die Ärzte anfingen, stellten sie sich auf den Rasen in einen Kreis, fassten sich an die Hände und beteten. Ich beobachtete das Geschehen aus einiger Entfernung.
Als ich mich dann in der Schule ein wenig umgeschaut hatte, ging ich mir ein Wasser kaufen. Vor dem Shop kam mir eine Gruppe Amerikaner und Ecuadorianer entgegen und eine Frau sprach mich an, woher ich komme und was ich hier genau mache. Als ich meinte, ich warte eigentlich auf eine Tour, meinte sie, dass ich mit ihnen in der Comunidad rumgehen könnte. Sie wollten den Leuten Bescheid sagen, dass es heute die Möglichkeit gibt, sich gratis untersuchen zu lassen und gleichzeitig Kleidung und Bibeln verteilen. Da ich eh noch Zeit hatte, schloss ich mich an. Wir klopften an Haustüren und ein Ecuadorianer erklärte ihnen, wie man die Bibel benutzen sollte. Die Amerikanerin erzählte mir, dass viele zwar in die Kirche gehen, aber keine eigene Bibel zu Hause hatten und auch nicht wissen würden, wie man diese benutzt. Dazu konnte ich nichts sagen, bis jetzt dachte ich immer, dass es einfach ein Buch wie jedes andere wäre, das man durchliest oder eben nicht. Dann gab es noch T-Shirts und Shorts für jeden und weiter ging es. Einige hatten tatsächlich noch nichts von den Ärzten gehört, andere waren schon mit der ganzen Familie auf dem Weg um sich an eine der langen Schlangen zu stellen. Da erzählte mir die Amerikanerin, dass sie sehr viel herumreisen und an einem Ort auf eine 4-jährige gestoßen waren, die einen halben Meter langen Wurm in sich hatte. Sie wurde sofort ins Krankenhaus überwiesen, was die Amerikaner dann bezahlt haben, da die Eltern sich das nicht leisten konnten. Sie meinten, wenn sie nur für dieses Mädchen aus den USA gekommen sind, hat sich das Ganze schon gelohnt! Später sind sie dann noch zur Familie und haben ihnen Essen vorbei gebracht, was der Mutter wohl Tränen in die Augen getrieben hat, da sie nichts mehr zu Essen im Haus hat. Da fragt man sich echt, warum man immer noch aufs Geld achtet, wenn es um ein Menschenleben geht?! Da ist es doch nun echt egal, ob Versicherung oder eben nicht. Aber so etwas wie Anlaufstellen für ganz Notbedürftige gibt es hier einfach nicht, da muss man warten, bis jemand vorbei kommt, der es gratis anbietet und hoffen, dass es nicht zu spät kommt.
Zwei Stunden später verabschiedete ich mich von ihnen und ging wieder zurück zur Lodge um ein paar Karten zu schreiben und Fotos zu machen. Ich fand eine Ameisenkolonie, die mich eine Weile beschäftigte, weil sie einfach massiv lang war und sie mir nur aufgefallen ist, weil überall herum wandelnde Blätter auf dem Boden waren.

Gegen 13 Uhr kam Janet dann vorbei und meinte, dass die Guides jetzt nicht mehr auf die Kinder aufpassen müssten und Zeit hätten mir das Leben der Quechua-Frauen näher zu bringen. Dementsprechend aß ich noch schnell eine Suppe und ein wenig Reis, bevor es dann durch den Dschungel ging.
Mein Guide holte erst eine Kakaofrucht vom Baum, dann eine Papaya. Sie öffnete die Kakaofrucht und erklärte mir, dass man das Weiße von jeder einzelnen Bohne zuerst weglutschen muss. Klingt jetzt etwas eklig, schmeckt aber wunderbar süß. Ich habe extra nachgefragt und tatsächlich ist es so, dass das mit jeder einzelnen Bohne gemacht wird, aber die Kinder scheinen das wohl zu lieben, kein Wunder. Ich hatte dann die Aufgabe während unserer weiteren Wanderung alle Bohnen freizulegen. Sie zeigte mir dann noch, wie verschiedene Pflanzen, wie Yuka und Banane umgepflanzt werden und wir stellten zusammen ein „Haarband“ für mich her, was sie mir um den Kopf band und meinte, dass ich jetzt die Königin des Dschungels wäre…haha…Danach bauten wir, naja hauptsächlich sie, noch einen Korb für mich. Das war interessant zu sehen, besonders wie sie sich ganz entspannt auf ein Blatt setzen konnte, wie klein die Ecuadorianer doch sind und was für große Pflanzen doch im Dschungel wachsen.
Später ging es zurück zur Schokoladenherstellung. Meine fertigen Bohnen wurden in die Sonne gelegt und wir nahmen schon getrocknete. Diese wurden geröstet, gemahlen (was super anstrengend war) und das Pulver mit Milchpulver und Zucker durchmengt, um dann noch einmal gemahlen zu werden. Diese feine Mischung wurde mit heißem Wasser mit Zimtgeschmack durchmengt und dann mit der frisch vom Baum geholten Papaya gegessen. Leckeres Schokoladenfondue mal eben frisch hergestellt!
Danach tanzten vier ecuadorianische Frauen für mich und luden mich bei der Hälfte ein, mitzutanzen. Ich dachte erst, es würde unglaublich peinlich für mich werden, aber da sie alle unglaublich viel Spaß dabei hatten, war es eigentlich einfach nur witzig.
Später gingen wir noch Gold waschen. Ein wenig haben wir sogar gefunden und kurz bevor es dunkel wurde und die Moskitos noch einmal so richtig zustachen, wurde noch Artesania gemacht, also Schmuck hergestellt. Ich durfte mir die Farben aussuchen und dann zeigte sie mir, wie man ein bestimmtes Armband mit Früchten des Dschungels herstellte. Also ließen wir uns durchstechen und sie erzählte mir währenddessen ein wenig von ihrer Familie. Sie ist ganz in der Nähe, nur noch tiefer im Dschungel, aufgewachsen. Ihre Mutter hat 11 Kinder gezeugt und die meisten ihrer Schwestern leben inzwischen in den Städten. Sie selbst hat 4 Kinder und meinte, dass es leider inzwischen ziemlich teuer wird, weil die Kinder in das Alter kommen, in dem sie gerne schöne Kleidung haben möchten und bei vieren wird das ziemlich schwer. Somit gibt es die Probleme wohl auch bei Dschungelkindern und nicht nur bei den Städtern. Witzig war ihr Kommentar, dass ihre Schwester wohl nur(!) drei Kinder hätte, da es in den Städten Südamerikas langsam auch immer üblicher wird als Einzelkind aufzuwachsen, was in Europa ja längst zum Alltag geworden ist.
Zwischendurch kam noch ein etwas merkwürdig aussehender Kerl hinzu, der wohl etwas verrückt war, meinte mein Guide. Als er erfuhr, dass ich Psychologie studiert habe in Lima, fragte er mich nach einer Weile, ob ich Freud oder Jung besser fände, ihm persönlich gefiele ja Jung besser. Fand ich witzig! Dann zeigte er uns seine Armbänder und sagte, wie schön er sie doch fände und verschwand wieder. Schräg!
Als es dann langsam dunkel wurde, bestellten sie mir noch das Kanu zur Überfahrt nach Misahualli, ich packte meine Sachen und ging zum Strand. Auf noch eine Nacht im Kerzenschein konnte ich verzichten, ich hatte Lust auf Strom und warmes Wasser! Im Dunkeln durfte ich dann allein mit dem Kanu über den Fluss tuckern. Das war wunderschön, man konnte nichts sehen bis sich die Lichter des Dorfes so langsam näherten – ein schöner Anblick. Nach einem guten Abendessen und ein wenig chillen an der Plaza ging es dann endlich unter die Dusche.
Ich hatte mir fest vorgenommen auszuschlafen, aber daraus wurde nichts, da schon halb 8 die Bauarbeiter auf dem Dach nebenan meinten, sie müssten anfangen irgendwelche Sägen anzuschmeißen. Nach einigem Hin- und Herwälzen entschied ich mich dann aufzustehen und den Tag einfach zu nutzen. Also beobachtete ich noch kurz die Affen an der Plaza, nahm dann den Bus nach Tena, aß dort Frühstück, holte meinen Koffer ab und los ging es wieder in die Zivilisation, nämlich nach Baños, der Gringohauptstadt Ecuadors.

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Die Perle im Süden – Arequipa (10.-12.11.2012)

Das letzte Mal weg aus Lima, bevor es endgültig nach Ecuador geht, und ich bin irgendwie froh, dass ich mir demnächst die langen Busfahrten ersparen kann. Nach 16h Nachtfahrt sind wir in Arequipa sicher angekommen. Die Strecke zählt zu einen der gefährlichsten in Peru, erst vor 2 Wochen wurde ein Bus überfallen. Aus diesem Grund hatte ich kurz vor der Abfahrt noch schnell ein Fake-portemonnaie erstellt und meine Tasche mit den Kameras weit unter den Sitz geschoben, aber es ging ja alles gut.
Mir wurde ja schon davor von Arequipa vorgeschwärmt und die Stadt kann sich tatsächlich sehen lassen. Die Peruaner bewundern ihre Sauberkeit, ich vor allem die Architektur, die Bildung der Menschen dort und einfach insgesamt das Flair. Das ganze Jahr über scheint wohl die Sonne und es sind angenehme 25 Grad, da lässt es sich leben. Man hatte einfach das erste Mal das Gefühl in einer Stadt zu sein, die völlig unabhängig von Lima agiert, begrüßt wurde man auch gleich mit dem stadteigenen Bier – Arequipeña. In der Stadt hörte man alle möglichen Sprachen, man war eben in einer Touristenstadt, dementsprechend war es auch das erste Mal für mich, dass die Peruaner tatsächlich direkt versuchten Englisch mit mir zu sprechen und umso überraschter waren, wenn sie merkten, dass wir auch Spanisch verstehen. Durch die Touristen gab es in der Stadt auch die Möglichkeit Essen aus allen möglichen Ländern zu bekommen, das erste Mal mexikanisches Essen gesichtet. Dann habe ich den ersten Peruaner getroffen, der mehr oder weniger vier Sprachen beherrschte, das war schon ein kleines Wunder.
Angekommen in Arequipa quälten wir uns im Taxi durch die überfüllte Stadt, dort wo viele Touristen sind, sind die Taxis auch immer am gefährlichsten, aber wir hatten mal wieder Glück. Im Hostel nur schnell Zähne geputzt und los ging es, zuerst in ein altes Herrenhaus, was inzwischen eine Bank beherbergt. Danach weiter in eine Klosterstadt. Dort wurden wir gefragt, ob wir einen deutschen Führer haben wollen, und tatsächlich kam uns eine Peruanerin entgegen, die perfekt Deutsch sprach mit leichtem Akzent. Sowas haut hier einfach immer wieder um!
Die Klosterstadt war riesig, wurde erst in den 1990ern für Besucher freigegeben und bis heute leben dort noch Nonnen. Es wirkte alles unglaublich mediterran. Die Wände sind in rot und blau gehalten und überall Blumen. Man fühlte sich so fern ab von Lima und sogar von Peru. Nachdem wir uns dann gefühlte 10 Zimmer und 15 Küchen angeguckt hatten, genossen wir noch die Aussicht auf die fernen schneebedeckten Berge und gingen dann weiter zum mit Palmen gesäumten zentralen Platz. Die Atmosphäre dort war so unglaublich lebendig, überall Tauben, plätschernde Brunnen, wahnsinnig viele Menschen, tobende Kinder und einige Touristen. Nach dem ganzen Trubel beschlossen Teresa, eine andere Deutsche, die ein ganzes Jahr in Lima studiert, und ich die peruanischeren Ecken Arequipas zu erkunden, die im Reiseführer als gefährlich eingetragen waren. Als wir dort durchliefen, fühlten wir uns sicherer als in den sichersten Ecken in Lima, aber vermutlich war es gefährlich für die Verhältnisse in Arequipa.
Wieder im touristischen Bezirk gingen wir in ein Museum, in dem die Mumie Juanita ausgestellt wurde. Dort durfte man keine Kameras mit reinnehmen und die Räume waren unglaublich kühl, damit die ausgestellten Gegenstände gut erhalten bleiben. Juanita wurde zwischen 1440 und 1450 auf einem Berg in der Nähe Arequipas ermordet. Sie war ein Inkamädchen und wurde nach einem Fußmarsch von über 500km den Berggöttern geopfert. Die Inka glaubten, dass für die Naturgewalten, wie der Niño (Überflutung im Norden Perus), starke Unwetter etc., als Besänftigung der Götter ein Menschenleben geopfert werden musste. Nur muss man bedenken, dass es darum ging, dass dieses Opfer dann als Repräsentant für die gesamten Inka stand und diese in ihrem Leben nach dem Tod Stolz machen sollten. So war es eben auch, dass es eine große Ehre für die Familie war, wenn ihr Kind eine Opfergabe wurde. Entdeckt wurde die Mumie erst 1995 von einem amerikanischen Archäologen, so wie fast alles in Peru in den 90ern entdeckt wurde. Das besondere ist, dass die Mumie komplett eingefroren war und somit die Zähne, Haare, Fingernägel und Organe noch komplett erhalten waren. Wir haben sie dann auch betrachten können, eingesperrt in einen Glascontainer mit zwei Schichten, eine um die Feuchtigkeit rauszuhalten und die andere um die -20°C drinnen zu lassen. War ich sehr dankbar für! Das erinnert ja an deutschen Winter, wer will das schon! Naja auf jeden Fall eins der besten Museen, in denen ich bis jetzt in Peru war. Achso Juanita ist nicht erfroren, obwohl sie nach der 500km Wanderung in Sandalen sicherlich ziemlich am zittern war, sondern wurde mit einem kräftigen Schlag auf den Hinterkopf getötet, so dass ihr Gehirn komplett auf eine Hälfte rutschte, naja damit war es dann auch ziemlich schnell vorbei für sie. Für die Amerikaner unter uns wurde dann noch erzählt, dass sie nicht leiden musste – das klassische Happy End, für die Europäer wurde ergänzt, dass man das hofft und leider noch nicht alles erforscht hat.

2 Uhr klingelte am nächsten Morgen der Wecker. Es ging in den Cañon de Colca. Nach nur einer Nacht mussten wir uns schon wieder aus dem Hostel verabschieden, alle Sachen packen und wurden dann um 3:45 (vereinbart war um 3 Uhr, als eine andere Gruppe um 3:15 Uhr abgeholt wurde und Teresa fragte, wo unser Bus bliebe, meinte der Fahrer, dass das ja noch viel zu früh wäre).
Im Bus schliefen alle, nach 3h gab es erst einmal Frühstück. Dort machten wir uns dann auch mit unseren zwei Mitreisenden bekannt, zwei Engländer. Schwierige Sprache sage ich euch! Verstehen tue ich ja noch alles, aber inzwischen formuliere ich gewisse Sätze einfach so, wie man sie im Spanischen sagen würde und Ja-/nein-Fragen beantworte ich automatisch auf Spanisch.
Unser nächster Stop war der Mirador: Cruz del Condor, wir konnten also den Kondoren beim Fliegen zuschauen und tatsächlich waren gerade dort unglaublich viele unterwegs. Die Vögel sind typisch für Arequipa und haben eine Flügelspanne von bis zu 3m, schon ziemlich beeindruckend. Besonders dramatisch wird es mit einem Teleobjektiv, wenn das Tier auf dich zufliegt und du denkst, dass es dir gleich in die Linse springt, weil es so nah scheint, dass du nicht einmal mehr fokussieren kannst. Nun wenn du die Einzige bist, die schreit, weißt du, dass du wohl mal die Kamera runternehmen solltest. Teilweise sind uns die Vögel aber doch sehr nah gekommen.
Kurz danach begann unser Weg in den Cañon. Davor gab es noch ein paar Fakten über Peru. Unser Guide fragte uns, welcher der tiefste Cañon der Welt wäre, ich meinte der Cañon de Cotahuasi, und sie gab mir Recht, denn das steht in alles Reiseführern. Dennoch meinte sie, dass es nur der größte passierbare Cañon ist, aber da im Cañon de Colca 8km nicht betretbar sind, ist das der tiefste der Welt. Dann ging es um die verschiedenen Früchte in Peru und sie meinte, dass hier viel Tuna zu finden ist. Tuna ist eine Kaktusfrucht und daraus entsteht unglaublich leckerer (unglaublich süßer) Saft. Außerdem wird es für Make-Up und Nagellack verwendet, was sie dann gleich auf meinen Nägeln demonstrierte.
Danach ging die Wanderung los. Erst ging es ewig bergab in den Cañon hinein, dann liefen wir relativ eben durch zwei Dörfer durch, immer steil am Abhang entlang, bis es dann in ein kleines Touristenviertel mitten im Cañon ging, wo unsere Bungalows waren. Nebenan gab es einen Pool, der leider inzwischen extrem kalt war, weil die Sonne eine halbe Stunde vorher verschwunden war. Alle trauten sich rein, nur ich nicht, bis ich das Gleichgewicht verlor. Nach kurzer Zeit ging es im Wasser, nur wieder draußen zu sein, war hart! Ich hoffte auf warme Duschen und freute mich tierisch, als es sich so unglaublich warm anfühlte, erst als es über meinen Kopf lief, der nicht im eisigen Poolwasser war, merkte ich, dass das Wasser eigentlich arschkalt war.
Beim Abendessen meinte der Engländer, dass ich wohl doch noch ins Wasser wäre, meinem Schrei nach zu urteilen. Daraufhin meinte seine Freundin, dass er nie friert. Klärte sich dann auch alles schnell auf, denn er war bei der Marine und sie bei der Army. Dementsprechend auch logisch, dass die uns den Weg über ständig weggerannt sind. Ich dachte schon irgendwas läuft hier doch falsch, wieso erzählen uns die Britten, dass sie demnächst viele Wochenendausflüge machen wollen um Europa besser kennen zu lernen und sind dazu noch so sportlich, wenn dem Durchschnittsbritten sein eigenes Land und einmal Spanien alle zwei Jahre völlig genügen. Ausnahmen gibt es immer wieder.

Am nächsten Morgen ging es dann um 4:30 Uhr ohne Frühstück los, 3h Bergaufstieg bevor die Sonne aufgeht. Gute Idee, wenn man bedenkt, dass wir am Abend davor ständig Motten aus unserer Suppe fischen mussten. Aber nach kurzer Zeit musste ich gleich die erste Pause machen und mir erst einmal mit Keksen den Magen vollschlagen, um die Kraft zu haben weiter zu gehen. Tatsächlich schaffte ich es in drei Stunden den Berg hoch, die letzten 5 Minuten im strahlenden Sonnenschein, und sowohl mein letzter Keks als auch der letzte Schluck Wasser reichten gerade so bis zum Frühstück.
Nach diesem ging es dann im Bus wieder Richtung Arequipa. Zwischendurch wollten wir zum Fotos machen halten, doch leider hatte ich beim Frühstück zu viel getrunken und musste nach 10 Minuten wieder auf die Toilette. Dann wandelte sich die Straße auch noch von asphaltiert zu Buckelpiste und ich klammerte mich an Teresas Sitz fest. Es gab weit und breit keine Toilette und überall waren Touristenbusse unterwegs. In Peru ist es auch alles andere als üblich für eine Frau in der Öffentlichkeit auf Klo zu gehen. Egal wie dreckig das Plumpsklo auch ist, es wird immer lieber genommen als die Natur. Bis zum ersten Aussichtspunkt musste ich also aushalten, dann zeigte mir ein Guide einen kleinen Stein, hinter dem ich mich verstecken könnte und lachte laut. Der dachte wohl nicht daran, dass ich das tatsächlich machen würde.
Unser nächster Stopp waren Schwefelbäder und da ich einen mörderischen Muskelkater vom Wandern hatte, war das genau das Richtige. Schön bei 38°C Wassertemperatur entspannen, nach 30 Minuten denkst du dir, du kippst gleich um, wenn du aus der riesigen Badewanne kommst. Kurz danach durften wir den typischen Pisco Sour der Region probieren, nur wurde dieser anstelle von Limonensaft mit einer regionalen sauren Frucht gemacht. Der war gut! Nach einem Touristenfoto mit Lama, Hut und Vogel musste ich erst einmal schlafen, der Alkohol hatte mich leicht umgehauen bei der Hitze.
Zum Mittagessen gab es Buffet, wo wir endlich Alpaka probieren durften. Leider nicht mein Fall, weil es einfach unglaublich sehnig ist. Der Geschmack ist okay, aber Rind ist schon besser. Der nächste Stopp war ironischer weise eine Alpakafarm. Auf dem Weg nach Arequipa liefen aber auch viele frei herum, nur sind die Tiere wirklich unglaublich scheu.

Zurück in Arequipa zogen wir uns um, packten unsere Sachen um und ich putzte mir noch schnell bei McDonalds die Zähne um dann wieder in den Nachtbus Richtung Lima zu steigen. Diesmal hatten wir leider fast 2h Verspätung, weshalb ich meine Vorlesung verpasste. Also ließ ich mir von Cruz del Sur, unserer Busgesellschaft, einen Zettel ausstellen, dass wir zu spät waren. Zu Hause angekommen arbeitete ich zwei Tage durch um all das aufzuholen, was ich verpasst hatte. Immerhin fehlten mir inzwischen sechs Tests in einem meiner Fächer, dafür musste ich zwei Textanalysen durchführen. Mittwochabend hatte ich sie dann auf Englisch fertig, aber keine Zeit mehr, sie auf Spanisch zu übersetzen, also rein in den google Übersetzer und schnell alles ausgedruckt. Im Unterricht habe ich dem Prof das dann auch ehrlich erzählt, dass er wohl lieber den englischen Teil lesen sollte. Daraufhin meinte er, dass sich mein Castellaño deutlich verbessert hat. Die Meinung wird sich wohl ändern, wenn er meine Texte gelesen hat. Er meinte dann, was wir wegen meinen restlichen fehlenden Noten machen. Daraufhin leierte ich meine Standardantwort runter, dass ich doch nur ein Semester hier wäre und das aus eigenem Interesse mache und man deshalb nicht so streng sein sollte. Er lachte nur und gab sein okay. So einfach kann es hier gehen.
Am nächsten Tag durfte ich die Erfahrung noch einmal machen. Theoretisch stand eine mündliche Prüfung an, was ich aber erst zwei Tage vorher erfahren hatte und noch nichts dazu vorbereitet hatte. Er fragte mich, was man unter Depression verstehe. Ich antwortete erst nichts und die anderen versuchten verzweifelt die Frage ins Englische zu übersetzen, bis der Professor meinte, dass mein Examen nächste Woche auf Englisch sein würde. Daraufhin meinte ich, dass mir das leider auch nicht helfen werde. Das verblüffte ihn und meine Erklärung begann: Ich studiere Wirtschaftspsychologie und hatte noch nie klinische, dementsprechend fehlt mir jegliches Vorwissen über Psychosen etc. Schon im Zwischenexamen kamen Fragen dran, die ich gar nicht beantworten konnte, weil ich so etwas noch nicht gehabt hatte. Mit dem Wissen, was ich mal gehört hatte, habe ich zumindest bestanden und besser abgeschnitten als einige meiner Freunde hier, aber das macht mich doch noch lange nicht glücklich. Daraufhin durfte ich dem Prof erzählen, welche Module wir in Deutschland machen und wie unterschiedlich doch unser Verständnis von Universität ist. In Deutschland studiert man, weil es einem Spaß macht, man macht es freiwillig, hier machen die Studenten nur das Nötigste und eben auch nur, weil sie dann bessere Berufschancen haben. Beide Seiten sind allgemein formuliert, natürlich findet man auch Ausnahmen. Bloß aus diesem Grund vergreifen wir uns als Deutsche auch ständig in der Wortwahl und sagen, wie gehen zur „Schule“ bzw. die „Schüler“ müssen anwesend sein, weil es eben ein Schritt zurück in die Schulzeit ist.
Nach dem Gespräch hatte der Prof seine Frage über die Depression vergessen und versprach mein finales Examen auf meine Kenntnisse und auf die Folien zu beschränken.

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