Monatsarchiv: August 2012

Sonne genießen in Huacachina

Nachdem ich letzte Woche gar nicht in der Uni war, weil es mir so schlecht ging, sollte es am Wochenende endlich in die Sonne gehen. Mein Husten hielt mich nachts teilweise Stunden wach und egal, was ich machte, nichts verbesserte meine Situation – letzte Hoffnung also: Lima und damit den grauen Himmel und die Abgase endlich hinter mir lassen. Am Freitag um 7:30 Uhr ging es dann also recht komfortabel los. Mit der wohl besten Buslinie Perus (Cruz del Sur) tuckerten wir 4h auf der Panamerikana Richtung Süden. Im Bus selbst fühlte man sich mehr wie im Flugzeug mit Stewardess, die dann zwischendurch Burger als Frühstück verteilte. Filme liefen auch, lautes Spanisch hallte durch den Bus mit englischen Untertiteln, aber mit Kopfhörern konnte man abschalten und schlafen. Kaum in Ica ging es gleich in Taxis und weiter in die Oase, nach Huacachina. Sofort wurden alle Jacken und Pullover ausgezogen und nach der Zimmerverteilung fand man sich am Pool im Bikini wieder ein – so schnell kann es tatsächlich gehen! Abends setzten wir uns (jetzt wieder mit Pullover und Jacke) auf die Dünen – es war unglaublich schön, da alles angestrahlt war, aber kalt. Wieder unten auf der Straße wurden einige neue Sandberge geschaffen dank dem Sand, der sind in unseren Schuhen gesammelt hatte. Im Hostel versuchte ich erst wie in Lima in Shorts und T-Shirt zu schlafen, aber innerhalb der 1. Stunde zog ich mir immer mehr an, weil ich so fror, so dass ich am nächsten Morgen in Leggins, Hose, 2 Paar Socken, Top, T-Shirt und Jacke aufwachte. Es ist eben Winter.
Am Samstag ging es dann endlich in die Buggies und die Dünen hoch. Egal wo man hinsah, überall Sand! Die Dünen erstreckten sich über Meilen. Man hatte jedoch kaum Zeit die Aussicht zu genießen, da trat der Fahrer mal so richtig das Gaspedal durch, so dass wir nur so über den Sand flogen und dann wurde er langsamer und auf einem Mal ging es im gefühlten 90°-Winkel bergab. Das war genialer als Achterbahn fahren! Plötzlich bremste er haarscharf vor den anderen Buggies und es hieß: Sandboarding! Ich guckte nur kurz runter und für mich war klar, dass ich da nicht ohne tierische Angst runter komme. Die ersten Mutigen legten sich aufs Brett und wurden runter geschuppst. Man bekam ganz schön Geschwindigkeit. Als dann alle unten waren, meinte unser Fahrer zu mir, dass ich auch mit ihm im Buggie zurück fahren kann, aber das wollte ich natürlich nicht, also musste auch ich runter. Unter großem Geschrei kam ich heil unten an und es hat wahnsinnig viel Spaß gemacht. Also gleich den nächsten Hügel rauf, der glücklicherweise nicht so steil war, so dass ich es tatsächlich probierte, mich auf das Board zu stellen. Als es losging, hockte ich mich jedoch hin und stellte mich erst wieder richtig auf, als ich schon fast unten war. Die Snowboarder unter uns waren da etwas erfolgreicher. Nach ein paar Fotos im Sand hieß es auf einem Mal, wir müssten uns beeilen, da die Sonne gleich weg wäre. Also sprangen wir alle in die Buggies um uns den Sonnenuntergang anzugucken. Innerhalb weniger Minuten war die Sonne auch verschwunden. Es war der Hammer, wie schnell das ging. Es wurde direkt wieder kälter, also ging es über weitere Hügel mit dem Buggie wieder zurück zur Oase. Dort wollten wir duschen, aber das Wasser kam erst nur tröpchenweise, dann blieb es vollends weg.
Später am Abend gab es noch eine Party, bei der ich einige Deutsche kennen lernte. Zwei aus Duisburg, die ihr Studium mit einer kleinen Welttour beenden wollen und drei weitere aus Köln und Düsseldorf, mit denen ich mich noch lange unterhalten habe. Das gesamte Wochenende hat einfach unglaublich gut getan – die Sonne, die Menschen und die Ruhe. Morgen habe ich noch frei, aber Dienstag und Mittwoch muss ich wohl einiges für die Uni tun um die verpasste Woche wieder aufzuholen. Donnerstag geht es weiter nach Iquitos, in den Dschungel. Ich bin gespannt, was uns dort erwartet, hoffentlich ist der Sonnenbrand bis dahin wieder weg.

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Back in School

Los geht’s! Ich bin ja schon froh, dass ich inzwischen zumindest die Präsentationen per E-Mail empfange, die die Profs in den Vorlesungen halten, aber leider nicht mehr Informationen. Also stand ich heute ohne Hefter da. Denn in Neuropsychologie existieren tatsächlich Hefterkontrollen. Wir müssen einen Folder anfertigen, in dem wir unseren eigenen Lernprozess festhalten. Heute wurde mir endlich übersetzt, was dieser genau beinhaltet. Der ganze Kurs arbeitete mit um mir auf Englisch verständlich zu machen, was der Hefter beinhalten muss. Also wird er dann einfach nächste Woche nachgereicht. Außerdem gab es heute die ersten Mitarbeitspunkte. Es wurden nach Datum Studenten (ich wollte soeben schon Schüler schreiben) nach vorne gerufen um die einzelnen Gehirnabschnitte zu zeigen und deren Funktionen zu erklären. Verstanden habe ich kaum was, nur dass ich jetzt wohl anfangen muss zu lernen. Glücklicherweise wendete sich der Typ vor mir an mich und fragte, ob ich die Deutsche wäre. Als wir das geklärt hatten, erklärte er mir auf Englisch, dass man ein Manual (also ein Skript) ausdrucken lassen muss, was dann den gesamten Kursinhalt zusammenfasst. Meine Rettung! Also gingen wir das Ding drucken und jetzt habe ich ein schönes pinkes Skript. Ob Jungen das auch in pink bekommen? Damit kann man die Kurse endlich richtig vorarbeiten, immerhin steht nächste Woche der erste Test an.
Den letzten Kurs hatte ich auch mit dem Kommilitonen, der mir das Skript gezeigt hatte, also saßen wir nebeneinander. Der Prof hat den Unterricht früher beendet, aber man muss immer noch solange sitzen bleiben bis der Kurs offiziell vorbei ist, um dem Professor keinen unnötigen Stress mit den Sicherheitsbeamten zu bescheren. Erst saßen wir nur so nebeneinander, bis er wie aus dem Nichts sagte, dass in diesem Raum sitzt ein Mädchen säße, das er mag. Ich dachte erst, ich hatte mich verhört, doch kurz bevor ich fragen wollte, fing er an zu erzählen. Es machte ihn wahnsinnig, dass er sich nie traut sie anzusprechen. Schön zu sehen, dass es selbst hier solche Kerle gibt.
Nach der Uni wollte ich wieder mit dem Bus nach Hause fahren, so wie gestern auch. Ging wunderbar! Diesmal nickte der Busfahrer einfach, als ich ihm meine Richtung sagte, also zwängte ich mich noch als letzte in den Bus rein und ab ging es – mit offenen Türen. Als er abkassieren wollte, fragte er mich nach der Richtung und schrie kurz danach „baja“ um dem Fahrer zu signalisieren, dass ich aussteigen muss. Da stand ich nun, mitten auf der Kreuzung um 22:30 Uhr. Also wartete ich noch ein paar Busse ab, die alle nicht in mein Viertel fuhren, aber niemand wollte mir sagen, wann der passende Bus endlich kommen würde, also ging es zu Fuß nach Hause. Dina hat mir dann gesagt, dass es ein sicheres Taxi gibt, was man einfach rufen kann. Bald gibt sie mir die Nummer, dann kann mir sowas nicht mehr passieren. Sie hat sie selbst von ihrer Uni bekommen, da dort 25% Austauschstudenten sind. Die Uni ist also deutlich besser darauf vorbereitet und die Studenten dementsprechend auch. Aber was soll’s! Hat sicher auch noch seine Vorteile, sobald man anfängt das Wesentliche zu verstehen. Trotzdem war ich recht froh, gestern die wenigen Lüneburger Studenten zufällig zu treffen, die in diesem Semester auch hier studieren. Sie waren gerade auf dem Weg zur Cafeteria und ich ging mit, da sie erfahren haben, dass wir als Austauschstudenten kostenlos essen dürfen. Nachdem wir in zwei Mensen falsch waren, führte uns jemand zu einem Raum, der von außen wie jeder andere Seminarraum der Universität aussah, doch kaum ging die Tür auf, kam ein wunderschönes Restaurant zum Vorschein. Wir fühlten uns plötzlich absolut unpassend gekleidet und waren äußert verwirrt. Überall saßen nur Professoren, dennoch wurden wir herzlich begrüßt und uns wurde direkt ein Tisch zugewiesen. Taschen und Jacken wurden uns abgenommen und die Servietten auf dem Schoß ausgebreitet. So langsam dämmerte es mir. Nicht umsonst studieren wir an der Fakultät für Kommunikationswissenschaften, Psychologie und Tourismus. Die Tourismusstudenten können in diesem Restaurant üben und wir können richtig gutes Essen genießen. Am Ende wurde noch unterschrieben und uns gesagt, dass wir jetzt jeden Tag hier ein 3-Gänge Menu inklusive Getränk kostenlos essen können. ¡Muy rico!

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Erste Unierfahrungen

Der Distrikt, in dem sich meine Uni befindet, Surquillo, grenzt direkt an meinen an, San Isidro, und aus diesem Grund bin ich in einer halben Stunde zu Fuß an der Universidad de San Martin de Porres. Schon auf dem Hinweg ist es auffällig, wie viele Kinder am Straßenrand sitzen und auf Kundschaft warten, denen sie die Schuhe putzen können. Außerdem sehe ich 5 Menschen, die in Arbeitskleidung im Brunnen sitzen und mit Besen das Wasser raus wischen – eventuell verstopft. Klopapier wird auch nicht in die Toilette geworfen, aus Angst vor Verstopfung. Deshalb befindet sich in meiner Uni gleich gar keins auf der Toilette. Also besorgen sich die Studenten zuerst Papier, was ursprünglich zum Händeabtrocknen gedacht ist, und nehmen das dann mit in die Kabine. Nun gut! Man passt sich an.
In der Uni angekommen, werde ich von Einigen neugierig beäugt. Die Stimmung ist freudig. Immerhin hat man sich nach einem Monat Semesterferien viel zu erzählen, doch kaum kommt der Prof rein, ist es ruhig. Später stellt sich heraus, dass das vor allem an seiner Ausstrahlung lag, die etwas einschüchternd ist. Ansonsten ist es doch wie bei uns, es wird auch während der Vorlesungen gequatscht. Als erstes wird die Anwesenheit jedes Einzelnen überprüft. Ich bin es ja gewohnt im Ausland gefragt zu werden, was ich für einen komischen Buchstaben in meinem Nachnamen habe, aber hier scheint es viel ungewöhnlicher, dass ich insgesamt nur zwei Namen habe, während alle Peruaner jeweils zwei Vor- und Nachnamen haben.
Da hier alles sehr verschult ist, muss mitgearbeitet werden, es werden Tests geschrieben und auch Vorträge und Anwesenheit werden bewertet. Das alles fließt mit den Klausuren im September und Ende November in die Endnote ein. Deshalb möchte ich das ganze auch ungerne Vorlesung nennen. Es herrscht striktes Handyverbot und eigentlich auch Verbot aller elektronischen Geräte, nur mein Diktiergerät hat noch niemand einkassiert. Das Gute an diesen Verboten ist, dass man freien Blick auf das Whiteboard hat und nicht an 50 Laptops vorbeischauen muss, auf denen überall Facebook geöffnet ist. Und versteckt in der Tasche ist ja eh alles viel aufregender. Ich fühle mich an meine Schulzeit zurück erinnert.
Nach der Stunde musste ich auf Grund meiner mangelnden Spanischkenntnisse erst einmal nachfragen, was er genau gesagt hat. Mit Händen und Füßen und wenig Englisch konnte mir eine Studentin helfen. Die übliche Frage, die dann immer kommt, wenn die Peruaner merken, wie wenig Spanisch man spricht, ist, warum man sich dann Peru ausgesucht hat? Nun um die Extreme und das Leben intensiver zu spüren, um eben solche (Sprach-)Barrieren zu überstehen um letztendlich daran zu wachsen. Doch sie wollte etwas ganz anderes wissen, ihre Frage überraschte mich, obwohl es mich im Nachhinein wenig wundert. Sie fragte, warum mich meine Eltern nach Peru geschickt haben. Auf meine verdutzte Antwort, dass ich das selbst entschieden habe, war sie erst einmal selbst überrascht. Hier wohnen die meisten Studenten noch bei ihren Eltern und Entscheidungen scheinen auch eher in Übereinstimmung mit der gesamten Familie getroffen zu werden. Alles hat seine Vor- und Nachteile.
Um 22 Uhr war meine letzte Vorlesung zu Ende. Dort wurde mir zum hundertsten Mal die Geschichte der Psychologie dargelegt, nur noch nie so amüsant. Aus Leipzig wurde Leipznig und aus Müller natürlich Muller. Alles gut! Wir würden peruanische Psychologen auch falsch aussprechen!
Müde ging ich nach meinem ersten Unitag nach Hause. Inzwischen sind drei geschafft und heute ging es tatsächlich schon etwas besser. Ich wurde sogar in beiden Kursen vom Prof vorgestellt und beide Male wurde gefragt, ob sich nicht ein Student aus dem jeweiligen Kurs um mich kümmern könnte. Auf die Frage hin, ob jemand Englisch spricht, hat sich niemand gemeldet, aber während des Seminars wurde mir viel von Kommilitonen geholfen und nach dem Unterricht kam mir eine Studentin hinterher gerannt und bot mir ihre Hilfe an, obwohl sie selbst meinte, dass sie dem Englischen eher nicht so gewachsen ist. Diese Aufmerksamkeit baut natürlich auf und macht Mut. Erneut eine positive Bilanz für die Herzlichkeit der Peruaner!

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