Sommer, Sonne, Sonnenschein (18. – 19.12.)

6 Stunden später (um 4:30 Uhr) stiegen wir in eine angenehme Wärme, aber absolute Finsternis in Canoa aus. Es wurde schon im Voraus erzählt, dass es an den Stränden am gefährlichsten sein sollte in Ecuador. Wir waren froh, dass wir zu dritt waren und hielten die Augen offen, denn das gesamte Dorf schien noch zu schlafen. Wir wussten, dass wir ins Hotel Bambu wollten, da es mehrmals empfohlen wurde und tatsächlich auch wunderschön war – direkt am Strand und mit jeder Menge Urwald im Garten. Wir hatten es also ziemlich schnell, aber nur durch Zufall entdeckt. Selbst um diese Uhrzeit öffnete man uns die Tür und es wurde gesagt, wie könnten in Hängematten vor der Rezeption schlafen, bevor diese öffnet. Um 8 Uhr machte ich die Augen auf, weil es immer lauter wurde. Es liefen lauter Menschen in Badezeug an uns vorbei – also erst einmal entspannt mit Strandausblick frühstücken und ab an den Strand.
Auf Grund des Wetters, der Ruhe und der Aussicht entschied ich mich länger zu bleiben. In meinem Dorm traf ich dann noch auf den Waliser aus Baños, der inzwischen den Cotopaxi hochgeklettert ist, eine Attraktion, die fast jeder mitmacht. Um 11 Uhr nachts geht es los, damit man bei Sonnenaufgang oben ist. Oben liegt auf 5.900m, was genau mein Problem war, aber er meinte der Gletscher wäre atemberaubend, besonders weil unten noch das rote Gestein der Lava zu finden ist.

Während Julia und ich Crêpes aßen, kam Rebecca gerade von ihrer Surfstunde wieder. Ihr Surflehrer und sein Kumpel laden uns auf zwei lokaltypische Cocktails ein, nachdem mir der Surflehrer sagen wollte, Pisco Sour wäre das Nationalgetränk. Es reicht wohl, wenn sich Peru und Chile um dieses Getränk streiten.
Kurz danach begann die Happy Hour und Julia und ich gingen mit zwei weiteren Cocktails an den Strand um uns den Sonnenuntergang über dem Meer anzuschauen. Rebecca musste weiter an ihrer Masterthesis arbeiten, da sie bis zum darauffolgenden Tag eine Zusammenfassung an ihren Prof schicken musste. Sie studiert Gesundheit und da ein Professor von ihr in Kolumbien im selben Schwerpunkt wie sie recherchiert, durfte sie für fünf Monate mit ihm an der Uni in Medellin arbeiten. Julia hingegen war zum reisen und zur Selbstfindung hier. Sie hatte nach der Schule ein bisschen gejobbt und reist jetzt drei Monate durch Kolumbien, Ecuador und Costa Rica.
Wir saßen also nur zu zweit am Strand und sahen den Surfern dabei zu, wie sie die größten Wellen des Tages ritten und gingen dann zurück ins Hostel um etwas zu essen. Danach waren wir todmüde. Ich unterhielt mich noch kurz mit zwei Deutschen, die auch morgen mit dem Nachtbus zurück nach Quito wollten und mit einem Schweizer und einem Ecuadorianer, der seit 10 Jahren in der Schweiz lebt und nur Schweizerdeutsch sprach, Billard spielten.

Der nächste Tag bestand auch nur aus Strand, schwimmen, essen und entspannen. Eine Surfstunde kam noch hinzu, die aber nicht ganz so glimpflich ablief. Ich kam auf dem Board nicht zum stehen, da ich den Sprung, den er uns gezeigt hatte, nicht hinbekam. Mein Surflehrer meinte dann, dass ich mir mal meine Freunde anschauen sollte, da sie das auch hinbekämen und ich müsste das doch auch unbedingt schaffen, damit ich das meinem Freund in Deutschland zeigen könne. Nur um dann gleich die Frage dran zu hängen, ob ich denn einen hätte. Klar! Einen richtig tollen…Das sage ich jetzt immer, ändert aber leider auch nicht so viel. Dafür stuckte uns die nächste Welle einmal komplett unter und mein Ellenbogen landete mit voller Wucht in seinem Gesicht. Ihm ging es danach merkwürdigerweise unverändert prächtig, mein Ellenbogen hingegen tat verdammt weh. Ansonsten war es schon cool, als die Welle einen ergriff, auch wenn ich nur auf dem Brett kniete. Außerdem war es Sandstrand, also konnte nicht so viel passieren.
Nach einer halben Stunde war dann trotzdem Schluss bei mir. Eine Welle kam und haute mir das Brett mit voller Wucht von unten gegen das Kinn. Ich spürte nur einen höllischen Schmerz und tastete danach schnell alle meine Zähne ab – nichts wackelte, aber ich schmeckte Blut und meine Zunge fing an anzuschwellen, da ich mir bei dem Stoß wohl ein klitzekleines Stück Zunge mit abgebissen hatte. Der Surflehrer zählte mir gerade auf, was ich alles falsch gemacht hatte, wollte dann aber unbedingt genauer sehen, was passiert war. Nachdem er mir beim Surfen schon zu nah gekommen war, drehte ich mich jetzt einfach um, sagte es wäre nur Blut und ging ins Hotel zurück. Dort traf ich dann auf die zwei anderen Deutschen, die mit ihrem Kater von letzter Nacht zu kämpfen hatten und erzählte ihnen, was passiert war. Daraufhin gab es erst einmal etwas Eis zum Kühlen serviert in einer Plastiktüte, da mein Kiefer schon blau anlief.
Ich redete dann mit den Mädels über meinen Surflehrer und darüber, wie die Kerle gestern noch versuchten mich zu überzeugen, dass sie gar nicht so schlimm wären. Einer meinte, der Tourismus auf den Galapagosinseln wäre mit 30 Jahren der älteste in Ecuador, an den Stränden wäre er wohl nur 10 Jahre alt. Davon kannten die Männer hier nur ihre Frauen und sind deshalb noch immer so begeistert von ausländischen, für sie exotische Frauen. Diese Erklärung sollte den Zoo erklären. Daraufhin fügte er noch hinzu, dass sein Ziel inzwischen nur wäre, sich nach zwei gescheiterten Ehen nicht noch einmal scheiden zu lassen. Sie wollten mir noch weiß machen, dass peruanische Kerle schlimmer wären, aber wie sagt man so schön: Getroffene Hunde bellen!
Als sie später wieder ins Restaurant kamen, traute der eine sich nicht einmal mehr in meine Nähe und schickte Julia rüber um sich das Geld für den Boardverleih zu holen. Er bedankte und entschuldigte sich dann schüchtern aus der Ferne.
Ich blieb dann bei den deutschen Mädels, die beide einen Freiwilligendienst in Ecuador machten, eine im Dschungel in einer Tierrettungsstation, die andere in Quito im Kindergarten.
Später gingen wir noch ein letztes Mal an den Strand und liefen bis zu den nahen Steilküsten. Auf dem Weg dahin gab es wahnsinnig viele Muscheln und leider auch kleine Miniquallen, eine davon erwischte mich dann noch ungünstig am Fuß, was ziemlich weh brannte – unlucky day! Auf dem Weg zurück mussten wir viel durch Wasser waten, da die Flut immer stärker wurde. Zur Mittagszeit lief man gefühlte Stunden um knietief im Meer zu stehen und sah die Häuser am Strand nur noch in Puppenhausgröße, sobald man sich umdrehte, und abends kam es unglaublich nah.
Wieder zurück im Hostel saßen wie zu fünft zusammen und genossen die Cocktail Happy Hour, bis wir drei Deutschen uns zum „Busbahnhof“ aufmachten, also an die Straßenecke vor der Apotheke, wo man auch die Tickets kauft. Es kamen noch einige Leute hinzu, unter anderem ein Portugiese, der in Berlin promoviert und gerade Deutsch lernt. Nach zwei Wochen in Ecuador war sein Spanisch allerdings besser als sein Deutsch nach einigen Monaten. Naja wie die Peruaner schon meinten – Portugiesisch wäre für sie wie Schweizerdeutsch für uns.
Die Busfahrt selbst war ziemlich angenehm, da ich zwei Plätze für mich hatte. In Quito fuhren wie zu dritt im Taxi zu Pias Wohnung, wo sie und ich ausstiegen und noch über eine Stunde im Wohnzimmer der Freiwilligen-WG saßen, Tee tranken, uns unterhielten und ich mir deutsche Klatschzeitschriften anschaute, die Pias Mutter ihr regelmäßig schickt.
Als es gegen 5:30 Uhr langsam heller wurde, bedankte ich mich bei ihr und machte mich auf den Weg zum Hotel. Nach kurzem Umpacken ging es dann weiter zum Busbahnhof, wo ich passend zum 1. Bus, der nach Mindo fuhr, ankam, der angenehm leer war. Direkt neben dem Busoffice lag eine Touristeninformation, in der ich mich nach günstigen Hotels und Attraktionen erkundigte. Mir blieb leider nur ein Tag, da ich mir den Samstag in Quito freihalten wollte.

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Hoch hinaus – mit der Seilbahn über Quito schweben

Nachdem ich mir am nächsten Morgen ein gemütliches Frühstück im Bett gegönnt habe, suchte ich anschließend vergeblich nach einem Taxifahrer, der mich für einen guten Preis zum Kondorenpark bringen würde. 11 Dollar wären es insgesamt geworden, so dass ich mich dagegen entschied und mich auf den Weg nach Quito machte. Selbst Sonntag waren die Metrobusse wahnsinnig voll, so dass ich lieber früher ausstieg und den Rest zu Fuß ging.
Den restlichen Tag verbrachte ich damit, ein wenig am Laptop zu arbeiten, bis ich zwei Mädels fragte, ob sie schon auf dem Teleferiqo waren, eine Seilbahn, die einen auf 4.100m Höhe über Quito bringt. Da eine von beiden noch nicht wahr, verabredeten wir uns für den darauffolgenden Tag. Kurz daraufhin schlossen sich noch zwei weitere Mädels an. Am nächsten Morgen waren wir dann zu fünft – hatte sich wohl inzwischen rumgesprochen. Eine Dänin schloss sich noch an, da sie das letzte Mal nicht viel mehr als Nebel und Wolken gesehen hatte. So waren wir 2 Kanadierinnen, eine Dänin, eine Schweizerin und eine Deutsche.
Erst wurde uns gesagt, dass man in Ecuador nicht zu fünft in ein Taxi einsteigen könnte, so wie in Peru und wohl auch in Kolumbien. Da wir alle Mädchen waren, klappte es allerdings natürlich schon beim ersten Taxifahrer.
Die Aussicht über Quito war schon schön, wenn auch anfangs etwas bewölkt. Wir gingen dann noch weiter auf den Berg hinauf, der eine noch schönere Aussicht versprach. Nach kurzem fing aber eine Kanadierin an zu schwächeln, da ihr die Höhe zu stark zu setzte, die Dänin „verloren“ wir dann weiter oben, auf Grund von Rückenproblemen durch einen Autounfall vor 4 Jahren. So waren es nur noch drei – Schweiz, Kanada und Deutschland.
Auf dem Weg nach oben beschlossen wir heute Nacht gemeinsam an den Strand zu fahren. Ich wollte den nächsten Nachtbus gleich wieder zurück nehmen, also nur einen Tag bleiben. Die beiden wollten einige Tage länger verweilen.
Als wir dann an dem Teil des Berges ankamen, ab dem es nur noch steil bergauf ging, trafen wir ein paar Einheimische, die dort gerade ihre Pause genossen. Sie meinten, es lohne sich nicht weiter hoch zu gehen. Wir entschieden uns dann letztendlich auch dagegen auf Grund von Mangel an Essen, wobei uns die Einheimischen ein wenig Brot abgaben, aber es klang einfach verlockender zum Chinesen zu fahren, als weitere drei Stunden bergan zu laufen. Also fuhren wir, kaum unten angekommen, mit einem Taxi auf die von überall sichtbare und über Quito wachende Engelsstatue – wahnsinnig groß und so wie alles, in Weihnachtsschmuck gehüllt. Unser Taxi, das uns versprochen hatte zu warten, fuhr dann an uns vorbei wieder runter. Es war aber kein Problem, da genug Taxen kamen. Die Bustickets konnten wir problemlos kaufen, obwohl selbst Ecuadorianer meinten, dass man diese, wenn man an den Strand fahren wollte, lieber im Voraus kaufen sollte, da die meisten Reisenden Weihnachten und Silvester dort verbrachten.
Zurück im Hostel wurde noch das übrig gebliebene Frühstück vertilgt, Filme geguckt und ich habe den Blog aktualisiert, wobei das immer schwieriger wurde, je mehr Leute online kamen, so dass dann alle auf mich warten mussten um das Taxi zu bestellen, weil noch fünf Fotos hochgeladen werden mussten. Dann ging es im eiskalten Bus aber endlich los.

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Einer der größten Märkte Südamerikas

Als ich um 7 Uhr abends in dem kleinen Städtchen Otavalo ankam, waren noch einige Leute auf den Straßen und die Geschäfte geöffnet. Ich war extrem müde und entschied nach ein paar Einkäufen ins Bett zu gehen. Am nächsten Morgen ging es dann früh hoch und ab zum Tiermarkt, da dieser nur von 6-10 Uhr geöffnet hatte und man früh kommen sollte, weil sonst vermutlich schon alle Tiere verkauft wurden.
Nun als ich vor die Tür trat, bauten schon alle fleißig ihre Stände auf für einer der größten und bekanntesten Märkte in Südamerika. Ich schlängelte mich also durch die Stände und Menschen, die schwere Kisten und Tüten durch die Straßen trugen, und kam letztendlich an einer Kreuzung an. Ich merkte sofort, dass ich mein Ziel wohl erreicht hatte, als ich lautes Schweinegrunzen hörte. Doch das Grunzen wurde schnell zum lautesten Quieken was ich je gehört habe. Die Schweine wurden nur so über die Straße geschleift und wenn sie nicht wollten, stand immer noch jemand dahinter und schlug dem Schwein auf das Hinterteil. Also für überzeugte Tierschützer ist der Markt sicherlich nichts und auch für mich war es grenzwertig. Meerschweinchen wurden ausgesucht, als würde man durch eine Perlenkiste wühlen. Interessiert hat auch nur, wie groß es war(um zu wissen, für wie viele Personen man es zubereiten kann) bzw. das Geschlecht, damit man zu Hause eigene züchten kann. Hunde gab es auch, einige frei rumlaufend, einige an Leinen und die meisten in Kisten oder Käfigen eingequetscht.
Ich habe mir gerade die Hasen angeschaut, mit die einzigen Tiere, die tatsächlich mit Liebe aus dem Käfig gehoben wurden, da kam einer an mir vorbeigerannt und schmiss eine Katze in einen Käfig, die erst einmal wild im Kreis herum lief. Er griff sie und band sie am Hals an einen Gitterstab, kurz danach kam ein schwarzes Kätzchen hinzu, voll süß suchte es erst einmal den Schutz bei der älteren Katze, bis es sich verschreckt in eine Ecke zurück zog. Das wurde mir dann doch zu viel, also sah ich den Schweinen weiter beim Kämpfen zu. Ein Schwein kostete 85 Dollar, ein anderes 60, wobei ich die Unterschiede nicht ganz sehen konnte, alle ziemlich hässlich meiner Meinung nach, aber einige scheinen sich besser als Beschützer zu eignen als die Hunde, die sie dort verkauften.
Ich lief weiter und befand mich inmitten einer Herde Kühe. Dort wurde es mir allerdings schnell zu unangenehm, so dass ich zurück zu den kleineren Tieren ging. Alles wurde behandelt, als wäre es schon längst tot, die Meerschweinchen quietschten nur so rum, irgendwann versuchten sie sich tot zu stellen bis sie sich dann wieder aus der Hand winden wollten. Das alles ließ die Indigenen dort ziemlich kalt, weil sie eh gleich gegessen werden. Interessant war es dennoch!
Nach einer halben Stunde war ich dann aber auch wieder froh, auf dem allgemeinen Markt zu sein und dort gab es wirklich alles, aber irgendwie auch immer wieder das Gleiche. Nach einigen Stunden herumlaufen und einige Sachen kaufen, fand ich die Touristeninformation. Ich wollte raus aus der Stadt und dem Trubel und rein in die Natur. An einem Stand habe ich mich länger mit einer Verkäuferin unterhalten, die meinte, ich solle zum Wasserfall gehen und danach zu ihr zurückkehren und ihr erzählen, wie er mir gefallen hat. Außerdem hat sie mich gefragt, wann die Menschen in Deutschland so heiraten. Das war nicht das erste Mal, dass mir die Frage hier gestellt wurde. Das scheint alle brennend zu interessieren. Naja ich meine immer, das man heiratet, wenn man sich gefunden hat, aber dass das auch immer seltener wird, habe ich zumindest das Gefühl. Bei uns verdienen ja eben auch meistens beide, Frau und Mann, was ja hier immer noch die Seltenheit ist, zumindest auf dem Land. Dementsprechend sind wir als Frauen auch glücklicherweise nicht mehr so an den Mann gebunden, wie die Frauen hier. Sie meinte auch, dass es hier einige schlechte Männer gibt, wohl mehr als in Europa, und dass ich mir einen guten Mann in Deutschland aussuchen soll, der sich kümmert und nett ist. Sie zählte noch einige andere Sachen auf, die zeigen, wie schwer es ist, hier so jemanden zu finden. Sie selbst meinte, dass die Frauen den Männern hier nicht trauen. Ist wohl besser so, auch wenn ich das nicht ganz glauben kann, vielleicht haben sie aber eben auch einfach keine andere Wahl.
Außerdem hat sie mir erzählt, dass momentan weniger Touristen unterwegs wären und tatsächlich bin ich recht wenigen begegnet. Die meisten kommen natürlich im Sommer her. Dementsprechend war ich auch das Ziel eines jeden Verkäufers und hatte ziemlich schnell die Schnauze voll, obwohl es schon interessant war die ganzen indigenen Menschen zu beobachten. Die Frauen hatten wunderschöne weiße Kleider mit Blumenstickereien an, einen bunten Gürtel um die Taille gebunden und trugen spezielle halboffene Schuhe. Wahnsinn übrigens was die an Gewicht teilweise auf ihren Rücken mit einem riesigen Tuch festbinden. Damit bewegen sie sich dann nur noch gebückt über die Straßen.
Außerdem kam ich an einem Mann vorbei, der englische Lernbücher für Kinder verkaufte und die CD laut durch die Straße schallen lies. Da ich eh gerade auf Rückgeld wartete, hatte ich dadurch gleich eine gratis Spanischlektion. Ich fand das Ganze recht amüsant und blieb noch eine Weile stehen, er winkte mir dann irgendwann zu und grinste. Er kann sicher schon perfekt alle Früchte auf Englisch aufsagen, so oft wie er sich das schon anhören musste.
So auf jeden Fall habe ich mir in der Touristeninformation den Weg zum Wasserfall sagen lassen und bin dann erst einmal Essen gegangen inkl. schönen Blicks über die Plaza. Nachdem ich meine Sachen ins Hostel gebracht hatte, ging es weiter den Bahngleisen entlang bis zum Wasserfall. Ich hatte mich davor noch erkundigt, ob auch wirklich keine Züge mehr fahren, damit ich nicht überrollt werde. Es lachten noch alle in der Touristeninfo über meine Frage und jetzt weiß ich warum. Teilweise waren die Gleise schon so überwachsen mit Gras oder der Boden unter den Gleisen weggebrochen, so dass man sich an diesen Stellen gar nicht so Sicher war, ob man noch auf den Gleisen lief. Also da fuhr seit Jahrzehnten wohl kein Zug mehr.
Der Wasserfall war eingebettet in einem hübschen Park, in dem es kleine Piscinas gab, in denen die einheimischen Kinder badeten oder eben ein Fluss, in den sich die Jugendlichen gegenseitig schubsten.
Danach wollte ich zum Kondorenpark, änderte aber spontan meine Meinung, auf Grund zu hoher Taxipreise und nahm den Bus in Richtung Lagune San Pedro. Erst stieg ich in einen, der aber gar nicht zur Lagune fuhr, sondern mich noch ein Stück laufen lassen wollte, mir dann aber das Geld wieder gab und mir einen anderen Bus empfohl, doch der Busfahrer unterhielt sich noch etwas mit mir und fragte, wo ich herkam. Danach fragte er mich, ob ich Hiteler kennen würde. Ich fragte, wen? Naja ist der nicht Deutscher? Kurzes Nachdenken, achso Hitler? Nee der bleibt schön Österreicher! Ich habe ja in einem früheren Bericht gesagt, dass man hier nicht gleich als Nazi verurteilt wird, wenn die Leute erfahren, dass man aus Deutschland kommt, was ja auch stimmt. Vielmehr kommen Bemerkungen, wie „ach wie schön!“. Trotzdem ist dieses gefährliche Halbwissen hier teilweise echt schockierend. Freunde haben mir schon gesagt, dass sie öfter den Spruch: „Heil Hitler“ zu hören bekommen, sobald sie erzählen, wo sie her kommen und dann erst einmal erklären müssen, dass man das schon lange nicht mehr benutzen sollte. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass die Leute hier auch nur denken, Hitler war eine berühmte deutsche Persönlichkeit…
Angekommen im Dorf, wurde ich gleich mit einem Weihnachtskonzert unter strahlendem Sonnenschein begrüßt. Ich zog immer mehr aus und die Kinder sangen in warmen Wintermänteln. Danach ging ich runter zur Lagune und wurde mit einem herrlichen Ausblick belohnt, Boote, die in einem kleinen Fluss gemütlich auf und ab schaukelten und die Lagune mit der inzwischen recht tief hängenden Sonne.

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Höhenangst und Fiesta in der Altstadt

Ich war endlos müde, aber es war so kalt und eng im Bus, dass ich immer wieder wach wurde. Um 6:30 Uhr wurde ich dann von einer Frau geweckt, die gerade an mir vorbei ging um mir zu sagen, dass wir in Quito wären. Also versuchte ich schnell zum Metrobus und damit ins Hostel zu kommen. Dummerweise war es Rush Hour und die Schlangen endlos. Ich wusste gar nicht, welchen Bus ich nehmen musste und das mit Koffer und Rucksack und allem. Also fragte ich zweimal nach und beim zweiten Mal bekam ich Priorität und durfte schon in den noch wartenden Bus einsteigen. Als wir dann an der Schlange hielten und die Türen aufgingen, sprinteten die Leute nur so rein und auf die noch freien Plätze. Das große Schubsen ging los. Der Bus war voll und fuhr an den nächsten Stationen nur vorbei ohne zu halten. Überall wo er hielt und die Türen öffnete, strömten mehr Menschen rein als gingen und selbst die Security, die immer wieder nachdrückten, damit zumindest die Türen schließen könnten, hatten wenig Erfolg. So standen wir teilweise 5 Minuten an einer Station und nichts bewegte sich, weil sich die Leute in die Türen hängten. Ich fragte mich, warum nicht einfach mehr Busse fahren könnten, damit das Problem nicht auftritt, oder wenn das der Fall ist, warum die Menschen sich dann so an einem Bus festbeißen und nicht einfach schnell aus- und einsteigen, so dass der nächste kommen kann. Naja so war es dann auch, dass ich an meiner Station natürlich nicht rauskam, aber immerhin an der nächsten, da die Leute an den Eingängen unter keinen Umständen kurz aussteigen würden, um andere Leute von weiter hinten raus zu lassen, denn damit würden sie eventuell das Risiko eingehen, gar nicht mehr in den Bus zurück zu kommen. Also einiges läuft da dramatisch schief.
Ich war noch nie so froh, im Hostel anzukommen und dann wurde sich noch entschuldigt, dass ich noch bis um 12 Uhr warten muss um einchecken zu können. Ich nutzte die Chance um noch ein wenig im Internet zu surfen und dabei zu frühstücken, bevor es zurück in die Altstadt ging, um die Sachen anzuschauen, die ich an meinem ersten Wochenende in Quito nicht mehr geschafft hatte. Unter anderem ging ich auf die Basilika, was mich einige Nerven kostete, da ich die höchsten Aussichtspunkte nur über Leitern erreichen konnte, durch die man direkt auf den Boden schaute, der mir etwas zu weit entfernt war, aber wie immer machte die Aussicht alles wett. Man konnte oben ins Uhrenwerk reinschauen und die Kirchenfenster aus der Nähe betrachten.
Dann zog der Himmel wieder zu und es fing kurzzeitig an zu nieseln. Daraufhin kam auch schon wieder die Sonne und es entstand ein wunderschöner Regenbogen. Zudem begann gerade auf dem Platz eine kleine Feier mit einigen maskierten Menschen und einer ziemlich großen Band. Irgendwie wird in diesem Land, egal wo man hinkommt, einfach immer gefeiert! Danach ging es wieder zu der Pizzeria, wo ich knapp zwei Wochen vorher mit den Kolumbianerinnen saß. Zurück sortierte ich Fotos, unterhielt mich mit meinen Zimmerpartnern und ging dann früh ins Bett. Ich schwor mir auszuschlafen, was aber in einem Gemeinschaftszimmer nicht immer unbedingt leicht ist. Um 3 Uhr nachts kamen die betrunkenen Engländer wieder, die leider erst einmal lautstark den Abend und die Mädchen, die sie getroffen hatten, Revue passieren lassen mussten. Manchmal wäre es doch einfach besser, die Menschen nicht zu verstehen! Die beiden Engländer haben einen Kumpel im Nachbarzimmer, der auch Englisch spricht, zumindest habe ich das vermutet, aber der hat so einen starken Akzent, dass ich ihn beim besten Willen nicht verstehe! Naja immerhin haben sich die beiden Betrunkenen am nächsten Morgen entschuldigt, ich habe mich wohl oft genug geräuspert, so dass sie irgendwann mitbekommen haben, dass der Rest des Zimmers mithört und eventuell lieber schlafen will. Um 7 Uhr ist dann der Deutsche aufgestanden um seinen Bus zu kriegen. Er studiert in Kolumbien und meinte, dass nach meiner Beschreibung Bogota Lima ziemlich ähnlich zu sein scheint. Er nutzt jetzt seine Semesterferien zum reisen und studiert dann noch ein weiteres Semester. 2h später stand dann der Amerikaner auf, der seinen Flug nach Hause kriegen musste, da er seit Mai über ein Programm der USA in Ecuador arbeitet und jetzt über Weihnachten seine Familie das erste Mal wiedersieht. Immerhin bleibt er noch bis Sommer 2014. Danach konnte ich Durchschlafen und ärgerte noch etwas die beiden Engländer, da ich meine Sachen packen und auschecken musste, so dass sie eine Minute, nachdem es kein Frühstück mehr gab wach wurden. Den Tag lies ich ruhig angehen. Ich entschied mich in einen nahgelegenen empfohlenen Shop vorbei zu schauen und danach endlich einmal Musik aus Peru auszusortieren und zu suchen, solange ich noch Internet habe. Dann ging es zum Mittagessen zu Pizza Hut und weiter nach Otavalo.

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Cuenca – edle Stadt im Süden (11./12.12.)

Wieder am Beginn meines Loops, in Latacunga, ging es 5 Minuten später weiter nach Ambato, wo ich die wahrscheinlich fettigsten Pommes meines Lebens aß, bevor ich mich in den Bus nach Cuenca setzte. 5 Uhr früh kamen wir an und ich ließ mich von einem Taxi direkt in ein Hotel fahren, dass vom Lonely Planet sehr gut beschrieben wurde: 7 Dollar die Nacht, voller Pflanzen und Gemälde, die an Dali erinnern, also wie gemacht für mich.
Als ich vor der Tür stand, war der Preis aber auf einem Mal 20 Dollar die Nacht. Nun es war zu spät um ich anders zu entscheiden, also fragte ich nur nach, ob Frühstück und W-lan mit inbegriffen waren und nahm das Zimmer. Später jedoch versuchte ich noch den Preis runterzuhandeln, da die Nacht nun fast vorbei war. Er ließ jedoch nicht mit sich reden und so hatte ich 4 Stunden Schlaf, bevor es Frühstück gab. Ich ging im Schlabberlook runter und wurde von einem Servierer im Anzug begrüßt, der absolute Butler-James-Look. Man fühlte ich mich fehl am Platz, aber irgendwie auch mal interessant, so eine Erfahrung zu machen. Kurz danach kam auf jeden Fall der Besitzer, auch im Anzug, und fragte mich, welchen Preis ich mir so vorstellte. Im Endeffekt zahlte ich 30 Dollar für zwei Nächte und bekam dafür am nächsten Morgen kein Frühstück, was gar kein Problem war, da ich sowieso in einen Nationalpark wollte und dafür schon um 6 Uhr los musste.
Den Tag verbrachte ich in der Stadt und ich muss sagen, dass der Lonely Planet nicht umsonst geschrieben hat, dass sich die Stadt mit Quito ein Gefecht in Sachen Schönheit liefert, nur dass Quito mehr Stil hat, meiner Meinung nach, da es nicht ganz so teuer wirkt. Cuenca erinnert mich ungemein an eine europäische Stadt. Es war kein Problem den ganzen Tag mit einer Spiegelreflexkamera herumzulaufen ohne komisch angeguckt zu werden, dementsprechend waren die Preise in den Geschäften auch umso höher. Dafür waren Eintritte zu den touristischen Einrichtungen meist sogar kostenlos!
Es gab ein unglaublich gut eingerichtetes Museum für moderne ecuadorianische Kunst, stark beeinflusst von der europäischen meiner Meinung nach, aber super interessant. Dafür haben sie von mir direkt auch eine Spende bekommen. Sowas muss erhalten werden! Danach ging ich zu einem Haus, dass sich „Prohibido Museo de Arte Extremo“ nannte. Nun es war schon von außen mit ziemlich dunkler Graffiti besprüht und drinnen wartete Gothikkunst vom Feinsten auf mich. Echt krass eingerichtet alles! Es gab einige interessante Sachen zu entdecken und ich unterhielt mich noch ein wenig mit der Frau. Ihr Mann hatte die Idee zu all dem gehabt, was ich mir schon gedacht hatte, denn sie sah ganz normal aus, während er eben eine Seite seiner Haare abrasiert hatte, was hier einfach unglaublich selten zu sehen ist! Sie meinte auch, dass ihre beiden Söhne, die inzwischen auch schon 25 Jahre alt waren ziemlich verschieden aufgewachsen sind, als die anderen in der Umgebung, denn die Familie lebt auch in dem Haus. Am Wochenende finden immer Konzerte statt und bezahlt wird mit Süßigkeiten für bedürftige Kinder. Auf jeden Fall ist es mal etwas ganz anderes, so etwas in Südamerika zu finden.
Weiter ging es in das empfohlene Panamahut-Geschäft Barranco. Ecuador ist das Land, in dem die ersten Panamahüte hergestellt wurden und dann eben für die Arbeiter am Panamakanal exportiert wurden, daher stammt der Name. Cuenca ist auch heutzutage einer der größten Exporteure für diese Kopfbedeckung. Das Geschäft war gleichzeitig auch ein Museum und zeigte die Herstellung der Hüte. Durch Hitze und Eisenformen werden die Hüte in ihre bekannte Form gebracht. Dort waren sie in allen möglichen Formen und Farben ausgestellt. Ich kaufte mir später auch noch einen in rot, wo mir eben auch die Herkunft des Namens erklärt wurde.

Am nächsten Morgen ging es also früh hoch und knapp vor Abfahrt schaffte ich auch noch den Bus zum Nationalpark. Erneut ging es in extreme Höhen und es wurde kälter draußen, doch noch schlimmer waren die Wolken die von überall herzogen. Wir befanden uns zwischenzeitlich mitten im Nebel, dann über den Wolken und so wechselte es ständig, was mir Angst mache, da ich alleine laufen würde und man sich im Nebel ja schon gerne mal verirren kann.
Mit mir stiegen dann allerdings noch einige andere Wanderer aus und wir registrierten uns alle an der Station. Im Endeffekt lief ich den 4h Rundweg mit zwei Hannoveranern und wir tauschten einige Reiseerfahrungen über Ecuador aus, was recht interessant war.
Nachdem wir glücklicherweise ohne Nebel heraus kamen, leider auch ohne Sonne, fing es kurz vor Ende an zu regnen. Der Bus, der nur wahllos alle 20 Minuten fahren sollte, kam glücklicherweise sofort und brachte uns zurück nach Cuenca. Ich kam inzwischen schon mit den Städtenamen durcheinander, was wohl ganz normal ist, wenn man in jeder Stadt nur 1-2 Tage verbringt. Am selbigen Abend ging es dann auch direkt mit dem Nachtbus zurück nach Quito, was wohl ein Fehler war, denn dieses wenige Schlafen tat meiner noch nicht ganz gesund gepflegten Verdauung gar nicht gut! Naja mit Tabletten übersteht man alles und ab Quito habe ich mir etwas mehr Ruhe gegönnt.
Nach dem Nationalpark wollte ich eigentlich gleich weiter zu einem Wasserfall, doch die dunklen Wolken und meine Müdigkeit hielten mich ab. Erst gestern Abend im Hotel hatte ich mich gewundert, warum jemand um 10 Uhr abends anfängt Staub zu saugen, doch als ich aus meinem Zimmer ging, bemerkte ich, dass das das Prasseln des Regens auf das Glasdach war und zwar so stark, wie ich es seit einigen Monaten nicht mehr hatte. Also war es eine weise Entscheidung einfach nur den Laptop zu greifen und mich in ein warmes Restaurant zu setzen. Im Endeffekt verbrachte ich meinen gesamten Nachmittag und Abend dort. Es gab super gutes Essen, ich hatte Internet, es war eine angenehme Stimmung und abends gab es noch zwei alkoholische Getränke für Frauen gratis. Die Serviererin meinte, dass ich sie an eine ihrer Freundinnen erinnere und sagte mir am Ende noch, dass sie morgen dasselbe Angebot wieder hätten. Super freundlich! Dann bestellte mir „James“ ein Taxi zum Hotel, was mich zum Busbahnhof brachte. Er gab mir noch ein paar Sicherheitstipps und dann ging es endlich los nach Quito.

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Mittendrin im indigenen Leben (Quilotoa-Loop) (09./10.12.)

Als ich am Busbahnhof von Ambato ankam, wurde ich gleich gefragt, wohin ich weiter fahren möchte, da Ambato eigentlich nur als Dreh- und Angelpunkt gesehen wird, doch ich wollte die Nacht lieber dort verbringen, da es ja inzwischen auch schon 20 Uhr und dunkel war. Ich suchte mir dann ein Hotel, was aber merkwürdigerweise voll war, also musste ich ein paar Blocks weiterlaufen. Eine Nacht im Hotel Paris verbracht und am nächsten Morgen gleich weiter um den Quilotoa-Loop zu beginnen.
Der Loop selbst ist ein Kreis aus Städten, in denen sich noch unglaublich viele indigene Menschen befinden, man sozusagen ein ganz anderes Ecuador kennen lernt. Ich begann meine Reise direkt an der Lagune Quilotoa, die wohl vom ganzen Loop am bekanntesten ist. Ein Vulkankrater, in dem inzwischen ein großer See liegt. Nachdem wir eine Stunde im Bus saßen, ohne dass etwas passiert ist, weil es dem Busfahrer wohl noch zu wenig Menschen waren um los zu fahren, ging es dann aber in die Höhe und die Kälte. Die Menschen draußen schienen, je mehr wir an Höhe gewannen, immer mehr Kleidung zu tragen und sobald die Tür aufging, zog es kalt rein. Ich hatte viel zu wenig Kleidung mit um mich warm einzupacken, aber ich habe es kein Stück bereut. Durch das schnelle Laufen wurde mir warm genug und das Gewicht meines Rucksacks reichte aus, um am Ende des Tages völlig verspannt zu sein.
Glücklicherweise hatte ich im Bus zwei Kanadier aus Quebec getroffen, die von ihrem Hostel genaue Anweisungen auf Englisch bekommen haben, wie man Laufen muss und dazu noch eine hilfreiche Karte. Ich schrieb und fotografierte alles ab und ohne diese Infos, wäre ich wohl nie irgendwo angekommen. Auf dem Hinweisschild an der Lagune stand, dass man nicht in Gruppen unter 4 Leute laufen, nicht mehr nach 1:30pm aufbrechen sollte und doch mit Guide laufen soll. Ich wusste jedoch schon von 2 Amerikanern, die die Tour gemacht haben, dass sich die Einheimischen damit nur etwas dazu verdienen wollen. Sie selbst haben 7h für die Tour gebraucht, für die 4-6h geplant sind, weil sie sich so oft verlaufen haben. Ich erhoffte mir bessere Chancen, da es inzwischen auch schon um 2 Uhr nachmittags war. Also beeilte ich mich und befand mich ziemlich schnell vor einer Auswahl von Wegen, ich wollte dem Gefühl nach oben an der Lagune entlang, aber dann kam mir ein türkisches Pärchen entgegen, was mir sagte, dass es dort nirgendwo einen Wegweiser in ein Dorf gegeben hat und sie haben die Lagune einmal umrundet. Also nahm ich doch den Weg nach unten.
Kurz danach kam ein bettelndes Kind allein an und wollte mein Essen oder Geld haben. Ich ging weiter, immer weiter runter, bis ich merkte, dass ich nur an ein Haus kam und schließlich holten mich Kind und Vater ein um mir den Weg zu zeigen. Oben angekommen, ich völlig außer Puste, meinte der Vater, dass er mich bis ins Dorf bringen könnte, weil noch viele Wegabtrennungen kommen werden, aber ich meinte nur, dass ich es schon finden werde und habe mich bedankt. Danach folgte ich meiner Intuition und kam gut voran, aber kaum sahen mich Einheimische, kamen sie gleich angerannt um sich als Führer anzubieten. An einer Kreuzung fragte ich noch einmal eine Frau und ab dort fand ich den Weg ohne Probleme. Trotzdem wurde ich auf halben Weg noch von einer Indigenen gefragt, ob ich ihr nicht meine Cola haben könnte (250ml – ja nicht nur die Menschen in Ecuador sind besonders klein, auch die Colaflaschen – inzwischen fast leer). Das kam mir sehr spanisch vor. Sie blieb dann noch lange stehen und schaute mir hinterher.
Im Endeffekt habe ich mich zweimal richtig verlaufen und dennoch nur 4h gebraucht, so dass ich kurz vor Dämmerung am Hostal ankam. Dort traf ich auf zwei Australier, die kein Wort Spanisch sprachen und auch erst vor knapp einer Woche in Ecuador angekommen waren. Dementsprechend berichteten sie mir, wie sie schon über den Tisch gezogen wurden, weil die Einheimischen eben sofort merken, dass die beiden kein Spanisch können und dementsprechend auch nicht vernünftig die Preise runterhandeln bzw. diskutieren können. Leider wussten sie auch noch nicht viel von den hiesigen Regeln, so einigten sie sich mit dem Taxifahrer sie für 25 Dollar zur Lagune zu bringen und abends wieder abzuholen. Nicht nur, dass der Preis wahnsinnig hoch ist, selbst für Ecuador, sondern auch, dass sie gleich am Anfang alles bezahlt haben, so dass der Taxifahrer abends natürlich nicht wieder gekommen ist, weil er das Geld ja eh schon hatte. Naja so lernt man eben mit der Zeit und Erfahrung.
Ich habe dann für uns alle geregelt, dass wir am nächsten Morgen kein Frühstück, sondern Lunchpakete bekommen, wofür sie sich endlos bedankt haben, weil sie davor ewig mit dem Wörterbuch am Tisch saßen und versucht haben die spanischen Wörter heraus zu suchen um das zu klären. Die an der Rezeption waren auch froh, dass ich genug Spanisch konnte um mich zu verständigen, was das Ganze für alle Seiten erleichterte. Dafür habe ich dann etwas Sonnencreme von den Jungs bekommen, da ich meine vergessen hatte.

Um 5:30 Uhr klingelte mein Wecker und um 6 ging ich in der Dämmerung los, da mein Plan war heute gleich zwei Wege zu schaffen, einen wohl sehr schönen und den zweiten um zum Bus zu kommen. Leider hatte ich die Rechnung mal wieder ohne die Wegfindungsprobleme gemacht und zusätzlich kamen noch unglaublich viele aggressive Hunde hinzu, die mich oft wieder zurück trieben und es ewig dauerte, bis die Besitzer auf meine Rufe reagierten und ihre Hunde ins Haus holten. Es kam mir so vor, als wären mehr Hunde als Menschen unterwegs und als würde ich mich permanent auf privaten Besitz befinden, welchen der Hund ja nun gerade beschützen soll.
Einmal war ich mir so sicher, auf dem richtigen Weg zu sein, da stand ich auf einem Mal vor Stacheldrahtzaun. Nach einigem Überlegen, entschloss ich mich, meinen Rucksack rüber zu heben und rollte mich selbst unten drunter durch. Ging alles ohne Probleme, aber danach wurde die Angst umso größer, gleich zerfleischt zu werden. Ich traf auf eine Kuh, die mitten auf dem Weg stand und dem Besitzer des Landes, der mir sagte, dass ich auf dem richtigen Weg war. Die Frage, warum er mir diesen dann absichtlich versperrt, sparte ich mir.
Diesmal bot sich niemand als Führer an, nur einmal, als ich dreimal hin und her lief, weil alle in entgegengesetzte Richtungen zeigten, und ich mich letztendlich erschöpft auf eine Wiese setzte, half mir ein Einwohner, den ich auf Grund seiner letzten drei vorhandenen Zähne im Mund leider nicht verstehen konnte, den Weg zu finden.

So kam ich erst 11:30 Uhr in Itsilivi, meinem Zwischenstopp an, wobei der Bus am Zielhalt schon 13:30 Uhr fahren sollte. Ich fragte also gleich im ersten Shop nach, ob auch ein Bus von hier aus fahren würde und war unglaublich erleichtert, als sie meinten, dass einer gegen 3 Uhr nachmittags fahren würde. Ich konnte einfach nicht mehr weiter laufen, der Rücken tat weh und die Angst steckte noch immer in den Knochen. Außerdem hatte ich meinen schönsten Weg ja eh schon geschafft. Da machte es mir auch nichts aus, noch einige Stunden in einem Dorf zu sitzen, dass nur aus zwei Shops und einer Schule bestand. Eine Frau bat mich in ihren Shop, wir unterhielten uns und ich nutzte die Zeit um endlich meine Ketten aus Huancayo fertig zu machen. Das war wohl das merkwürdigste Bild für die Einheimischen, das sie je gesehen haben, zumindest wirkte es so. Alle, die den Shop betraten, blieben erst mal stehen um zu schauen, dass die Europäerin ja die Arbeiten macht, die sie sonst eigentlich nur von ihrer eigenen Bevölkerung kennen und womit sie auch eine Menge Geld verdienen. Ich wurde gefragt, wer mir das gezeigt hat und lange Zeit beobachtet.
Inzwischen habe ich jetzt beide Ketten fertig und den Bus habe ich auch bekommen, wäre ja auch zu schade, wo hätte ich in diesem Dorf nur schlafen sollen, wo es doch noch nicht einmal Mittagessen gab?!
In den Bus einzusteigen, erwies sich als relativ schwierig. Dieser war voller Einheimischer und alle hatten ihre Kisten und Kartons auf dem Boden zu stehen, weshalb hinten auch alles frei war. Da ich bis zur Endstation fahren musste, entschied ich mich über alles rüber steigen, wobei ich solche Angst hatte, wieder auf ein Huhn zu treten. Während der Fahrt stand eine indigene Frau auf und schlug einen Jungen mit ihrer Zeitung, weil sich die Gruppe wohl irgendwie über ihren Karton lustig gemacht hat. Ich kam mir vor wie im Kindergarten, aber genau wusste ich auch nicht, worum es ging.

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2012 in review

Da mich Statistiken ja selbst immer so begeistern, dachte ich, dass ich euch die nette Zusammenfassung über das Jahr 2012 nicht vorenthalten sollte 😉
In diesem Sinne vielen Dank für die fleißigen Leser und Fotogucker! Ich hoffe bald wieder Zeit zu finden, meine neuen Erlebnisse zu teilen!

Hier ist ein Auszug:

600 Personen haben 2012 den Gipfel des Mount Everest erreicht. Dieser Blog hat 2012 über 9.600 Aufrufe bekommen. Hätte jede Person, die den Gipfel des Mount Everest erreicht hat, diesen Blog aufgerufen, würde es 16 Jahre dauern, um so viele Aufrufe zu erhalten.

Klicke hier um den vollständigen Bericht zu sehen.

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Baños – Endlich wieder Fahrrad fahren (05.12. – 08.12.12)

Baños ist klein, aber fein! Man fühlt sich sofort sicher. Darauf wird wohl auch sehr viel wert gelegt, weil der Tourismus eine wichtige Einnahmequelle ist und diesen möchte man sich natürlich unter allen Umständen bewahren.
Überall gibt es Hostels und vieles steht auf Englisch geschrieben. An jeder Ecke kann man Quads, Fahrräder und Motorräder leihen. Es werden Mountainbiketouren, Canopy, Bungy Jumping (hier puenting genannt von puente = Brücke) angeboten und die Möglichkeit Wasserfälle hinauf zu klettern. Ansonsten eignet sich Baños gut zum wandern und entspannen. Nicht umsonst trägt die Stadt den Namen „Bäder“, denn es besitzt zwei Schwefelbäder.
Meinen ersten Tag wollte ich langsam angehen und guckte mich erst einmal um. Es gab unglaublich schöne Kirchen, ich durfte das berüchtigte Toffee probieren, aber das war selbst mir zu süß, obwohl ich Toffee so liebe. Später ging ich in ein Restaurant, dass vom Lonely Planet empfohlen wurde, das Casa Hood. Dort laufen jeden Tag ab 4:30pm Filme, die nichts kosten und man währenddessen ganz in Ruhe essen kann. Heute kam Gandhi, der echt gut war! Da er aber über drei Stunden ging, bin ich danach nur noch auf die Plaza, die weihnachtlich geschmückt war. Dort lächelte mich ein Mädchen an, was auch allein da war und fragte mich dann, ob sie ein Foto von mir machen sollte. Wir kamen ins Gespräch und merkten dann bald, dass wir beide aus Deutschland kamen. Sarah machte hier einen Sprachkurs bevor sie dann für 10 Monate auf eine Insel in die Nähe von Guyaquil geht um dort freiwillig zu arbeiten, ohne Dusche und Toilette. Meinen Respekt hat sie!
Wir schauten uns noch eine Weile das Geschehen an, es gab Lifemusik und das typische ecuadorianische Getränk, Canelazo, mit Zimt und Alkohol, wobei es den auch ohne Alkohol gibt, und unterhielten uns ein wenig über die Männer- und Frauenrollen in Ecuador und Peru, nun vermutlich trifft es mehr oder weniger auf ganz Südamerika zu.
Wir verabredeten uns dann für den nächsten Tag zu einer Fahrradtour entlang von Wasserfällen. Ich brachte noch schnell meine Wäsche in die Wäscherei und los ging es. Für 5 Dollar pro Tag leihten wir uns unser Fahrrad aus und fuhren die Straße runter. Nach einer Weile meinte Sarah, dass mein Hinterrad merkwürdig schlenkert, als wär es nicht richtig fest. Naja Augen zu und durch! Schon bald kamen wir an den ersten Wasserfällen vorbei, inklusive der Möglichkeit Canopy zu machen. Dabei ist eine Schnur über eine Schlucht gespannt, auf der man rüber rutschen kann zur anderen Seite, befestigt an ein paar Seilen. Man kann es im Liegen, Sitzen und Kopfüber machen. Wir entschieden uns nach einer geschlagenen Stunde Risiken abwägen dazu, das Ganze im Sitzen zu machen. Während ich Sarah noch am Anfang gut zu redete, drehte ich fast durch kurz bevor es los ging. Wir standen wortwörtlich vor dem Abgrund und hingen nur in ein paar Seilen. Sarah meinte nur, Augen zu und dann erst wieder aufmachen, wenn wir von dem Absprungteil weg sind. Nachdem ich fast soweit war, alles wieder abzublasen, ging es dann einfach irgendwann los. Am Anfang guckte ich immer nur Sarah an um Mut zu fassen, dann betrachtete ich die Landschaft und es begann sogar Spaß zu machen, wenn man so an den Wasserfällen vorbei zieht. Auf der anderen Seite mussten wir hochlaufen und dann ging es wieder zurück, diesmal allerdings alleine. Inzwischen war die Angst nicht mehr ganz so groß!
Drüben angekommen zitterten unsere Beine und wir guckten noch ein paar anderen zu, bevor wir uns wieder auf den Weg machten. Wir fuhren dann noch in einer Bahn runter zu weiteren Wasserfällen, liefen zu anderen, bis wir dann kurz vor 6 Uhr mit dem letzten Bus wieder zurück fuhren. 20km hatten wir geschafft, auf Grund der vielen Pausen. Es ging auch die ganze Zeit an der Straße entlang und einen Tunnel mussten wir sogar durchfahren. Es war ein einspuriger Tunnel und hinter uns fuhr die ganze Zeit ein Bus, der nicht vorbei kam, was für ein unangenehmes Gefühl! Der Weg zurück erfolgte viel mehr in einem Laster als einem Bus. Wir saßen hinten mit unseren Fahrrädern auf einer Holzbank und konnten die Autos hinter uns beobachten, da das Verdeck offen war.
Wieder in Baños gingen wir erst einmal ordentlich essen, natürlich wieder im Casa Hood, nachdem wir die Bilder untereinander ausgetauscht hatten.
Wir hatten ein interessantes Gespräch über Schwaben in Berlin, da sie selbst vor kurzem in Berlin war und ihr eben gesagt wurde, dass die Berliner kein allzu gutes Bild von Schwaben haben. Ich habe ihr erklärt warum, böse Mieten-in-die-Höhe-Treiber, aber eben auch gesagt, dass Berliner einfach auch das Bild haben, dass nur wer dort geboren ist, auch ein echter Berliner ist und dem Rest doch eher intolerant gegenüber stehen. Sie meinte, dass man das gar nicht so erwartet, weil Berlin immer so offen und entspannt nach außen hin wirkt, weshalb es wohl auch so viele Kleinstädter dorthin zieht. Naja es gibt ja auch durchaus sehr offene, die das Ganze nicht so eng sehen und eben einfach dorthin wandern, wo die Mieten noch einigermaßen passabel sind. Es war auf jeden Fall ein sehr interessanter Abend! Gut, das Ganze auch mal so ausführlich von der Seite der Kleinstädter berichtet zu bekommen.
Am nächsten Tag machte ich mich dann alleine auf den Weg zu einigen Aussichtspunkten über Baños. Das zeigte mir erst, wie klein die Stadt tatsächlich war. Ich ging weiter zu einem kleinen Dorf, in dem nichts außer ein paar Häuser standen, aber von dort hatte ich einen grandiosen Blick auf den Vulkan, der alle halbe Jahre mal aktiv ist und Lava spuckt. Als ich ankam, war er noch völlig in Wolken gehüllt und es sah auch nicht so aus, als würde sich da noch großartig etwas ändern, aber tatsächlich verzogen sich die Wolken nach ca. 1 oder 2 Stunden warten, in der ich weiter Postkarten schrieb. Danach ließ ich mir von einem Ecuadorianer, der gerade zu seiner Kuh wollte, den Weg zu einem weiteren Aussichtspunkt zeigen. Als wir dort standen, fragte er mich, warum ich nicht unten bei den Festivitäten wäre. Und erst jetzt hörte ich die Musik, die von der Parade, die durch die Stadt zog, nach oben hallte. Ich bedankte mich also und hetzte schnell den Weg runter um zumindest noch ein wenig der Parade mitzubekommen. Sarah hatte mir davon erzählt, meinte aber sie würde später beginnen, aber wer hält sich hier schon an Zeiten?!
In einer Stunde stand ich dann also in der Masse und machte tausende Fotos. Es war einfach wunderschön, die Kostüme und auch der Mix aus traditionell und modern. Es wurden die Frauen, die zur Misswahl ausgewählt wurden, herumkutschiert und schmeißten mit Süßigkeiten umher. Alles tanzte, von jung bis alt. Viele Farben und ich durfte sogar noch so eine Art Zuckerrohr probieren. Zum Ende hin holte mich Sarah mit rüber zu ihrer Gastfamilie. Wir gingen danach noch zu ihr und machten uns fertig um in die Piscina zu gehen. Inzwischen war es dunkel und es waren hauptsächlich Ecuadorianer dort. Es gab drei Becken. Wir entschieden uns für das mittlere. Man konnte da drin locker laufen, was klar ist, da in Südamerika wenige Menschen schwimmen lernen.
Nach einer Weile wollte ich raus, weil es mir zu kalt wurde, und das andere Becken ausprobieren und tatsächlich war dieses viel wärmer. Später erfuhren wir, dass es 45°C hatte. Das ging wieder völlig auf den Kreislauf und mein Sonnenbrand litt auch ganz schön, aber es war wunderbar! Wir waren wohl wirklich die einzigen Ausländer, denn immer wenn wir uns unterhielten, wurden wir ununterbrochen beobachtet. Irgendwann wurden wir auch von allen Seiten gefragt, wo wir herkämen und wie uns Ecuador gefiele etc.
Danach war ich ziemlich müde und froh ins Bett zu kommen. Gegen 3 Uhr nachts wurde ich unsanft geweckt, als meine Zimmerkameraden besoffen zurück kamen. Einer aus Liverpool, einer aus Wales und eine aus Australien. Der Engländer hatte sich wohl eine Pizza Hawaii bestellt gehabt und den Schinken aussortiert. Irgendjemand hat sich darüber lustig gemacht und da der Engländer schon betrunken war, wollte er sich mit demjenigen prügeln. Darüber machten sich die beiden anderen jetzt unglaublich lustig. Irgendwann rastete der Engländer aus und meinte, dass sie verdammte Rassisten wären und nur weil er Jude wäre, würden sie so über ihn herziehen. Naja rassistisch war das eigentlich nicht, denn sie machten hauptsächlich Witze über Fleisch. Die Australierin meinte dann auch, warum er nicht einfach mitlachen würde, er sähe die ganze Sache viel zu ernst.
Irgendwann war Ruhe und ich schlief wieder ein, aber eine halbe Stunde später fing der Engländer an, wahllos und extra laut Sachen in seinen Rucksack zu packen. Ich stand dann irgendwann auf um zu gucken, ob er meine Wertsachen da gelassen hatte und er guckte mich nur an und meinte in abfälligen Ton: Was machst du da? Daraufhin hätte ich so anfangen können diesen Typen fertig zu machen, wie kindisch er doch wäre und dass er sich mal zusammen reißen solle und jetzt nicht so alberne Sachen abziehen solle, aber ich dachte mir genau aus diesen Gründen, dass er viel zu kindisch ist um zu begreifen was ich ihm sagen will und auch zu sensibel um das wirklich nachzuvollziehen. Außerdem hatte ich kein Interesse mir um 4 Uhr nachts eine einzufangen von irgendeinem besoffenen Britten. Also sagte ich nur, dass das meine Sachen wären und ging wieder ins Bett. Daraufhin ging er endlich aus dem Raum, ließ aber die Tür offen und telefonierte davor lautstark. Ich schloss dann die Tür und irgendwann war er dann endgültig weg. Am nächsten Morgen erfuhren wir dann den Rest. Er hatte einen Zettel an der Rezeption hinterlassen, wo drauf steht, dass er nicht bezahlen wird, weil wir wohl alle rassistische Witze gemacht hätten. Daraufhin erklärte ich denen erst einmal, worum es in den Witzen ging, dass sie null rassistisch waren und dass er einfach unglaublich betrunken war! Er hatte in seinem Wahn dummerweise auch meine Akkus für die Kamera mitgenommen, mein Ladegerät habe ich zumindest noch auf dem Fensterbrett gefunden, aber leider etwas geschrottet. Daraufhin habe ich ihm einen freundlichen Brief geschrieben, dass er mir das doch bitte ersetzt, wenn er wieder kommen sollte, immerhin hat er auch einen seiner Schuhe vergessen und die Schlüssel vom Hotel besitzt er auch noch immer! Was ein Freak!
Der Tag begann also recht turbulent. Das Wetter bestätigte das. Es stürmte und nieselte die ganze Zeit über. Ich wollte mir aber eh einen entspannten Tag machen und ein paar Dinge erledigen. Nachdem ich jetzt seit längerer Zeit Probleme mit meinem Magen hatte, ging es erst einmal zum Arzt. Hätte ich wohl nicht gemacht, wenn mir nicht einige gesagt hätten, dass es hier oft vorkommt, dass Leute Parasiten und Würmer kriegen auf Grund der doch recht unterschiedlichen Bakterien im Vergleich zu Europa. Ich bekam dann einen Zettel mit ein paar Begriffen und Kreuzen drauf. Das sagte mir gar nichts und sie meinte, ich müsste das von einem Arzt interpretieren lassen. Nur dieser dürfte mir ein Rezept ausstellen für die Apotheke. Ich hätte sie bestechen können, entschied mich aber dazu, es einfach so bei einer Apotheke zu probieren und ich hatte Glück, es war zufällig gerade eine Chemikerin da, die den Zettel nahm und erst einmal nicht schlecht staunte. Ich fragte dann, was los wäre, verstand aber natürlich nichts von dem, was sie mir an Krankheiten auf Spanisch an den Kopf warf. Ein Mann übersetzte es dann so: Kreuze bedeuten nichts Gutes und du hast viele Kreuze! Naja ich sag es mal so, die, die Würmer hatte, hat zwei Tabletten bekommen und alles war wieder gut, ich habe jetzt 14 Stück! Vielleicht ganz gut, dass ich gegangen bin.
Ansonsten gab es an dem Tag eigentlich „nur“ noch ein paar Skypegespräche dann ging es weiter nach Ambato, um am nächsten Morgen den Quilotoa-Loop zu beginnen.

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Einmal Großstadt[und]dschungel (01.12.-05.12.12)

So endlich mal wieder eine Nachricht von mir! Ich bin gut in Ecuador angekommen! Am letzten Tag habe ich meinen Koffer gepackt und ich dachte, das würde schnell gehen, nur leider hat sich innerhalb der vier Monate doch viel angesammelt. Nun musste ich die Hälfte in Lima lassen und mein Koffer lässt sich dennoch kaum schließen. Am Flughafen kam dann die Überraschung, 24kg. Nun, inzwischen bin ich am Suchen nach verschiedenen Möglichkeiten das gute Gepäck nach Deutschland zu transportieren oder zumindest nach Brasilien. Von dort komme ich ja kostenlos mit 2 Koffern, je 32kg weg. Aber genug davon!
Ich wurde von Astrid und ihren Eltern zum Flughafen gebracht, das war schon ein komisches Gefühl. Ich war unglaublich aufgewühlt und aufgeregt, auf Grund der Ungewissheit vor dem, was mich erwartet. Am Schalter meinte sie noch, sie hätte keine Tickets für mich, aber nach einiger Zeit hatten wir das auch geklärt und somit saß ich dann kurze Zeit später im Flugzeug, umringt von einem Mexikaner und einer Ecuadorianerin, die in Buenos Aires studiert und nach einem Jahr jetzt in den Semesterferien endlich ihre Familie wiedersieht. Somit hatte ich eine unterhaltsame Hinfahrt. Sie erzählte viel von Quito und zeigte mir Plätze, die ich unbedingt besuchen musste. Wir verabredeten uns dann gleich, mal etwas zusammen zu unternehmen. Während des Fluges musste ich so an meine Anreise nach Lima denken und innerlich lächeln, weil ich damals neben einem aus der Dominikanischen Republik saß und fast nichts verstanden hatte und mich diesmal recht gut verständigen konnte.
In Quito kamen wir dann pünktlich nach Mitternacht an, nur waren die Systeme der Immigrationskontrollen ausgefallen, so dass wir die nächsten anderthalb Stunden damit verbrachten, zu warten. Da einige wohl schon drei Stunden in der Schlange standen, fingen sie an, zu klatschen und zu rufen, weil sie verständlicherweise endlich weiter wollten. Ich fand das ganze Geschehen recht amüsant.
Als wir durch alle Kontrollen durch waren, wurde ich direkt zum Hostel gebracht und selbst bei Nacht machte Quito schon einen deutlich freundlicheren Eindruck auf mich als Lima (naja, schwer ist das sicher nicht). Noch schnell online Bescheid gesagt, dass ich lebe und danach draußen im Gang schnell das Nötigste rausgeholt, um meine Zimmerpartner nicht zu stören, umgezogen und ab ins Bett.
Beim Frühstücken habe ich direkt einen Kanadier kennen gelernt, der sich gerade auf seine Reise nach Kolumbien vorbereitete und damit schon einen Monat in Ecuador gereist war. Sein eigentlicher Plan war Peru gewesen, aber ihm wurde erzählt, dass sich das Land nicht lohnt und die Frauen dort auch nicht so schön sind. Nun ja, er hatte eine andere Vorstellung vom Reisen, Städte faszinierten ihn mehr als Landschaft und dementsprechend war es eventuell die richtige Entscheidung Kolumbien vorzuziehen. Er gab mir noch einige Tipps für Quito und so machte ich mich auf den Weg.
Die Stadt ist atemberaubend schön und so unglaublich gut organisiert! Es gibt tatsächlich eingezeichnete Buslinien in den Karten, was mich in der Touristeninformation staunen ließ.
Nach einigem Rumlaufen stand ich vor einer Kirche als ich jemanden „Maria“ rufen hörte. Nun ich stand vor einer Kirche mitten in Quito, also warum sollte ich mich angesprochen fühlen? Erst als ich eine Hand auf meiner Schulter spürte, drehte ich mich um, es war der Mexikaner. Wir machten noch ein Foto, besichtigten die Kirche und tauschten E-Mailadressen aus.
Später fuhr ich auf einen Aussichtsturm, der eigentlich ein teures Restaurant ist. Rauf ging es in einem richtig alten Aufzug inklusiver Chauffeur. Oben fragte ich dann zwei Mädchen, ob sie ein Foto von mir machen könnten und so kamen wir ins Gespräch. Es waren zwei Kolumbianerinnen, die durch Südamerika reisen wollten. Wir gingen dann gemeinsam Pizza essen, was deutlich günstiger war, als auf dem Aussichtspunkt.
Abends überraschte mich dann der Kanadier, indem er in mein Zimmer kam und meinte, er wolle jetzt in die Stadt und sich die Feste zur Unabhängigkeitsfeier anschauen. Also machte ich mich schnell fertig und wir fuhren in die Altstadt. Dummerweise waren keine Menschen anzutreffen, bis auf zwei Polizisten, die sich extra für die Festtage in lange Mäntel gekleidet hatten. Wir fragten sie, machten unser Foto mit ihnen und zogen weiter. Auf der Plaza trafen wir auf ein Brautpaar und da wir nichts Besseres zu tun hatten, machten wir auch noch ein Foto mit ihnen. Später kamen wir dann endlich zu einem Konzert, fünf Minuten später hörte die Musik auf und die Masse löste sich auf. Wir hatten auch einfach ein Glück. Eine Straße weiter wurde die Party allerdings fortgesetzt, also aßen wir ein wenig und hörten dazu Livemusik. Ich hab Canelazo probiert, ein typisches ecuadorianisches Getränk, das gerade zu den Unabhängigkeitstagen getrunken wird, nur wusste ich nicht, dass dieses Alkohol beinhaltet. Zimt ist auch mit drin, den hat man aber kaum heraus geschmeckt. Es erinnerte einfach ungemein an Eierpunsch, also an Weihnachtsmarkt. Dabei fühlt es sich jedes Mal falsch an, wenn ich das Datum aufschreiben muss, da es doch noch viel zu warm ist.
Am nächsten Morgen wachte ich dann 10 vor 10 auf. Die vier Jungs in meinem Zimmer waren schon längst am Filme schauen und ich hatte nur noch 10 Minuten zum frühstücken. Also musste ich in Schlafklamotten raus und schnell den Rest, den es noch gab, frühstücken. Auf dem Weg dahin begegnete ich dem Kanadier erneut, der gestern noch in einen Club ist, während ich davor ins Hostel bin, aber morgens schon vor mir wach war und meinte, sie würden gleich los zur Parade. Ich meinte nur, ich würde dann nachkommen. Nachdem ich mich geduscht hatte und mindestens eine Stunde auf der Suche nach einer Bank war, was an einem Sonntag gar nicht so leicht ist, denn im Gegensatz zu Peru, haben die Geschäfte in Ecuador an Sonntagen wohl alle geschlossen. Daran muss man sich erst mal wieder gewöhnen.
Kurz vor 12 Uhr war ich dann fertig mit Auschecken und auf einem Mal lief mir der Kanadier wieder über dem Weg, immer noch am Planen seiner Kolumbienreise. Wir schauten uns an und meinten beide, dass sich die Parade dann wohl erledigt hat, nicht dass wir wieder ankommen und alles schon vorbei ist, wie am Abend zuvor.
So machte ich mir einen gemütlichen Sonntag im Park in der Neustadt Quitos und beobachtete die Familien, die Boot fuhren oder einfach nur rumsaßen. Es gab einige Aufführungen von Straßenkünstlern, viele Gemälde zu begutachten und einige Märkte. Auf einem dieser Märkte wurden Geldstücke und –scheine verkauft. Ich bin nur vorbei, da hat er mich gleich angesprochen und gefragt, wo ich her komme. Als er hörte, dass ich aus Deutschland bin, kramte er gleich seine Schätze raus. So kam es, dass ich das erste Mal in meinem Leben einen 1000 Reichsmarkschein in der Hand hielt und das in Ecuador. Die Dinger sind aber auch groß und inzwischen 30 Dollar wert, nicht dass ich wüsste, was sie mal wert waren.
Ein Blick auf die Uhr verriet mir, dass es Zeit war zum Hostel zurück zu kehren um meine Sachen zu holen, da ich noch heute in Tena, einer Stadt im Dschungel, ankommen wollte. 16 Uhr wollte ich den Bus nehmen, eine halbe Stunde vorher war ich noch im Hostel und erfuhr, dass man wohl 2 Stunden mit den Öffentlichen zur Bushaltestelle bräuchte. Ich beschloss trotzdem einfach einzusteigen und lieber den Blick aus dem Fenster zu genießen als den auf die Uhr. Weise Entscheidung, da an mir eine wunderbare Stadt vorbeizog und wir schon nach einer Stunde ankamen, so dass ich den Bus um 17 Uhr schaffte.
Die Buspreise sind hier deutlich günstiger als in Peru. Da die Strecken meistens kürzer sind, können sie die Reise auch ungemütlicher und ohne WC im Bus anbieten. Neben mir saß eine ältere Dame, die in Quito soziale Arbeit studiert und momentan in Tena arbeitet. Da sie noch immer in Quito wohnt, pendelt sie jedes Wochenende. Ich war neben zwei anderen die einzige Touristin, so dass wir um 10 Uhr nachts zu dritt am Busbahnhof in Tena standen und überlegten, welches Hotel wir nehmen wollten. Im Endeffekt entschieden wir uns für eins in der Nähe. Leider hatte ich keine Dusche und musste dann in das Doppelzimmer der beiden anderen um zu mindestens kalt duschen zu können. Die Frau im Hostel meinte, da wir im Dschungel sind, braucht man kein warmes Wasser. In dem Moment wunderte ich mich noch, weil ich es gar nicht als so warm empfand, eine halbe Stunde verstand ich ihre Aussage. Trotzdem ziehe ich warme Duschen vor.
Wir standen noch kurz draußen und unterhielten uns. Die beiden anderen, vermutlich ein Pärchen, er Portugiese und sie Ecuadorianerin, wollten am nächsten Tag auf eigene Faust weiter in den Dschungel. Ich hatte eine Tour geplant, aber dummerweise waren am nächsten Morgen alle Touranbieter geschlossen, so dass ich den gesamten Vormittag herumlief und überlegte, was ich machen könnte. Im Hostel versuchten sie den Anbieter zu erreichen, aber niemand nahm ab, bis ich mich von ihnen überzeugen ließ, nach Misahualli zu fahren, weil ich von dort billigere Touren kriegen würde, da es tiefer im Dschungel war. Wir gingen also gemeinsam zum Busbahnhof, erst wollte er einen Dollar für die Fahrt, aber als er sah, dass ich in Begleitung eines Einheimischen war, ging er mit dem Preis runter. Ich sollte vorne sitzen. Später kam noch eine andere hinzu, die wegen ihres kurzen Rockes auch vorne sitzen durfte. Das war eine krasse Situation, die sich aber inzwischen immer häufiger wiederholt hat. Frauen in knapper Kleidung oder eben Europäerinnen sitzen vorne neben dem Busfahrer und dem Geldeinsammler. Nicht immer die angenehmste Situation!
Ich war dann froh, als wir in Misahualli ankamen, wollte aber gleich wieder zurück, weil ich sofort alle Blicke auf mich zog. Ich lenkte mich dann durch die Affen ab, die überall über die Plaza liefen und fragte danach bei Touranbietern nach. Doch da ich allein war, wollte mir niemand etwas anbieten, bis ich an eine Französin gelangte, die mir das Angebot machte, in eine Lodge zu fahren, dort zu übernachten und am nächsten Tag die traditionellen Arbeiten der Quechua-Frau kennen lernen zu dürfen. Da das genau der Grund war, warum ich nochmal in den Dschungel wollte, stimmte ich zu. Den Tag über wollte ich aber noch in Misahualli verbringen. Sie meinte, ein Auto würde mich zu dem Wasserfall bringen, wo ich unbedingt hinwollte, und dass dieses in drei Minuten fahren würde. Ich ging mir also noch Essen kaufen, zog mein Badezeug an und fragte nach einer halben Stunde noch einmal nach. Alle anderen saßen gemütlich draußen und warteten nur, niemand wusste, wann das Auto kommen sollte, jeder meinte, „gleich“. Glücklicherweise kam dann ein Freund von der Französin, der mich mitnahm.
Zu den Wasserfällen lief man ca. 45 Minuten. Es war das erste Mal, dass ich mich so ganz allein durch den Dschungel bewegte. Das war krass! Überall lautes Zischen, einmal knackte es laut und ein Ast fiel neben mir zu Boden.
Der Wasserfall war schön und erfrischend. Auf dem Rückweg begegnete ich dann einem Australier. Wir trampten in einem Jeep zur Schmetterlingsfarm, die aber leider geschlossen war. Also liefen wir die Straße hoch und kamen zu einer wundervollen Lodge! Das war wirklich ein Traum, inklusive Swimming Pool. Uns folgten noch drei andere Leute, eine ältere Amerikanerin, ihre Spanischlehrerin und ihr Guide. Wir blieben eine Weile oben und unterhielten uns. Die Amerikanerin fragte mich nach einer Weile, woher ich komme. Als ich Deutschland meinte, schien ihr ein Licht aufzugehen und sie meinte, sie hätte sich über mein Englisch gewundert, da es Amerikanisch, Britisch und ein Hauch von etwas anderem hatte, aber sie hätte nicht auf Deutsch getippt. Es wäre unique. Tja die Beschreibung habe ich auch noch nicht gehört.
Ihr Guide hat dann angerufen und kurze Zeit später kam tatsächlich ein Junge mit Fahrrad an, der uns die Schmetterlinge und Raupen zeigte. Er kannte sogar das deutsche Wort für Raupe. Generell scheint mir Ecuador etwas mehr touristisch zu sein als Peru, da mehr Leute etwas Englisch können. Die Leute, die ich hier treffe und die sich Peru angucken, fahren an die Strände im Norden, zwei Tage nach Lima und dann über Machu Picchu weiter nach Puno und Arequipa, woanders treiben sich Touristen in Peru wohl nicht so vermehrt rum, dementsprechend wird auch nur dort Englisch gesprochen.

Auf dem Rückweg nach Misahualli fuhren wir im Jeep von den dreien mit, aber nicht auf der Rückbank, wie angeboten, wir wollten beide hinten rauf, ins Freie.
Der Australier und ich aßen noch zusammen mit anderen Australiern, die wir zufällig trafen, dann verabschiedeten wir uns und ich ging zurück zum Touranbieter. Inzwischen waren nur noch ihr Mann und die Kinder da. Da diese noch was für die Schule erledigen mussten, guckten wir Fernsehen und der Mann erzählte mir, dass er in England Biologie studiert hat und inzwischen drei Sprachen spricht. Dennoch führt er diesen Touranbieter im Dschungel in Ecuador, irgendetwas scheint einen doch hier zu halten.
Mit dem Auto ging es dann im Dunkeln über die Brücke und zur Comunidad. Auf dem Weg habe ich mich ein wenig mit den Kindern unterhalten, sie ist 14 und geht ins Colegio in Tena und er auf die Grundschule in der Comunidad. Sie hat noch 2 Jahre bis sie auf die Universität geht, also mit 16. Ziemlich früh, meiner Meinung nach, also ich hätte das mit 16 noch nicht gepackt, aber dann wiederum ist die Uni hier ja auch eher wie eine weiterführende Schule.
Im Dunkeln ging es dann über ein Feld bis hin zur Lodge, viel konnte ich nicht erkennen, und nachdem meine Taschenlampe zwei Tage durchgängig meinen Rucksack von innen beleuchtet hat, waren jetzt die Batterien leer. Also durfte ich mit Kerze auf Toilette, viel sehen konnte man nicht, dementsprechend auch keine Tiere gefunden.
Als ich im Bett lag, kam ein komisches Gefühl über mich, so ganz allein im Dschungel, allein im Zimmer, ohne jeglichen Empfang. Irgendwann bin ich unter dem tosenden Lärm der Tiere dann eingeschlafen und 10 Minuten bevor es kein Frühstück mehr gab aufgewacht. Sie haben mir trotzdem noch eins gemacht, danach sollte eigentlich mein kleines Abenteuer beginnen, doch Janet kam und kam nicht. Ich ging dann zurück in das Pueblo, um nach ihr zu suchen, auf dem Weg dorthin wurde mir erzählt, dass ein Bus amerikanischer Touristen angekommen sei und sie sich um diese kümmert. Als ich ankam wurde ich aber eines besseren belehrt, denn dieser Bus war voller amerikanischer Mediziner, die in der Schule für einen Tag ihren Service gratis anboten. Ich wurde also auf in einer Stunde „vertröstet“ und setzte mich zu einer Schweizerin, die schon seit 4 Jahren hier wohnte. Wir unterhielten uns und sie meinte, dass es super wichtig ist für die Leute in der Comunidad, dass die Ärzte kommen, da die meisten keine Versicherung haben und dementsprechend jede Untersuchung unglaublich teuer ist. Sie selbst hatte auch Knieprobleme und wollte sich untersuchen lassen.
Kurz bevor die Ärzte anfingen, stellten sie sich auf den Rasen in einen Kreis, fassten sich an die Hände und beteten. Ich beobachtete das Geschehen aus einiger Entfernung.
Als ich mich dann in der Schule ein wenig umgeschaut hatte, ging ich mir ein Wasser kaufen. Vor dem Shop kam mir eine Gruppe Amerikaner und Ecuadorianer entgegen und eine Frau sprach mich an, woher ich komme und was ich hier genau mache. Als ich meinte, ich warte eigentlich auf eine Tour, meinte sie, dass ich mit ihnen in der Comunidad rumgehen könnte. Sie wollten den Leuten Bescheid sagen, dass es heute die Möglichkeit gibt, sich gratis untersuchen zu lassen und gleichzeitig Kleidung und Bibeln verteilen. Da ich eh noch Zeit hatte, schloss ich mich an. Wir klopften an Haustüren und ein Ecuadorianer erklärte ihnen, wie man die Bibel benutzen sollte. Die Amerikanerin erzählte mir, dass viele zwar in die Kirche gehen, aber keine eigene Bibel zu Hause hatten und auch nicht wissen würden, wie man diese benutzt. Dazu konnte ich nichts sagen, bis jetzt dachte ich immer, dass es einfach ein Buch wie jedes andere wäre, das man durchliest oder eben nicht. Dann gab es noch T-Shirts und Shorts für jeden und weiter ging es. Einige hatten tatsächlich noch nichts von den Ärzten gehört, andere waren schon mit der ganzen Familie auf dem Weg um sich an eine der langen Schlangen zu stellen. Da erzählte mir die Amerikanerin, dass sie sehr viel herumreisen und an einem Ort auf eine 4-jährige gestoßen waren, die einen halben Meter langen Wurm in sich hatte. Sie wurde sofort ins Krankenhaus überwiesen, was die Amerikaner dann bezahlt haben, da die Eltern sich das nicht leisten konnten. Sie meinten, wenn sie nur für dieses Mädchen aus den USA gekommen sind, hat sich das Ganze schon gelohnt! Später sind sie dann noch zur Familie und haben ihnen Essen vorbei gebracht, was der Mutter wohl Tränen in die Augen getrieben hat, da sie nichts mehr zu Essen im Haus hat. Da fragt man sich echt, warum man immer noch aufs Geld achtet, wenn es um ein Menschenleben geht?! Da ist es doch nun echt egal, ob Versicherung oder eben nicht. Aber so etwas wie Anlaufstellen für ganz Notbedürftige gibt es hier einfach nicht, da muss man warten, bis jemand vorbei kommt, der es gratis anbietet und hoffen, dass es nicht zu spät kommt.
Zwei Stunden später verabschiedete ich mich von ihnen und ging wieder zurück zur Lodge um ein paar Karten zu schreiben und Fotos zu machen. Ich fand eine Ameisenkolonie, die mich eine Weile beschäftigte, weil sie einfach massiv lang war und sie mir nur aufgefallen ist, weil überall herum wandelnde Blätter auf dem Boden waren.

Gegen 13 Uhr kam Janet dann vorbei und meinte, dass die Guides jetzt nicht mehr auf die Kinder aufpassen müssten und Zeit hätten mir das Leben der Quechua-Frauen näher zu bringen. Dementsprechend aß ich noch schnell eine Suppe und ein wenig Reis, bevor es dann durch den Dschungel ging.
Mein Guide holte erst eine Kakaofrucht vom Baum, dann eine Papaya. Sie öffnete die Kakaofrucht und erklärte mir, dass man das Weiße von jeder einzelnen Bohne zuerst weglutschen muss. Klingt jetzt etwas eklig, schmeckt aber wunderbar süß. Ich habe extra nachgefragt und tatsächlich ist es so, dass das mit jeder einzelnen Bohne gemacht wird, aber die Kinder scheinen das wohl zu lieben, kein Wunder. Ich hatte dann die Aufgabe während unserer weiteren Wanderung alle Bohnen freizulegen. Sie zeigte mir dann noch, wie verschiedene Pflanzen, wie Yuka und Banane umgepflanzt werden und wir stellten zusammen ein „Haarband“ für mich her, was sie mir um den Kopf band und meinte, dass ich jetzt die Königin des Dschungels wäre…haha…Danach bauten wir, naja hauptsächlich sie, noch einen Korb für mich. Das war interessant zu sehen, besonders wie sie sich ganz entspannt auf ein Blatt setzen konnte, wie klein die Ecuadorianer doch sind und was für große Pflanzen doch im Dschungel wachsen.
Später ging es zurück zur Schokoladenherstellung. Meine fertigen Bohnen wurden in die Sonne gelegt und wir nahmen schon getrocknete. Diese wurden geröstet, gemahlen (was super anstrengend war) und das Pulver mit Milchpulver und Zucker durchmengt, um dann noch einmal gemahlen zu werden. Diese feine Mischung wurde mit heißem Wasser mit Zimtgeschmack durchmengt und dann mit der frisch vom Baum geholten Papaya gegessen. Leckeres Schokoladenfondue mal eben frisch hergestellt!
Danach tanzten vier ecuadorianische Frauen für mich und luden mich bei der Hälfte ein, mitzutanzen. Ich dachte erst, es würde unglaublich peinlich für mich werden, aber da sie alle unglaublich viel Spaß dabei hatten, war es eigentlich einfach nur witzig.
Später gingen wir noch Gold waschen. Ein wenig haben wir sogar gefunden und kurz bevor es dunkel wurde und die Moskitos noch einmal so richtig zustachen, wurde noch Artesania gemacht, also Schmuck hergestellt. Ich durfte mir die Farben aussuchen und dann zeigte sie mir, wie man ein bestimmtes Armband mit Früchten des Dschungels herstellte. Also ließen wir uns durchstechen und sie erzählte mir währenddessen ein wenig von ihrer Familie. Sie ist ganz in der Nähe, nur noch tiefer im Dschungel, aufgewachsen. Ihre Mutter hat 11 Kinder gezeugt und die meisten ihrer Schwestern leben inzwischen in den Städten. Sie selbst hat 4 Kinder und meinte, dass es leider inzwischen ziemlich teuer wird, weil die Kinder in das Alter kommen, in dem sie gerne schöne Kleidung haben möchten und bei vieren wird das ziemlich schwer. Somit gibt es die Probleme wohl auch bei Dschungelkindern und nicht nur bei den Städtern. Witzig war ihr Kommentar, dass ihre Schwester wohl nur(!) drei Kinder hätte, da es in den Städten Südamerikas langsam auch immer üblicher wird als Einzelkind aufzuwachsen, was in Europa ja längst zum Alltag geworden ist.
Zwischendurch kam noch ein etwas merkwürdig aussehender Kerl hinzu, der wohl etwas verrückt war, meinte mein Guide. Als er erfuhr, dass ich Psychologie studiert habe in Lima, fragte er mich nach einer Weile, ob ich Freud oder Jung besser fände, ihm persönlich gefiele ja Jung besser. Fand ich witzig! Dann zeigte er uns seine Armbänder und sagte, wie schön er sie doch fände und verschwand wieder. Schräg!
Als es dann langsam dunkel wurde, bestellten sie mir noch das Kanu zur Überfahrt nach Misahualli, ich packte meine Sachen und ging zum Strand. Auf noch eine Nacht im Kerzenschein konnte ich verzichten, ich hatte Lust auf Strom und warmes Wasser! Im Dunkeln durfte ich dann allein mit dem Kanu über den Fluss tuckern. Das war wunderschön, man konnte nichts sehen bis sich die Lichter des Dorfes so langsam näherten – ein schöner Anblick. Nach einem guten Abendessen und ein wenig chillen an der Plaza ging es dann endlich unter die Dusche.
Ich hatte mir fest vorgenommen auszuschlafen, aber daraus wurde nichts, da schon halb 8 die Bauarbeiter auf dem Dach nebenan meinten, sie müssten anfangen irgendwelche Sägen anzuschmeißen. Nach einigem Hin- und Herwälzen entschied ich mich dann aufzustehen und den Tag einfach zu nutzen. Also beobachtete ich noch kurz die Affen an der Plaza, nahm dann den Bus nach Tena, aß dort Frühstück, holte meinen Koffer ab und los ging es wieder in die Zivilisation, nämlich nach Baños, der Gringohauptstadt Ecuadors.

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Die Perle im Süden – Arequipa (10.-12.11.2012)

Das letzte Mal weg aus Lima, bevor es endgültig nach Ecuador geht, und ich bin irgendwie froh, dass ich mir demnächst die langen Busfahrten ersparen kann. Nach 16h Nachtfahrt sind wir in Arequipa sicher angekommen. Die Strecke zählt zu einen der gefährlichsten in Peru, erst vor 2 Wochen wurde ein Bus überfallen. Aus diesem Grund hatte ich kurz vor der Abfahrt noch schnell ein Fake-portemonnaie erstellt und meine Tasche mit den Kameras weit unter den Sitz geschoben, aber es ging ja alles gut.
Mir wurde ja schon davor von Arequipa vorgeschwärmt und die Stadt kann sich tatsächlich sehen lassen. Die Peruaner bewundern ihre Sauberkeit, ich vor allem die Architektur, die Bildung der Menschen dort und einfach insgesamt das Flair. Das ganze Jahr über scheint wohl die Sonne und es sind angenehme 25 Grad, da lässt es sich leben. Man hatte einfach das erste Mal das Gefühl in einer Stadt zu sein, die völlig unabhängig von Lima agiert, begrüßt wurde man auch gleich mit dem stadteigenen Bier – Arequipeña. In der Stadt hörte man alle möglichen Sprachen, man war eben in einer Touristenstadt, dementsprechend war es auch das erste Mal für mich, dass die Peruaner tatsächlich direkt versuchten Englisch mit mir zu sprechen und umso überraschter waren, wenn sie merkten, dass wir auch Spanisch verstehen. Durch die Touristen gab es in der Stadt auch die Möglichkeit Essen aus allen möglichen Ländern zu bekommen, das erste Mal mexikanisches Essen gesichtet. Dann habe ich den ersten Peruaner getroffen, der mehr oder weniger vier Sprachen beherrschte, das war schon ein kleines Wunder.
Angekommen in Arequipa quälten wir uns im Taxi durch die überfüllte Stadt, dort wo viele Touristen sind, sind die Taxis auch immer am gefährlichsten, aber wir hatten mal wieder Glück. Im Hostel nur schnell Zähne geputzt und los ging es, zuerst in ein altes Herrenhaus, was inzwischen eine Bank beherbergt. Danach weiter in eine Klosterstadt. Dort wurden wir gefragt, ob wir einen deutschen Führer haben wollen, und tatsächlich kam uns eine Peruanerin entgegen, die perfekt Deutsch sprach mit leichtem Akzent. Sowas haut hier einfach immer wieder um!
Die Klosterstadt war riesig, wurde erst in den 1990ern für Besucher freigegeben und bis heute leben dort noch Nonnen. Es wirkte alles unglaublich mediterran. Die Wände sind in rot und blau gehalten und überall Blumen. Man fühlte sich so fern ab von Lima und sogar von Peru. Nachdem wir uns dann gefühlte 10 Zimmer und 15 Küchen angeguckt hatten, genossen wir noch die Aussicht auf die fernen schneebedeckten Berge und gingen dann weiter zum mit Palmen gesäumten zentralen Platz. Die Atmosphäre dort war so unglaublich lebendig, überall Tauben, plätschernde Brunnen, wahnsinnig viele Menschen, tobende Kinder und einige Touristen. Nach dem ganzen Trubel beschlossen Teresa, eine andere Deutsche, die ein ganzes Jahr in Lima studiert, und ich die peruanischeren Ecken Arequipas zu erkunden, die im Reiseführer als gefährlich eingetragen waren. Als wir dort durchliefen, fühlten wir uns sicherer als in den sichersten Ecken in Lima, aber vermutlich war es gefährlich für die Verhältnisse in Arequipa.
Wieder im touristischen Bezirk gingen wir in ein Museum, in dem die Mumie Juanita ausgestellt wurde. Dort durfte man keine Kameras mit reinnehmen und die Räume waren unglaublich kühl, damit die ausgestellten Gegenstände gut erhalten bleiben. Juanita wurde zwischen 1440 und 1450 auf einem Berg in der Nähe Arequipas ermordet. Sie war ein Inkamädchen und wurde nach einem Fußmarsch von über 500km den Berggöttern geopfert. Die Inka glaubten, dass für die Naturgewalten, wie der Niño (Überflutung im Norden Perus), starke Unwetter etc., als Besänftigung der Götter ein Menschenleben geopfert werden musste. Nur muss man bedenken, dass es darum ging, dass dieses Opfer dann als Repräsentant für die gesamten Inka stand und diese in ihrem Leben nach dem Tod Stolz machen sollten. So war es eben auch, dass es eine große Ehre für die Familie war, wenn ihr Kind eine Opfergabe wurde. Entdeckt wurde die Mumie erst 1995 von einem amerikanischen Archäologen, so wie fast alles in Peru in den 90ern entdeckt wurde. Das besondere ist, dass die Mumie komplett eingefroren war und somit die Zähne, Haare, Fingernägel und Organe noch komplett erhalten waren. Wir haben sie dann auch betrachten können, eingesperrt in einen Glascontainer mit zwei Schichten, eine um die Feuchtigkeit rauszuhalten und die andere um die -20°C drinnen zu lassen. War ich sehr dankbar für! Das erinnert ja an deutschen Winter, wer will das schon! Naja auf jeden Fall eins der besten Museen, in denen ich bis jetzt in Peru war. Achso Juanita ist nicht erfroren, obwohl sie nach der 500km Wanderung in Sandalen sicherlich ziemlich am zittern war, sondern wurde mit einem kräftigen Schlag auf den Hinterkopf getötet, so dass ihr Gehirn komplett auf eine Hälfte rutschte, naja damit war es dann auch ziemlich schnell vorbei für sie. Für die Amerikaner unter uns wurde dann noch erzählt, dass sie nicht leiden musste – das klassische Happy End, für die Europäer wurde ergänzt, dass man das hofft und leider noch nicht alles erforscht hat.

2 Uhr klingelte am nächsten Morgen der Wecker. Es ging in den Cañon de Colca. Nach nur einer Nacht mussten wir uns schon wieder aus dem Hostel verabschieden, alle Sachen packen und wurden dann um 3:45 (vereinbart war um 3 Uhr, als eine andere Gruppe um 3:15 Uhr abgeholt wurde und Teresa fragte, wo unser Bus bliebe, meinte der Fahrer, dass das ja noch viel zu früh wäre).
Im Bus schliefen alle, nach 3h gab es erst einmal Frühstück. Dort machten wir uns dann auch mit unseren zwei Mitreisenden bekannt, zwei Engländer. Schwierige Sprache sage ich euch! Verstehen tue ich ja noch alles, aber inzwischen formuliere ich gewisse Sätze einfach so, wie man sie im Spanischen sagen würde und Ja-/nein-Fragen beantworte ich automatisch auf Spanisch.
Unser nächster Stop war der Mirador: Cruz del Condor, wir konnten also den Kondoren beim Fliegen zuschauen und tatsächlich waren gerade dort unglaublich viele unterwegs. Die Vögel sind typisch für Arequipa und haben eine Flügelspanne von bis zu 3m, schon ziemlich beeindruckend. Besonders dramatisch wird es mit einem Teleobjektiv, wenn das Tier auf dich zufliegt und du denkst, dass es dir gleich in die Linse springt, weil es so nah scheint, dass du nicht einmal mehr fokussieren kannst. Nun wenn du die Einzige bist, die schreit, weißt du, dass du wohl mal die Kamera runternehmen solltest. Teilweise sind uns die Vögel aber doch sehr nah gekommen.
Kurz danach begann unser Weg in den Cañon. Davor gab es noch ein paar Fakten über Peru. Unser Guide fragte uns, welcher der tiefste Cañon der Welt wäre, ich meinte der Cañon de Cotahuasi, und sie gab mir Recht, denn das steht in alles Reiseführern. Dennoch meinte sie, dass es nur der größte passierbare Cañon ist, aber da im Cañon de Colca 8km nicht betretbar sind, ist das der tiefste der Welt. Dann ging es um die verschiedenen Früchte in Peru und sie meinte, dass hier viel Tuna zu finden ist. Tuna ist eine Kaktusfrucht und daraus entsteht unglaublich leckerer (unglaublich süßer) Saft. Außerdem wird es für Make-Up und Nagellack verwendet, was sie dann gleich auf meinen Nägeln demonstrierte.
Danach ging die Wanderung los. Erst ging es ewig bergab in den Cañon hinein, dann liefen wir relativ eben durch zwei Dörfer durch, immer steil am Abhang entlang, bis es dann in ein kleines Touristenviertel mitten im Cañon ging, wo unsere Bungalows waren. Nebenan gab es einen Pool, der leider inzwischen extrem kalt war, weil die Sonne eine halbe Stunde vorher verschwunden war. Alle trauten sich rein, nur ich nicht, bis ich das Gleichgewicht verlor. Nach kurzer Zeit ging es im Wasser, nur wieder draußen zu sein, war hart! Ich hoffte auf warme Duschen und freute mich tierisch, als es sich so unglaublich warm anfühlte, erst als es über meinen Kopf lief, der nicht im eisigen Poolwasser war, merkte ich, dass das Wasser eigentlich arschkalt war.
Beim Abendessen meinte der Engländer, dass ich wohl doch noch ins Wasser wäre, meinem Schrei nach zu urteilen. Daraufhin meinte seine Freundin, dass er nie friert. Klärte sich dann auch alles schnell auf, denn er war bei der Marine und sie bei der Army. Dementsprechend auch logisch, dass die uns den Weg über ständig weggerannt sind. Ich dachte schon irgendwas läuft hier doch falsch, wieso erzählen uns die Britten, dass sie demnächst viele Wochenendausflüge machen wollen um Europa besser kennen zu lernen und sind dazu noch so sportlich, wenn dem Durchschnittsbritten sein eigenes Land und einmal Spanien alle zwei Jahre völlig genügen. Ausnahmen gibt es immer wieder.

Am nächsten Morgen ging es dann um 4:30 Uhr ohne Frühstück los, 3h Bergaufstieg bevor die Sonne aufgeht. Gute Idee, wenn man bedenkt, dass wir am Abend davor ständig Motten aus unserer Suppe fischen mussten. Aber nach kurzer Zeit musste ich gleich die erste Pause machen und mir erst einmal mit Keksen den Magen vollschlagen, um die Kraft zu haben weiter zu gehen. Tatsächlich schaffte ich es in drei Stunden den Berg hoch, die letzten 5 Minuten im strahlenden Sonnenschein, und sowohl mein letzter Keks als auch der letzte Schluck Wasser reichten gerade so bis zum Frühstück.
Nach diesem ging es dann im Bus wieder Richtung Arequipa. Zwischendurch wollten wir zum Fotos machen halten, doch leider hatte ich beim Frühstück zu viel getrunken und musste nach 10 Minuten wieder auf die Toilette. Dann wandelte sich die Straße auch noch von asphaltiert zu Buckelpiste und ich klammerte mich an Teresas Sitz fest. Es gab weit und breit keine Toilette und überall waren Touristenbusse unterwegs. In Peru ist es auch alles andere als üblich für eine Frau in der Öffentlichkeit auf Klo zu gehen. Egal wie dreckig das Plumpsklo auch ist, es wird immer lieber genommen als die Natur. Bis zum ersten Aussichtspunkt musste ich also aushalten, dann zeigte mir ein Guide einen kleinen Stein, hinter dem ich mich verstecken könnte und lachte laut. Der dachte wohl nicht daran, dass ich das tatsächlich machen würde.
Unser nächster Stopp waren Schwefelbäder und da ich einen mörderischen Muskelkater vom Wandern hatte, war das genau das Richtige. Schön bei 38°C Wassertemperatur entspannen, nach 30 Minuten denkst du dir, du kippst gleich um, wenn du aus der riesigen Badewanne kommst. Kurz danach durften wir den typischen Pisco Sour der Region probieren, nur wurde dieser anstelle von Limonensaft mit einer regionalen sauren Frucht gemacht. Der war gut! Nach einem Touristenfoto mit Lama, Hut und Vogel musste ich erst einmal schlafen, der Alkohol hatte mich leicht umgehauen bei der Hitze.
Zum Mittagessen gab es Buffet, wo wir endlich Alpaka probieren durften. Leider nicht mein Fall, weil es einfach unglaublich sehnig ist. Der Geschmack ist okay, aber Rind ist schon besser. Der nächste Stopp war ironischer weise eine Alpakafarm. Auf dem Weg nach Arequipa liefen aber auch viele frei herum, nur sind die Tiere wirklich unglaublich scheu.

Zurück in Arequipa zogen wir uns um, packten unsere Sachen um und ich putzte mir noch schnell bei McDonalds die Zähne um dann wieder in den Nachtbus Richtung Lima zu steigen. Diesmal hatten wir leider fast 2h Verspätung, weshalb ich meine Vorlesung verpasste. Also ließ ich mir von Cruz del Sur, unserer Busgesellschaft, einen Zettel ausstellen, dass wir zu spät waren. Zu Hause angekommen arbeitete ich zwei Tage durch um all das aufzuholen, was ich verpasst hatte. Immerhin fehlten mir inzwischen sechs Tests in einem meiner Fächer, dafür musste ich zwei Textanalysen durchführen. Mittwochabend hatte ich sie dann auf Englisch fertig, aber keine Zeit mehr, sie auf Spanisch zu übersetzen, also rein in den google Übersetzer und schnell alles ausgedruckt. Im Unterricht habe ich dem Prof das dann auch ehrlich erzählt, dass er wohl lieber den englischen Teil lesen sollte. Daraufhin meinte er, dass sich mein Castellaño deutlich verbessert hat. Die Meinung wird sich wohl ändern, wenn er meine Texte gelesen hat. Er meinte dann, was wir wegen meinen restlichen fehlenden Noten machen. Daraufhin leierte ich meine Standardantwort runter, dass ich doch nur ein Semester hier wäre und das aus eigenem Interesse mache und man deshalb nicht so streng sein sollte. Er lachte nur und gab sein okay. So einfach kann es hier gehen.
Am nächsten Tag durfte ich die Erfahrung noch einmal machen. Theoretisch stand eine mündliche Prüfung an, was ich aber erst zwei Tage vorher erfahren hatte und noch nichts dazu vorbereitet hatte. Er fragte mich, was man unter Depression verstehe. Ich antwortete erst nichts und die anderen versuchten verzweifelt die Frage ins Englische zu übersetzen, bis der Professor meinte, dass mein Examen nächste Woche auf Englisch sein würde. Daraufhin meinte ich, dass mir das leider auch nicht helfen werde. Das verblüffte ihn und meine Erklärung begann: Ich studiere Wirtschaftspsychologie und hatte noch nie klinische, dementsprechend fehlt mir jegliches Vorwissen über Psychosen etc. Schon im Zwischenexamen kamen Fragen dran, die ich gar nicht beantworten konnte, weil ich so etwas noch nicht gehabt hatte. Mit dem Wissen, was ich mal gehört hatte, habe ich zumindest bestanden und besser abgeschnitten als einige meiner Freunde hier, aber das macht mich doch noch lange nicht glücklich. Daraufhin durfte ich dem Prof erzählen, welche Module wir in Deutschland machen und wie unterschiedlich doch unser Verständnis von Universität ist. In Deutschland studiert man, weil es einem Spaß macht, man macht es freiwillig, hier machen die Studenten nur das Nötigste und eben auch nur, weil sie dann bessere Berufschancen haben. Beide Seiten sind allgemein formuliert, natürlich findet man auch Ausnahmen. Bloß aus diesem Grund vergreifen wir uns als Deutsche auch ständig in der Wortwahl und sagen, wie gehen zur „Schule“ bzw. die „Schüler“ müssen anwesend sein, weil es eben ein Schritt zurück in die Schulzeit ist.
Nach dem Gespräch hatte der Prof seine Frage über die Depression vergessen und versprach mein finales Examen auf meine Kenntnisse und auf die Folien zu beschränken.

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