Monatsarchiv: Juli 2012

Laut. Chaotisch. Herzlich – Lima

Empfangen wurde ich durch ein freudiges Schild „Willkommen in Peru, Mia“, das von Astrids Mum hochgehalten wurde. Das Finden ging also schnell, dafür das Verstehen umso schwerer. Aber auf einigen Umwegen konnten wir das Wesentliche besprechen. Die Fahrt durch Lima machte mich wieder munter. Ich war bestens vorbereitet, auf die vielen Menschen, den Lärm und das Chaos, aber dennoch überraschte mich alles! Ein Casino reihte sich an das nächste, ich sah Häuser, die es so in Deutschland nie geben dürfte, mit langen Metallstäben, die aus dem Beton ragten und der Verkehr machte einem Angst. Da fahren deutsche Autos, wie sie im Heimatland vermutlich nie zum Einsatz kommen würden. Wenn man eine Lücke findet, einfach durch. Zur Not den Weg frei hupen. Auf Kreuzungen stehen alle Autos kreuz und quer. Je nachdem, wo noch Platz ist und gefahren wird eben auch, wenn der Weg kurz frei wird. Achso den Anschnallgurt auf dem Rücksitz habe ich auch vergebens gesucht. Das ist hier normal. Ins Taxi werden auch gern mal 5-6 Mitfahrer gesteckt. Das stört niemanden!
Bei der Wohnung angekommen, sah man nur einen großen schwarzen Zaun. Man konnte nicht dahinter blicken. Also wurde geklingelt und uns auch direkt die Tür geöffnet von einer der Vermieterinnen. Dass das so einwandfrei klappt, hätte ich nicht gedacht! Kaum die Sachen im Zimmer abgelegt, dass nur 2 Tage mir gehören soll, da mein eigentlichen noch nicht fertig renoviert ist, ging es gleich wieder los. Essen in einem für mich sehr amerikanischen Restaurant. Als wir geparkt haben, kam gleich jemand an, der meinte, dass er auf das Auto aufpasst. Essen konnte ich nichts mehr. Ein Blick auf die Uhr sagte mir, dass es in Deutschland 11 Uhr abends war und ich seit über 30h auf den Beinen war. Also wurde nur Inka Kola probiert – leider auch mir zu süß. Danach wurde eingekauft. Mir war inzwischen leicht schlecht, also nur H-Milch, Kellogg’s und Té Puro (leider Schwarztee, wie sich später heraus stellte) gekauft. Also ging es weiter mit der Handykarte. Alles übernommen von Astrids Eltern. Egal, was ich machen wollte um es zu zahlen, ich durfte nicht! An der Kasse waren 2 Leute vor uns und es dauerte eine gefühlte Ewigkeit. Das Band wurde per Hand gesteuert und dann packte die Kassiererin die Einkäufe auch noch für die Kunden in einzelne Tüten. Sowas dauert natürlich – schien aber niemanden zu stören. Eigentlich auch irgendwie erwartet, aber schockierend, wie ungeduldig man selbst dabei wird.
Zurück beim Auto wurde der Sicherheitsbeamte bezahlt und es ging zurück zur Wohnung. Ich bedankte mich zum gefühlt hundertsten Mal bei Astrids Eltern – kein Wunder, wenn man bedenkt, dass es auch eines der einzigen Wörter ist, die ich auf Spanisch kenne, und verabschiedete mich von ihnen.
In der WG wurde man direkt mit Küsschen begrüßt und alle, die da waren, unter anderem eine aus Deutschland, stellten sich vor. Ich war verwundert, dass schon so viele Menschen hier waren, obwohl die Unis normalerweise erst Mitte August beginnen. Später stellte sich heraus, dass wir erst 3 Leute hier sind und alle anderen noch vom vorigen Semester einige Wochen länger geblieben sind, weil es ihnen hier so gut gefiel. Bald sind sie dann weg und dann kommen neue, so dass wir insgesamt 21 Leute sind. Hauspartys sind aber wohl nicht mehr erlaubt, da das Haus komplett renoviert werden musste nach dem letzten Semester. Da habe ich mich doch gefragt, was mich in der ersten Nacht um Mitternacht so lautstark geweckt und an Bastis Partys erinnert hat. Aber sie meinte, dass war reines Vorglühen und keine Party – alles klar!

Am nächsten Montag um 7 Uhr aufgestanden. Den ganzen Tag nichts gemacht, außer gefühlte Stunden nach Besteck gesucht und auf warmes Wasser gewartet – heute leider nicht! Deshalb musste ich dann kurzum meine Haare mit lauwarmem Wasser waschen. Mit Gänsehaut bin ich aus der Dusche gestiegen, aber es zeigten sich erste Sonnenstrahlen und das im Winter. Die Vermieterin war auch schon ganz erstaunt. Dieser Winter wäre etwas besonderes, mit nur 70% Luftfeuchtigkeit, und Sonne. Die Wärme von 20° schien sie wohl eher nicht zu beeindrucken.
15 Uhr ging es mit Taxen los zu einem Restaurant um den Unabhängigkeitstag zu feiern. Dort haben wir dann die Familie der Vermieterin kennen gelernt und es gab Buffet. Viele peruanische Speisen, die ich nicht verstanden habe. Einige waren ganz lecker, andere eher gewöhnungsbedürftig. Die Franzosen, die schon ein Semester hier waren, zeigten uns, was sich lohnt und was eher nicht so – und zur Not: Salat geht immer und überall. Die Maiskörner hier sind doppelt so groß, wie bei uns und ich kam in den Genuss gleich mal 3 verschiedene Sorten Kartoffeln zu probieren. Genug über essen, sonst bekomme ich Hunger!
Weiter ging’s mit dem Bus zum Supermarkt. Alles ging so schnell. Ich wusste gar nicht, wie mir geschieht. Der Bus hielt, obwohl ich mir nicht mal da sicher bin, ich glaube er ist einfach nur langsam weiter gefahren, wir sind rein gesprungen und standen dann etwas geduckt, weil die Decke so niedrig war.  Dann wurden schnell 50 Cent rausgekramt und wieder aus dem Bus gesprungen. Wer nicht schnell genug ist, muss weiter fahren!
Im Supermarkt war der Pisco ausverkauft – eine Schande für die Peruaner! Was jetzt? Naja Havana Club für 7€ macht es zur Not auch! Weiter in das Haus der Vermieterin – alle eingequetscht in ein Großraumtaxi. Dina (die andere Deutsche) bekam ihre Beine nicht mal hinter den Sitz gequetscht, weil sie zu groß ist. Also ging eine erneute turbulente Fahrt los. Die Zeit, die sich die Peruaner beim Einkaufen sparen, möchten sie im Verkehr wieder gut machen, bekomme ich langsam das Gefühl. Geschwindigkeitsbegrenzungen bestehen lediglich in deinem Vordermann, der selbst nicht weiter kommt.
Das Haus von Chili (der Vermieterin) ist wahnsinnig groß! Selbst für deutsche Verhältnisse wunderschön eingerichtet, aber dennoch überall unverputzte Stellen und als ich dachte, so viele Umzugskartons kann ein Mensch doch gar nicht haben, hat sie uns erzählt, dass ihr Vater Autoteile verkauft und die hier lagert. Eine Treppe, die direkt aus dem Haus ins Freien führte, und dabei 2 Etagen miteinander verbindet, ist mit Teppich ausgelegt. Was ist wenn es regnet oder schneit? Sowas gibt es hier nicht! Skurril!
Geredet wurde den Abend über etwas Deutsch, viel Französisch und noch mehr Spanisch, da wir dank eines Peruaners immer dazu bewegt werden, alles auf Spanisch zu umschreiben – das übt ungemein. Als erstes lernt man natürlich die wesentlichen Wörter, wie betrunken, auf Ex und Kater kennen – erinnert mich an meine Anfangszeit in England. Das ist doch wirklich überall auf der Welt gleich, oder?!
Wieder in der Küche wurden Limetten in der Größe von Cherrytomaten ausgedrückt und mit Eiweiß und jeder Menge Alkohol in den Mixer getan. Schön süß, auch wenn ich das mit dem Eiweiß lieber nicht gesehen hätte.

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Über den großen Teich gekommen

Ich habe es geschafft! Ich bin in Lima angekommen. Bis dahin war es jedoch ein langer und steiniger Weg. Los ging es in Berlin – wir wollten mit dem ICE nach Frankfurt zum Flughafen. Anfänglich waren wir pünktlich, doch noch bevor wir Berlin verlassen hatten, kam die Durchsage, dass die Strecke zwischen Berlin und Wolfsburg gesperrt sei und wir deshalb einen Umweg über Magdeburg fahren müssten. Das bedeutete: 90-120 Minuten länger – also eine Ankunftszeit von 20:44 Uhr am Frankfurter Hauptbahnhof. 21:50 Uhr sollte mein Flug gehen. Panik machte sich breit! Als wir dann in Frankfurt waren, hatten wir glücklicherweise nur eine Verspätung von 80 Minuten. Trotzdem war der Weg zum Flughafen noch holprig und letztendlich stand nur noch eine Frau hinter dem Schalter und fragte, ob wir noch heute fliegen wollten. Na das hat gesessen! Natürlich noch heute, wann denn sonst?! Also hieß es schnell die nötigen Papiere raus zu kramen und dann den Koffer auf das Band zu hiefen. 20kg waren erlaubt, 26 hatte er. Anfänglich sah es so aus, als würde sie ihn einfach durchschieben, aber dann meinte sie auf einem Mal, ich hätte nur 20kg angemeldet und sie kann da keine Ausnahme machen. Nach kurzem Koffer öffnen und feststellen, dass keine Zeit mehr war, großartig zu sortieren und raus zu werfen, was in Peru nachgekauft werden könnte, wurde gezahlt. Inzwischen kamen schon drei Durchrufe, dass sich doch alle Passagiere vom Flug nach Santo Domingo bitte zum Gate begeben sollten. Das half ungemein – leider nicht! Nach einer ganz spontanen Verabschiedung von meinen Eltern, ging ich schnell durch die Passkontrolle, wo er mich dann noch ganz ausführlich zu meinem Ausweis befragen wollte, der 2007 geklaut wurde… Sooft geflogen seitdem und jetzt wird es auf einem Mal interessant? Gerade jetzt, im ungünstigsten Moment? Dann kam auch noch ein Kollege, der ganz dringend Redebedarf hatte. Ich trommelte ungeduldig auf den Tisch zwischen den Beiden, bis der andere sich endlich wieder meiner Akte zuwandte und mir meinen Pass wieder gab. Ich winkte noch kurz meinen Eltern zu und rannte durch Europas zweitgrößten Flughafen zum Gate. Dort angekommen, war das Handgepäck an der Reihe. Alles wunderbar – dachte ich! Doch nach dem Filzen wurde es noch einmal beim Abreißen der Bordkarten per Hand gewogen und ich wurde sofort zum Wiegen geschickt. Er drehte sich um und ich fing an, meinen Rucksack auszupacken – das Schwerste einfach raus, Rucksack wieder zu und rauf auf die Waage, aber dummerweise erkannte er mein Vorhaben und fragte mich, ob die Kamera auch meine wäre. Das konnte ich ja schlecht verneinen und grummelte leise „ja“. Daraufhin sagte er etwas, was ich wohl in dieser Situation am wenigsten erwartet hatte: „Das ist in Ordnung. Dann haben Sie eine Laptop- und eine Kameratasche separat.“ Daraufhin hob er meinen Rucksack erneut an und sagte, dass er jetzt vom Gewicht in Ordnung wäre. Na immerhin! Nach einem darauffolgenden Telefongespräch konnte ich mich etwas beruhigen und ging dann an Bord – nur leider ohne Ticket, da ich den kleinen Schnipsel wohl im Vorraum verloren hatte. Also sagte mir die Stewardess ich solle warten und als alle saßen, wurde mir erzählt, ich sollte gleich vorne in die Comfort Class – also rein in die 1. Klasse! Ich setzte mich und wurde gleich auf Spanisch von meinem Nachbarn angesprochen. Mit Händen und Füßen konnten wir uns ein wenig verständigen und später habe ich versucht ihm die Speisekarte zu übersetzen. Na das war ein Spaß! Dann wollte ich nur noch schlafen, aber wie sollte das gehen, wenn die Stewardessen jede Minute vorbei kommen um dir neuen Alkohol einzuschenken – ein hartes Leben. Beim Essen wäre mir mein Kopf dann auch beinahe auf das Tablett gekippt. Gegen halb eins war dann endlich das 3-Gänge-Menü verspeist und es hieß: Nachtruhe oder besser gesagt: Filme schauen – dabei schläft es sich ja bekanntlich eh am besten ein. Nur leider streikten meine Kopfhörer – Kabelbruch. So das war‘s – ich schlafe jetzt! Nach einer kurzen Nacht landeten wir in der Dominikanischen Republik. Beim Start 2h später durfte ich wieder in die 1. Klasse und durfte an einer verfrühten Weihnachtsfeier teilhaben. Santo Domingo leuchtet von oben wie eine wunderschöne Lichterkette – es war unglaublich romantisch! Dann sank ich erneut in den Schlaf, auf meiner Uhr war es 11 Uhr und es wollte einfach nicht hell werden. Das und die kalte Klimaanlage trugen noch zum Weihnachts-/Wintergefühl hinzu.

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