Monatsarchiv: November 2012

Winter in den Bergen (03./04.11.2012)

Nach einer kurzen Nacht standen wir um 6 Uhr in Huancayo und fuhren direkt zum Haus von Astrids Tante. Glücklicherweise war ein Teil von Astrids Familie gerade auch für das Wochenende in ihr Haus nach Huancayo gereist, so dass wir uns kein Hotel suchen mussten. Für mich war es das erste Mal in einem richtigen peruanischen Haus bei einer peruanischen Familie. Als die Tür aufging, wurden wir direkt in dickem Wintermantel und –schuhen empfangen. Schon der Taxifahrer in Lima (ich bin das erste Mal allein in Lima Taxi gefahren, inklusive vorgetäuschtem Anruf, dass ich gleich da sein werde) meinte, dass es in den Bergen sehr kalt ist, weil dort inzwischen Winter herrscht, während in Lima neuerdings jeden Tag die Sonne scheint.
Auch die Anderen hatten Jacken und Schuhe angelassen und das Haus war voll. Es wurde erst einmal gefrühstückt und geredet. Viele wussten gar nicht, dass Astrid für ein Jahr in Deutschland und die Mädchen, die noch in die Schule gingen, bekamen bei ihren Erzählungen richtig Lust auch nach Europa zu gehen, wobei vor allem auch die Eltern einen großen Teil dazu beitrugen. Astrids Tante meinte zum Beispiel zu ihrer Tochter, dass sie sich an der richtigen Uni bewerben soll, eine die auch viele Austauschmöglichkeiten anbietet und sich dann eben auch für eine Sprache entscheiden muss. Ich meinte, dass sie, wenn ihre Motivation nicht so hoch ist, eine Sprache zu lernen, sich eher für Französisch als für Deutsch entscheiden sollte. Französisch ist für spanische Muttersprachler ungefähr so schwer wie Englisch. Viele Wörter sind einfach sehr ähnlich! Nur der Vorteil in Deutschland wäre, dass man eben auch mit Englisch über die Runden kommt. Alle waren mal wieder erstaunt, dass ich auch Englisch sprechen kann. Astrid meinte dann gleich, dass alle in Deutschland Englisch sprechen und ich meinte auch, dass das heutzutage schon Pflicht ist, wenn man sich an Universitäten bewirbt. Dass wir Kurse auf Englisch haben, ist eben auch völlig ungewöhnlich für die Peruaner. In Europa ist eben alles kleiner, alles näher, viele Menschen sprechen unterschiedliche Sprachen und da bleibt eben nur Englisch als Kommunikationsmöglichkeit. Für Astrids Tanten wurden Deutsche damit gleich als bilingual bezeichnet. So habe ich das ja noch gar nicht betrachtet. Dank ihrer Mutter, war das eine Mädchen dann auch super interessiert und fragte, ob es denn auch sicherer wäre als in Europa. Da konnte ich mir ein Lachen nicht verkneifen und Astrid meinte auch gleich, dass es deutlich sicherer ist. Ich habe dann noch erzählt, dass es für eine Frau relativ ungefährlich ist, nachts draußen rumzulaufen. Astrid meinte, sie konnte das am Anfang gar nicht glauben, als man ihr das das erste Mal in Lüneburg gesagt hat. In Südamerika kannst du das vergessen! Alleine als Frau draußen rumzulaufen, ist tagsüber schon abhängig von der Gegend relativ gefährlich, aber nachts, unmöglich! Dementsprechend auch schwer nachvollziehbar, wie es ist, wenn man die Sicherheit hat. Für mich ist es einfach eine riesige Freiheit, die ich ungemein vermisse!
Nach drei Stunden Frühstück war ich immer noch super müde, weil ich die Woche davor dank Magen-Darm-Infekt die ganze Zeit im Bett oder auf Toilette verbrachte, dementsprechend viel geschlafen habe und mich immer noch relativ schwach fühlte. Wir packten aber auf Grund des Wetters trotzdem alles zusammen und machten uns auf den Weg nach Torre Torre. Erst liefen wir eine Weile, aber ziemlich schnell entschieden wir uns dann doch, den Rest des Weges mit Micro zu fahren. Dort angekommen gab es unglaublich atemberaubende Felsformationen, es wirkte ein wenig wie im wilden Westen. Von dort ging es wieder runter in die Stadt, um erst einmal ruhig Mittag zu essen. Nur um danach noch entspannter mit Taxi zum Parque de la Identitad zu fahren. Peruaner nehmen im Gegensatz zu uns, ständig Taxis, egal wohin sie müssen, wenn es eben keine Micros gibt. Dieser Park stellt in abstrakter Form die Kultur der Stadt und der Umgebung dar. Es war nach einem Regenguss super schön. Es gab eine Ecke nur für Kinder bis 10 Jahren, Erwachsene durften dort nicht hin. Auch immer wieder ein tolles Gefühl für die Kleinen.
Da wir uns danach kaum noch auf den Beinen halten konnten, ging es direkt ins Bett.

Am nächsten Morgen mussten wir schon um 6 Uhr hoch, weil wir eine Tour zum Gletscher machen wollten. Eine von Astrids Tanten hörte uns und machte uns extra so früh Frühstück, das war super lieb! Für mich gab es Cocatee für die Höhe. Zu viert ging es dann im Taxi los, ein 70-jähriger, seine Enkelin, Astrid und ich. Wir fuhren auf 4800m bis zu einer Hütte. Auf dem Weg dorthin mussten wir Schaf- und Alpakaherden aus dem Weg hupen und sind an vielen Frauen mit traditioneller Kleidung vorbei gefahren. Generell tragen hier wirklich fast alle Frauen diese weiten, bunten Kleider, selbst wenn sie nur im Hinterhof ihre Hühner umher scheuchen. Ja, habe ich alles geheim aus dem Haus beobachtet, als ich mal wieder darauf gewartet habe, bis sich gewisse Peruaner die Haare gekämmt, ihre Sachen geräumt und genug Nachrichten auf dem Handy geschrieben haben. Gibt mir viel Zeit meine Umgebung zu beobachten, also eigentlich nichts Verwerfliches und geschafft haben wir eh alles, was wir sehen wollten. Nur wie das im Job dann funktioniert, ist für mich fragwürdig, also es wird halt einfach viel weniger geschafft als in Deutschland, dafür ist wie gesagt das Burn-Out Problem auch völlig unbekannt. Deshalb frage ich mich, warum alle immer von einem Leben in Europa träumen. Das Arbeitspensum dort ist ein ganz anderes, es muss eben auch etwas geleistet werden, wenn man etwas erreichen möchte. Das Leben lebt sich so wie hier aber eben einfacher und entspannter. Es hat alles seine Vor- und Nachteile. Schickt die Leute nicht in eine Klinik, schickt sie nach Südamerika und lasst sie dort eine Weile arbeiten, dort lernt man den entspannten Stil kennen. Bloß wirklich umsetzen kann man das in Europa auch nicht. Aber ich selbst bin auch schon oft genug in den Genuss gekommen, dass man hier einfach alles viel entspannter sieht. Zum Beispiel ist es damit auch weniger das Problem Sachen umzubuchen, man muss eben nur wissen, wie man die Mails formuliert, und dann geht das meist ganz leicht. Generell sind Regeln hier eher Richtlinien, an die man sich hält, wenn es eben passt und wenn nicht, werden diese passend gemacht. In dem Sinne ist eben doch viel möglich, weil einfach nicht alles so starr ist, wie in Deutschland.
Wir sind dann also ab 4.800m losgelaufen. In drei Stunden ging es dann auf 5200m, erneut mit viel Atemnot. Viel gesehen haben wir leider auch nicht, auf Grund des starken Nebels. Immer wieder zwischendurch konnte man jedoch einen Blick auf türkise Lagunen oder auf den von der Sonne reflektierenden Gletscher erhaschen. Als wir dann ankamen, waren Astrid und ich super fertig und machten ein paar Fotos, während die anderen verzweifelt versuchten, auf den Gletscher raufzukommen. Ich meinte dann aber, dass mir das zu gefährlich ist, weil unser Guide, der gleichzeitig eben auch unser Taxifahrer war, null vorbereitet war. Er wusste nicht, wo wir wirklich auf den Gletscher raufkommen und dann hatte er nur ein Seil mit, nichts weiter. Dementsprechend stiegen wir dann einfach wieder ab, als es anfing zu schneien. Meine Hände waren auf 5.200m Höhe schon leicht taub von der Kälte und der Schnee wandelte sich schnell in Regen. Nach 2h Abstieg, zweimal den falschen Weg einschlagen, weil man durch den Nebel nichts mehr richtig sah, kamen wir total fertig beim Auto an. Es waren auch Familien ohne Führer unterwegs, keine Ahnung, wie und ob sie den Weg wieder runter gefunden haben. Astrid hatte sich auf dem rutschigen Weg sicher 8 Mal hingelegt, alles war durchnässt und bei der Kälte konnte ich kaum richtig laufen, so stark habe ich gezittert. In der ebenfalls kalten Hütte gab es einen Tee, der mich soweit wärmte, dass ich die Kopfschmerzen merkte, die durch die Höhe entstanden.
Wenn die Peruaner auch keine Heizung in Wohnungen kennen, so doch zumindest in ihren Autos. Eine Stunde Abfahrt bei Regen und Nebel waren dann selbst bei aufgedrehter Heizung super unangenehm. Unten angekommen war mir speiübel von den Kopfschmerzen und noch immer kalt. Unser Führer fuhr uns dann direkt vor die Haustür, wobei wir noch ein Telefonat belauschen durften, in dem er 5 Soles mehr verlangte, wegen des Wetters.
Glücklicherweise war die Tür von unserer Unterkunft gleich offen, weil sich einige draußen versammelt hatten. Und egal wie kalt es einem ist, trotzdem wird sich erst einmal bei allen mit Küsschen auf die Wange begrüßt. Danach ging es aber schnell rein, leider nicht ins Warme. Das ließ mich ja so verzweifeln. Kennen Peruaner das Gefühl wirklich zu Hause zu sein? Sicher kennen sie es, aber es muss sich komplett anders anfühlen. Denn bei ihnen geht es eben darum, endlich bei der Familie zu sein, bei uns ist es doch vor allem das Gefühl, endlich in einer warmen Wohnung zu sein, die Heizung schon am laufen und sicherlich auch die Familie, die auf einen wartet. Nur kann man sich wirklich heimisch fühlen, wenn man die ganze Zeit in dicker Winterjacke und mit Straßenschuhen durch das eigene Haus schlurft?
Glücklicherweise gab es lauwarmes Wasser zum Duschen und nachdem ich erklärt habe, was passiert war, während Astrid tatsächlich in fünf Minuten duschte und sich die Haare wusch, kamen alle mit Decken an und uns wurde warmer Cocatee serviert. Nach einer Kopfschmerztablette und ein wenig Entspannen auf der Couch, ging es uns schon wieder besser. Später kamen dann noch einmal neue Leute zu Besuch. Einer war sehr interessiert an der deutschen Kultur und Geschichte und tatsächlich war es das erste Mal, dass ich in Peru über Hitler und die Einstellung der Europäer zu dem Thema sprach. Das war echt interessant! Ich habe Astrid auch erzählt, dass ich erst vor einer Woche im Norden von Peru einen Zug gesehen habe, in den die Leute sich reingestellt hatten und wo dann auch die Türen ohne Fenster zugeschmissen wurden, genauso wie man es aus jedem Film auf dem 3. Reich kennt, der Abtransport ins KZ. Hier waren es sicher nur die billigen Stehplätze, aber ein gutes Gefühl das in Echt zu sehen, war das nicht, weil es eben einfach mit schlimmen Bildern verbunden ist.

Da unsere Sachen komplett durchnässt waren, hatten wir ein kleines aber feines Problem, immerhin sollte unser Bus nach Lima um 11 Uhr abfahren. Wieder in die nassen Sachen war unmöglich! Also zogen wir uns unsere Schlafanzüge an. Ich ging in Hemd, Leggins, Ballerinas mit roten Hello-Kitty-Socken, einem viel zu kurzen Pulli von Astrid, Schal und der glücklicherweise inzwischen trockenem Jacke, während Astrid den Vogel abschoss. Sie hatte zwar noch eine trockene Jeans, musste aber in ihren Schlafzeugoberteil mit einem süßen Bären drauf und roten Flip Flops mit Socken losgehen. Da es immer noch regnete, wechselte sie kurz vor dem Rausgehen noch ihre Flip Flops gegen viel zu kleine, hochhackige Schuhe von ihrer Tante und bekam von ihrem Onkel noch einen grünen Hut aufgesetzt. Damit fuhr uns ein Taxi dann in ein relativ edles chinesisches Restaurant, in dem uns die Kellner dann erstmal allesamt auslachten, aber wir hatten auch unseren Spaß. Da lacht uns doch tatsächlich ein Chinese mit dem Namen Elvis aus, also wirklich! 😉
Im Bus ging es dann endlich wieder ins sonnige Lima. Dass ich das mal sagen würde, hätte ich ja auch nie gedacht.

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Trujillo mit der WG (26.10.2012 – 28.10.2012)

Um 6 Uhr früh ging der Bus, wir fuhren vier Stunden an der Küste entlang. Auf einem Mal tauchten riesige Müllberge auf. Wir haben sogar gesehen, wie ein LKW gerade Müll abgeladen hat, einfach so auf riesige Flächen Sand, die er unter sich begräbt, und darauf ewig liegen bleibt, die hässlichen schwarzen Vögel anlockt und die Umwelt verpestet – war schon leicht schockierend.
Doch bevor wir in den Bus sind hat sich ein kleiner Junge neben Simon gesetzt und ihn gefragt, wo er herkommt etc. Das war leicht verwirrend, man schwebt hier immer zwischen Skepsis und Zuneigung. Er hat wohl auch oft auf unsere Taschen geguckt und war recht nervös. Ich meinte aber zu Simon, dass solche Tricks wohl eher bei Frauen funktionieren und er wohl wirklich nur Interesse hat. Später kamen dann auch seine Mutter und Oma und er meinte in Trujillo zu Simon, dass wir hier auf unsere Sachen aufpassen müssen, weil es viele Diebe gibt – Ironie des Schicksals!
Am Strand von Huanchaco warteten die anderen aus der WG schon auf uns und sonnten sich. Wir zogen uns um und chillten auch eine Weile. Nach frittiertem Fisch, Limonade und Pisco Sour ging es noch über den „Markt“, naja ein paar Stände zum Souvenirs shoppen, bis Janik meinte, es wäre Zeit surfen zu gehen. Dina und ich mit Lehrer, Simon, Tomas, Janik und Ann-Marlen ohne. Wir waren ganz schön aufgeregt. Erst einmal zog ich den Neoprenanzug falsch herum an, also aus dem nassen Zeug wieder raus und erneut rein quetschen. Das Anziehen allein war schon anstrengend genug. Am Strand gab es dann erst einmal Aufwärm- und Trockenübungen, bevor es ins Wasser ging. Puh war das kalt, inzwischen war die Sonne auch weg. Also rauf aufs Board und ins Meer paddeln. Die ersten paar Male ging gar nicht, aber nach dem dritten Mal stand ich sogar kurz, das war ein geiles Gefühl. Er meinte, dass die erste Stunde die beste wäre, aber ich glaube das Beste ist, wenn man es wirklich schafft, seine erste Welle bis zum Schluss zu reiten, egal in welcher Stunde.
Nach der Hälfte mussten wir raus, weil Dina ihren zweiten Wadenkrampf im Wasser hatte, also gab es ein paar Dehnübungen und eine neue Technik. Mir war inzwischen richtig kalt, die Sonne war weg und alles hatte eine gräuliche Färbung angenommen. Um uns herum wateten riesige Pelikane durch den Sand, ohne jegliche Angst vor Menschen und die letzten Schiffer legten mit den Strohbooten, die typisch für den Titicacasee sind, an. Eigentlich ziemlich romantisch. Das Surfen geht extrem auf die Arme und am Ende ist man auch recht fertig! Abends ging es dann nach einer warmen Dusche noch auf eine Hausparty von einer Freundin von Janik.

Am darauffolgenden Tag ging es zu Chan Chan, eine riesige Stadt um 1300 aus Lehm errichtet. Einiges steht heute noch, einiges eben auch nicht mehr. Danach ging es zum Huaca de la Luna y del Sol, eines davon sah aus wie eine Sphinx und am Ende noch Trujillo, mal eine etwas andere peruanische Stadt. Meerschweinchen gab es zur Abwechslung auch mal wieder, auch wenn ich unter lauten „Ihh“-Aufschreien essen musste, von Leuten, die leider noch nicht einmal probiert hatten. Hauptsache die Ente auf dem eigenen Teller konnte man sich nie als Haustier halten und wird deshalb auch mit ganz anderen Gefühlen betrachtet, als das fette, hässliche Meerschweinchen. Und keine Angst, umgebracht werden die hier ganz schnell. Schwer zu essen sind sie trotzdem noch immer, also habe ich ziemlich schnell mein Besteck liegen gelassen und das Ding auseinander genommen. Yamir meinte dann, dass ich ja schon weiß, wie man das isst. Naja, so wie es eben am einfachsten isst. Man will ja bei dem wenigen Fleisch auch zumindest alles abbekommen.
Am letzten Tag war so schlechtes Wetter, dass wir uns in voller Montur an den Strand setzten bis wieder ein Straßenhändler ankam, der Armbänder verkaufen wollte. Yamir holte sich eins und ich habe mich daraufhin zur Frau vom Verkäufer gesetzt, die aus Deutschland kam. Wir haben uns dann ein wenig unterhalten. Sie hat ihn vor einem Jahr in Cusco kennen gelernt und ist jetzt vor 4 Monaten nach Peru zurück gekehrt um mit ihm rumzureisen. An Ampeln führen sie dann Kunststücke auf oder verkaufen Armbänder an Touristen. Sie übernachten oft im Zelt und manche Tage erst spät abends was zu essen leisten, weil eben davor niemand kommt um etwas zu kaufen. Sie hat mir auch von der Art erzählt, wie Peruaner mit ihren Freundinnen umgehen. Für Peruaner ist man immer ein Besitz, sie sind wohl furchtbar eifersüchtig. Sobald man nur eine falsche Andeutung einem Freund gegenüber macht oder dieser etwas falsch versteht, wird einem sofort unterstellt, dass da doch mehr im Spiel wäre. Das hat sie wohl schon von mehreren Paaren gehört und ich habe es selbst auch schon beobachtet. Alle Kerle haben ein wachsames Auge auf ihre Partnerin, aber sobald eine hübsche Frau auftaucht, vergessen sie diese auch mal ganz schnell und Europäer haben hier noch einen ganz anderen Wert. Hauptsache die Frauen spuren, verheiratete dürfen nicht mehr allein mit ihren Freundinnen ausgehen, wohl nur noch mit ihrem Ehemann. Nur glaube ich, dass sie eh nicht mehr die Zeit dazu haben, denn nach der Ehe gibt es sowieso ein Kind nach dem anderen. Darüber unterhielten wir uns also, während sie mir zeigte, wie ich mir eine Kette für meinen Anhänger knüpfen kann. Ich kaufte ihr dann noch Band ab um meinen zweiten Anhänger genauso zu verknüpfen und ging dann als es dunkel wurde los um die anderen zu suchen. Als ich sie nicht wiederfand, setzte ich mich noch kurz zu ihnen in ein Restaurant, wo noch andere Traveller saßen, unter anderem zwei deutschen Mädels, die ihre Wohnung aufgegeben haben und jetzt zwei bis drei Jahre durch die Welt reisen.
Am späten Abend ging es dann mit dem Bus wieder nach Lima. Nach über einer Woche reisen, fühlte es sich schon sehr merkwürdig an, wieder ins temporäre Zuhause zu fahren.

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Kultur im hohen Norden Perus – Chiclayo (24./25.10.2012)

Chiclayo – Ferreñafe, Museum, Stadt (24.10.2012)

Wir kamen um 5 Uhr in Chiclayo an und wurden auch zu solchen unhumanen Uhrzeiten schon von Taxifahrern belagert. Schnell suchten wir uns die günstigste Herberge aus und nahmen uns den erstbesten Taxifahrer. Kaum im Taxi meinte er, dass das Hostel 100 Soles kosten würde, glaubte ich ihn natürlich nicht. Er hat uns dann einige andere empfohlen und meinte, günstiger als 30 Soles pro Person kommt man hier nicht. Ich blieb stur, Simon nannte ihm dann die genaue Adresse, weil der Gute wohl nicht wirklich wusste oder wissen wollte, wo das Hostel liegt. Leider haben wir es auch nicht gefunden, dafür aber ein anderes in der Nähe. Der Taxifahrer gab nicht auf, doch da ich Taxifahrern generell eher misstrauisch gegenüber stehe, bin ich dann einfach ausgestiegen. Später hat uns der Besitzer vom Hostel aus erzählt, dass Taxifahrer gerne überreden, zu einem bestimmten Hostel zu fahren, dann aber die Passagiere ausrauben, wenn man zustimmt. Also alles richtig gemacht!
Wir sind dann eben zurück zu dem Hostel, was wir beim Vorbeifahren gesehen haben, nicht ohne jedes Mal aufmerksam die Seitenstraßen nach verdächtigen Personen abzusuchen. Das Hostel war verschlossen und es hingen keine Preise draußen, also klopfte ich nur zaghaft. Der Besitzer kam ziemlich schnell, ließ den Preis noch runter handeln und ich rannte schnell hoch um mir das Zimmer anzuschauen. Fernseher und eigenes Bad mit Warmwasserdusche ließen uns nicht lange zögern. Nach 3h Schlaf und ein wenig Käsebrötchen zum Frühstück ging es dann erst einmal raus um die Touristeninfo zu suchen. Unter extremer Hitze und viel zu warm angezogen, liefen wir eine Weile herum, bis wir endlich da waren. Immerhin regnete es nicht mehr, so wie in Cajamarca jeden Abend. Solche extremen Wetterwechsel war ich aus Lima gar nicht mehr gewöhnt. Den stärksten Regenfall gab es zwar erst vor kurzem, aber dann bleibt es auch so den ganzen Tag über. Nach diesem Regentag drängelten sich die Fußgänger in Lima auch alle an den Häuserwänden entlang, weil die Autos permanent Wasser über den gesamten Bürgersteig schwemmten. Nur ich lief dann am Straßenrand entlang, natürlich kam ein Auto, aber ich hatte Glück und bekam gerade so nichts ab. Da hörte ich, wie jemand meinte, dass das kein Wasser wäre. Astrid erklärte mir dann, dass es Abwasser wäre. Das also macht der Regen in Lima. Danach habe ich mich auch lieber in die Reihe an der Wand, weit weg von der Straße und den bösen Autos eingeordnet.
In der Touristeninfo in Chiclayo stellten wir unsere individuellen Touren zusammen, weil wir nicht 50 Soles für eine organisierte zahlen wollten und man natürlich mehr erlebt, wenn man mit Peruanern unterwegs ist. In einem Taxi colectivo ging es los, es ist ein normales Taxi, das wartet, bis es voll ist und dann für relativ wenig Geld losfährt, aber auch wirklich erst, wenn es voll ist. Das Museum Sincán, das wir besuchten, war wahnsinnig gut aufgearbeitet, besonders für peruanische Verhältnisse.
Zurück ging es dann wieder in Colectivos, zu dritt vorne und zu viert hinten. In der Stadt ging es vorbei an Schuhgeschäften, in der es wieder nur die teuren, hässlichen Schuhe in meiner Größe gab. Glücklicherweise gab es auf dem Mercado Modelo dann endlich günstige Schuhe die knapp passten, eine Größe größer war dann aber schon wieder viel zu riesig, wohl ein Produktionsfehler. Also für 18 Soles endlich Ersatz, der auch gefällt. Auf dem Markt gab es leckere Muffins und eine Sektion voller Kräuter und Heilpflanzen aus der Region, eine andere bietete Stoffe, Garn und Knöpfe an. Überall saßen Frauen an Nähtischen. Das machte richtig Lust, auch wieder loszulegen!
Dann gab es noch eine Reihe voller Schokolade, allerdings nur reiner Kakao zum kochen, also nix zum sofortigen Konsum, leider.
Auf dem Rückweg zur Plaza de Armas wurde noch eine einheimische Frucht gekauft und beim peruanischen H&M reingeschaut – exakt der gleiche Stil, exakt die gleichen Preise. Trotzdem viele Peruaner, die dort einkauften. Wenn man sich irgendwann zu stark im Inka- und Lama-Hype verirrt, kann man einfach zu Topitop um sich wieder nach Europa zu versetzen und zu wissen, dass man die Sachen dort eh nicht öffentlich tragen würde. Das Gute bei peruanischen H&M-Preisen ist, dasss man doch lieber wieder was weglegt, weil es einfach teurer aussieht (200 Soles schrecken eben doch eher ab, als 70 Euro). Naja ein Pullover von 120 Soles auf 30 herabgesetzt, wirkt dadurch allerdings wie ein umso größeres Schnäppchen (40 Euro à 10).
Nach einem Hamburger saßen wir noch eine ganze Weile einfach nur an der Plaza de Armas und beobachteten das Geschehen.
Achso, mir fällt gerade so ein, es gibt schon seit fast einem Monat Weihnachtsartikel im Supermarkt zu kaufen, auf der anderen Seite werben sie gerade für die neue Sommerkollektion, eine Kombination, die einfach gar nicht geht. Hat mich aber auch gefreut, denn dadurch wusste ich, dass es nun fast greifbar ist, bis meine Eltern zu Besuch kommen. Und genau gestern in zwei Monaten ist es soweit!

Chiclayo – Tucume, Museo de Sipán (25.10.2012)
Ein Tag zu Fuß. Viel Sonne. Beim Museum meinte ich, estudiantes, aber sie schüttelte nur den Kopf und meinte, nur Nationale! Daraufhin meinten wir, ja sind wir, was sie ziemlich verwirrt hat. Hat dann gefragt, wo wir wirklich herkämen und warum wir hier studieren. Dann hieß sie uns herzlich in Peru willkommen. Naja besser spät als nie.
Ansonsten waren die Pyramiden von Tucume und das Museum Sipan nicht sehr unterschiedlich von den Infos, die wir gestern erhalten haben. War trotzdem cool durch die restlichen Pyramiden zu laufen, so als wären wir die einzigen Menschen auf dem Planeten. So ging wir verbotene Wege entlang, ohne es zu wissen und staubten völlig ein. Auf dem Rückweg war uns der Buspreis überteuert, also wurden wir von allen Seiten angequatscht, doch mit dem und dem mitzufahren, bis uns ein Peruaner freundlich fragte, wo wir hinwollen und meinte, der Preis wäre normal. Also stiegen wir mit ihm in den Bus. Dooferweise hatte er mitbekommen, dass wir den Preis nicht zahlen wollten und drängte uns förmlich dazu, einen Sol von ihm anzunehmen. War uns super unangenehm! Er war auch wirklich nett, zeigte uns den Weg und meinte, er wäre Professor für Sozialkunde an einer Militärschule und fragte uns, wie uns Peru gefiel. Bei einem Chinesen trennten sich unsere Wege, er beschrieb uns noch den Weg zur Plaza de Armas und wir verabschiedeten uns.
Heute konnte man den Leuten beim Malen und der Schmuckherstellung beobachten, da hätte ich mich am liebsten dazu gesetzt. Momentan habe ich unglaubliche Lust alle bunten Eindrücke, gerade aus den Museen in Bildern auszudrücken.

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Cajamarca – Granja Porcón, Innenstadt (23.10.2012)

Nach dem Aufstehen, Duschen getestet, erneut eisig, also diesmal als sauber genug befunden, Sachen gepackt, untergestellt und verzweifelt nach Frühstück gesucht. Dummerweise war alles zu, bis auf ein Café, die zwar Sandwiches auf der Karte, aber um 8 Uhr morgens leider nur Hühnchen da hatten. Also ging es hungrig den Berg zum Aussichtspunkt hoch. Dort kamen uns einige Kinder in Schuluniform entgegen.
Oben hatten wir dann einen schönen Ausblick auf die Kirchen und auch die ganzen Wohnhäuser mit ihren Innenhöfen. Auf dem Rückweg hatten inzwischen mehr Restaurants geöffnet, aber nichts Wahres zum Frühstücken, also gab’s für mich Trinkjoghurt und für Simon Brötchen mit Thunfisch aus der Dose.
Kurz danach ging die Tour los, da ich aber nochmal auf Klo musste, wartete Simon unten und hörte nur, wie ein Touranbieter fragte, ob wir los könnten, worauf ein anderer mit „Nein, seine Frau fehlt noch“ antwortete (damit meinte er mich). Nun ja die Menschen heiraten hier einfach früher und die Leute können es gar nicht glauben, wenn wir ihnen erzählen, wir wären nur Freunde. Naja zwei Europäer auf Reisen in Peru, da passt das ja alles gut zusammen.
Die Tour nach Gran Porcón ging also los. Kurzer Halt bei Steinmetzlern um ihnen bei der Arbeit zuzuschauen und auf ein Pärchen zu warten, dass mit Taxi hinterher gebracht wurde durch Verspätung.
Das Dorf Gran Porcón war durch eine Schranke abgesperrt und dahinter spielte sich ein anderes Leben ab. Kinder bekam man wohl durchschnittlich mit 13 und der Glaube hing höher als die peruanische Flagge. Es war eine evangelische Gemeinde, die Brot, Käse, Webarbeiten etc. alles selbst herstellten. Es gab einen großen Zoo mit Tieren aus Costa, Sierra und Selva, doch das schönste sahen Simon und ich außerhalb von Käfigen. Ein Kolibri flatterte in sicherer Entfernung um Blumen herum. Wir konnten uns die Webmaschinen anschauen und die Arbeiten kaufen. Die Leute hatten sich kilometerweit um ihr Dorf herum selbst Wald erbaut.
Der Käse, den sie verkauften, war der erste gute peruanische, den ich seit langem gegessen hatte. Nur beim Namen „tipo suizo“ (schweizer Sorte) musste ich grinsen. Ich habe mich dann aber doch für einen anderen entschieden, noch 30 cent für 6 Brötchen und fertig war das Essen für Zwischendurch. Auf dem Rückweg nahmen wir zwei Wanderer mit, die nicht mehr im Regen laufen wollten. Das passiert hier ständig, dass man als organisierte Reise in kleinen Bussen immer noch ein paar Reisende mitnimmt, wenn eh Platz ist. Wäre doch in Deutschland sicher aus Versicherungsgründen schon nicht möglich, oder?
Wieder unten ging die Museumstour los. Wir waren im letzten Inkahaus in Cajamarca und als ich die kleine Kirche von außen fotografierte, gab es zwei von drei Bauarbeitern, die mich ihren Blicken die ganze Zeit verfolgten. Irgendwann blickte ich eine ganze Weile zurück, aber sie guckten unentwegt weiter, bis es mir zu dumm wurde und ich genervt auf Deutsch meinte: „Arbeiten, nicht glotzen!“ So langsam habe ich den Zoo hier wirklich satt. Ich liebe die Anonymität einer Großstadt, umso schlimmer für mich dieses ständige, offensichtliche Angestarrt werden hier. Klar, viele sehen Europäer eventuell zum ersten Mal, da verstehe ich die Neugierde, aber etwas diskreter und sich auch mal überlegen, wie sich der ständig Beobachtete fühlt.
Noch eine Sache, die mir aufgefallen ist, als ich einmal mit Astrid unterwegs war und zwar gibt es hier an jeder Ecke kleine Snacks, Süßes, auch viel warmes Essen und Säfte zu kaufen, was für jemanden, der es nicht gewohnt ist, jedes Mal aufs Neue faszinierend ist. Ich kann mich immer kaum beherrschen, nichts zu kaufen, während die Peruaner zwar auch viel konsumieren, aber sich davon nicht so beeinflussen lassen, wie ich. So gab es eben auch in Cajamarca immer wieder ein Snack für zwischendurch.
Nach unseren Besuchen ging es in die Heladería Holandia, wo es das beste Eis von Cajamarca geben sollte und tatsächlich war es sehr gut. Obwohl es sich holländischer Eisladen nannte und überall Fotos aus Holland hingen, wo ich sehnsüchtig an unseren Urlaub in Amsterdam denken musste, gab es doch hauptsächlich peruanische Früchte als Sahneeis. Die, die wir noch nicht kannten, durften wir vorher probieren, so dass wir am Ende jeweils fünf Löffel in der Hand hielten. Das machte die Entscheidung nicht leichter.
Wir saßen ewig in Restaurants um uns die Zeit bis zur Busfahrt „totzuschlagen“. Zwischendurch kam eine Gruppe Musikanten herein, die uns gut mit peruanischer Musik unterhielt. Im Bus selbst war es unglaublich kalt. Ein Glück hatten wir uns beide noch kurz davor Decken gekauft, so dass zumindest ich eine Weile schlafen konnte.

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Cajamarca – Banos, Cascadas, Ventanillas (22.10.2012)

Nach 10h Schlaf erst einmal Frühstück im Restaurant um die Ecke. Danach ging es mit einem Bus direkt zu den Ventanillas de Otuzco. Wir waren die einzigen Touristen, der Touriguide meinte gestern auch zu uns, dass einige durch das Wetter und auch viele durch die Streiks der Bergarbeiter hier wegbleiben. Echt schade, weil wir davon nichts gemerkt haben, hat sich wohl auch wieder beruhigt. Jetzt können sie wegen des Wetters nicht weiter arbeiten…
Angekommen bei den Ventanillas, gleich 2 Soles Eintritt als Student losgeworden und hoch ging es. Die Ventanillas sind (übersetzt) Fenster, davon sind 337 Stück in einen riesen Felsen weit vor Christi geschlagen worden.
Danach wurde erst einmal wieder Obst gekauft, diesmal lokales. Mit diesem und viel Sonnencreme machten wir uns auf den Weg zu den Bädern der Inka. Wir fragten vier Mal nach dem Weg und alle meinten, man müsse einfach geradeaus dann links, nur wo wir abbiegen mussten, das wusste niemand so genau. Irgendwann fanden wir den Weg, fragten dann aber nochmal einen Bauarbeiter und durch Glück im Unglück fuhren gerade Kollegen von ihm vorbei, die uns im Pick-Up mitnahmen. Sie kamen aus Arequipa und waren hierhin zum Arbeiten versetzt worden. Wir liefen dann noch den Rest des Weges zu den Baños und Simon meinte, dass das der peruanischste Tag ist, den wir bis jetzt erlebt haben. Beim Vorübergehen haben uns alle Einheimischen ganz verwundert angeschaut und die Hunde böse gekläfft, aber wir haben viele hilfsbereite Menschen getroffen.
Da wir erst zum Schluss baden wollten, ging es nach einem holländischen Eis gleich mit dem Bus weiter zu den Wasserfällen. Diese Busfahrt war ein Erlebnis, dass sich gut in die Ereignisse des Tages eingliederte. Als ich einstieg und mich neben eine Frau setzte, meinte diese nur, pass auf! Tritt nicht auf mein Huhn! Das lag zwischen meinen Beinen auf dem Boden in einer Tüte, lebendig! Der Kerl, der das Geld kassiert, stellte/legte es dann woanders hin. Ansonsten waren nur Frauen in traditionellen Kleidern mit im Bus. Alle unterhielten sich, einige stillten ihr Kind – ist eben doch etwas ganz anderes als Busfahren in Lima, na gut die Anonymität einer großen Stadt trifft hier eben nicht zu.
Zu den Wasserfällen mussten wir wieder etwas laufen. Zwischendurch mussten wir quer über ein Grundstück, weil wir den falschen Weg eingeschlagen hatten. Ich hatte ein mulmiges Gefühl bei den aggressiven Hunden hier und tatsächlich kam dann einer an und bellte laut. Ich rannte an Haus und wollte nur schnell weg, als gingen wir schnell an einem dicken Schwein vorbei auf den offiziellen Weg.
Der Wasserfall selbst wirkte unglaublich beeindruckend, wenn man genau davorstand. Da die Sohle meiner Schuhe inzwischen nicht mehr existent ist, rutschte ich ständig vom Stein ab beim raufklettern, also Schuhe aus und barfuß ab ins kalte Gletscherwasser. Danach ging es weiter runter zum „weiblichen“ Wasserfall. Bei dem Versuch ihn mir näher anzuschauen, rutschte ich aus und landete auf dem Boden – Arsch einmal dreckig. Beim Aufstehen gleich im Moor versunken mit meinem Schuh, sodass dieser komplett vor Dreck und Nässe triefte. Also saß ich erstmal am Fluss und tauchte den gesamten Schuh unter Wasser – man war das kalt danach.
Zurück in Baños gab es dann erstmal ein Menu auf der Straße in einem Imbiss, Suppe, Hauptgericht und Trinken für 3 Soles (1 Euro). In der Suppe schwamm dann ein Hühnerfuß – lecker! Naja ich habe sie dann stehen gelassen, der Rest war gut… wir haben uns aber auch gesagt, wenn jetzt nichts passiert, können wir echt alles essen. Naja, immerhin haben dort auch viele Peruaner gegessen. Natürlich wurden wir dementsprechend penetrant auch wieder angestarrt. Hier ist es noch heftiger, als anderswo in Peru. Es gibt hier einfach wirklich viel weniger Touristen, wir kommen uns wie die einzigen Weißen vor. Wenn die ganzen Bettler uns sehen, kommen sie auch direkt rüber gerannt, für sie sind wir wohl „wandelndes Geld“. Simon wurde auch schon mit „Agua, gringo?“ angesprochen. Etwas dreist, wenn man etwas verkaufen will.
Nach dem Essen ging es endlich in die Baños del Inca, zum Abschluss des Tages. Die Bäder des ehemaligen Erholungsortes für die Oberschicht haben 60°C und dampfen dadurch durchgehend. Auf dem Boden setzten sich deshalb auch Minerale durch den Schwefel ab. Sie heißen Baños del Inca, weil dort der letzte Inka, Atahualpa, gefangen genommen wurde.
Wir haben uns für 6 Soles pro Person im Alexander-von-Humboldthaus ein Schwefelbad gegönnt, bezahlt war eine halbe Stunde, darauf wurde dann eine ganze. War auch ganz gut, weil wir dadurch „nur noch“ 2h auf unsere mixed Sauna warten mussten. Davor war nur gleichgeschlechtlich möglich. Rein ging es dann auch nur in Badekleidung. Es war ein Dampfbad, aber sehr warm und auf dem Boden lagen überall Gräser, was einen angenehmen Geruch im Raum berbreitete.
Wieder draußen, inzwischen regnete es stark und war dunkel, nahmen wir gleich den ersten Bus zurück nach Cajamarca. Die Straße hoch zum Hostel nutzten wir als Fressmeile. Wir machten in drei verschiedenen Restaurants halt, bei den Preisen. Danach ging es direkt ins Bett, voll platt vom Tag! Ich wurde übrigens voll übel von Moskitos an den Baños gestochen, die angeschwollen sind. Durch das laufen wurde es dann immer schlimmer. Also ging es in die Apotheke und wir dachten eigentlich beide es gäbe eine Salbe, aber hier gibt es immer Tabletten. Nun gut, nach den ersten beiden war die Schwellung auch schon gut abgeklungen, also wenn es hilft.

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Cajamarca – Cumbe Mayo (21.10.2012)

Am Samstagabend ging es los. Nachdem in ganz San Isidro der Strom und das Internet ausgefallen ist, konnte Simon zwar kein Geld mehr holen, aber kurz vor unserer Busfahrt ging alles wieder an, so dass wir unsere bis jetzt längste Busfahrt in Peru antreten konnten, ganze 16h standen uns bevor. Glücklicherweise haben wir ganz vorne gesessen, sodass wir ein wunderschönes Panorama hatten. Nachts ist es dank der starken Straßenbeleuchtung hier allerdings eher ungünstig vorne zu sitzen, wenn man schlafen möchte. Natürlich gab es bei so einer langen Fahrt auch wieder Filme. Hier werden auch in den Bussen nur Raubkopien gezeigt, so kam es, dass wir The Avengers und Madagaskar 3 sahen. Auf den Straßen kann man eigentlich auch nur Raubkopien kaufen, für 1 Euro das Stück. Die Europäer decken sich wohl immer gut ein und stehen dann tausend Ängste am Zoll aus. Naja, wer will.
Bevor wir losfuhren, kam der Typ wieder mit seiner Videokamera rum, in die jeder Passagier einmal hinein lächeln darf. Wenn man also die Decke der Busgesellschaft klaut, findet man sein Foto vermutlich bald auf Facebook – „most wanted“. Naja, bei anderen Gesellschaften muss man kurz bevor man den Bus betritt einen Fingerabdruck abgeben. Peru weiß inzwischen mehr über uns, als unser Heimatland.
Mitten in der Nacht fing dann einer an zu Schnarchen, einen andere holte ihr Handy raus und anstatt es auf lautlos zu stellen, schrieb sie munter drauflos und empfing dementsprechend viele Nachrichten, jedes Mal mit lautem Piepsen. Die Toleranz was Lautstärke angeht, seien es Klingeltöne, lautes Autohupen, Kreischen oder Musik, ist ihr definitiv deutlich größer als in Deutschland.
Als wir dann Sonntagmorgen ankamen, ging es direkt mit dem Taxi zur Plaza de Armas. Dort wurden wir kurz nach dem Aussteigen erneut von Straßenhändlern belagert, außerdem kam gleich eine Tourverkäuferin an, die von Cumbe Mayo erzählte. Da wir da eh hinwollten, fragte ich wie teuer und wann. Die Tour sollte 9:30 Uhr starten. Ein Blick auf die Uhr verriet mir, dass es also genau jetzt losgehen sollte. Wir hatten aber noch kein Hostel, also meinte sie erst, dass wir unsere Sachen bei ihr im Büro lassen könnten. War uns aber zu unsicher, also haben wir direkt in das Hostel nebenan geschaut und tatsächlich hatten sie Zimmer für 5 Euro im Angebot. Es wurde zwar mit warmen Wasser geworben, aber eben nur morgens. Ich versuchte es am nächsten Morgen um 7 Uhr – kalt, wie frisch vom Gletscher. Blieb mir also nichts anderes übrig als das ganze Haus wach zu kreischen, als ich mich versuchte zu duschen. Simon ließ es dann lieber ganz.
So also nahmen wir wie gesagt das Hotel und gingen direkt wieder runter und hundemüde ging die Tour los (natürlich nicht, ohne das ganze noch runter zu handeln). Wir wanderten durch schöne Steinformationen, krochen durch Steinspalten hindurch, aßen eine traditionelle giftgrüne Suppe und folgten vielen Bächen und vor Jahrhunderten angelegten Kanälen. Dann fing es an zu regnen und wir sprangen schnell in den Bus, nahmen noch zwei Einheimische in traditioneller Kleidung (ja, die schöne bunte) mit und fuhren wieder runter. Achso dort in der Nähe liegt wohl die fröhlichste Mumie der Welt, sie soll wohl grinsen.
Nach ein wenig ausruhen und richtig gutem Essen ging es bei Regenwetter durch die Stadt, da aber Sonntag war, hatte alles zu und wir hielten unsere Laune hoch, indem wir uns auf der Straße warme Churros kauften (Gebäck mit Manjarfüllung (caramellähnlich)).
Auf dem Weg zurück zum Hostel ging es in die kleine Touristeninfo und weiter spontan in Innenhöhe, wo es mal wieder tolle Schuhe gab, aber nicht in meiner Größe. Er meinte dann, dass ich sie einfach mal probieren sollte. Ich dachte echt, ich hätte mich verhört! Ich hielt den Schuh zur Demonstration an meinen und er meinte nur, oh…ein wenig klein. Genau genommen war es eine 35 und ich habe eine 41, hätte ich ja mal probieren können, genau! Das waren Original-Vans, bei nationalen Produkten brauche ich gar nicht mehr schauen. Die werden nur bis Größe 38 produziert, dabei sind da echt ein paar richtig hübsche dabei. Abends kauften wir noch Obst beim Straßenhändler und machten Fotos auf der hell beleuchteten Plaza de Armas.

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