Monatsarchiv: Oktober 2012

Die schönsten Aussichten in den Anden (01.10. – 14.10.)

Nach wenig Schlaf ging es dann am Montag im Rahmen einer organisierten Tour auf die Islas Ballestas, einer Insel auf der jeder Zentimeter mit Vögeln oder Robben bedeckt ist. Es ist unglaublich zwischen all den Vögeln mit dem Boot durchzufahren und ich verstehe bis heute nicht, warum gerade auf diesen Felsen sich so viele auf einer Stelle befinden. Dementsprechend gibt es auch keinen Felsen mehr, der nicht weiß von Vogelkacke ist, die mehrmals im Jahr komplett gereinigt und dann teuer verkauft wird. Nur leider hätte ich den Ausflug beinahe verschlafen. Als Astrids Mutter mich zum dritten Mal anrief um zu fragen, wo ich denn bleibe, bin ich endlich wach geworden, nur leider war das genau zu der Zeit, als der Bus los fahren sollte. 10 Minuten später stand ich vor Astrid, die mich lächelnd begrüßte. Wie können die Peruaner so ruhig sein??? Ich bin fast wahnsinnig geworden vor Angst, aber natürlich fuhren wir erst eine halbe Stunde später los.
Nach den Islas Ballestas ging es nochmal nach Huacachina, dieser Oase, weil Astrid noch kein Sandbording ausprobiert hat. Bei mir setzte gleich ein Gefühl von tiefer Entspannung ein, als wir in die Wüste einbogen. Ein richtig toller Ort um einfach jeglichen Stress zu vergessen. Diesmal habe ich mich dann sogar mal getraut, im Stehen auf dem Board den Hügel runter zu gleiten.

Abends ging es dann etwas früher ins Bett und am nächsten Tag wurden schon Sachen für Huaraz gepackt, eine Woche in den Bergen. Abends ging es mit Simon, einem anderen Deutschen, der hier im Haus wohnt, los. Wir fuhren die ganze Nacht durch und wurden morgens direkt abgeholt zum viertägigen Santa-Cruz-Trek. Mit Schweizern, Israelis, Franzosen und einem Argentinier liefen wir dann vier Tage lang durch die schönen Anden. Es wird nicht umsonst als eine der schönsten Gebirgsketten der Welt bezeichnet, es ist einfach atemberaubend. Und dieses Wort beschreibt es ziemlich genau, am zweiten Tag gab es den schlimmsten Anstieg, wir sind auf über 4000m Höhe gestiegen. Wieder eine, die sich trotz Höhentablette übergeben musste, ich hatte extreme Atem- und Kreislaufprobleme. Nach dem höchsten Punkt auf dieser Tour kamen noch Kopfschmerzen hinzu, aber die Aussicht war all die Strapazen wert. Es schliefen immer zwei Personen in einem Zelt und es gab unglaublich dünne Isomatten, so dass uns allen nach der zweiten Nacht alles weh tat, aber die Schlafsäcke hielten wunderbar warm. Es gab jeden Abend erst Suppe, dann richtiges Essen und viel Cocatee für die Höhe. Zum Trinken wurde Wasser aus dem Fluss gekocht und abgefüllt, das leicht nach Papier schmeckte. Tagsüber trugen erneut Esel und Pferde unser Gepäck.
Wir sind den Santa-Cruz-Trek in die andere Richtung gelaufen, als man es eigentlich macht, weil es so rum einfacher war. Als wir dann wieder mit dem Minibus ins Dorf zurück sind, waren wir zwei mehr, weil zwei Mädchen die Tour abgebrochen haben.
Endlich wieder in der Zivilisation angekommen, haben wir gleich zwei weitere Touren gebucht, eine zu Ruinen und eine weitere zum Eisklettern am Gletscher. Die restlichen Tage gab es dann Pizza und chinesisches Essen, weil wir beide die Nase voll hatten vom peruanischen.  Unser Hostel war der Hammer. Am nächsten Morgen im Frühstückssaal saßen wir mit zwei Britten am Tisch und die eine meinte, dass nur bei einer der zwei Duschen warmes Wasser kommt und das, obwohl das Hostal mit warmen Duschen geworben hatte. Da musste ich einfach grinsen und meinte, dass das ziemlich gut ist für peruanische Verhältnisse, viele werben damit, aber da ist das warme Wasser schon vor Jahren ausgegangen. Da staunten die beiden aber nicht schlecht. Ja, da zwei waren wohl gerade frisch in Peru angekommen.
Die organisierte Tour zu den Ruinen war genau das richtige nach vier Tagen wandern, einfach gemütlich im Bus hin und her geschaukelt zu werden und nichts tun zu müssen. Ich verstand leider nicht viel, was er zu den Ruinen erzählte, die unterirdischen Gänge waren noch so ziemlich das coolste daran, alles andere leider schon ziemlich verfallen. Die Peruaner scheinen sich eben nicht so die größte Mühe damit zu geben, ihr Kulturgut zu erhalten. Also musste man sich viel vorstellen, wie es früher wohl mal ausgesehen haben mag. Ich fand es auch viel witziger die Peruaner selbst zu beobachten, als der Stätte so viel Beachtung zu schenken. Schon im Bus gab es ein Pärchen, was sich wohl am besten über ihre Handyspiele verständigen konnte. Anstelle sich zu unterhalten, zockten die beiden auf ihrem eigenen Handy. Im Museum angekommen, wurde nicht geguckt, sondern fotografiert. Alles wurde festgehalten, teilweise das ganze Museum gefilmt. Wer sich das wohl nochmal anguckt? Bei einem jungen Pärchen musste ich grinsen, denn das Mädchen stellte sich vor alles, was ausgestellt war, poste, grinste und forderte ihren Freund auf schnell ein Foto zu machen, bevor ihre Gesichtszüge wieder völlig entglitten. Im nächsten Raum wurde er dann von ihr auch schnell an einen Ort gezerrt und sie wiederholte die Prozedur. Ich bin den beiden lange gefolgt, weil mich das Verhalten so faszinierte. Das der Kerl dann aber auch nichts sagt, sich nicht mal beschwert, nein es wird alles brav ausgehalten. In einer anderen Familie gab es eine Tochter, die ihre Mutter beschimpfte und auch ständig Fotos von sich wollte. Sie posierte und sagte im genervten Ton: „Jetzt mach schon, du weißt, dass ich es nicht mag zu warten.“ Simon und ich guckten uns nur an und rollten die Augen. Wir haben uns auch über unsere Erfahrungen mit den Pärchen hier in Peru unterhalten und je mehr ich mich mit dem Leuten darüber unterhalte, umso deutlicher wird eigentlich auch, wie oberflächlich alles ist. Gerade auch in der Uni wirkt das alles wie die erste Beziehung in der Pubertät, man will einfach nur einen Partner haben mit dem man alles ausprobieren kann. Man ist nicht mit dem Partner zusammen, weil man sich so gut versteht, sondern eigentlich nur, damit man jemanden hat. Das kann doch gar nicht gut gehen. Ich weiß nicht, wann die Menschen hier erwachsen werden, aber es geschieht doch deutlich später als bei uns, wobei es natürlich auch abhängig davon ist, was man für Erfahrungen im Leben macht. Astrid war inzwischen ein Jahr in Deutschland und ist dementsprechend auch deutlich reifer, als manch andere, die eben ihr Leben lang nur in Peru verbringen.
Am nächsten Tag ging es zum Eisklettern. Ich wusste von Anfang an, dass ich das mit meiner starken 😉 Armmuskulatur nicht hinbekommen werde, aber ich wollte es einfach probieren. Wir waren zu dritt, ein Neuseeländer, der normalerweise auf Berge geklettert, Simon und ich.  Dann waren noch ein paar Peruaner dabei, die wir auf dem Weg zum Gletscher aufgegabelt hatten und einfach mitgenommen haben, die sich aber nur den Gletscher anschauen wollten. Die Jungs probierten sich zuerst aus und der Neuseeländer kam relativ erschöpft wieder unten an und meinte, dass man die Eispickel mit den Armen richtig fest ins Eis schlagen muss, damit man nicht abrutscht, na das hat mir Hoffnung gemacht. Also versuchte ich mein Glück und kam einfach nicht hoch. Ich rutschte ständig ab und meinte dann, ich will runter, aber unser Guide hielt das Seil so straff, dass ich nicht runter konnte und ließ es auch nicht los. Simon fing dann an mir Tipps zu geben, was ich als nächstes bewegen soll und die Peruaner feuerten mich an, also versuchte ich mein Glück und siehe da, ich schaffte es, zwei Mal hoch. Das Runterkommen war noch eine ganz andere Schwierigkeit. Oben angekommen, dachte ich, jetzt ist ja alles geschafft, doch denkst du dir. Ich lehnte mich nach hinten, nicht ohne großes Geschrei, was ich schon den ganzen Weg nach oben gemacht habe, und dann sollte ich meine Arme ausbreiten. Ich guckte nach unten um ihm meinen „Bist-du-verrückt“-Blick zu schenken, aber großer Fehler, denn dadurch verlor ich das Gleichgewicht, weil er auch noch Seil nachschob und knallte erstmal gegen die Wand. Ich kam irgendwie gar nicht so schnell hinterher mit meinen Füßen, wie er Seil nachschob. Und wenn man dann erst einmal so im Seil hängt, ist es schwer sich wieder aufzurichten und waagerecht die Wand runter zu laufen. Auf jeden Fall eine Erfahrung, die man mal gemacht haben sollte, aber nochmal werde ich mir das wohl nicht antun. 😉

Wieder in der Uni wurde ich von allen Peruanern erst einmal mit der Aussage „Gott, bist du rot“ begrüßt. Ja, hallo, hier kommt der Indianer, wusste aber nicht, ob das so gut wär, wenn ich das hier laut ausspreche. Ich durfte dann auch direkt am Mittwoch bis 3 Uhr noch eine Power Point entwerfen, weil ich erst um 1 Uhr den ausgearbeiteten Text bekam. Donnerstag sollte der Vortrag gehalten werden und mir wurde gesagt, wir haben jemanden, der es vorträgt, nur leider wollte diese Person nicht. Ich dachte ich höre nicht richtig? Also wurde ich gefragt, ob ich das machen könnte. Ich guckte die beiden nur verständnislos an und fragte, ob die sich das wirklich antun wollen. Ich meine mir ist die Note egal, aber für die beiden ist sie wichtig. Aber ihre Angst vorzutragen war irgendwie größer. Also gingen sie zum Lehrer und sagten, dass sie das heute nicht können, weil niemand will. Der Prof willigte dann ein, was in Deutschland ganz einfach eine 5,0 gegeben hätte, und wir kamen einen Tag später ran. Doch leider tauchte der Typ am Freitag erst gar nicht auf, so dass ich dann die Sachen, die ich verstanden hatte, tatsächlich auf Englisch vortrug, während der Rest einfach von den Peruanern aus meiner Gruppe vorgelesen wurde. Ich traute meinen Augen kaum! Die bezahlen hier so viel und dann geben die sich so wenig Mühe!
Am Samstag ging es dann endlich shoppen! Zwar habe ich mich in Huaraz auf dem Markt ordentlich mit warmen Wintersachen eingedeckt, aber mir gehen inzwischen die Oberteile für den Alltag aus. Nach über acht Stunden einkaufen, war ich glücklich und hatte mehrere Tüten voller Kleidung. Sonntag ging es dann in zwei Stunden Busfahrt Pachamanca essen! Das sind Fleisch, Kartoffeln und noch mehr, zugedeckt mit Blättern und liegt so mehrere Stunden unter der Erde, bevor es gegessen werden kann, super lecker! Für 50 Soles haben sich Astrid und ich ein Tablett geteilt und es war einfach unglaublich gut. Dafür lohnt es sich schon einmal vier Stunden Busfahrt auf sich zu nehmen. Diese Woche schreibe ich noch drei Tests, zumindest ist das der Plan, bevor ich dann am Samstagnachmittag mit Simon in Richtung Norden starte, wieder eine Woche Sonne, Kultur und eventuell endlich mal surfen!

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Ein Ausflug in den Zoo und Camping in Markahuasi (22.09. – 30.09.)

Lange kein Lebenszeichen und viel wichtiger, vermute ich, auch keine Bilder mehr von mir. Also lege ich mal los.
Das Erdbeben kam natürlich nicht, genauso wenig wie der Untergang der Welt, nur einmal kurz hat es wohl gewackelt in Lima, immerhin auf Stärke 4, aber bis zum Meer runter und bei uns in die Gegend hat es das kleine Erdbeben nicht geschafft. Schon ein komisches Gefühl, wenn dir Leute aus der gleichen Stadt schreiben, dass es gerade bei ihnen bebt und du selbst spürst nichts.
Dementsprechend stand unserem kleinen Familienausflug in den Zoo auch nichts mehr im Wege. Der Park war identisch wie auch Peru eingeteilt in die drei bekannten Zonen, Küste, Berge und Dschungel. Vor allem war es eben ein süßer Ausflug mit Astrid, ihrer Mutter und ihrer kleinen Schwester, die genauso wie ich gerade dabei war Spanisch zu lernen und ihre Schwester anstelle von hermana immer mana nannte. Im Anschluss gab es dann noch richtig lecker Pizza bei Pizza Hut, endlich mal wieder und genau wie bei McDonalds, gibt es auch hier wieder Aji zum Essen, so ganz ohne peruanischen Einfluss kommen die amerikanischen Ketten hier halt nicht aus. Das Problem ist nur, dass man sich hier daran gewöhnt, nachdem man sich für 3 Soles seinen Burger geholt hat, erstmal 6 verschiedene Gratissoßen zur Verfügung zu haben, anstelle von einer kleinen Packung Ketchup. So wenn ich schon wieder beim Essen bin, will ich noch diesen kleinen Einschub machen. In meiner Persönlichkeitspsychologievorlesung haben wir (zum 20. Mal in meinem Leben jetzt) die Bedürfnispyramide von Maslow durchgenommen und dort hatte der Prof in den Folien bei physiologischen Bedürfnissen ein Foto von peruanischen Essen. Er wollte gerade ansetzen zu erzählen, da wurde er von einem lauten „que rico“ (wie lecker) von allen aus der Klasse übertönt und leider blieb ihm dann auch erstmal die Möglichkeit verwehrt weiterzureden, weil das Essen erst einmal lauthals analysiert wurde. War nicht schlimm, er hat bereitwillig mitgemacht. Das nenn ich doch mal eine nette Abwechslung für Zwischendurch. Das Wissen gleich mit dem wichtigsten Thema für die Peruaner verbinden, dann bleibt es sicher im Kopf.
In der darauffolgenden Woche sollten Bustickets in die Berge gebucht werden, die waren aber auf einem Mal dreimal so teuer, weshalb wir nach 1,5h Warten in der Schlange endlich vor der Kasse angekommen, uns doch dazu entschieden, etwas anderes zu machen. Also ging es nach Markahuasi, Astrid, ihre peruanischen Freunde und ich machten sich also am Samstag auf den Weg mit Zelt und allem drum und dran. Ich meinte am Freitag, alle müssen pünktlich um 5:45 Uhr da sein, weil das eine organisierte Aktion über Facebook war und sich die Leute um 6 Uhr trafen. Ich kam dann um 6:10 Uhr als Erste an (Ja, ich wollte noch gemütlich Frühstücken) und es saßen bis dahin nur Leute aus den anderen Gruppen da. Kurz danach kamen dann Astrid und zwei Freunde eingetrudelt, alle mit viel mehr Gepäck als ich, da sie ja noch die Zelte mitschleppten. Nur eine Freundin fehlte noch, um 6:30 Uhr rief ihr Freund sie dann mal an, als die andere Gruppe anfing sich Taxis zu suchen, nur um zu erfahren, dass sie noch bei sich zu Hause war, aber jetzt los gehen wollte. 10 Minuten später war sie noch immer zu Hause (und sie braucht eine Stunde von zu Hause zum Treffpunkt), also entschieden wir ohne sie ein Taxi zu nehmen und sie müsse hinterherfahren. Im Auto erklärte mir dann Astrid die Uhrzeit, weil ich sie noch immer so sagte, wie in der Uni gelernt und das natürlich in Peru wieder ganz anders war. Als ich meinte es wäre 7 und 25, erzählte sie mir, dass man das so nicht sagt. Eigentlich wird hier nur im Viertelstundentakt gedacht. Deshalb schließt die Aussage „Wir treffen uns pünktlich um 5:45 Uhr“ auch die Uhrzeiten von 5:30 bis 6 Uhr in die Zeitspanne „pünktlich“ mit ein, aber eigentlich sind die Meisten dann doch eher eine halbe bis zu einer Stunde später da. Soviel zum peruanischen Zeitgefühl.
Als wir dann nach 5-6 Stunden Taxi- und Busfahrt endlich in einem kleinen Dorf namens San Pedro auf 3180m Höhe ankamen, war dort erst einmal nichts, außer den ganzen Eseln, die auf uns warteten. Als erstes sind mir aber hier in diesem Nichts die ganzen Schilder zum Aufladen der Handykarte aufgefallen, Hauptsache man hat selbst kaum mehr als einen Balken. Dort gab es dann erst einmal Mittag, noch nichts geleistet, aber schönes Lomo Saltado, eigentlich aus Rückenmark vom Rind, nur bei dem Preis und weil dort so viele Straßenhunde rumliefen, meinte Astrid scherzhaft(?), dass es wohl aus Hundefleisch gemacht worden ist. Den Peruanern ist in dem Fall alles zuzutrauen. Wenn man in Deutschland eine Suppe im Restaurant essen müsste, wo so große Fleischstücken drin rumschwimmen, dass du sie kaum auf den Löffel kriegst und dort noch überall Haut, Knochen und Knorpel dran hängt, würden das wohl viele stehen lassen, hier kriegt man es selbst in teuren Restaurants so serviert. Generell habe ich das Gefühl, dass die Peruaner ihre Tiere einfach einmal komplett verwerten und du dann ein Mix aus allem auf den Teller hast, so fühlt sich das zumindest manchmal im Mund an.
Bei der Höhe kann es ja gerne mal zu Kopfschmerzen kommen, weshalb sich die Peruaner Cocablätter gekauft haben. Ich habe von Astrid probiert, in den Mund nehmen und kauen, aber nicht runterschlucken. Astrid hat sich dabei noch munter mit Cesar unterhalten, während sich bei mir immer mehr Spucke sammelte, so dass ich es dann ziemlich schnell wieder ausgespuckt habe, hat auch nicht geschmeckt, und wirklich geholfen anscheinend auch nicht, denn Astrid hat sich trotz einer ganzen Tüte am Abend noch zweimal übergeben und mit enormen Kopfschmerzen zu kämpfen gehabt.
Dann ging es endlich los, die Esel trugen unsere Rucksäcke und wir liefen hinterher. Eigentlich dürfen die Tiere ja nur 40kg tragen, aber Jorge hat sich mit seinen 90kg (bevor er das wusste) dort raufgesetzt. Ja ein schlimmes Leben, aber die lassen sich ja eh nichts anmerken, gucken immer gleich doof.
Während wir die knapp 1000m hoch liefen, kamen wir an vielen verschiedenen Vegetationsschichten vorbei. Zuerst gingen wir durch nichts, dann kamen überall Kakteen und auf einem Mal waren überall rote Steine und der Sand nahm auch eine rote Verfärbung an, sehr skurril. Nach 3,5 Stunden war ich dann von unserer 6er Gruppe die erste oben beim Campingplatz, mir war dann aber auch gut schwindelig. Ich hab mich dann gleich an den Aufbau der Zelte gemacht, kurz danach kam Cesar und wir haben schnell zwei gemeinsam aufgebaut, bevor es zum sagenhaften Sonnenuntergang ging, den die anderen leider verpasst haben. Egal aus welchem Land, alle die ihn gesehen haben, meinten, es wäre der schönste ihres Lebens gewesen.
Als wir wieder unten waren, war es dunkel, aber immerhin waren die anderen inzwischen da. Astrid und Ingrid hatten noch eine halbe Stunde auf dem Weg gesessen um zu Essen und sind deshalb erst so spät hoch gekommen und Jorge war Gentleman und hat auf die beiden gewartet. Dann kam der krasseste Part des Abends, Astrid musste sich wie gesagt übergeben und dachte ihr Kopf würde platzen, mir ging es hervorragend. Wir hatten extra Rum und Cola gekauft um die kalte Nacht besser zu überstehen, nur wollte kaum jemand, so dass ich fast allein eine halbe Flasche Rum austrank. Dazu gab es Marshmallows über dem Lagerfeuer (Was viel besser ist, als über der Kerze meine Lieben 😉 ). Zwischen 19 und 20 Uhr gingen wir dann aber alle ins Bett. Die andere Gruppe machte noch bis spät in die Nacht hinein Musik und hat getrunken. Ich bin dort jedes Mal vorbei wenn ich pullern musste, was nach einem Liter Cola und ½ Flasche Rum ziemlich oft passierte. Auf das öffentliche Klo wollte ich aber nicht, weil das eh nur aus einem Loch im Boden bestand und das haben die Leute leider nicht getroffen.
Astrid und ich schliefen in einem Zelt und ihr ging es glücklicherweise immer besser, so dass es auch nicht schlimm war, als ich auf Grund meines Alkoholkonsums etwa 10 Minuten grundlos am Stück lachen musste. Aber denkt euch mal nicht, dass Alkohol wirklich warm hält. Ich habe die ganze Nacht bitter gefroren, während Astrid nur kalte Füße hatte. Mir ging es auch immer schlechter, weil ich nicht schlafen konnte, aber der Alkohol nachließ und mit der Höhe war das dann wohl doch keine gute Idee. Um vier Uhr morgens dachte ich, schlimmer kann es nicht mehr werden und füllte mir noch ein wenig puren Rum in den Becher, hatte dann aber auch keine Wirkung mehr. Es war auch zu der Zeit, als Astrid ungefähr alle 10 Minuten fragte, wie lange es noch bis zum Sonnenaufgang dauern würde und ich immer genau antworten konnte, weil ich sowieso die ganze Zeit den Blick auf der Uhr hatte. Es war die kälteste Zeit der Nacht, so kurz vor dem Sonnenaufgang und überall auf dem Campingplatz hörte man Geflüster, weil wohl niemand mehr wirklich schlafen konnte. Es wurde hell, aber die Sonnenstrahlen kamen nicht, da ging es mir am schlechtesten und Astrid deckte mich mit allem zu, was wir im Zelt hatten, jaja der böse Kater. Mit der Sonne kam dann aber auch die Freude wieder und nachdem ich einmal durchgewärmt war, ging es mir deutlich besser.
Unsere Esel wurden wieder beladen und wir machten uns gegen 10 Uhr auf den Weg durch verschiedene Felsformationen wieder nach unten. Ich habe kaum Luft bekommen, Astrid und ich mussten uns nach allen drei Schritten hinsetzen und nach Luft schnappen. Das macht dann wohl die Höhe.
Wieder in San Pedro, wieder Hund gegessen, wurde ich inzwischen von völlig unbekannten Peruanern angesprochen, dass ich aussehe wie eine Tomate und ob ich nicht Sonnencreme haben will. Ach quatsch, was solls, ich merk doch noch gar nichts. Ich machte mich noch lustig über die Peruaner, die sich ihr schon dunkles Gesicht mit Sonnencreme wieder weiß machten, am nächsten Morgen wusste ich sofort, warum sie das gemacht hatten. Mich erwartete der schlimmste Sonnenbrand meines Lebens, inklusive Verschorfung im Gesicht.
Na gut, aber erstmal mussten wir in San Pedro noch zwei Stunden länger als geplant auf unsere Esel warten. Da wurden dann selbst die Peruaner ungeduldig und wollten nicht mehr zahlen, so dass die Frau dann in den Bus einstieg und dort noch ewig mit uns diskutierte. Im Endeffekt zahlten Astrid und ich dann jeweils einen Sol, ein anderer Kerl etwas mehr, so dass sie den Bus verließ und wir endlich Richtung Lima starten konnten. Das Problem war nur, dass die Abfahrt sich als sehr aufregend herausstellte. Wir hatten wohl einen lebensmüden Fahrer erwischt. Er feuerte die Serpentinen nur so runter. Anstelle vor den Kurven zu bremsen, wurde nur gehupt und gehofft. Über Unebenheiten bretterte er nur so drüber hinweg, was uns jedes Mal aus dem Sitz hob. Einmal wurden wir so hoch geschleudert, dass ich danach auf einer Flasche von irgendjemand saß, meine Kamera ihren Platz in Jorges Schoß gefunden hatte und unsere Rucksäcke auch kreuz und quer im Gang lagen. Wir haben dann gesehen, dass dort noch ein Auto kam, aber unser Busfahrer ist trotzdem weiter gefahren und das Problem war, dass die Piste gerade mal so breit ist, wie ein Auto, ohne Absperrung geht es dann gleich mehrere hundert Meter in den Abgrund. Also wollte er gerade weiterfahren, als die Peruaner im Bus aufsprangen und schrien, „Senor, da kommt ein Auto!“ Also musste der Busfahrer im Rückwärtsgang ohne was sehen zu können nach hinten fahren zur nächsten Ausbuchtung. Da waren dann alle im Bus gefragt um ihn richtig zu koordinieren, das ist mal eine Erfahrung! Glücklicherweise waren wir so k.O. von der Nacht davor, dass wir es echt geschafft haben bei dem Fahrstil einzuschlafen und erst wieder aufzuwachen als wir auf einer sicheren Straße waren. Ansonsten war es echt eine schöne Fahrt gewesen, eine wahnsinnig tolle Erfahrung und das mit richtig netten Menschen. Die schönsten Reisen macht man wirklich mit den Peruanern selbst! Denn trotz Verständigungsproblemen haben Astrids Freunde mich immer wieder gefragt, wie es mir geht und versucht, mit mir Gespräche anzufangen, also echt wahnsinnig offen und interessiert, so wie fast alle Peruaner, die ich bis jetzt kennen gelernt habe.
Im Bus nach Lima sind wir dann leider an ein richtiges Arschloch geraten. Er hat gesagt, dass der Bus ein Direktbus wäre, ohne zwischendurch zu halten und deshalb den Preis auf 5 Soles hochgeschraubt. Aber natürlich hat er zwischendurch immer wieder angehalten, um noch mehr zahlende Kunden einzusammeln. Er hat Frauen, die offensichtlich wenig Geld zur Verfügung haben, um das auch noch betrogen, bis die Leute im Bus anfingen mit ihren Füßen auf dem Boden zu trampeln und ein kleines Mädchen meinte, dass sie, wenn er nicht aufhört, sich auf den Boden setzen und rumtrampeln wird. Dadurch ist er dann durchgefahren und es kam ziemlich schnell wieder gute Stimmung auf, die Leute fingen wieder an zur Musik zu summen. Es ist Wahnsinn, wie schnell sich die Leute hier wieder fangen.

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